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Wirtschaft und Verkehr XV

Das Deutsche Kolonial-Lexikon beschreibt Wirtschaft und Verkehr der Marshallinseln:

»Der Handel in den Marshallinseln beruht in der Haupt-sache auf dem Stapelprodukt der Südsee, der Kopra. Das größte Handelsunternehmen in der Inselgruppe ist die Jaluit-Gesellschaft, die auf den verschiedenen Inseln Händler angestellt hat, um von den Eingeborenen die Kopra aufzukaufen. Außer der Jaluit-Gesellschaft be-treibt auch noch die englische Firma Burns, Philp & Co., welche alle 2 Monate von Sydney aus ein Schiff nach den M. laufen läßt, Handel in der Gruppe. Daneben sind noch einige kleinere, selbständige Händler in den M. tätig. … Außer Kopra gelangten noch in geringem Maße Haifischflossen und Perlschalen zur Ausfuhr. … Bei der Einfuhr nehmen wie in den übrigen Inselgruppen der Südsee Nahrungsmittel, Gewebe und Bekleidungs-stücke, Eisenwaren, Holz und Baumaterialien den brei-testen Raum ein. An europäischen Pflanzungsunterneh-mungen ist vor allen Dingen, wieder die Jaluit-Gesell-schaft zu erwähnen, außer ihr haben aber auch noch auf einzelnen Inseln einige Ansiedler Pflanzungen angelegt. So befinden sich solche namentlich auf den Inseln Likieb, Ujelang und Eniwetok. Die Gesamtfläche der Pflanzungen, die ausschließlich aus Kokospalmen beste-hen, beläuft sich auf rund 2500 ha. Auch die Eingebo-renen haben in den letzten Jahren angefangen, die Kopra regelmäßiger anzupflanzen. Sie beschäftigen sich außer mit der Anlegung von Kokospalmpflanzungen noch mit Fischfang und bringen auch, wie schon er-wähnt, in geringem Umfang Haifischflossen und Perl-schalen an. Zum eigenen Bedarf pflanzen sie die auch auf den anderen Inseln üblichen Knollenfrüchte. ─ In den M. gilt das deutsche Münz- und Währungssystem. Banken bestehen auf der Gruppe noch nicht. ─ Den Verkehr mit der Inselgruppe und der Außenwelt vermit-telt der Reichspostdampfer Germania der Jaluit-Gesell-schaft. Daneben besteht eine regelmäßige zweimonat-liche Verbindung durch die Dampfer der Firma Burns, Philp & Co. in Sydney. Für den Auslandsverkehr geöffnet sind die Häfen von Jaluit und Nauru. Den Verkehr in der Gruppe selbst vermitteln verschiedene Motor- und Segelschoner der daselbst handeltreibenden Gesell-schaften und Ansiedler.«

Das Deutsche Kolonial-Lexikon über die Jaluit-Gesell-schaft:

»Zurzeit [1914] besteht der Schiffspark der Gesellschaft aus 3 Motor- und 2 Segelschonern. Überdies unterhält die Firma seit dem Jahre 1899 eine vom Deutschen Reich subventionierte Postverbindung durch ihren Dampfer Germania, und zwar verkehrt dieser Dampfer, ausge-hend von Hongkong einerseits und Sydney anderer-seits, in 8wöchentlichen Abständen zwischen den Karo-linen, Marianen, Marshallinseln und dem Bismarck-archipel.«

Aus den Mitteilungen der Gesellschaft für Erdkunde und Kolonialwesen zu Straßburg im Elsaß für das Jahr 1913 erfahren wir:

»Auf den Marshall-Inseln ist andererseits darangegan-gen worden, das umfangreiche brachliegende Land fest-zustellen und seiner künftigen Ausnützung allmählich in ähnlicher Weise entgegenzuführen, wie die durch Versiedelung frei werdenden niedrigen Atolle der Karo-linen, das heißt durch Verpachtung an kapitalkräftige Unternehmer.«


Über das wirtschaftliche Zentrum der Marshallinseln, dem Jaluit-Atoll, weiß das Deutsche Kolonial-Lexikon 1914 zu berichten:

»Die Hauptinsel Jabor ist Auslandshafen, und es befindet sich auch eine Postagentur daselbst. Telegraphen- oder Telefunkenstationen bestehen auf der Insel noch nicht. Die weiße Bevölkerung auf der Insel beläuft sich auf ca. 30 Personen. Sie verteilt sich auf die Regierungsbe-amten, die Angehörigen der Missionen und die Ange-stellten der Jaluit-Gesellschaft, des einzigen europäi-schen Unternehmens, das auf Jaluit besteht.«

Die Reede von Jaluit wird auch von Phosphatdampfern genutzt, die eigentlich die Phosphat-Insel Nauru als Ziel haben, dort aber wegen der ungünstigen örtlichen Ver-hältnisse keine Ankergelegenheit haben und oft Wo-chen auf die Beladung warten müssen. So nutzen sie die sichere Lagune von Jaluit zum Ankern für die Wartezeit bis zur Fahrt nach Nauru für die Beladung mit Phosphat.