Zu den 1899 vom Deutschen Reich von Spanien über-nommenen Palauinseln kommen 1901 auf Betreiben des Reichspostamtes, welches für die zukünftige Verlegung eines deutschen Telegraphenkabels im Westpazifik Stützpunkte im Südpazifik haben will, die weit südwest-lich der Palauinseln gelegenen Inseln Sonsorol, Merir und Pulo Anna, Tobi und das Helen-Riff. Diese Inseln sind von keiner Macht beansprucht und so werden sie im März und April 1901 von Deutschland vereinnahmt.
Die Palauinseln gehören zum Bezirk der Westkarolinen mit dem Bezirksamtmann auf der westkarolinischen Insel Jap. 1901 wird auf der Insel Koror der Palauinseln eine detachierte Hilfsstelle des Bezirks mit einem farbi-gen Leiter eingerichtet. 1905 wird ein Stationsleiter ein-gesetzt. Die Regierungsstation auf Koror befindet sich in Matalái auf der Nordspitze der Insel. Es gibt ein Standes-amt und eine Poststation, die beide vom Stationsleiter mitverwaltet werden.
Die Eingeborenenbevölkerung der Palauinseln wird auf 4000 Seelen geschätzt. Die weiße Bevölkerung ist gering. Außer dem Stationsleiter und einigen Missionaren sind nur wenige weiße und japanische Händler auf den In-seln.
1910 wird eine zweite Regierungsstation auf den Palau-inseln eingerichtet und zwar auf der kaum acht Qua-dratkilometer große Insel Angaur im Süden der Palau-inselgruppe. Angaur ist durch seine großen Phosphat-vorkommen von wirtschaftlicher Bedeutung. 1911 leben rund 600 Farbige – davon etwa 150 Eingeborene und ansonsten Arbeiter von anderen Inseln – auf Angaur. Hinzu kommen 28 Deutsche, ein Argentinier und 113 Chinesen.
Die Stationsleiter nehmen im Nebenamt die standes-amtlichen Geschäfte wahr und üben auch die Eingebo-renengerichtsbarkeit jeweils für ihren Bezirk aus. Hin-sichtlich der Fremdengerichtsbarkeit gehören die Palauinseln zum Bezirksgericht Jap und zum Oberge-richt Rabaul. Der Arzt der Deutschen Südsee-Phosphat-gesellschaft in Angaur übt auch regierungsärztliche Funktionen aus. Der Station Koror ist ein Regierungsarzt noch nicht zugeteilt, doch ist die Stationierung eines solchen 1913/14 in Aussicht genommen.
Die Missionierung auf den Palauinseln liegt ausschließ-lich in den Händen der Rheinisch-Westfälischen Ordensprovinz der Kapuziner-Mission, die seinerzeit die Inseln von den spanischen Kapuzinermönchen über-nommen hat. Die Mission unterhält auch Schulen.