Deutsch Samoa ist arm an natürlichen Häfen und die Hafenplätze sind extrem orkangefährdet. Der sogenann-te Hafen von Apia ist nur der sich etwas verbreitende Auslauf des Flusses Vaisingano (schäumendes Wasser). Am sichersten ist der kleine Naturhafen Saluafata öst-lich von Apia, der in der sturmgefährlichen Zeit vom November bis zum März den einzig sicheren Hafenplatz bietet. Das Riff vor Saluafata macht den Hafen zu einem spiegelglatten Wasserbecken. Schwierig ist allerdings die enge Riffeinfahrt. Bei schwerem Sturm bietet dann nur noch der 200 km östlich von Apia gelegene Natur-hafen Pago Pago der Insel Tutuila von Amerikanisch Samoa wirklichen Schutz.
Die Riffe entlang der Küste von Upolu bilden eine Lagu-ne stillen Wassers, welche den Kanus der Eingeborenen und kleineren Booten den Verkehr von Dorf zu Dorf um die ganze Insel gestattet, was bei den Schwierigkeiten der Wege durch den meist undurchdringlichen Urwald für das Leben der Inselbewohner von größter Bedeu-tung ist.
Der Transport der Erzeugnisse der Plantagen, haupt-sächlich Kopra, dem getrockneten Fleisch der Kokos-nuß, erfolgt entweder in der durch die Riffe geschützten Lagune entlang der Küste nach Apia oder durch Kopra-schoner, die durch Riffpassagen auf das offene Meer und dann nach Apia fahren, dem einzigen Handelshafen von Upolu, wo die großen Schiffe die Ware übernehmen für den Transport nach Europa.
Ein weiterer Hafen kann vor der großen Plantage Muli-fanua der deutschen Südseehandelsgesellschaft am Westende der Insel Upolu um 1900 geöffnet werden, nachdem Emil Reche, Offizier auf dem Kleinen Kreuzer Bussard, bei seinen Erkundungen Mitte der 90er Jahre entdeckt hatte, daß die Riffpassage vor Mulifanua auch für große Schiffe geeignet ist und einen Ankerplatz bie-tet. Reche bekommt die Erlaubnis vom Kreuzerkom-mandanten die Riffpassage zu vermessen, ob ihrer Mög-lichkeit als Hafenplatz. Mit seinen Meßinstrumenten wird Reche vom Kreuzer von einem Ruderboot der Südseehandelsgesellschaft abgeholt, die natürlich ein Interesse an dem vereinfachten Transport ihrer Kopra direkt von ihrer größten Plantage hat, die 32 Seemeilen von Apia entfernt liegt. Die Ruderer sind Eingeborene der Salomoninseln, von der Gesellschaft zum Arbeiten auf Samoa angeworben. Nach Mulifanua gebracht be-ginnt Reche mit seinen Vermessungen und kann tat-sächlich die Nutzbarkeit der Riffpassage als Hafenplatz feststellen, um dann nach den Messungen eine Karte für Handelsschiffkapitäne zu erstellen und um Seezei-chen an Land aufzustellen, für ein gefahrloses An-steuern des Ankerplatzes. Aber all das erfolgt erst nach eingehender Prüfung all der unzähligen Messungen, die besonders bei der Vermessung des schwierigen Fahr-wasser einer Riffpassage notwendig sind, durch das Reichsmarineamt in Berlin. Erst mit dem Stempel des Reichsmarineamtes bekommt die Seekarte Gültigkeit, nur um nach ein paar Jahren überholt zu sein, weil durch das Wachstum der Korallen am Riff von Mul-ifanua eine Neuvermessung notwendig wird.
Der Verkehr zwischen den Samoa-Inseln wird von den Kuttern der Deutschen Handelsgesellschaft und der deutschen Firma Frings & Co. vermittelt. Im Fernver-kehr machen auch die Schiffe des deutschen Zucker-königs von Hawaii, Claus Spreckels, auf der Fahrt Australien-Neuseeland-USA in Apia Halt.
Der Offizier Edmund Troost der Kaiserlichen Schutz-truppe von Deutsch Südwestafrika, der 1900 Samoa einen Besuch abgestattet hat:
»Ein fühlbarer Mangel ist das Fehlen geeigneter Häfen. Vor allem läßt der zur Zeit wichtigste Hafen, der von Apia, bei nördlichen und westlichen Winden alles zu wünschen übrig; — von einem Hafen dürfen wir dann eigentlich überhaupt nicht reden, es ist eben dann nur eine nach Norden vollständig ungeschützte Rhede, da eine jede schwere Dünung über die vorgelagerten Koral-lenbänke hinwegspült. Ein durch solche Korallenriffes gut geschützter Hafen ist die Bucht von Saluafata, eben-falls auf Upolu, 16 km östlich von Apia, deutsche Marine- und Kohlenstation. … Der wichtigste Hafenplatz Savaiis, Matautu, ist ebenfalls nur wenig geschützt.
Buchten und Plätze, welche den Landungsbooten und Leichtern gegen See und Brandung geschützte Anle-gepunkte bieten, während das Schiff auf offener Rhede ankern muß, finden sich in großer Anzahl. …
Der Dampferverkehr ruht jetzt leider ausschließlich in Händen von englischen und amerikanischen Rhede-reien. In früheren Jahren ließ der Norddeutsche Lloyd regelmäßig einen Dampfer von Sydney nach Apia lau-fen, hat aber diese Fahrten längst eingestellt.
Jetzt laufen Apia nur die Dampfer der Neuseeländer Union-Dampfer-Gesellschaft an, welche mit den Nach-bar-Archipelen, den Fidschi- und Tonga-Inseln, sowie vor allem mit Auckland aus Neuseeland und Sydney die Verbindung herstellen.
…
Außer Dampfern verkehren vornehmlich in Apia eine ganz beträchtliche Anzahl von Segelschiffen, meist Schooner und Dreimastschooner. Diese Fahrzeuge brin-gen Holz und andere Ladung, besonders Güter, welche hohe Dampferfrachtsätze nicht vertragen können, und nehmen dann als Rückladung vor allen Dingen Kopra ein.
Der Schiffsverkehr Apias betrug 1899 nicht weniger als 57 Dampfer und 75 Segler.«
Das Deutsche Kolonial-Lexikon zur Schiffahrt von Deutsch Samoa:
Das Schutzgebiet hat durch die Dampfer der Neuseelän-dischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft, Union Steam-ship Co., vierwöchentliche Verbindung mit Neuseeland (Auckland) und Australien (Sydney). Unterwegs berüh-ren diese Dampfer noch die Tonga- sowie die Fidschi-Inseln, so daß auch mit diesen britischen Kolonien ein direkter vierwöchentlicher Verkehr besteht. Seit Juli 1912 hat Samoa auch wieder Verbindung mit den Ver-einigten Staaten von Nordamerika [Nach der Übernah-me des größten Teils von Samoa durch Deutschland 1900 haben die Schnelldampfer der amerikanischen »Oceanic-Dampfergesellschaft« bald den Verkehr nach Apia eingestellt und sind auf Druck der US-Regierung Pago Pago im amerikanischen Teil von Samoa ange-laufen], und zwar durch die Schiffe der Oceanic Steam-ship Company in San Francisco, deren Dampfer gleich-falls vierwöchentlich zwischen San Francisco und Syd-ney expediert werden, und dabei unterwegs Honolulu und die in amerikanischem Besitz befindliche Samoa-insel Tutuila (Pagopago) anlaufen. Von dem letzteren Hafen vermittelt ein Lokaldampfer in ca. 6—8 Stunden den Verkehr mit Apia. Die Fahrt mit dem Dampfer der Union Steamship Company nach Apia dauert von Syd-ney ca. 12 Tage, von Auckland ca. 8 Tage, von den Tonga-Insel ca. 2 Tage und von den Fidschi-Inseln ca. 3 Tage. Von San Francisco wird Pagopago (Apia) in rund 14 Tagen, und von Honolulu in einer Woche erreicht. Der schnellste Verkehr mit der Heimat geht über die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Bei direktem Anschluß ist es auf dieser Route möglich, Apia von Deutschland aus in ca. 25—26 Tagen zu erreichen, während die Fahrt durch den Suezkanal via Australien infolge der ungünstigen Anschlüsse zurzeit nahezu 60 Tage dauert. Vom Oktober 1914 ab erhält Samoa auch noch Verbindung mit Deutsch-Neuguinea und Nieder-ländisch-Indien durch acht wöchentlich verkehrende Dampfer des Norddeutschen Lloyd. Der Schiffsverkehr im Hafen von Apia hat sich nach der letzten Statistik (1912) auf rund 80.902 t, die Kriegsschiffe nicht mit einbegriffen, mit 86 Dampfern und 32 Segelschiffen, belaufen. Nur 5 Segelschiffe waren deutscher Nationa-lität, dagegen 85 englischer und 28 amerikanischer Herkunft. — Der Lokalverkehr zwischen den einzelnen Inseln der Samoagruppe wird nach Bedarf durch kleine Küstendampfer unterhalten. Daneben lassen die Han-delsfirmen zur Bedienung ihrer Außenstationen Motor-boote und Segelkutter verkehren. —