Ein grundsätzliches Verkehrsproblem Togos um die Jahrhundertwende beschreibt der Arzt Ludwig Külz 1902:
»Das Togohinterland besitzt große Reichtümer an Rin-derherden, aber der Transport dieser Tiere zur Küste ist bisher unmöglich, weil sie während desselben der An-steckung mit einer Seuche ausgesetzt sind, der Nagana, die ausnahmslos zum Tode führt; oft allerdings nach langem Siechtume. Hier in Togo sowohl als in Ostafrika und Kamerun herrscht in verschiedenen Distrikten die-se Tierkrankheit, die nicht nur Rinder, sondern auch Pferde zu befallen pflegt. Die Krankheit wird den Tieren vermittelt durch den infizierenden Stich der Tsetse-fliege. Die unmittelbare Küstengegend selbst ist in Togo frei von Nagana.
Abgesehen davon, daß durch diese Seuche das Hinab-treiben von Viehbeständen zur Küste für Schlacht- und Exportzwecke unmöglich gemacht wird, steht sie auch ihrer Nutzbarmachung als Zugtiere für den Lastverkehr oder den landwirtschaftlichen Betrieb entgegen. So-lange wir daher über keine Eisenbahnen oder mit dem Automobil befahrbaren Straßen verfügen, müssen alle Produkte kostspielige Beförderung auf dem Kopfe des Negers über sich ergehen lassen.«
Weiterhin schreibt Ludwig Külz 1902 über das Trans-portwesen in der Kolonie:
»Bahnen haben wir noch nicht; das Fehlen der Brücken auf den Straßen hindert einen Verkehr mit Lastwagen, sodaß alles, was zur Küste kommen soll, auf dem Kopfe des Negers gebracht werden muß. Dadurch werden schon in geringer Entfernung von der Küste die Trans-portkosten für die Produkte so hoch, daß der Rentabi-lität sehr bald eine Grenze gezogen ist.
…
Es ist bestimmt vorauszusehen, daß mit Aufbesserung der Transportwege die Alkoholdurchseuchung des Negers weiter schreiten und daß sie sehr bald in die bisher noch nicht eroberten Gebiete eindringen wird.«