Kategorien
Allgemeine Ereignisse IV

Das Deutsche Reich ist zwar schon seit 1879 in der seit diesem Jahr bestehenden deutsch-britisch-amerikani-schen Verwaltung auf der Samoa-Insel Upolu gleichbe-rechtigt beteiligt, aber erst durch den Vertrag der drei Mächte von 1899 gehen die vier westlichen Samoainseln – Upolu, Savaii, Manono und Apolima – vollständig in deutsche Kolonialverwaltung über. So wird am 1. März 1900 auf Upolu unter der Teilnahme des Landungskorps der SMS Cormoran die Reichsflagge gehißt. Zum Gou-verneur ist Dr. Wilhelm Solf ernannt.

Kaufmann Otto Riedel aus Apia über den 1. März 1900:

»Ganz Apia war am Morgen des 1. März festlich ge-schmückt. Überall wehten schwarz-weiß-rote Fahnen. Aus allen Teilen von Upolu, Savaii, Manono und Apolima waren blumenbekränzte Samoaner gekommen. Man schätzte ihre Zahl auf fünftausend. Der Hafen wimmelte von Booten, und die Schiffe hatten über die Toppen ge-flaggt.

Der feierliche Akt selbst sollte auf dem Platz vor dem ›Königspalaste‹ in Mulinuu stattfinden, der dafür beson-ders hergerichtet war. Um neun Uhr rückte mit klingen-dem Spiel eine Matrosenabteilung an und nahm mit Front zum Flaggenmast Aufstellung. An der rechten Sei-te des Platzes stellten sich die Schulen und die Mitglie-der des Munizipalrates auf. Vor dem Flaggenmast stan-den der Gouverneur und der Kommandant [der Cor-moran] sowie die Ehrengäste – darunter auch in sehr würdiger Haltung der weißhaarige Mataafa und seine höchsten Häuptlinge.

Neben ihnen fanden die deutschen und die Angehöri-gen der anderen Nationen ihre Plätze. Dahinter dräng-ten sich dann die Samoaner, für die dies ungewohnte Schauspiel natürlich eine ungeheure Anziehungskraft besaß.

Doktor Solf hatte sich mit Hilfe des Bordschneiders des Cormoran eine Gouverneursuniform herstellen lassen, die zwar nur behelfsmäßig und nicht ganz vorschrifts-mäßig, aber mit ihren Admiralspauletten recht prunk-voll gewesen ist. Dazu trug er einen Tropenhelm, so daß er höchst kriegerisch aussah. In dieser großen Gala eröf-fnete er die Feier mit folgenden sehr sachlichen Wor-ten: „Ich erfülle die ehrenvolle Pflicht, Ihnen Kunde zu geben von dem Allerhöchsten Erlaß, durch welchen Seine Majestät der Kaiser im Namen des Reiches die Inseln Upolu, Savaii, Manono und Apolima als deutsches Schutzgebiet erklärt hat. Der Wortlaut des Allerhöchs-ten Erlasses ist folgender: ›Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen usw. tun kund und fügen hiermit zu wissen: Nachdem die Verei-nigten Staaten von Amerika und Großbritannien auf ihre Rechte und auf die westlich des 171. Längengrades gelegenen Inseln der Samoagruppe zugunsten Deutsch-lands verzichtet haben, nehmen wir hiermit im Namen des Reiches diese Inseln unter unsern kaiserlichen Schutz. Gegeben Jagdschloß Hubertusstock, den 17. Februar 1900.‹

Darauf übergab Vizekonsul Grunow den beiden Herren, die mit der Hissung der Flagge beauftragt waren, die Dienstflagge des Reiches, die bisher auf dem General-konsulat geweht hatte. Während ›Heil dir im Sieger-kranze‹ erklang, die Ehrenwache präsentierte und der Kreuzer im Hafen Flaggensalut schoß, stieg die deut-sche Flagge hoch.«


Von 1902 bis 1905 errichtet Otto Tetens im Auftrag der Königlichen Wissenschaftlichen Gesellschaft zu Göttin-gen das Geophysikalische Observatorium Apia auf der Halbinsel Mulinuu, dessen erster Direktor er auch ist. Das Observatorium ist unter anderem mit einem asta-tischen Pendel ausgestattet. Hiermit werden viele Ein-sichten in den Weg der Erdbebenwellen durch das Erd-innere erlangt. Sein 1000-kg-Horizontalpendel ist so empfindlich, daß es bei stärkeren nahen Beben mehr-fach umfällt.

Die Zeit wird 14-täglich mit Meridian-Instrument und Sternzeitchronometer bestimmt. Dazwischen ist man auf einen Knoblich-Schiffschronometer und zur Kon-trolle auf einen Bröcking-Sternzeitchronometer ange-wiesen, bis das Observatorium 1910 eine genauere Pen-deluhr erhält.

Da der Seismograph nur 1,2 km vom umbrandeten Riff entfernt ateht, wird der Aufprall der Dünung sehr stark aufgezeichnet. Weil das Gebäude auf Korallensand ge-baut ist, werden ferne Beben stark gedämpft.


Im Oktober 1902 bricht überraschend im unbewohnten mittleren Teil der Insel Savaii ein seit Menschengeden-ken ruhender Vulkan aus. Der Ausbruch dauert mehre-re Monate.

Ein noch stärkerer Vulkanausbruch ereignet sich im August 1905 bei Matautu, einige Kilometer im Inland von der Nordküste Savaiis entfernt. Ein mächtiger Kra-ter bildet sich, aus dem ein breiter, Dörfer der Eingebo-renen und europäische Ansiedlungen vernichtender Lavastrom sich zur Küste vorschiebt, um sich unter un-geheuerer Dampfentwicklung ins Meer zu ergießen. Die vulkanische Tätigkeit auf der Insel erlischt schließlich 1911 wieder.

Durch den Vulkanausbruch auf Savaii verliert das Dorf Saleaula durch die hereinbrechende Lava fast sein ge-samtes Land. Deshalb siedelt die Regierung das Dorf in den Osten von Upolu um. Ende Oktober 1911 besucht Gouverneur Solf die eben erst vollendete Ansiedlung und wird von den Bewohnern feierlich empfangen, als Dankbarkeit für die Hilfe in der Not. Der Ort wird nun auch offiziell in die Verwaltungsorganisation der Insel Upolu eingereiht.








Vom 28. Februar bis zum 3. März 1910 finden auf Samoa die Feiern anläßlich der 10. Wiederkehr der Übernahme der Inseln durch das Deutsche Reich statt. Für das Er-eignis ist von der Marine der Kleine Kreuzer Cormoran entsandt, der auch Häuptlinge und ihre Familien von der Insel Sawaii zu den Festlichkeiten nach Apia bringt.

Besucht ein deutsches Kriegsschiff die samoanischen Inseln kann auf Requisition des Kaiserlichen Gouver-neurs aus Gründen der Machtdemonstration bei den schwierigen inneren politischen Verhältnissen der Sa-moaner eine Fahrt zu verschiedenen Küstenorten erfol-gen, für Besuche bei den deutschen Offiziellen und ein-heimischen Größen.

So trifft am 16. Juli 1910 das Flaggschiff des Ostasia-tischen Geschwaders, der Große Kreuzer Scharnhorst, mit dem Kleinen Kreuzer Nürnberg für einen längeren Besuch auf Samoa ein. Am 9. September verläßt die Nürnberg die Inseln wieder und hat dabei das marine-eigene Vermessungsschiff Planet im Schlepp, das einen schweren Maschinenschaden hat. Am 24. September erreicht die Nürnberg mit der havarierten Planet Singapur, für die Reparatur ihrer Kesselanlage.


Die Besatzung eines deutschen Kriegsschiffes kann bei einem Samoa-Aufenthalt Ausflüge auf den Inseln ma-chen, so auch in die Vulkanlandschaften der Inseln. Otto Ohlsen, ein Besatzungsmitglied der SMS Cormoran, beschreibt einen solchen Ausflug:

»Am 19. Oktober 1911 machte die dritte Wache einen Ausflug in die Berge. Es ging bereits um sieben Uhr los. Nach zweistündiger Wanderschaft kehrten wir in die deutsche Waldwirtschaft ‚Kaiserhöh’ ein. Wir trafen da nette Leute an, die uns bestens bewirteten und kein Geld dafür nehmen wollten. Von da ging es in Richtung Kratersee immer durch den Urwald. Der See liegt oben auf einem Berg, der früher ein Vulkan war. Er soll un-endlich tief sein. Da das Wetter schön war, badeten wir in dem doch etwas unheimlichen Gewässer. Nachdem wir oben gegessen hatten, begannen wir mit dem Ab-stieg und erreichten gegen sechs Uhr wieder Apia.«

In der Samoanischen Zeitung findet sich die Anzeige des Erholungsheims Kaiserhöhe:

»Meinen geehrten Landsleuten und dem werten Publi-kum hiermit die Anzeige, daß obiges Heim ein idealer Aufenthaltsort ist für Müde, Abgespannte und Ruhebe-dürftige. Weshalb das Geld dem Lande entziehen, wenn man hier in der herrlichen Aussichtshöhe dieselbe rei-ne, kühle, gesunde Luft hat wie in Neuseeland! Es ist niemals heiß hier oben, und zuzeiten sinkt die Tempe-ratur so weit, daß man Schüttelfrost bekommt. – Stets vorhanden: Frisches Gemüse, Butter, Eier, Milch und Geflügel. Schön möblierte Schlaf-, Speise-, Lesezimmer und Veranda. Das Büfett enthält die feinsten gangbar-sten Getränke und Zigarren zu Apia-Preisen. Vorzüg-liche Küche, Fluß- und Duschebäder. Großer Spielraum für Vereine, Ausflügler und Picknickgesellschaften. Pferde werden auf die Weide genommen.«

Der Betreiber von Kaiserhöhe hat aber nicht nur Neu-seeland als Konkurrenz, sondern auch die ein Stück wei-ter liegende Erholungsstation Afiamalu eines deutschen Mitbewerbers.

Otto Ohlsen über den nächsten Besuchsort der Cormo-ran:

»Auf Saluafata konnten wir morgens an Land. Die Sa-moaner veranstalteten für uns ein „Siva-Siva“; also eines ihrer traditionellen Feste. Zuerst gab es ein großes Fest-essen mit den Offizieren. Es bestand aus im Ganzen gebratenen Schweinen und Hühnern; dazu gab es Taro und Bananen.«

Dann liegt das Schiff vor der Insel Savaii. Der Komman-dant der Cormoran, Paul Ebert, beschreibt den Landaus-flug mit einem großen Teil der Mannschaft zu dem erst wenige Jahre vorher ausgebrochenen und wieder erlo-schenen Vulkan Matavanu unter Führung von Eingebo-renen:

»Fröhlich setzte sich nun die Expedition in Bewegung. Nach etwa zweieinhalb Kilometern Weges gelangten wir auf das breite Lavafeld. Wenn sich der Leser ver-gegenwärtigt, daß hier eine dickflüssige, glühende, sich bergab wälzende Gesteinsmasse zur Erstarrung gekom-men war, so wird er eine Vorstellung gewinnen, welche grotesken Verwerfungen diese versteinerte Strom-schnelle zeigte, gleichzeitig aber wie jämmerlich unser bedauernswertes Schuhwerk von diesem glasharten und messerscharfen Gestein zugerichtet wurde. Etwa 18 Kilometer lang hatte dieser alles vernichtende und un-ter sich begrabende Lavastrom sich bis zu seiner Mün-dung ins Meer erstreckt. Es soll ein überwältigendes Schauspiel gewesen sein, dort am Strande, wo unter gewaltigem Brausen und Zischen ungeheure Dampfwol-ken zum Himmel strebten. An einzelnen Stellen hatte offenbar die erstarrende Masse gewaltige Blasen gebil-det, deren dünne Decke dann später einbrach, so daß nunmehr weite Grotten mit vielgezackten Wänden sich auftaten, auf deren Grunde sich allmählich ein kristall-klares Wasserbecken bildete. Aus diesem Grunde muß-te unser Marsch aber auch mit großer Vorsicht unter kundiger Führung vor sich gehen, da immer noch mit neuen Einbrüchen gerechnet werden mußte. Gegen Mittag waren wir am Krater angelangt, wo eine einfache Holzhütte als Raststätte sich zeigte. Vorsichtig blickten wir am Kraterrande in die jäh abfallende Tiefe. Wenn dort auch der vordem wild kochende Lavasee versiegt war, so machten doch beständig aufsteigende, heiße Schwefeldämpfe eine nähere Untersuchung des Ab-grundes unmöglich. Einen traurigen Anblick gewährte der hinter der Rasthütte beginnende Wald, dessen in-folge der giftigen Dämpfe abgestorbene Baumriesen die blattlosen Äste wie in stummer Klage zum Himmel streckten. Nachdem das mitgebrachte Frühstück ver-zehrt war, wurde der recht beschwerliche Rückweg an-getreten.«

Die Beschreibung Ohlsen von diesem Ausflug:

»Am Sonntagmorgen den 29. Oktober fuhren wir an Land. Der Kommandant sowie Offiziere und die Hälfte der Besatzung waren mit dabei. Zuerst ging es zwei Stun-den durch den Wald. Dann kamen wir an das Lavafeld. Bis zum Krater war es noch eine Stunde zu laufen; im-mer über die schwarze Lava. Der Krater bildete ein brei-tes tiefes Loch, welches noch ziemlich stark rauchte. Der Wald lag viele Kilometer weit unter der Lava begraben, nur hie und da ragte noch ein Baum heraus. Der Vulkan brach zuletzt im Jahre 1903 aus und war bis zum Jahre 1906 aktiv. Jetzt rauchte er nur noch etwas. Nachdem wir gegessen und uns ein paar Stunden ausgeruht hatten, machten wir uns wieder auf den Rückmarsch. Vor Savaii war eine starke Brandung und als wir zurück fuhren, wären wir um ein Haar umgeschlagen. Glücklich erreichten wir das Schiff. Abends gegen 8 Uhr kamen Eingeborene mit Weibern an Bord und machten „Siva-Siva.“«

Dann ist das Schiff wieder in Apia: »Am 4. November fand an Land ein Ball mit Theateraufführung für uns statt. Wir hatten Urlaub bis zum Wecken.«


1910 trifft der junge deutsche Rassenhygieniker Carl Eduard Michaelis auf Samoa ein und prangert in seiner Schrift: »Offener Brief an den Pflanzerverein von Samoa«, der am 1. April 1911 in der Samoanischen Zeitung veröffentlicht wird, die Rassenmischung an. Daraufhin wird Michaelis von wütenden samoanischen Frauen, die um ihre Verbindungen zu deutschen Män-nern fürchten, mit Stöcken und Peitschen die Straße entlang gejagt.

Die deutsche Verwaltung weist Michaelis als Unruhe-stifter aus Samoa aus.



Im Januar 1913 wird ein Vermessungsdetachment von zehn Mann der SMS Cormoran ausgeschifft, daß in der etwa sieben Kilometer breiten Apolimastraße zwischen den beiden größten Samoainseln Upolu und Sawaii Vermessungen durchführen soll. Der Trupp bezieht in den sauberen Hütten der Eingeborenen der Insel Ma-nono in der Apolimastraße Quartier. Technisch wäre es für die Vermessungsarbeiten am besten auf der ganz kleinen Insel Apolima, nach der die Meeresstraße be-nannt ist und die genau in der Mitte der Straße liegt, einen trigonometrischen Punkt festzulegen, da sonst die ganze Vermessungsaufgabe nur ungenügend gelöst werden könnte, nur ist das Inselchen, ein längst erlo-schener Krater, für europäische Boote unerreichbar und selbst die Einheimischen mit ihren Kanus haben Mühe auf der Insel zu landen. Bisher hat es auch nur ein Wei-ßer geschafft auf die Insel zu gelangen, der vormalige Gouverneur von Samoa, Wilhelm Solf.

Das Vermessungsdetachment beschließt auf die Insel zu kommen, um dort den notwendigen trigonometrischen Punkt auf der Insel zu setzen und da die Zeit für die Arbeiten drückt sofort hinüberzufahren. Der Häuptling von Manono rät dringend ab, weil bei dem augenblick-lichen Seegang kein Kanu und kein Boot in Apolima anlanden könnte. Das Detachment läßt sein Ruderboot von einem kleinen Motorboot zur Kraterinsel schleppen und mit einer bronzenen Athletengestalt, einem Einhei-mischen von Manono im Bug des Ruderbootes als Lotse stehend, geht es nach Apolima. An der kreisrunden kegelförmigen Kraterinsel von etwa einem Kilometer Durchmesser schlägt von allen Seiten die Brandung ein. Die Gischt fliegt hoch hinauf bis in die üppigen Palmen und Stauden, die den Abhang bewachsen. Der Lotse führt die Boote bis zum Hafen von Apolima, an dem ein Dorf liegt. Die wenige Meter breite Einfahrt ist von stei-len Felsen eingerahmt. Von außen kann man durch die Einfahrt in das Kraterinnere sehen, wo im üppigen Grün die Hütten des Dorfes sichtbar werden. Der Lotse sagt: „It is too rough“, für eine Einfahrt ist die See zu rauh, doch der befehlshabende Offizier befiehlt vom Motor-boot loszumachen und mit den sechs Ruderern im Boot die Einfahrt zu bezwingen. Das Motorboot soll nachmit-tags wieder zur Stelle sein, um das wieder ausgefahrene Ruderboot erneut an den Haken zu nehmen.

Vor der Einfahrt wird ein Wellenberg abgewartet und mit der Kraft von zwölf starken Seemannsarmen wird das Boot zwischen den Felsen durchgebracht und die Welle wirft das Boot auf den Strand des winzigen run-den Hafenbeckens. Die jubelnden Bewohner des Dorfes ergreifen die Jolle und ziehen sie schnell hinauf aufs Trockene und die Welle flutet ohne das Ruderboot zu-rück ins Meer.

Zum Teil auf den Schultern der Männer des Dorfes hält der deutsche Vermessungstrupp Einzug ins Dorf. Einige der wenigen Bewohner von Apolima hatten schon von einem hohen Felsen herab die beiden Boote kommen sehen und alle haben gespannt das Einfahrmanöver beobachtet. Zwar spricht keiner der Deutschen Samo-anisch und die Apolimaner nur Samoanisch, doch die Deutschen verstehen, daß sie von den Dorfbewohnern zu einem Fest als erste größere europäische Besucher-gruppe auf ihrer Insel eingeladen sind und die Deut-schen können begreiflich machen, daß sie auf die höch-ste Spitze der Insel geführt werden wollen.

Der zwar nur etwa einen Kilometer lange Marsch zur Spitze der Insel ist allerdings eine gewaltige Anstren-gung. Durch den dichten Urwald führt ein ganz schma-ler, zum Teil wieder zugewachsener Eingeborenenpfad. In drückender, feuchter Treibhaushitze führt dieser Pfad über schlüpfrige Steine, Dornengebüsch und Wur-zelwerk, durch nasses Gras, Spinnengewebe und Amei-senhaufen immer steil bergauf. Die Papageien flattern und kreischen erschrocken über die Eindringlinge in ihre Welt. Erschöpft und mit zerrissenen Hemden und Hosen erreicht der Trupp den gewünschten Vermes-sungspunkt, von dem sich ein großartiger Blick auf die Apolimastraße und das an die Apolimainsel brandende Meer bietet. Der kühle Wind und von den Samoanern mitgebrachte Kokosnüsse erfrischen die Deutschen und während die einen ihre Instrumente aufbauen und Ver-messungsarbeiten machen, entasten die anderen einen fest verwurzelten starken Baum als weithin sichtbare Bake, als Peilpunkt für Vermessungen. Eine beim Auf-stieg zerrissene khakifarbene Jacke wird als Fahne zur guten Sichtbarkeit der Bake an die Spitze des entasteten Baumes genagelt und dann wird mit Äxten alles rings um den Baum stehende Gestrüpp und Baumwerk um-gelegt, für eine allseits freie Sicht auf die Bake. Dann beginnt der Abstieg ins Dorf, wo das Fest vorbereitet ist. Es ist ein typisch samoanisches Fest.

Die Gäste sitzen vor dem Versammlungshaus des Dor-fes und die königlich verehrte Dorfjungfrau tanzt im Schmuck einer malerischen, hohen, bunten Krone aus Federn und Muscheln. Sie wird umkreist von den be-waffneten Söhnen des Häuptlings. Der Chor der Männer singt, noch verborgen im Wald, feierlich-ernste Melo-dien. Frauen und Kinder umschließen als Rahmen den Schauplatz. Der Chor der Männer kommt näher, die Me-lodien schwellen an, nehmen ab und erinnern mit die-sem monotonen Auf und Ab an die Dünung des Meeres. Die Tänzer treten zurück, die Melodie verstummt, und gleich einer strandenden Welle flutet der Chor der Männer auf die Gäste und legt seine Festgeschenke nieder. Es sind Hühner, Fische, Kokosnüsse, Bananen und Melonen. Nun folgen für die Deutschen unver-ständliche Begrüßungsansprachen und dann bildet die Bereitung der Kawa den Höhepunkt der Willkommens-feier. Man muß die von der Dorfjungfrau zubereitete Kawa trinken – das verlangt des Landes Brauch. Die Kawa schmeckt zwar sehr nach grüner Seife, aber ist doch ein erfrischendes Getränk.

Die Deutschen haben diese Feier schon in anderen Dör-fern erlebt und sind nicht ganz bei der Sache, weil sie immer ein Auge auf die donnernde Brandung in dem kleinen Hafenbecken haben. Ist die Einfahrt von einer hereinkommenden Welle hoch mit Wasser gefüllt, brandet die tosende See im nächsten Augenblick fast bis zu den Hütten und die eben noch von der einlau-fenden Welle überdeckten spitzen Felsen in der Ein-fahrt liegen frei und ragen drohend empor. Dann strömt das Wasser aus dem Hafenbecken, die Felsen verschwinden unter der herausrollenden Wassermasse und das Hafenbek-ken leert sich. Schon braust die nächste Welle ins Becken und schießt den Strand hoch. Wie kommen sie hier wieder raus?, beschäftigt die Gäste mehr als das Fest.

Nach dem Essen befiehlt der befehlshabende Offizier „Jolle klar!“ und das auf Strand liegende Ruderboot der Cormoran wird von seiner Besatzung bestiegen. Der Häuptling von Apolima übernimmt selbst das Ruder der Jolle und seine Männer fassen das Boot und warten bis das Kommando „Hoi!“ ihres Häuptlings kommt und sie das Boot in eine aufgelaufene Welle stoßen. Die zurück-flutende See reißt die Jolle mit und die Matrosen pullen aus Leibeskräften. Pfeilschnell geht es durch das Felsen-tor hinaus. Das Boot ist draußen und die Dünnung des Meeres hebt und senkt das Boot. Da springt der Häupt-ling ins Wasser, ruft der Bootsbesatzung den Gruß sei-ner Heimat zu: „Tosa“, „Ich liebe dich“, und schwimmt lachend mit weit ausholenden Armen auf dem Rücken einer See wieder in sein kleines, romantisches Reich. Die Deutschen winken den Dorfbewohnern durch das Felsentor noch einige Abschiedsgrüße zu und werden dann vom schon wartenden Motorboot nach Manolo geschleppt, wo sich die Männer des Vermessungsde-tachments auf einem Lager aus weichen geflochtenen Matten von den Anstrengungen und Aufregungen des Tages erholen.