Eine Neuerung im Verkehrswesen Afrikas ist das Fahrrad. Nach 1900 findet es langsam Eingang in den Kolonien. Dazu sind in Afrika die Fahrradwege schon überall angelegt – die Trampelpfade der Eingeborenen. Die von den Eingeborenenfüßen festgetretenen Busch-wege führen von Dorf zu Dorf und so kann man riesige Entfernungen über Land auf dem Fahrrad zurücklegen. Auch ist kein anderes tierisches oder technisches Beförderungsmittel so einfach zu halten und zu warten wie das Fahrrad. Es braucht weder Futter noch Treibstoff und widersteht jeder Art von Mücken und der Tsetse-fliege. Die einzigen Stiche, die seine Brauchbarkeit beeinträchtigen, sind Dornen in den Reifen. Aber dafür gibt es ein wirkungsvolles Vorbeugungsmittel: Tier-häute als Einlagen in den Reifen bewähren sich gut als Schutz gegen einen Platten.
Auch der Großwildjäger Hans Schomburgk ist auf dem Fahrrad in Afrika unterwegs. Als er 1906 von Süd- nach Ostafrika über Land reist, trifft er in der britischen Kolonie Rhodesien nach sechs Wochen Reise, ohne einem Weißen zu begegnen, auf die Faktorei der deutschen Brüder Ullmann. Die beiden Brüder Ullmann haben dort am Fluß Kafue sogar ein Fahrrad zu verkaufen und Schomburgk sattelt um von Esel auf Drahtesel. Selbst im westafrikanischen Urwald fährt er Fahrrad und beansprucht für sich das Fahrrad in einigen Gegenden des schwarzen Kontinentes eingeführt zu haben.
Das Haupthindernis auf den Trampelpfaden sind um-gestürzte Bäume, die man aber auch mit dem Fahrrad verhältnismäßig leicht übersteigen oder umgehen kann. Einem Hindernis im schwarzafrikanischen Verkehr kann aber selbst das Fahrrad nicht beikommen – der Regenzeit. Erst durch den Bau von Straßen mit harter Auflage kommen die Kolonialmächte gegen den afri-kanischen Schlamm an.