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Siedlungen I

Jaboran – Legieb

Jaboran

Jaboran liegt auf dem Nordende der Insel Jabor des Jaluit-Atolls. Das Jaluit-Atoll besteht aus 91 Inseln, deren gesamte Landfläche nur etwa 11 qkm ausmacht. Die La-gune schließt jedoch mehr als 690 qkm ein.

Jaboran ist der Haupthafen der Jaluit-Inselgruppe, der Sitz der Jaluit-Gesellschaft und der Landeshauptmann-schaft, der deutschen Verwaltung der Marshallinseln. Alle Gebäude von Jaboran, und selbst der Friedhof, liegen am Strand auf der ruhigen Lagunenseite der Insel, nur das Gefängnis liegt etwas landeinwärts. Unmittelbar am Strand läuft auch die Straße von Jaboran entlang.

Der Hafen mit seinen Landungsbrücken liegt naturge-geben in der ruhigen Gewässerlage der Lagune vor der Siedlung Jaboran, in der auch der Hafenmeister seinen Sitz hat. Die Einfahrt in die Lagune und zum Hafen be-findet sich gleich am nördlichen Ende der Insel Jabor, wo sich auch die Kohlenlandungsbrücke und das Gehe-ge des »Vieh-Parks« befinden.

Die Jaluit-Gesellschaft hat auch eine Verkaufsstelle in Jaboran für den Verkauf von Bedarfsartikeln an die Be-völkerung. Es gibt eine Postagentur, ein Gericht, und ein kleines Hospital. Das Hotel Germania ist der gesell-schaftliche Treffpunkt der Siedlung.

Das Wohngebiet besteht aus gepflegten weißgetünch-ten Holzhäusern mit Gartenzäunen – alles typisch deutsch – in denen die Angestellten der zwei großen Handelsgesellschaften und die Beamten wohnen. Etwas abgelegen zwischen den Palmen sieht man den Kirch-turm der Kirche der Bostoner Mission. Die Mission überbrückt mehr als alles andere den kulturellen Unterschied zwischen den Weißen und den Marshal-lesen. 

Nahe dem Hauptquartier der Jaluit-Gesellschaft hat Häuptling Kabua sein Haus. Sein komfortables Holz-haus ist kaum von den anderen Wohnhäusern zu unterscheiden. Wie ein paar andere Häuptlinge ist auch er Eigentümer von Kokosplantagen und besitzt Segel-schiffe. Kabua hat zwei 25-t-Schoner mit Weißen als Offizieren und Marshallesen als Besatzung mit denen Kopra transportiert wird. So profitieren die einheimi-schen Häuptlinge vom Koprabedarf der Weißen und Japaner und die Werft der de Brums auf Legieb hat genug Aufträge.

Am Ufer von Jaboran steht eine »Zeitkanone«, mit der die genaue Uhrzeit für die Bewohner von Jabor ge-schossen werden kann.


Legieb, auch Graf Heyden-Inseln genannt, gehört zur Ratakgruppe, der östlichen Inselkette der Marshallin-seln. Adolph Capelle und José de Brum haben auf dem Legieb-Atoll und vom Atoll aus nach der Mitte des 19. Jahrhunderts wesentlich die Wirtschaft der Marshallin-seln aufgebaut. Adolph Capelle war 1859 in die Marshall-inseln gekommen und ins Koprageschäft eingestiegen. Er heiratete eine Einheimische und zusammen mit dem von den Azoren stammenden Portugiesen José de Brum, der gleichfalls eine Einheimische heiratete, machten sie die Graf Heyden-Inseln zu einem wirtschaftlichen Zen-trum der Marshallinseln. Das Hauptgeschäft der de Brums ist der Handel und der Schiffbau vor Ort. José de Brum stirbt 1901. Auf seinem Grabstein steht zu lesen:

»Hier ruhet in Gott José de Brum – geb. in Pico d.5.März 1837. – gest. in Legieb d.22.März 1901. – Ruhe in Frieden!«.

Adolph Capelle stirbt 1905. Auf seinem Grabstein findet sich:

»Hier ruhet Georg Eduard Adolph Capelle – geb. 8. Mai 1838 zu Meinholz bei Gifhorn – Provinz Hannover – gest. 30. September 1905 in Legieb – Ruhe in Gott!«.

1904/05 baut Joachim de Brum, ältester Sohn von José de Brum, ein großes Wohnhaus auf Legieb aus kaliforni-schen Mammutbaumplanken, welche an den Außensei-ten von Segelschiffen festgemacht von Kalifornien nach Legieb kommen. Das Gebäude ist ein großes Tropen-haus, auf Stelzen gebaut, mit einer drei Meter weiten um das Hauptgebäude umlaufenden Veranda. Das Ge-bäude hat ein hohes Dach mit offenen Enden, um die Warmluft im Haus nach oben entweichen und aus dem Gebäude abströmen zu lassen. Durch das Haus weht bei offenen Türen und Fenstern beständig der Wind und bringt Kühlung. Eine Treppe führt zu dem über dem Boden auf Stelzen stehenden Gebäude, das alle anderen Bauten auf dem Atoll bei weitem an Größe übertrifft. Zudem hat Joachim de Brum eine Bücherei in seinem Anwesen. Wahrscheinlich so ziemlich die einzige in den ganzen Marshallinseln. Zum Wohnhaus gehören auch Zisternen und weitere Gebäude der gesamten Anlage stehen umliegend.

In den 1890er Jahren sind die Geschäftspartner Capelle und de Brum in finanzielle Schwierigkeiten geraten, aber die Erben können alle Schulden abzahlen und 1914 werden den beiden Familien alle ihre Vermögenswerte auf dem Legieb-Atoll zurückübereignet, dessen Name sich nun in Likieb oder Likiëb gewandelt hat.