Das Deutsche Kolonial-Lexikon über die Wirtschaft und den Verkehr der Westkarolinen:
»Der Handel in den Westkarolinen beschränkt sich, wie auch in den übrigen Teilen der Südsee, in der Haupt-sache auf den Ankauf von Kopra von den Eingeborenen. Ursprünglich vollzog sich dieser Kauf lediglich im Wege des Tausches. Dabei waren das Haupttauschmittel der amerikanische Stangentabak und daneben die sonstigen von den Eingeborenen begehrten Gegenstände, wie Lawas (Hüftentücher), Messer, Beile und dergleichen. Der Koprahandel ist kein bedeutender, da die Kokos-palmenbestände im Gebiete der Westkarolinen, so namentlich auf Jap und den Palauinseln jahrelang in erheblichem Maße durch die Schildlaus beschädigt wor-den sind. Außer Kopra kommen für den Handel sodann noch in geringem Umfang Steinnüsse, Schildpatt, Perl-mutterschalen und Haifischflossen in Frage. Die Aus-fuhr aus den Westkarolinen (einschließlich den Palau-inseln und Marianen), betrug 1912 an Kopra 1.103.059 kg im Werte von 301.827 M, 7190 kg Trepang im Werte von 3513 M, 1508 kg Tabak im Werte von 3566 M, 50 kg Schildpatt im Werte von 2000 M, 1127 kg Haifisch-flossen im Werte von 563 M, 71.415 kg Perlmutter-schalen und andere Muscheln im Werte von 23.605 M. Neben diesen Handelsartikeln nimmt den breitesten Raum in dem Ausfuhrhandel das Phosphat ein, das auf der zur Westkarolinen-Gruppe gehörigen Insel Angaur gewonnen wird und im Jahre 1912 in einer Menge von 54.400.000 kg im Werte von 1.523.200 M verschifft wurde. Der Wert der Einfuhr nach den Westkarolinen, Palauinseln und Marianen betrug 1912 1.372.587 M, die sich in der Hauptsache außer auf Bau- und Nutzholz auf Proviant aller Art, wie Körner, Hülsenfrüchte, Fleisch, Fische und sodann noch Metallwaren verteilt. Im übri-gen sind die Einfuhrgegenstände die gleichen wie im übrigen Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea. Die Haupt-handelsfirma in den Westkarolinen ist die Westkaro-linen-Gesellschaft m.b.H., die die frühere Firma O’Keefe in Jap aufgenommen hat und unter der Führung der namentlich in den Ostkarolinen und den Marshallinseln tätigen Jaluit-Gesellschaft den Handelsbetrieb und die Anlage von Kopraplantagen bezweckt. Sonst sind noch einige kleinere Händlerstationen auf den Inseln vor-handen. Von eigentlichen europäischen Unternehmun-gen kommt außer der eben genannten Westkarolinen-Gesellschaft m.b.H. nur noch die Deutsche Südsee-Phosphat-Aktiengesellschaft auf Angaur in Frage. Die Eingeborenenproduktion beschränkt sich, wie auch sonst in der Südsee, in der Hauptsache auf die Gewin-nung von Kopra. In geringem Umfang bringen sie noch Perlmutterschalen und Schildpatt sowie etwas Trepang an, im übrigen pflanzen sie für den eigenen Gebrauch außer Kokosnüssen namentlich Bananen, Ananas, Süß-kartoffeln sowie andere Knollenfrüchte, ferner Zucker-rohr, Brotfrucht und Betelnüsse (letztere zum Kauen). Die europäische Bevölkerung in den Westkarolinen, einschließlich der Palauinseln und Marianen, belief sich am 1. Januar 1913 auf 195 Personen, darunter 157 er-wachsene Männer und 23 Frauen. Der Staatsangehörig-keit nach verteilen sich diese auf 81 Deutsche, 67 Japa-ner, je 3 Engländer und Spanier und je einen Holländer und Nordamerikaner, und sonstige Amerikaner. Über die Eingeborene Farbige Bevölkerung liegt eine Zählung vom Jahre 1911 vor, die im ganzen rund 15.000 Köpfe ergab. Außerdem leben auf den Westkarolinen 192 Cha-morros, 389 verbannte Ponapeleute und 37 Mischlinge. Den Verkehr der Inselgruppe mit der Außenwelt ver-mittelt der Reichspostdampfer Germania der Jaluit-Gesellschaft, der sechsmal jährlich die Plätze Jap und Saipan und nach Bedarf auch andere Plätze berührt. Überdies laufen in Jap vierwöchentlich die Reichspost-dampfer der Austral-Japan-Linie des Norddeutschen Lloyd, die auch 8 wöchentlich Angaur berühren. Durch die Kabelstation der Deutsch-Niederländischen Tele-graphengesellschaft in Jap sind die Westkarolinen an das Welttelegraphennetz angeschlossen. Außerdem be-findet sich auf Jap noch eine große drahtlose Station, die für den Verkehr mit gleichen Stationen in Nauru und Rabaul bestimmt ist. Eine kleine drahtlose Station ist überdies noch in Angaur für die Zwecke der Deutschen Südsee-Phosphat-Aktiengesellschaft errichtet. Postan-stalten bestehen, in Jap, Saipan, Angaur, Korror. Der Schiffsverkehr umfaßte im Jahre 1912 für die Westkaro-linen einschließlich Palau und Marianen 95 Dampfer mit einem Gehalt von 135.981 Registertonnen, ferner 43 Segelschiffe mit 7713 Tonnen. Von den Dampfern liefen 10 mit einem Tonnengehalt von 43.186 Registertons unter nichtdeutscher Flagge. Der Verkehr zwischen den einzelnen Inseln vollzieht sich, abgesehen von den eben erwähnten Dampfern durch Segel- und Motorschoner der einzelnen Gesellschaften sowie vermittelst der Boote der Eingeborenen. Die bedeutenderen Inseln, wie Jap, Saipan und namentlich die Palauinseln, sind für den Inlandsverkehr nach Bedarf von Wegen durchzogen.«
Mit den Umsiedlungen von Teilen der Bevölkerung von einsamen oder durch Taifune gefährdeten Inseln auf andere Inseln wird auch brachliegendes und freigewor-denes Land erfaßt, um es einer wirtschaftlichen Nut-zung als Plantagenland zuzuführen. Die 1911 in Hamburg gegründete Westkarolinen-Gesellschaft hat mit der Anlegung von Plantagen auf dem freien Land in den Westkarolinen begonnen und für die Ostkarolinen ist ein ähnliches Unternehmen in Aussicht genommen. Dafür betreibt die Hamburger Gesellschaft eine Zweig-niederlassung in Jap in den Westkarolinen.
Gegenstand des Unternehmens ist die Pachtung und der Erwerb von Ländereien auf den Westkarolinen, die Bewirtschaftung derselben, insbesondere die Gewin-nung von Kopra, der Verkauf von Kopra, die Perl-fischerei und der Betrieb sonstiger Handelsgeschäfte.
Die Westkarolinen-Gesellschaft hat auch das in Jap an-gesiedelte Geschäft des verstorbenen Amerikaners iri-scher Abstammung David Dean O’Keefe übernommen.
Im 1914 fertiggestellten Deutschen Kolonial-Lexikon erfahren wir über die 210 km östlich von Jap gelegene Insel Fais:
»Fais, Feis, Astrolabe oder Tromelin, ein circa 20 m hoch gehobenes fruchtbares und bewohntes kleines Atoll der westliche Karolinen mit reichen Phosphat-lagern, deren Abbau der Deutschen Südseephosphat A.G. in Bremen im Wege einer Konzession übertragen worden ist. Mit dem Abbau ist noch nicht begonnen, doch ist beabsichtigt, den Betrieb daselbst spätestens in 2 Jahren aufzunehmen. Der Phosphatvorrat wird auf 300.000 – 600.000 Tonnen geschätzt. Die 400 kräftigen Einwohner sind auf 3 Dörfer verteilt.«