Hunderte von Schulen werden von den Missionen in Togo betrieben. Über die staatlichen Schulen in Togo schreibt das Deutsche Kolonial-Lexikon nach dem Stande von 1913:
»Die Verwaltung verfolgte durch Errichtung von Schu-len den Zweck, Eingeborene in der deutschen Sprache so weit auszubilden, daß sie sowohl im Bereich der Ver-waltung, als auch bei Privatunternehmern als farbige Hilfskräfte wie Dolmetscher, Schreiber, Zollaufseher, Heilgehilfen, Handlungsgehilfen und dergleichen ver-wendet werden konnten. Die Heranbildung solchen Per-sonals ermöglichte der Verwaltung sowie den Privat-unternehmern Ersparnisse an kostspieligem Europäer-personal, den Eingeborenen den Eintritt in verhältnis-mäßig gut bezahlte und sozial gehobene Stellungen. — Dieser Zweck wurde zu erreichen versucht durch Ein-richtung von Volksschulen, in welchen sich die Ein-geborenen die deutsche Sprache, ferner elementare Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen sowie in einigen anderen nützlichen Fächern aneignen konnten. Mit der Entwicklung des Schutzgebietes traten aber erhöhte Anforderungen an das farbige Hilfspersonal heran, so daß die in den Volksschulen erworbenen Kenntnisse nicht mehr ausreichten; es trat das Bedürf-nis hervor, die Eingeborenen noch gründlicher für ihre Berufe vorzubilden und sie mit weiteren Kenntnissen zu versehen als mit der elementaren Volksschulbildung. Zu diesem Zweck ist eine Fortbildungsschule mit zweijäh-rigem Lehrgang als Oberstufe für die Volksschulen des Schutzgebietes eingerichtet worden. Neben diesen prak-tischen Zwecken verfolgte die Verwaltung aber auch ein wichtiges nationales Ziel, nämlich die Verbreitung deut-scher Art und deutscher Sprache unter den Eingebo-renen, welche infolge ihrer früheren Handelsbeziehun-gen und des regen Verkehrs nach benachbarten, unter britischer Oberhoheit stehenden Gebieten englischen Einflüssen stark ausgesetzt waren. Schickten doch ange-sehene Eingeborene ihre Söhne mit Vorliebe nach den „High Schools“ englischer Kolonien. Um der deutschen Sprache die ihr gebührende Stellung zu verschaffen, wurde im Verordnungswege die Erteilung fremdsprach-lichen Unterrichts an den Schulen Togos verboten.
Regierungsvolksschulen unter Leitung je eines europäi-schen Lehrers, dem eine Anzahl farbiger Hilfslehrer zur Seite steht, befinden sich in Anecho und in Lome. Ers-tere wurde 1891, letztere 1902 gegründet. Seit 1. April 1912 besteht unter Leitung eines Farbigen eine weitere Regierungsschule auf der Regierungsstation Sokode, welche einen ähnlichen Ausbau erfahren soll wie die Schulen in Anecho und Lome. Der Lehrgang der Regie-rungsvolksschulen ist sechsjährig. Nach Beendigung des sechsjährigen Lehrganges werden die Schüler einer Abgangsprüfung vor einer Prüfungskommission des Gouvernements unterzogen. Anstellung im Regierungs-dienste erhalten nur solche Schüler, welche die Ab-gangsprüfung bestanden haben; auch der Eintritt in die Regierungsfortbildungsschule wird vom Bestehen der Prüfung abhängig gemacht. Am Ende des Schuljahres 1912 befanden sich in der Regierungsschule in Anecho 148, in der Regierungsschule in Lome 133 eingeborene Schüler. Die Regierungsschule in Sokode wurde von 23 Schülern besucht. — Ende Januar 1911 wurde in Lome die Regierungsfortbildungsschule eröffnet. Sie hat mit Janu-ar 1912 ihr zweites Schuljahr begonnen und wurde von 37 Schülern besucht, die sich auf 2 Klassen verteilen. — 1903 wurde in Verbindung mit den Werkstätten in Lome eine Regierungshandwerkerschule errichtet in welcher Eingeborene im Tischler-, Schlosser- und Schneiderhandwerk ausgebildet werden. Im Lehrjahre 1911 betrug die Zahl der Handwerksschüler 17, davon waren 13 Tischler-, 4 Schlosserlehrlinge. 1912 wurde die Handwerkerschule aufgehoben, weil 3 leistungsfähige Privatbetriebe in Lome sich mit der Heranbildung farbiger Handwerker beschäftigen. — Die Verwaltung unterhielt in Nuatjä ferner noch eine Ackerbauschule, welche aus einer 1904 auf Anregung des Gouverneurs vom Kolonialwirtschaftlichen Komitee gegründeten Baumwollschule hervorgegangen ist. Sie wurde im Jahre 1912 in einen Musterbetrieb für die im Lande ange-bauten Produkte umgewandelt.«