Kategorien
Wirtschaft und Verkehr XVI

Im Deutschen Kolonial-Lexikon erfahren wir über Bukoba:

Bukoba, Ort und Residentur in Deutsch-Ostafrika an der Westküste des Victoriasees. 1. Der Ort Bukoba war früher Militärstation, jetzt Sitz der gleichnamigen Resi-dentur, Haltestelle der den See befahrenden Dampfer, mit kleinem Bootshafen. Die Dampfer liegen auf der durch ein paar kleine, östlich vorgelagerte Inseln nur schlecht geschützten Reede. Das ist deshalb bedauer-lich, weil Bukoba die Pforte für das dicht bevölkerte, freilich vorläufig noch für den Handel verschlossene Zwischenseengebiet ist (Zwischenseengebiet wird der Nordwesten von Deutsch-Ostafrika, das Gebiet zwischen Victoriasee, Kiwusee und Tanganjikasee genannt). Das Fort des Residenten liegt hübsch auf kleiner Anhöhe, weitläufig zerstreut sind die Niederlassungen einiger europäischen und indischen Firmen sowie die von Bananen umgebenen Hütten der Eingeborenen. Die Regenmenge beträgt 2009 mm im 12jährigen Mittel. Bukoba ist Standort der 7. Kompagnie der Schutztruppe, hat Post, Funkentelegraphenverbindung mit Muansa. Der Handel, der sich seit Eröffnung der Ugandabahn im Jahre 1903 entwickelt hat, ist recht bedeutend; Bukoba hat 1912 hierin erstmals Muansa übertroffen, dem durch die Zentralbahn ein Teil des Hinterlandes abgezogen worden ist. Die Werte betrugen in Mill. M 1912: Einfuhr 2,596, Ausfuhr 2,828, insgesamt 5,424 Millionen Mark. Unter anderem wurden eingeführt Textilwaren und Bekleidungsgegenstände im Werte von 1,849, Metallwa-ren im Werte von 0,287, ausgeführt Kaffee, der meist in Eingeborenenkulturen gewonnen wurde (1912: 382.330 Bäume im Bezirk Bukoba), 672½ t im Werte von 0,749, tierische Rohstoffe (meist Häute, auch Wachs) im Werte von 1,882 Mill. M. 1912 war der Gesamthandel auf 5,42 Mill. M gestiegen, wovon auf die Einfuhr 2,59 Mill., auf die Ausfuhr 2,82 Mill. entfielen. In Bukoba sind etwa 30 Handelsfirmen vertreten, darunter 8 europäische, 15 indische.

2. Die Residentur Bukoba umfaßt mit ihrer Fläche von rund 32.200 qkm die großen Landschaften Karagwe, Ussuwi, die Nordwesthälfte von Usindscha sowie eine Reihe kleinerer, von Häuptlingen (Sultanen), meist vom Stamme der Wahuma, unter Aufsicht des Residenten regierter Landschaften, die unter dem Namen Kisiba oder Uheia zusammengefaßt werden. Am Kagera liegt der Posten Kifumbiro, in Ussuwi ein zweiter. Die Zahl der Eingeborenen im Bezirk wird Anfang 1913 auf 270.500 geschätzt, die der nichteinheimischen Farbigen betrug 229, die der Europäer 109. In Bukoba gab es 1913: 6 Missionsstationen (Weiße Väter), etwa 50 Handels-firmen, 7 Farmer, die sich fast nur mit Kaffeebau (1912: 179 ha unter Kultur) beschäftigen. 1908 waren 38 qkm Landes an Europäer verpachtet oder verkauft; 1909/12 wurden vom Gouvernement 4 qkm verkauft, 13 ver-pachtet. Die Europäer besaßen 1913: 4151 Rinder, die Eingeborenen 66.590 Rinder, 55.700 Stück Kleinvieh.