In seinem 1916 in London erschienenen Werk The German African Empire schreibt Albert Calvert über Togo:
»Eine stabile Regierung wurde eingerichtet, das Hinter-land erschlossen, drei Eisenbahnlinien und viele ausge-zeichnete Straßen sind gebaut worden, die Sklaverei ab-geschafft und Stammeskriege befriedet, außerdem wur-den eine Reihe von Versuchsplantagen eingerichtet. Die [deutsche] Verwaltung hat dank ihrer aktiven Politik die Ressourcen des Landes entwickelt, Handel und Kom-merz auf eine solide Basis gestellt, und einen wesent-lichen Fortschritt in Bezug auf den Wohlstand und Fort-schritt der Bevölkerung geleistet.«
Togo ist ein waldarmes Land und so legt das Gouver-nement ein besonderes Augenmerk auf die Aufforstung und auch auf die Nutzung der Wälder. So wird im Juni 1914 als erster Wald eine Waldung bei der Station Misa-höhe zur Sicherung des Quellgebietes des Flusses Avé zum Schutzwald erklärt.
Durch die Waldbewirtschaftung soll auch die Einfuhr von Schnittholz, von dem ein großer Teil aus Deutsch-land kommt, beendet werden, um diesen Posten im Außenhandel der Kolonie zu sparen und das benötigte Holz soll vollständig aus Togo selbst gewonnen werden. Die deutschen holzverarbeitenden Betriebe im Land, von der Möbelfabrikation über die Innenausstattung zur Tischlerei, Holzpflasterei und weitere Fachbetriebe sind gewohnt mit deutschen Hölzern umzugehen und haben keine Erfahrung in der Verarbeitung der afrikanischen Hölzer. Deshalb plant die Regierung ein eigenes Säge-werk zu errichten, auch um Erfahrungen mit der Ver-arbeitung und Verwendung der einheimischen Hölzer zu machen und weitergehende Forschungen über die einheimischen Holzarten betreiben zu können. Das Sägewerk ist in den Haushaltsplan des Jahres 1914 der Kolonie aufgenommen und wird mit den modernsten Maschinen der Holzverarbeitung ausgerüstet werden.
Im Januar 1914 beginnen für das Sägewerk die Holz-fällungen im neuen Wald in Nuatjä. Auch die in Betrieb gehende Großfunkstelle in Kamina ist als Kunde für bedeutende Mengen Brennholz vorgesehen, für die Stromerzeugung der Funkanlage, für die in großen Mengen anfallendes Astholz aus Nuatjä geliefert werden kann. Im Juni 1914 sind die Maschinen für das Sägewerk und für den Betrieb der Kleinbahn im Forst von Nuatjä fertiggestellt und ihre Abnahme durch den dafür nach Deutschland gereisten togolesischen Forstreferenten Oskar Metzger läuft. Die Verschiffung der Anlagen steht an für die Aufstellung im Sägewerk in Lome, das im Herbst 1914 den Betrieb aufnehmen soll. Da Lome das Verkehrszentrum des Landes ist, zu dem die drei Eisen-bahnlinien Togos laufen, und gleichzeitig Großverbrau-cher für Holz, ist das Sägewerk dort am günstigsten auf-gestellt.
Im Juni 1914 ist die Großfunkstation Kamina weitgehend fertiggestellt. Auf dem 4 km langen und 3 km breiten Gelände erheben sich neun Türme, von denen je drei 75 m und sechs je 120 m hoch sind. Die Türme sind für den Empfang mit einem 3,5 km langen und 1,1 Zentimeter starken Bronzeseil über ihre Spitzen verbunden. Zum Senden gibt es ein an vier Türmen befestigtes Seil, wel-ches die Form einer Harfe zeigt. An sonstigen Baulich-keiten gehören zur Station ein Empfänger- und Beam-tenwohnhaus, ein Sendehaus mit Wasserbehälter und Kühlturm, ein Kesselhaus mit Wasserreinigungsanlage. Im unteren Teil des Kesselhauses befindet sich eine riesige Feueranlage, die mit Holz beschickt wird. In der Maschinenhalle stehen zwei Dampfturbinen von je 500 PS, die mit zwei Wechselstromerzeugern gekuppelt sind, und zwei Gleichstrommaschinen zur Ladung der Sammlerbatterie. Ein Stauwehr mit Pumpenhaus und eine Ziegelei. Es ist nicht leicht, den großen Wasser-verbrauch auf dem Gelände zu decken. Neben drei tie-fen Brunnen, aus denen das Wasser mit elektrischen Kreiselpumpen gehoben wird, sorgt eine große Stau-wehranlage dafür, daß das Wasser des vorbeifließenden Ike-Baches auch während der Trockenzeit nicht ver-siegt. Als letztes Gebäude wird im Juli das Betriebslei-terhaus fertiggestellt.
Schon seit vielen Monaten laufen Funkversuche mit dem Ziel der Herstellung einer wechselseitigen Funk-verbindung zwischen Nauen bei Berlin, Deutsch Süd-westafrika und Deutsch Ostafrika. Die letzte Versuchs-reihe beginnt am 20. Juli um 8 Uhr. Kurz darauf wird die Station offiziell in Betrieb genommen.
1907 wurden die beiden nördlichen Bezirke Sokode-Bassari und Mangu-Jendi auf »Verordnung des Gouver-neurs« zum »gesperrten Gebiet«. »Fremden, d. h. Nicht-eingeborenen und solchen Farbigen, welche nicht zu dem gesperrten Gebiet gelegenen Landschaften gehö-ren, ist der Aufenthalt in dem gesperrten Gebiet ver-boten.«
Nur der Bezirksleiter des gesperrten Gebietes kann far-bigen Händlern und Einheimischen den Verkehr zwi-schen gesperrtem und nicht gesperrtem Gebiet gestat-ten und nur der Gouverneur kann Weißen die Erlaubnis zur Einreise ins gesperrte Gebiet genehmigen. Diese Regelung gilt für die Sicherung gegen unerwünschten und unruhestiftenden Einfluß vom Süden auf den auch im Gegensatz zum Süden mehr und mehr durch des Islam geprägten Norden von Togo.
1914 steht aber die Aufhebung der Sperrung des Nor-dens an, auch wegen dem für 1915 geplanten Beginn der Verlängerung der Hinterlandbahn in die beiden nördli-chen Bezirke. Durch die Hinterlandbahn will man auch das Eisenerzgebiet bei Bassari für den Abbau erschlie-ßen.
Die Hinterlandbahn, welche von Lome nach Atakpame führt, hat eine Länge von 167 km. Das Deutsche Kolonial-Lexikon zur Bahnverlängerung: Für den Bau der nördlichen Fortsetzung Atakpame-Bassari-Banjeli-Tschopowa, etwa 328 km, bis auf das rechte Ufer des Otiflusses, haben bereits allgemeine Erkundungen statt-gefunden, aus denen die Möglichkeit einer Eisenbahn hervorgeht. … Inwieweit die im Hinterlande bei Banjeli gefundenen Eisenerzlager einen künftigen Abbau loh-nen werden, bedarf noch eingehender Untersuchungen. Auch das Vorkommen von Chromeisenstein, etwa 10 km nordwestlich von Glei, nahe an der geplanten Bahnlinie, kann ebenso wie die im Flußbett des Monu, etwa 12 km nordwestlich Sagada gefundenen goldhaltigen Quarz-gerölle, für die künftige Nutzbarmachung der Bahn und ihre Fortführung von Bedeutung werden.