Das Deutsche Kolonial-Lexikon:
Der Hafen von Duala kann zu den besten Häfen der westafrikanischen Küste gerechnet werden. Weniger gut sind die Häfen und Landungsstellen bei Victoria, Kribi, Rio del Rey und Kampo. Zu diesen Häfen kommt durch die Neuerwerbungen vom Jahre 1911 noch die Muni-Bucht, die von deutschen Dampfern jetzt schon regelmäßig angelaufen wird und anscheinend günstige Landungsverhältnisse bietet.
Im Jahre 1911 liefen die Kameruner Küste 536 (1909 488) Dampfer an mit 1.551.068 (1909 1.034.654) Register-Tonnen. Davon entfallen auf den Hafen von Duala 170 Dampfer mit 492.990 Register-Tonnen und auf den von Victoria 191 Dampfer mit 533.898 Register-Tonnen. Von den übrigen 175 Dampfern mit 524.170 Register-Tonncn, die sich auf die übrigen Häfen verteilen, entfällt der größte Teil auf Kribi, dessen Schiffsverkehr sich trotz der ungünstigen Landungsverhältnisse in den letzten Jahren stark entwickelt hat. Von den 396 Handels-dampfern (1.495.058 Register-Tonnen), die im Jahre 1911 in Kameruner Häfen anliefen, fuhren 224 Dampfer mit 1.126.206 Register-Tonnen unter deutscher, 164 mit 368.852 Register-Tonnen unter fremder Flagge. Gegen-über dem Vorjahr ist der Verkehr der deutschen Han-delsschiffe der Zahl nach gestiegen, der der fremden etwas zurückgegangen. Unter den deutsehen Handels-schiffen kommen an erster Stelle die Dampfer der Woermann-Linie, die zusammen mit der Hamburg-Amerika-Linie und der Hamburg-Bremer-Afrika-Linie einen regelmäßigen 14tägigen Schiffahrtsdienst zwi-schen Deutschland und Kamerun unterhält, unter den fremden Handelsschiffen die der englischen Reederei Elder Dempster und Co. in Betracht.
Als natürliche Verkehrswege im Küstengebiete sind die Flußläufe des Sanaga, Wuri, Mungo, Muni und Ndian zu nennen, die von der Küste aus auf kurze Strecken schiff-bar sind und in ihrem Delta zahlreiche schiffbare Quer-verbindungen (Creeks) haben. Der Kameruner Übersee-verkehr geht aber nicht in seinem ganzen Umfange über die deutsche Küste. Die Nordecke und die Südostecke Kameruns stehen durch die Wasserstraßen des Niger-Benue und des Kongo-Ssanga mit fremden Küsten und dadurch mit dem Weltverkehr in unmittelbarer Ver-bindung. Von geringerer Bedeutung ist der Verkehrs-weg, den der Kreuzfluß nach Britisch-Südnigeria (Kala-bar) hin bildet.
Der Umfang des Überseeverkehrs, der über diese Fluß-läufe geht, läßt sich zahlenmäßig nicht feststellen. Einen Anhalt geben die Ziffern des Gesamthandels, der über die Zollstellen Molundu, Garua und Nssanakang geht, nämlich über Molundu im Jahre 1912 1.489.800 (1910 974.583) Mark, über Garua für 1.092.000 (1910 830.747) Mark und über Nssanakang für 271.000 (1910 320.774) Mark.