Viktoria, manchmal auch noch auf die alte englische Weise Victoria geschrieben, ist eine der drei großen Hafenstädte von Kamerun. Sie liegt am landschafts-beherrschenden Kamerunberg, an dessen Hängen deut-sche Plantagengesellschaften ihre Pflanzungen haben.
Am 20. Juli 1905 fährt Dr. Ludwig Külz auf einem Dampfer nach Viktoria:
»Beim Morgengrauen näherten wir uns der Rede von Viktoria. Mit dem anbrechenden Tage fuhren wir durch die beiden vorgelagerten Inseln Mundole und Ambaß-eiland in die weite, halbkreisförmige Bucht ein. Der Eindruck dieses Morgens wird mir unvergeßlich blei-ben. Das Meer, ein gigantisches Hochgebirge und düs-terer Tropenurwald von der aufgehenden Sonne be-leuchtet, auf einem Bilde vereint, ein gewaltiges Pano-rama. Auf einem schmalen Streifen zwischen der Küste und der ersten bewaldeten Bergkolosse liegt der Ort Viktoria mit seinen terrassenförmig übereinander ge-bauten Europäerhäusern. Alle die hintereinander auf-getürmten Kuppen werden überragt von dem Riesen-haupte des großen Kamerunberges, des höchsten Gebirgsstockes der ganzen westafrikanischen Küste.«
Das Deutsche Kolonial-Lexikon:
»Victoria. Victoria am Südfuße des Kamerunberges und im Hintergrund der Ambasbucht gelegen, ist die Haupt-stadt des gleichnamigen Bezirks. Victoria war ursprüng-lich eine englische Niederlassung und wurde erst am 7. Mai 1886 gegen Forkados an der Nigermündung und St. Lucia in Südafrika umgetauscht. Victoria ist nächst Dua-la der zweitgrößte Ausfuhrhafen Kameruns. Die Tiefen-verhältnisse der Bucht gestatten das Anlegen der Damp-fer unmittelbar an der langen Landungsbrücke. Zur Ausfuhr gelangen vor allem Kakao, dann Ölpalmpro-dukte und Kautschuk. Victoria ist der Hafenort von Buea, mit dem es eine Straße verbindet. Der Handels-wert beläuft sich abzüglich Geld für 1912 auf 4,7 Mill. Mark, was gegen 1911 eine Abnahme bedeutet. Seit 1911 ist die 47 km lange Straße nach Bibundi fertiggestellt, die allein 42 feste Brückenbauten nötig machte. Die Zahl der ansässigen Weißen betrug 1912 129, die Zahl der Farbigen etwa 12.000. Die Zahl der Weißen war in frü-heren Jahren bereits höher, was auf die Heranziehung farbiger Plantagenarbeiter an Stelle der weißen zurück-zuführen ist. Die Gesundheitsverhältnisse haben sich in den letzten Jahren gehoben, wozu auch der Bau einer Wasserleitung beiträgt, der den Ort mit Quellwasser versorgt. Victoria besitzt einen botanischen Garten nebst Versuchsanstalt für Landeskultur. Es hat eine 6klassige Regierungsschule und ein Lepraheim für Ein-geborene sowie ein Hospital. 1910 wurde von der West-afrikanischen Handelsgesellschaft Victoria eine Fabrik zur Aufbereitung der Ölpalmprodukte angelegt. Außer-dem befinden sich in Victoria eine Postagentur, ein Zoll-amt, Polizeistation, Evangelische und Katholische Mis-sion, sowie eine Pflanzung der Westafrikanischen Pflan-zungsgesellschaft Victoria, eine Anzahl von Faktoreien. Victoria wurde 1877 im Gebiet der Bimbialeute von den Engländern angelegt und blieb auch nach der Besitz-nahme Kameruns durch die Deutschen 1885 zunächst englisch, bis es 1886 abgetreten wurde. — Die Kaiser-liche Versuchsanstalt für Landeskultur wurde 1891 als Botanischer Garten begründet. Zweck: Versuchsgarten als Anzuchtstelle für tropische Nutzpflanzen, mit chemi-schem und botanischem Laboratorium; Zentrale des landwirtschaftlichen Versuchswesens in Kamerun; Be-arbeitung aller einschlägigen wissenschaftlichen Fra-gen; wissenschaftliche und technische Untersuchungen und Gutachten; Ausführung von Düngungsversuchen auf Privatpflanzungen und Versuchsanlagen des Gou-vernements; Versorgung der Stationen und Plantagen mit Saatgut und Pflanzmaterial. Seit 1. Oktober 1910 ist ein Schulbetrieb zwecks Ausbildung jüngerer Einge-borener zu Pflanzungsaufsehern eingerichtet. Weißes Personal: 1 Leiter, 2 Chemiker, 2 Botaniker, 1 Garten-inspektor, 1 Gartentechniker.«
Über die Landungsbrücke von Viktoria steht im Deut-schen Kolonial-Lexikon:
»Die Landungsbrücke in Victoria ist von geringerer Be-deutung, da von Victoria aus nur eng begrenzte Bezirke zu versorgen sind. Sie liegt an einer durch vorgelagerte Inseln wesentlich geschützten Stelle der Küste. Die gro-ßen Seeschiffe liegen etwa 1 km davon entfernt. An der Brücke können, abgesehen von den verhältnismäßig wenigen Tagen schlechten Wetters, auch Leichter von mäßiger Größe anlegen. Die Brücke ist Eigentum der Woermann-Linie.
Die Brücke ist 180 m lang, im Zugangsteil 2,70 m, vorn 6,70 m breit, mit einem Handkran ausgerüstet und trägt ein von leichten Transportwagen befahrenes Gleis, das an das Gleis der von Victoria ausgehenden Pflanzungs-bahn heranführt. Sie besteht aus Eisenwerk.«