Das Deutsche Kolonial-Lexikon: Der Post- und Telegra-phenverkehr wird in Kamerun von 37 Post- und 11 Telegraphenanstalten (1911) besorgt. Im Jahre 1911 wurden rund 1.097.000 Briefsendungen, 66.000 Stück Postanweisungen mit einem Betrage von rund 12,3 Millionen Mark, 36.000 Pakete und 68.000 Telegramme befördert.
Das Kolonial-Lexikon schrebt 1914: »Kamerun war bis vor kurzem nur durch ein englisches Kabel an das Welttelegraphennetz angeschlossen. Im Jahre 1912 ist das deutsche Kabel Emden-Teneriffa-Monrovia nach Togo und Kamerun fortgesetzt worden, so daß jetzt der deutsche Kabelverkehr von dem englischen Kabel unabhängig ist. Zu Land bestehen folgende Telegra-phenlinien: Duala-Buea-Victoria, Duala-Jabassi-Njanga, Duala-Edea, Duala-Kribi, Kribi-Lolodorf-Jaunde-Abong, Mbang-Dume-Njassi, Lolodorf-Ebolowa. Am 5. März 1911 ist in Duala eine Küstenstation für drahtlose Telegraphie eröffnet worden, die in erster Linie dem Verkehr mit Schiffen in See dienen soll. Neuerdings vermittelt sie auch den Verkehr mit der Funkenstation Santa Isabel auf Fernando Po und hat auch die Verbindung mit der Großstation in Togo hergestellt.«
Georg Escherich schreibt über die Telegraphie im Urwald von Kamerun im Jahre 1913:
»Gleich hinter der Njongbrücke [von Abong Mbang] beginnt ein etwa 1600 Meter langer, hoher Lehmdamm, der durch einen breiten, ungangbaren Sumpfstreifen führt. — Längs dieses Wegdammes stehen in Wasser und Sumpf die eisernen Telegraphenstangen. Welch ungeheure Kosten und Arbeit eine derartige Telegra-phenleitung durch Urwald und Sumpf verursacht, kann man ermessen, wenn man den Transport einer einzigen dieser schweren Eisenstangen von der Küste bis zu ihrem Platze verfolgt. Andere Telegraphenstangen aber als eiserne sind in dieser Gegend nicht möglich, da die Fäulnis einerseits, die Termiten andererseits sehr rasch mit hölzernen Stangen aufräumen würden. Die Auf-stellung des Gestänges und das Ziehen der Drähte ist aber nur ein Teil der zu leistenden Arbeit. Der Hauptteil muß schon vorher erledigt werden: der Durchhieb durch den Urwald. Auf beiden Seiten der Leitung müssen etwa 40—50 Meter freigeschlagen werden, um zu verhüten, daß die Drähte vom durch Sturme ent-wurzelte oder sonstwie zusammenbrechende Urwald-riesen zerrissen werden. Bei der gewaltigen Höhe der Stämme ist die vorgenannte Lichtungsbreite das min-deste, was verlangt werden muß. Damit ist aber die Arbeit noch lange nicht zu Ende. In wenig Jahren gefährdet der aufkommende Sekundärwald die Leitung von neuem, und immer wieder muß der Hiebstreifen von neuem gereinigt werden. Die reinste Sisyphusarbeit. Dies alles macht meiner Ansicht nach die Anlage und Erhaltung ausgedehnter Telegraphenleitungen durch den Urwald auf die Dauer vollkommen unmöglich. Man müßte sonst jahraus, jahrein ein Heer von Arbeitern nur mit Reinigungsarbeiten beschäftigen, ein Luxus, den man sich in einem so wenig bevölkerten Lande un-möglich leisten kann. Die Verwaltung wird sich dem-nach sobald wie möglich entschließen müssen, zu drahtlosen Stationen überzugehen. Die Versuche, die bist jetzt damit im Urwalde gemacht worden sind, sollen recht befriedigende gewesen sein.«