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Wirtschaft XI

Das Deutsche Kolonial-Lexikon über die Wirtschaft auf den Marianen:

»Die Hauptinseln sind Saipan, Tinian, Rota, und sodann kommen für den Handel noch Anatahan, Alamagan, Pa-gan und Agrigan in Frage. Der Haupthandelsartikel in den Marianen ist, wie überall in der Südsee, die Kopra. Der Hauptort für den Handel ist Garapan auf der Insel Saipan, dort sind vier Handelsfirmen und zwar 1 deut-sche, 2 japanische und 1 spanische tätig. Für die Einfuhr kommen dieselben Artikel in Frage, wie in den Karo-linen. Es sind vor allen Dingen Nahrungsmittel, Kon-serven, Kleiderzeuge, Haus- und Wirtschaftsgegenstän-de, Handwerkszeuge und dergleichen, die von den Ein-geborenen gekauft werden. Außer den erwähnten Han-delsgesellschaften befinden sich europäische Unterneh-mungen auf den Inseln nicht.«

Bezirksamtmann Georg Fritz läßt Pflanzungen anlegen und fördert die Gründung von kleinen Unternehmen durch geschäftstüchtige Chamorro und die wenigen deutschen Siedler auf den Marianen.

Auf einigen der Inseln der nördlichen Marianen wer-den von Japanern Seevögel gejagt, um ihre Federn über Japan nach Paris als Schmuck für Damenhüte zu ver-kaufen. 

Die Eingeborenen kultivieren außer der Kopra vor allem Süßkartoffeln, Taro, Yams, Bananen sowie auch Oran-gen, Mais, Tabak, Erdnüsse, Zuckerrohr, Brotfrucht und etwas Kaffee. Rinderzucht wird auf den Inseln Rota und Saipan betrieben.

Nach den Taifunen des Jahres 1905 werden auf Anre-gung von Bezirksamtmann Fritz von den Bezirksämtern der Marianen und der Westkarolinen einige Karoliner von den niederen Atollen zu den Marianen gebracht, in der Annahme, daß sie dort bessere Lebensbedingungen finden werden. Diese spontane Maßnahme führt zu der Überlegung, daß die Ansiedlung von Karolinern die wirtschaftliche Entwicklung der dünn besiedelten Mari-anen fördern könnte. Von 1905 bis 1911 werden zumeist gegen ihren Willen 1000 Karoliner auf den Marianen angesiedelt. Die Karoliner vertragen die Veränderung der Umwelt und des kühleren Klimas schlecht. Viele der Umsiedler werden krank, und die Sterblichkeit ist er-schreckend hoch.     

Die Wirtschaft auf den Marianen ist nur schwer anzu-kurbeln. Die Bevölkerung ist an reine Selbsterhaltungs-wirtschaft gewöhnt und kann nur schwer zu Lohnarbeit bewogen werden. Die Einführung einer Kopfsteuer zur Finanzieren der öffentlichen Arbeiten wie Straßenbau und der Anreiz durch importierte Konsumgüter, die hauptsächlich aus dem verhältnismäßig nahen Japan kommen, schaffen langsam einen Wandel. Aber für ei-nen wirtschaftlichen Aufschwung ist die Bevölkerung zu gering, und es wird auf verschiedenen Wegen versucht, die Einwanderung zu fördern und damit hauptsächlich Arbeiter für die planmäßig angelegten Kokosplantagen zu gewinnen. Am erfolgreichsten ist das Werben um Chamorros von der amerikanischen Marianeninsel Gu-am. Viele Chamorros waren vor den Grausamkeiten in der Endphase der spanischen Herrschaft auf den Mari-anen ins amerikanische Guam geflüchtet. Die in Jahr-hunderten unter spanischer Herrschaft katholisierten Chamorro leiden nun unter den antikatholischen Kampagnen der amerikanischen Herren auf Guam und kehren in die nun deutschen Marianen zurück.


Ein großes Unternehmen auf den Marianen ist die Pagan-Gesellschaft. Die Insel Pagan ist mit den kleine-ren Nachbarinseln Alamagan und Agrigan an die Pagan-Gesellschaft verpachtet, die vorwiegend mit Kopra han-delt. In geringerem Umfang werden auf den verpach-teten Inseln auch Mais, Süßkartoffeln, Ananas und Ba-nanen angebaut, aber auch Tabak, Maniok und Baum-wolle. Die Gesellschaft ist vertraglich verpflichtet ihre Anpflanzungen auf den Inseln beständig auszuweiten. Agrigan wird von den Inselpächtern als die fruchtbarste der drei gepachteten Inseln angesehen. Bezirksamt-mann Georg Fritz schreibt:

»Pächterin ist die aus zwei Chamorros und einem in Sai-pan ansässigen und verheiratheten Japaner bestehen-den Gesellschaft Págan, die auf einem eigenen Segel-schiff die Kopra nach Japan verschifft. Der jährliche Pachtpreis für die drei Inseln Alamágan, Págan, und Agrigan beträgt 8000 Mark; ohne besondere Vergüns-tigungen haben die Pächter vielmehr eine Reihe weite-rer für die Verwaltung werthvoller Verpflichtungen übernommen und gehen bereitwillig auf alle Wünsche derselben in Bezug auf die Pachtinseln, die Benutzung ihres Schiffes zu dienstlichen Zwecken u.s.w. ein.«

Im Mai 1901 besucht Bezirksamtmann Georg Fritz die Insel Pagan. Er schreibt:

»Eine Arbeiterbevölkerung von 137 Seelen wohnt in etwa 30 Hütten… Sie reicht jedoch zur vollständigen Einbrin-gung der Kopraernte nicht hin; die Jahresproduktion beträgt etwa 200 Tonnen.«

Fritz beschreibt Pagan zusammen mit der Hauptinsel Saipan der deutschen Marianen als »ihre werthvollsten Inseln«, sieht aber gleichzeitig ihre »Nutzbarmachung« als nicht voll gegeben »so lange ihre Bevölkerung eine so geringe ist wie heute«. 

1905 wird statt des Japaners ein Deutscher Mit-Gesell-schafter in der Pagan-Gesellschaft. Im Juli und Septem-ber 1905 und im September 1907 zerstören schwere Taifune die Kokospflanzungen des Unternehmens.

Nach Schätzungen von 1912 sind auf Pagan 385 Hektar Kokospflanzungen vorhanden. Im Dezember 1913 richtet ein Taifun erneut schwere Zerstörungen in den Kokos-pflanzungen an. Hierdurch gerät die Pagan-Gesellschaft in wirtschaftliche Schwierigkeiten, sodaß die Pflanzun-gen nicht mehr systematisch bewirtschaft werden kön-nen.