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Verwaltung XV

Aus einem Bericht des Kommandanten des Kleinen Kreuzers Cormoran vom 18. Mai 1900:

»Den 23. April des Jahres fand in feierlicher Weise die Schlußverhandlung mit den sogenannten 13 Häuptlin-gen über die neu einzuführende Regierungsart statt. Die Häuptlinge waren mit allen Einrichtungen einverstan-den und haben sich in ihre Distrikte zurückbegeben, um die Wahlen für die Beamtenstellen zu veranlassen.

Ich hatte eine längere Unterhaltung mit Mataafa über die zu wählenden samoanischen Beamten; Mataafa liegt daran, nicht nur Häuptlinge seiner Partei als Beamte einzusetzen, sondern zu der Besetzung der Beamtenstel-len auch Tanuhäuptlinge heranzuziehen. Er verspricht sich hiervon eine schnellere Aussöhnung zwischen den feindlichen Parteien.

Mataafa hält es für erwünscht, die Zahl der Beamten nicht zu gering zu bemessen. Nur die höheren Beamten sollen kleine Gehälter erhalten, die niederen Beamten-stellen sollen Ehrenämter sein. Bisher hätten die Beam-ten kein Gehalt bekommen und hielt er es auch nicht für nötig, mit dieser Überlieferung zu brechen. Sollten die Häuptlinge aber Gehalt verlangen, so meinte Mataa-fa, könnten von den Samoanern auch höhere Steuern verlangt werden.

Die Samoaner sind äußerlich ein sehr religiöses Volk. Die ganze Küste entlang steht Kirche an Kirche. Nur ei-ne deutsche Kirche fehlt. Oft werde ich von den Samo-anern nach dem Grunde hierfür gefragt. Sie können es nicht verstehen, daß der Deutsche, im Gegensatz zu den Angehörigen anderer Nationen, ohne Kirchenbesuch le-ben kann, und wird hierdurch tatsächlich das deutsche Ansehen in den Augen der Samoaner geschädigt. Wäh-rend eines Zeitraums von etwa 2 ½ Jahren hat früher in Apia ein deutscher Pfarrer gelebt. Derselbe war Leiter der hiesigen deutschen Schule und nebenamtlich Seel-sorger der Gemeinde. Alle 4 Wochen wurde in der deut-schen Schule ein Gottesdienst abgehalten. Seit Weg-gang dieses Predigers findet ein deutsch-evangelischer Gottesdienst überhaupt nicht statt, die Verstorbenen werden ohne Beisein eines Predigers beerdigt. Es ist ein Wunsch der hiesigen Deutschen, eine eigene Kirche mit einem besonderen evangelischen Seelsorger, wel-cher nicht Leiter der Schule ist, zu besitzen.«





Als Mataafa ernstlich erkrankt flammen Ende 1908 Rivalitätskämpfe um die Königsnachfolge auf. Lauati und seine Anhänger auf Savaii revoltieren gegen die Mataafa-Anhänger auf Upolu. Die Matai, die samoa-nischen Familienoberhäupter, die traditionell über die Belange ihrer Sippe entscheiden, sind seit den 1850er Jahren in zwei Fraktionen, die Tumua auf Upolu und die Pule auf Savaii, gespalten und kämpfen um die Vor-herrschaft auf den Inseln. Lauati setzt Ende 1908 mit seinen Kriegern von Savaii nach Upolu über, um den Chef der Pule-Konföderation, Malietoa, als Nachfolger Mataafas einzusetzen.

Als es im März 1909 zu Gefechten zwischen den ver-feindeten Parteien kommt, läßt Gouverneur Wilhelm Solf Schiffe des Ostasiatischen Geschwaders, die Klei-nen Kreuzer Arcona und Leipzig, das Kanonenboot Jaguar und einen Begleitdampfer nach Samoa kommen, um die Unruhe zu beenden. Die nach Upolu übergesetz-ten Aufständischen ergeben sich der deutschen Über-macht. Lauati flieht aber, trotz seines Versprechens an den Gouverneur auf Upolu zu bleiben, nach Savaii. Dort versteckt er sich mit seinen Anhängern, bis sie von Missionaren, die Solf für eine gewaltlose diplomatische Lösung verhandeln läßt, zur Aufgabe überredet werden. Am 1. April 1909 ergibt sich Lauati mit seinen Anhän-gern ein zweites Mal.

Nach alter samoanischer Sitte werden Aufständische an die Kannibalen der Salomoninseln verkauft, wobei zwei-felhafte weiße Seefahrer Vermittlung und Transport übernehmen. Die deutsche Verwaltung setzt aber die Todesstrafe außer Kraft und verbannt die Aufrührer und ihre Familien auf die Insel Saipan in den Marianen, einer Inselgruppe, die zu Deutsch Neuguinea gehört. Lauati, sein Bruder, 15 Aufstandsführer und ihre Familien, insgesamt 71 Menschen, werden nach Saipan deportiert und entgehen so den Mägen der Salomon-Kannibalen.





Die Zahl der Europäer in Deutsch Samoa beläuft sich 1903 auf 381. Davon sind 192 Deutsche. 1907 finden sich 455 Weiße in der Kolonie, darunter 248 Deutsche. 1911 sind es 504 Weiße, davon 284 Deutsche. 1912: 500 Weiße und davon 294 Deutsche.

Das Deutsche Kolonial-Lexikon macht genaue Angaben über die Bevölkerung Anfang 1913:

»Die Zahl der im Schutzgebiet Samoa lebenden Weißen beläuft sich nach der letzten Aufstellung (1. Januar 1913) auf 415 männliche und 142 weibliche, zusammen 557 Personen. Unter ihnen befinden sich 73 Kinder. Der Nationalität nach sind darunter 329 Deutsche, 132 Eng-länder (meist Kolonial-Engländer), 35 Nordamerikaner, 25 Franzosen, 8 Dänen, 5 Schweden, 1 Luxemburger, 1 Österreicher, 9 Schweizer und 1 Japaner. — Die Misch-lingsbevölkerung hat im Jahre 1912 1025 Personen, und zwar 504 männliche und 521 weibliche betragen. — Die samoanische Bevölkerung beläuft sieh nach der letzten Statistik (Ende 1912) auf 34.432, 1906 wurden 33.478 Ein-geborene gezählt; es ist also seitdem eine Zunahme von 78 Personen eingetreten. [Offensichtlich haben die Korrektoren des Lexikonwerkes diese Zahlenunstim-migkeit übersehen] — Die fremde Farbige Bevölkerung, abgesehen von den chinesischen und melanesischen Kontraktarbeitern, beläuft sieh nach der letzten Zählung vom 1. Oktober 1911 auf 507 Köpfe, die ausnahmslos in der Südsee beheimatet sind. Melanesische Kontraktar-beiter waren am 1. Januar 1913 im ganzen 786 im Schutzgebiet tätig mit 100 Frauen und 20 Kindern. Die Zahl der Chinesen beträgt 2355 Personen, von denen 2343 Kontraktarbeiter und 13 freie Chinesen sind.«

Nach der amtlichen Statistik vom 1. Januar 1914 sind 76 Europäer mit einheimischen Frauen verheiratet.