Der Deutsche Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahr-buch von 1914 schreibt im Kapitel »Die Entwicklung Deutsch-Südwestafrikas im Jahre 1913«:
»Was wir im letzten Jahre als Wunsch äußerten, scheint in Erfüllung gehen zu sollen: Das Schutzgebiet erhält eine Bahn in das Amboland, deren Endpunkt westlich der Etosch-Pfanne liegen wird, nur noch 150 km vom Kunene entfernt. Wenigstens hat der Landesrat des Schutzgebietes in einer außerordentlichen Tagung im November die Mittel hierfür bewilligt. Hoffentlich ver-schließt sich auch der Reichstag nicht der Notwendig-keit, diesen Schienenweg zu legen.
Bei der dünn gesäten farbigen Bevölkerung, die ohne die Owambos noch nicht einmal auf 70.000 Köpfe anzu-setzen ist, brauchen unsere wirtschaftlichen Betriebe, insbesondere die Diamantengruben des Südens, einen Zuzug farbiger Sachsengänger und hierfür können bis auf weiteres nur die Owambos in Frage kommen. An-fang 1913 strömten sie wieder in stärkerer Zahl südwärts, so daß über 9.000 Arbeiter aus dem Norden unserer Kolonie einwanderten. Wenngleich wohl die Farmer und Diamanteninteressenten noch immer über Arbei-termangel klagen, so sollte das nicht zu Bemühungen führen, Arbeiter aus Togo, Kamerun und Ostafrika ein-zuführen, wo sie selber dringend notwendig sind. Die Regierung hat die Sachsengängerei der Owambos er-leichtert, indem sie in Outjo und Windhuk Unterkunfts-häuser errichtete. Seit Fertigstellung der Nord-Süd-Bahn benutzen sie diese zum Wege nach Lüderitzbucht und Umgebung.«
Die alljährliche Wanderung von Owambos in die Be-reiche der Kolonie, die Arbeitskräfte brauchen, die der Kolonial-Atlas beschreibt, und der mit dem im Septem-ber 1914 begonnenen Bau der Ambolandbahn erleichtert werden soll, hat als Vorteil auch die geringen Löhne der Owambos. Beispielsweise erhalten die im Diamanten-gebiet viel beschäftigten Kapjungen dreimal so hohen Lohn wie die Owambo und deren Lohn fließt natürlich größtenteils ins Ausland ab wie eben nach Südafrika. Die Arbeitskräfte aus dem volkreichen Ovamboland mit seinen rund 200.000 Köpfen zusammengenommen im portugiesischen und deutschen Teil des Ovambolandes wirbt man daher mit Vorliebe und namentlich für die Diamantenfelder und Kupfergruben an. Einer Vermeh-rung des Ovambozuzuges steht aber der Übelstand eines rund 400 km langen Fußmarsches durch unbesiedeltes Gebiet bis zur Eisenbahn entgegen, auf dem die Leute vielfach teils infolge räuberischer Überfälle durch Buschleute zugrunde gehen. Wenn nach Herstellung der Ambolandbahn jeder Owambo, der zur Arbeit zieht, auf jeder Reise durchschnittlich zehn Marschtage er-spart, heißt daß, das sie entsprechend auch zehn Tage jedes Jahr länger arbeiten können.