Über die Wirtschaft im Norden Kameruns schreibt das Deutsche Kolonial-Lexikon – das Lexikon verwendet noch die veraltete Schreibweise Tsadsee statt Tschad-see:
Im Gegensatz dazu (Die Kulturpflanzen der Waldrand-neger) ist die Hauptpflanze der Graslandneger die Hir-se, während alle anderen dagegen zurücktreten. Hinzu kommen Mais, Yams, Reis und Erdnüsse. Im Tsadsee-tiefland wächst der Reis wild und wird auch schon an-gebaut, ebenso wie der Weizen. Die Hauptnahrungs-pflanze ist aber auch hier die Hirse. Wie gesagt, ist keine dieser Lebensmittelpflanzen als Handelsprodukt wich-tig. … Ebenso spielt die Ausfuhr aus der im Graslande und weiter im Norden bestehenden Vieh- und Pferde-zucht der Eingeborenen eine geringe Rolle. Im Jahre 1911 wurden im Residenturbezirk Adamaua 255.500, im Resi-denturbezirk der Tschadseeländer 80.000 Stück und im Verwaltungsbezirk Banjo 60.000 Stück Zeburinder und in den übrigen Bezirken im ganzen etwa 10.000 Stück buckellose Rinder gezählt. Die frühere Ausfuhr nach den englischen und französischen Nachbargebieten hat in den letzten Jahren aufgehört und ist nach dem fleischarmen Urwaldgebiete Kameruns gegangen. Die Pferdezucht ist auf Adamaua und die Tsadseeländer beschränkt. Es wurden im ganzen etwa 14.000 Pferde und 2000 Ponys gezählt. Rationelle Vieh- und Pferde-zucht wird von den Eingeborenen bisher nur in gerin-gem Maße betrieben. Die Bestrebungen der Regierung gehen dahin, durch Errichtung eines Gestütes in Ada-maua und durch Einrichtung von Rindviehzuchtstatio-nen sowie durch Belehrung der Eingeborenen eine Höherzüchtung herbeizuführen und durch eine Ver-mehrung des tierärztlichen Personals den manchmal verheerend auftretenden Tierseuchen, vor allem der Lungenseuche beim Rindvieh, entgegenzuwirken.