Das Deutsche Reich ist zwar schon seit 1879 in der seit diesem Jahr bestehenden deutsch-britisch-amerikani-schen Verwaltung auf der Samoa-Insel Upolu gleichbe-rechtigt beteiligt, aber erst durch den Vertrag der drei Mächte von 1899 gehen die vier westlichen Samoainseln – Upolu, Savaii, Manono und Apolima – vollständig in deutsche Kolonialverwaltung über. So wird am 1. März 1900 auf Upolu unter der Teilnahme des Landungskorps der SMS Cormoran die Reichsflagge gehißt. Zum Gou-verneur ist Dr. Wilhelm Solf ernannt.
Kaufmann Otto Riedel aus Apia über den 1. März 1900:
»Ganz Apia war am Morgen des 1. März festlich ge-schmückt. Überall wehten schwarz-weiß-rote Fahnen. Aus allen Teilen von Upolu, Savaii, Manono und Apolima waren blumenbekränzte Samoaner gekommen. Man schätzte ihre Zahl auf fünftausend. Der Hafen wimmelte von Booten, und die Schiffe hatten über die Toppen ge-flaggt.
Der feierliche Akt selbst sollte auf dem Platz vor dem ›Königspalaste‹ in Mulinuu stattfinden, der dafür beson-ders hergerichtet war. Um neun Uhr rückte mit klingen-dem Spiel eine Matrosenabteilung an und nahm mit Front zum Flaggenmast Aufstellung. An der rechten Sei-te des Platzes stellten sich die Schulen und die Mitglie-der des Munizipalrates auf. Vor dem Flaggenmast stan-den der Gouverneur und der Kommandant [der Cor-moran] sowie die Ehrengäste – darunter auch in sehr würdiger Haltung der weißhaarige Mataafa und seine höchsten Häuptlinge.
Neben ihnen fanden die deutschen und die Angehöri-gen der anderen Nationen ihre Plätze. Dahinter dräng-ten sich dann die Samoaner, für die dies ungewohnte Schauspiel natürlich eine ungeheure Anziehungskraft besaß.
Doktor Solf hatte sich mit Hilfe des Bordschneiders des Cormoran eine Gouverneursuniform herstellen lassen, die zwar nur behelfsmäßig und nicht ganz vorschrifts-mäßig, aber mit ihren Admiralspauletten recht prunk-voll gewesen ist. Dazu trug er einen Tropenhelm, so daß er höchst kriegerisch aussah. In dieser großen Gala eröf-fnete er die Feier mit folgenden sehr sachlichen Wor-ten: „Ich erfülle die ehrenvolle Pflicht, Ihnen Kunde zu geben von dem Allerhöchsten Erlaß, durch welchen Seine Majestät der Kaiser im Namen des Reiches die Inseln Upolu, Savaii, Manono und Apolima als deutsches Schutzgebiet erklärt hat. Der Wortlaut des Allerhöchs-ten Erlasses ist folgender: ›Wir Wilhelm von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen usw. tun kund und fügen hiermit zu wissen: Nachdem die Verei-nigten Staaten von Amerika und Großbritannien auf ihre Rechte und auf die westlich des 171. Längengrades gelegenen Inseln der Samoagruppe zugunsten Deutsch-lands verzichtet haben, nehmen wir hiermit im Namen des Reiches diese Inseln unter unsern kaiserlichen Schutz. Gegeben Jagdschloß Hubertusstock, den 17. Februar 1900.‹
Darauf übergab Vizekonsul Grunow den beiden Herren, die mit der Hissung der Flagge beauftragt waren, die Dienstflagge des Reiches, die bisher auf dem General-konsulat geweht hatte. Während ›Heil dir im Sieger-kranze‹ erklang, die Ehrenwache präsentierte und der Kreuzer im Hafen Flaggensalut schoß, stieg die deut-sche Flagge hoch.«
Von 1902 bis 1905 errichtet Otto Tetens im Auftrag der Königlichen Wissenschaftlichen Gesellschaft zu Göttin-gen das Geophysikalische Observatorium Apia auf der Halbinsel Mulinuu, dessen erster Direktor er auch ist. Das Observatorium ist unter anderem mit einem asta-tischen Pendel ausgestattet. Hiermit werden viele Ein-sichten in den Weg der Erdbebenwellen durch das Erd-innere erlangt. Sein 1000-kg-Horizontalpendel ist so empfindlich, daß es bei stärkeren nahen Beben mehr-fach umfällt.
Die Zeit wird 14-täglich mit Meridian-Instrument und Sternzeitchronometer bestimmt. Dazwischen ist man auf einen Knoblich-Schiffschronometer und zur Kon-trolle auf einen Bröcking-Sternzeitchronometer ange-wiesen, bis das Observatorium 1910 eine genauere Pen-deluhr erhält.
Da der Seismograph nur 1,2 km vom umbrandeten Riff entfernt ateht, wird der Aufprall der Dünung sehr stark aufgezeichnet. Weil das Gebäude auf Korallensand ge-baut ist, werden ferne Beben stark gedämpft.
Im Oktober 1902 bricht überraschend im unbewohnten mittleren Teil der Insel Savaii ein seit Menschengeden-ken ruhender Vulkan aus. Der Ausbruch dauert mehre-re Monate.
Ein noch stärkerer Vulkanausbruch ereignet sich im August 1905 bei Matautu, einige Kilometer im Inland von der Nordküste Savaiis entfernt. Ein mächtiger Kra-ter bildet sich, aus dem ein breiter, Dörfer der Eingebo-renen und europäische Ansiedlungen vernichtender Lavastrom sich zur Küste vorschiebt, um sich unter un-geheuerer Dampfentwicklung ins Meer zu ergießen. Die vulkanische Tätigkeit auf der Insel erlischt schließlich 1911 wieder.
Durch den Vulkanausbruch auf Savaii verliert das Dorf Saleaula durch die hereinbrechende Lava fast sein ge-samtes Land. Deshalb siedelt die Regierung das Dorf in den Osten von Upolu um. Ende Oktober 1911 besucht Gouverneur Solf die eben erst vollendete Ansiedlung und wird von den Bewohnern feierlich empfangen, als Dankbarkeit für die Hilfe in der Not. Der Ort wird nun auch offiziell in die Verwaltungsorganisation der Insel Upolu eingereiht.
Der Mann von Frieda Zieschank ist Arzt in Apia und sie begleitet ihn so oft wie möglich bei seinen ärztlichen Touren auf Samoa, um Land und Leute kennenzulernen: »Gestern war ich mit auf großer Diensttour, in Muli-fanua, an der Westspitze der Insel.
Der Weg dorthin führt immer am Strande entlang, durch zahlreiche Samoadörfer, die hier besonders dicht nebeneinander liegen. Jede der Ortschaften, trotzdem sie oft nur einer größeren Sippe gehören, hat eine Kirche! Zuweilen sieht man auch nur die Mauern einer solchen, halbfertig, von Unkraut überwuchert, aufragen — das Geld war wohl beim Bau ausgegangen!
Verschiedene Flußmündungen sind auf dem Wege zu passieren, aber es sind sehr zahme, schmale Wässer-chen, in denen meist eine Anzahl Eingeborener herum-plätschert, teils waschend, teils badend, teils faulenzend.
Der ganze Strand ist stark gebuchtet, kulissenartig schiebt sich eine Landspitze hinter der andern vor. Ein-zelne Samoaner in Kanoes paddeln auf See herum, zu-weilen sieht man auch ganze Dörfer beim Fischfang mit großen Netzen draußen zwischen Strand und Außenriff.
Allmählich tauchte aus dem Dunst der Ferne die mäch-tige Silhouette Savais deutlicher auf, daneben die klei-nen Inseln Manono und Apolima.
Nach reichlich vier Stunden Fahrt erreichten wir Muli-fanua, die größte aller Palmplantagen Samoas. Nament-lich unter dem jetzigen Verwalter hat sich diese Pflan-zung glänzend entwickelt und stellt wohl das Großar-tigste in ihrer Art dar.
Ich ließ es mir nicht nehmen, nach kurzer Rast die Fahrt meines Mannes auf die verschiedenen Stationen zur Inspizierung der Kranken mitzumachen. Wir fuhren im Wagen des Verwalters, der uns in einem zweiten Buggy begleitete. Seine beiden großen Hunde sprangen lustig bellend neben her.
Von einer Station zur andern ging es, auf zuweilen schauderhaften Wegen. Überall Palmen und wieder Pal-men! Unter ihnen grasten die Rinder und glotzten uns in stiller Beschaulichkeit an.
Da zog vor uns eine riesige Herde quer über den Weg, kläffend sprangen die Hunde drauf zu!
Aber, o weh, es waren größtenteils Kühe mit jungen Kälbern. Sie glaubten ihre Jungen in Gefahr und setzten sich mit ihren langen spitzen Hörnern zur Wehr.
Der Verwalter versuchte die Hunde zurückzupfeifen, vergebens! Die Köter waren auf Schweinejagd dressiert und ohne Appell. Sie gehorchten nicht und bedrängten heftiger die Kälber.
Immer mehr Rinder eilten zur Verteidigung herzu, gin-gen aber auch gleich in Angriffsstellung gegen uns über. Bald sahen wir uns von einer wütenden Herde von einigen hundert Rindern mit drohend gesenkten Köp-fen umringt. Die Pferde scheuten zitternd zurück, die Situation war scheußlich!
„Schnell, durch!“ rief der Verwalter und raste mit sei-nem Buggy an uns vorbei, vom Wege abbiegend, quer-feldein.
Unser Pferd bockte, nur heftige Peitschenhiebe trieben es vorwärts hinter dem Verwalter her, durch die Lücke in der rasenden Herde.
Ein paar Dutzend der wütenden Tiere verfolgte uns noch eine lange Strecke.
Ein lebensgefährlich Erlebnis in diesem sonst so harm-losen Lande!«
Im Juli 1907 notiert Frieda Zieschank über das Deutsch-tum auf Samoa:
»Immer reden ältere Leute von „der guten, alten Zeit!“ Auch hier höre ich öfters langjährige Ansiedler von einer solchen sprechen, und zwar meinen sie damit die Zeit vor der Flaggenhissung [1. März 1900].
„Damals waren wir deutsch, viel deutscher als jetzt!’“ behaupten sie.
Was diesen Äußerungen, die mich zuerst entsetzten, zu Grunde liegt, verdient eine schärfere Prüfung. Aber, Gott sei Dank, es kann diese Prüfung ziemlich bestehen. Klarer ausgedrückt müßte es nämlich heißen: „Wir fühlten deutscher, weil wir für unser Deutschtum ban-gen und kämpfen mußten!“
In den langen schweren Jahren, die der Besitzergreifung der Inseln voraus gingen, war es ganz natürlich, daß sich unsere Landsleute inniger zusammen geschlossen hat-ten gegen die fremden Elemente. So waren in der Zeit der deutsche Schulverein und der Verein „Concordia“ in diesem Sinne entstanden, die alles Deutsche fest zusammen schweißten. Große pekuniäre Opfer wurden damals aus den Privatmitteln der Ansiedler gebracht, z. B. zur Gründung und Unterhaltung einer deutschen Schule.
Nun hatten sie nach der endlichen Deutschwerdung vermutlich einen plötzlichen vollständigen Umschwung der Verhältnisse erwartet!
Natürlich war eine deutsche Verwaltung mit deutschen Beamten gekommen, aber es hatte doch viel Altes mit übernommen werden müssen.
Die fremden Ansiedler blieben nicht nur fast alle in der Kolonie, es kamen noch neue hinzu, im Anfang mehr als aus dem Mutterlande.
Da waren noch die fremden Missionen und die alten Grundbücher; es blieb also bei den englischen Flächen-maßen. Ebenso behielten die Kaufleute die englischen Maße und Gewichte bei, da sie ihre Ware ja noch hauptsächlich aus dem Auslande bezogen.
Auch die englischen und amerikanischen Münzen blie-ben nach wie vor neben den deutschen im Umlauf.
Daß aber die englische Sprache vorherrschend blieb und auch unser Deutsch hier stark mit englischen Brocken vermengt wird, ist fast die ausschließliche Schuld der alten Ansiedler selbst, die sich über den Mangel an deutscher Art beklagen.
Und das Merkwürdigste ist: gerade die meisten von ihnen sprechen in ihren Familien nie ihre Mutter-sprache! Meist mit Halbweißen verheiratet, haben sie aus Bequemlichkeit überhaupt kaum den Versuch ge-macht, ihre Frauen zur deutschen Sprache zu bekehren. An den Frauen liegt das bestimmt nicht; die sind sehr intelligent, verstehen zum Teil recht gut deutsch, spre-chen es aber nicht, da sie von ihren Männern nicht dazu angehalten werden. Und selbstverständlich sprechen auch die Kinder fast nur die Sprache der Mütter, eng-lisch oder samoanisch.
So kommt es, daß es hier eine ganze Anzahl Frauen gibt, deren Vater ein Deutscher, die einen deutschen Mann geheiratet, diesem Kinder geboren haben und die trotz-dem samt ihren Kindern kein deutsches Wort spre-chen!
Und dies ist meiner Ansicht nach die schlimmste Unterlassungssünde, denn gerade in der Familie muß das Deutschtum wurzeln! Das Andere sind wohl be-dauerliche Erscheinungen, aber doch mehr nebensäch-licher Natur.
Daß allerdings im Gouvernementsrat, dem neben fünf deutschen Ansiedlern auch zwei Engländer angehören, noch längere Jahre englisch verhandelt wurde und daß die deutschen Gouvernementsräte, die dieser Sprache nicht voll mächtig waren, sich genötigt sahen, sich die Reden übersetzen zu lassen, mußte wohl tief schmerz-lich berühren! Doch ist auch darin nun längst eine Änderung eingetreten.
Wenn aber auch vielen Altangesessenen das Empfinden für die äußere Ausdrucksform ihres Volkstums abhan-den gekommen, so sind sie im Kern ihres Wesens doch bestimmt alle gute echte Deutsche! Sie lebten nur zu lange und mit zu viel Ausländern in engem Verkehr. Stärkerer frischer Zuzug aus der Heimat würde sicher-lich die fremden Auswüchse bald schwinden, lassen!«
Ende Juli 1907 schreibt die schwangere Frau Zieschank in ihr Tagebuch: »Deutscher Boden ist es ja, auf dem unser Kindchen geboren werden wird, deutsches Land in der fernsten Ecke der Welt. Und das ist die Haupt-sache! Nie würde ich mich in fremdem Lande, und sei es noch tausendmal schöner, einleben und glücklich füh-len können!
Zu Hause hätte ich solche Äußerungen von andern als „Hurrapatriotismus“ verspottet, erst in der Fremde bin ich eine gute, bewußte Deutsche geworden.
Zum erstenmal empfand ich das, als ich auf der Fahrt hierher in Sydney Kaisers Geburtstag [27. Januar 1906] erlebte. Wie unsere Schiffe dort im fremden Hafen im Flaggenschmuck prangten und die Kapellen die Natio-nalhymne spielten, da erfaßte ich zum erstenmal die Bedeutung der Weltmachtsstellung meines Vaterlan-des. Und hier die Flagge über der einsamen Insel auf der andern Seite der Erdkugel, ist sie nicht das herrlichste Symbol seiner Größe? Daß das Deutschtum hier im Lande selbst noch nicht rein und unverfälscht hervor-tritt — was verschlägt es? Desto reizvoller ist die Auf-gabe, an der Verdeutschung mitzuwirken. Und das tut jeder gute Deutsche hier, ob hoher Beamter oder einfacher Handwerker, ob Mann, ob Frau, einfach nur durch sein Vorhandensein.«
Frieda Zieschank schreibt in ihr Tagebuch über:
Weihnachten 1907.
Christnachtstimmung unter dem Tropenhimmel? Im Herzen muß man sie tragen, von außen kommt sie hier nicht! Kein Schnee und Eis, keine Adventsglocken und Weihnachtsauslagen.
Als Christbaum wählt man gewöhnlich ein Stämmchen aus dem Busch, das künstlich als Tannenbaum frisiert wird. Aber statt der Nadeln hat es natürlich Blätter, denn Nadelbäume gibt es hier nicht. Auch künstliche Tannen-bäume findet man in manchen Häusern.
Das alles sagte mir nicht recht zu, ich wollte diesmal einen richtigen Tannenbaum haben.
Mein Mann hatte einige Araukarien (die heimischen Zimmertannen) von Neuseeland eingeführt und in un-serm Vorgärtchen angepflanzt. Eine davon, nun schon weit über mannshoch, sieht beinah wie ein richtiger Tannenbaum aus.
Ich beschloß, im Vertrauen auf den Wettergott unsern Christbaum im Freien zu putzen, und nichts als viele Dutzend weißer Kerzen wählte ich als Schmuck.
Wir erwarteten zum Abend einige Gäste. Kurz ehe sie eintreffen sollten, kam mein Mann von seiner Kranken-fahrt zurück, und teilte mir mit, daß ich noch ein Be-steck mehr auflegen lassen müsse, er habe noch einen Gast geladen.
Und bald nach den andern erschien dieser auch, ein sehr ehrwürdiger, einsamer Greis, den ich schon lange vom Sehen kannte, aber noch nie gesprochen hatte.
Wir setzten uns zu Tisch, und die Gäste verwunderten sich vermutlich im Stillen, daß sie keinen Weihnachts-baum im Zimmer sahen.
Aber die Überraschung, als wir dann hinaus auf die Veranda traten und mein herrlicher Lichterbaum ihnen entgegenleuchtete!
Es war ein wundervoller Abend. Kein Lüftchen regte sich, und still und friedlich brannten die vielen weißen Kerzen im dunklen Grün des mächtigen Baumes. Ich selbst war überwältigt. Nie habe ich solch heilige Christ-stimmung empfunden, nie werde ich diesen Weih-nachtsbaum vergessen!
Auch Geschenke barg er. Jeder Gast bekam eine kleine scherzhafte Gabe, für den unerwarteten hatte ich noch eilig etwas herausgesucht.
Und dann saßen wir auf der Veranda im Scheine unseres Christbaums und sprachen von daheim. Bald vergaßen wir das Reden und hörten nur noch zu, hörten staunend zu, wie der Alte aus seinem Leben erzählte. Welches Erleben!
Er war Jurist gewesen und eben mit seinem Studium fertig, als er in die Sturmzeit von 1848 hineingeriet. Mit flammender Begeisterung hatte er sich in die freiheit-liche Bewegung gestürzt und eine führende Rolle ge-spielt.
Als er später von seinem König wieder in Gnaden auf-genommen werden sollte, und ihm eine glänzende Karriere in Aussicht stand, war er ausgewandert. Denn „dem König den er bekämpft, war er nicht fähig zu dienen“!
Auf einem Segelschiff war er um Kap Horn herum ge-fahren und an der kalifornischen Küste gelandet.
Bis zu seinem 80. Jahre hat er in Amerika gelebt als Holzfäller, Goldgräber, Jäger, Lehrer, Städtegründer, Schulvorsteher. Er zog durch das Land, als es noch keine Eisenbahnen gab, er hat Kämpfe mit Grislybären und mit Indianern ausgefochten.
Ein Lederstrumpfroman, aber ein erlebter, und ganz gewiß ist jedes Wort der Erzählung wahr, denn der Alte ist die Lauterkeit selbst und verschmäht jede Über-treibung. Zu Vermögen hat er es nicht gebracht, und „als armer Mann hat er nicht in die Heimat zurückkehren wollen“, trotzdem die Sehnsucht nach ihr sein ganzes Leben lang an ihm gezehrt hat. Aber sterben wollte er auf deutschem Boden. Deshalb war er als Achtzigjäh-riger nach Samoa gekommen und lebt nun hier einsam und zurückgezogen dem Tode entgegen.
Mein Lichterbaum entzündete wohl noch stärker in ihm das Sehnen nach der Heimat, denn nachher sprach er nur noch von seiner Jugend und von den unvergeß-lichen Studentenjahren in Göttingen.
Sein Gedächtnis war so wundervoll frisch, daß er noch alle Namen seiner Korpsbrüder — er hatte einem vor-nehmen Korps angehört — nennen konnte.
Mein Mann holte in einem plötzlichen Einfall sein Ver-zeichnis der Alten Herren vom Kösener S. C. herbei und schlug nach. Ein plötzlicher tiefer Ernst in seinem Ge-sicht fiel mir auf.
Heimlich winkte er mich herbei und zeigte auf eine Stelle — da stand der Name unseres Gastes und dahin-ter, „† San Franzisco“!
Gestorben für die Welt, für seine Jugendgenossen!
Und da saß er vor uns, der Totgesagte und erzählte, wäh-rend langsam eine Kerze nach der andern knisternd am Baume erlosch, mit leuchtenden Augen von seligen Jugendtagen, von fröhlichem Wandern, flotten Mensu-ren, von alter Burschenherrlichkeit!
März 1908.
Das Sehnen unseres lieben Weihnachtsgastes ist erfüllt, er schläft in deutscher Erde!
Ein rührendes Vermächtnis habe ich von ihm übernom-men: sein schwarz-weiß-goldnes Achtundvierzigerband und altes Porzellan. Ein paar handgemalte Täßchen und Aschenbecher mit Widmungen seiner Korpsbrüder und den Jahreszahlen 1848 und 49. Ist die Treue nicht über-wältigend, mit der der Mann diese zerbrechlichen Stük-ke durch sein ganzes bewegtes Leben mit sich geführt hat? Ein edles deutsches Herz hat hier ausgeschlagen!
Im April 1908 schreibt Frieda Zieschank in ihr Tagebuch:
»Gestern habe ich einen neuen starken Eindruck emp-fangen. Zum erstenmal waren wir in Tapatapao, der Pflanzung der „Deutschen Samoagesellschaft“.
Reichlich zwei Stunden brauchten wir hinauf, denn es ist die höchstgelegene Plantage des sogenannten „Pflan-zungsbezirks“. Der Weg führte an allerhand Privatpflan-zungen und an der großen Plantage der englischen Gesellschaft vorüber.
Endlich sahen wir Tapatapao vor uns liegen. Hoch oben auf dem Berge, über dem größten Teil der Pflanzung, thronte das Haus des Direktors, unser Ziel.
Was mir bisher immer unklar als das Ideal des hiesigen Lebens vorgeschwebt hatte, hier fand ich es verkörpert!
Echtes deutsches Familienleben blühte hier oben unter den glücklichsten Bedingungen.
Umgeben von drei rotbäckigen, blondlockigen Kindern, das jüngste noch auf dem Arm, und dabei schon wieder in Erwartung neuen Zuwachses, so trat uns die reizende junge Hausfrau an der Seite ihres Gatten entgegen.
Die Lage dieses Hauses ist einzig schön. Weit und frei schweift der Blick über die Anlagen der Pflanzung, über das bewaldete Berggelände hinab, wo der Hafen vom silberweiß schimmernden Riffband umrahmt liegt und weit, weit darüber hinaus, über den in leuchtender Bläue sich breitenden Ozean.
Frisch und kühl ist hier oben die Luft. Der klimatische Unterschied zeigt sich deutlich an der reich blühenden und duftenden Hecke von Edelrosen vor dem Hause. Rosen sind hier unten im Küstengebiet wohl auch an-zupflanzen, aber sie bringen nur kümmerliche Blüten mit ganz schwachem Duft hervor.
Wir verbrachten einen wunderschönen, anregenden Tag bei dem feingebildeten Ehepaar in Tapatapao. Ehe wir uns gegen Abend auf den Heimweg machten, wan-derten wir noch ein Stündchen durch die Pflanzung.
Es sind reine Kakaokulturen, zum Teil schon tragend. Ein erhebendes stolzes Gefühl muß es für den Pflanzer sein, wenn er da, wo früher wüster Busch sich breitete, nun seine jungen edlen Bäume wachsen und Früchte tragen sieht. Man kann sich kaum einen dankbarem als den Pflanzerberuf denken!
Fast alle bauen jetzt nur noch Kakao an. Man verspricht sich von ihm viel höhere Erträge, als von Palmen, und es scheint wirklich, daß diese Kultur sich glänzend lohnt. Aber bisher sind noch nicht viel Kakaopflanzungen in ertragsfähigem Alter. Man muß also abwarten, wie sich die Dinge weiterhin gestalten werden.
Mai 1908.
Wir waren in Savai, allerdings nur auf zwei Tage, da ich nicht länger von Klein-Ula [Die Tochter von Frau Zieschank mit samoanischem Namen Ula] fortbleiben konnte.
Schon immer lockte uns der neue Krater dort mächtig, dessen Feuerschein wir Abend für Abend hinter Muli-nuu am fernen Himmel wie einen riesigen Brand leuchten sahen.
Nun bot sich eine günstige Gelegenheit zur Überfahrt. Ein chinesischer Mandarin ist seit einigen Wochen in der Kolonie, um sich über die Lage seiner dienenden Landsleute hier zu orientieren. Diesem zu Ehren war von der Regierung der stolze Dampfer Maori zur Fahrt nach Savai gechartert, ein Seelenverkäufer, der gerade noch den Wert seines alten Eisens hat. In der Erwägung, daß wir sonst nie hinüber kommen würden, vertrauten wir uns ihm aber doch an. Mit von der Partie waren außer dem bezopften hohen Herrn nur noch Deeken, der Direktor der D. S. G. [Deutsche Samoa-Gesellschaft], ein durchreisender Kollege meines Mannes und noch ein alter Ansiedler.
Wir sechs waren also Alleinherrscher in dem edlen Kahn.
Die Fahrt nach der westlichen Nachbarinsel ging glatt von statten, abends gegen neun Uhr kamen wir vor Matautuu an der Ostküste Savais an. Aber weit draußen vor dem Außenriff mußten wir liegen bleiben, denn es war zu dunkel, um die Fahrt durch die Riffpassage zu wagen.
Da der Besuch des Mandarins von der Regierung offiziell angemeldet war, warteten wir in Seelenruhe auf das Boot des Amtmanns, das uns von Bord abholen würde.
Aber wir warteten vergebens, nur zwei kleine Eingebo-renenboote kamen längsseit. Wir beschlossen aber die-se zu benutzen, um endlich von der gräßlichen Maori abzukommen. Wir verteilten uns, drei bestiegen das eine Boot, wir mit dem Kollegen das andere, das von einem halbweißen Trader gesteuert und von einem Sa-moaner gerudert wurde. Eine qualmende Laterne diente als Bootslicht.
So fuhren wir in der stockdunklen Nacht auf die fremde Küste zu. Die See war ruhig, aber die starke Dünung hob unsere Nußschale hoch empor, um sie gleich darauf im tiefen Wellentale untertauchen zu lassen.
Da hörten wir Bootsgesang und gleich darauf auch kräftige Ruderschläge. Wir erkannten bald, daß eine sehr große Fautasi (große Boote mit 20—40 Ruderern) mit höchster Fahrt näher kam. Denn die Ruderschläge erfolgten mit rasender Schnelligkeit und der Gesang steigerte sich zum Gebrüll.
Eben von einem Wellenberg hochgehoben, sahen wir das gewaltige Boot ganz nahe mit Blitzesschnelle auf uns zu jagen, den spitzen Schnabel gerade gegen unsere Breitseite gerichtet.
Wir alle schrieen auf, so laut wir konnten, aber unsere Stimmen gingen unter im Gebrüll der Bootssänger, so daß wir sie selbst kaum hörten und gleich darauf waren wir wieder im Wellentale untergetaucht.
Da hob sich über uns auch schon auf der nächsten Welle der schwarze Schatten des Riesenbootes empor, im nächsten Augenblick mußte es uns erdrücken — noch eine verzweifelte Anstrengung unserer Bootslen-ker, und, mit einem harten Schrammen an unserm Fleck entlang, sauste das Unheil an uns vorüber!
Auf See bin ich immer ein Feigling gewesen und werde es wohl mein lebenlang bleiben, aber in den kritischen Sekunden war ich es nicht allein, die gezittert. Angst, richtige Angst haben da auch die Männer im Boot empfunden. Das Schicksal des Zermalmtwerdens sah so gräßlich unabwendbar aus!
Ohne weitern Unfall legten wir nach einer halben Stun-de in Matautuu an, wo wir vom Leiter der Firma gastlich aufgenommen wurden.
Das Fautasieerlebnis klärte sich folgendermaßen auf. Der Amtmann, der einzige Regierungsbeamte auf Savai, der uns von Bord abholen sollte, hatte sich verspätet und deshalb die Ruderer seiner Fautasi auf der Fahrt nach der Maori zur Höchstleistung angespornt, hatte aber unverantwortlicherweise, trotzdem er selbst im Boot war, weder ein Licht an ihm angebracht, noch einen Ausguck aufgestellt.
Merkwürdig war, daß in der Fautasi kein einziger uns und den ganzen Zusammenstoß überhaupt bemerkt hat!
Ich lernte den „deutschen“ Amtmann, dem das Wohl und Wehe unserer größten Insel anvertraut ist, an dem Abend persönlich kennen. Es ist ein Stockengländer, der direkt damit prahlt, außer „Prost“ und „Skat“ kein deut-sches Wort zu kennen!
Nach dem Vulkan zu pilgern, mußten wir uns leider aus Zeitmangel versagen, aber wir sahen wenigstens den Einfluß des glühenden Lavastromes ins Meer.
Am nächsten Morgen war Mr. Williams, der dicke Amt-mann, mit einem großen Ruderboot zur Stelle. Nach un-gefähr einstündiger Fahrt an der Küste entlang kamen wir an den frisch erstarrten Lavadamm, der in großem Bogen ins Meer hineinreicht und zwischen diesem und dem Lande eine weite Lagune bildet. An dem schwarzen Wall zog unser Boot entlang und bald sahen wir in ei-niger Entfernung einen Hexenkessel brodeln.
Über dem Meeresspiegel stand weißlicher Dampf, so hoch, wie ein Ährenfeld, wir hielten die Hände ins Wasser, es war kochend heiß! Die schweflichen Dämpfe machten uns übel, wir mußten mehr auf See zu halten. Und hier genossen wir dann, der Ausflußstelle gegen-über angelangt, ein gewaltiges Schauspiel. Wie ein rie-siger Wasserfall, so wälzte sich flüssiges Feuer von der hohen Lavamauer ins Meer hinab, das brodelnd und zischend sich wehrte! Berghoch stiegen die rotglühen-den Dampfwolken zum Himmel auf! Unweit neben dem großen rauschte ein kleinerer Feuerfall, auch mehrere Meter hoch, in die kochende See.
Überwältigend war dieser Feuerzauber! Und doch be-rührte etwas anderes, Unscheinbares noch tiefer. Wie-der dichter an den Lavawall herankommend, bemerk-ten wir, wie an seinem kaum erkalteten Gestein, nicht viel mehr, als hundert Meter von der glühenden Hölle entfernt, eine feine, grüne Decke sich bildete.
Neues Leben erstand, neues Land in seinen Uranfän-gen!«
Tagebuch von Frau Frieda Zieschank:
„Malolo lelei“, Juni 1908.
[Malolo lelei wird später in Kaiserhöhe umbenannt]
In den Bergen sind wir, in der Sommerfrische!
Und hier oben ist es wirklich sehr frisch im Gegensatz zum Küstengebiet.
Erholungsbedürfnis war es zwar nicht, was mich mit dem Kinde herauflockte, sondern eine freundliche Einladung der liebenswürdigen Direktorenfamilie von Tapatapao. Deekens haben sich hier oben in den Bergen, östlich von Apia, nicht viel niedriger als der Lanutoo gelegen, einen entzückenden Sommersitz gebaut, auf dem sie jedes Jahr einige Monate verbringen.
Es ist eine richtige Farm. Ein Häuschen im Bauernstil, mit kleinen Zimmern und großen Veranden, eine Wei-de mit gutem Milchvieh, Gemüsegarten und Geflügel-hof. Ein junger deutscher Landwirt hat die Farmleitung unter sich, und erfolgreich wird Milchwirtschaft be-trieben und auch Apia mit frischer Butter und Käse versorgt.
Man sollte den Temperaturunterschied zwischen der Küste und diesem Platze nicht für möglich halten, denn man kann den Weg hier herauf bequem in zwei Stunden zu Fuß zurücklegen. Dabei sank das Thermometer hier oben in den letzten Nächten bis auf acht Grad!
Deekens vermieten, wenn sie nicht hier sind, das obere Stockwerk (unten wohnt der Verwalter) mit allem In-ventar an erholungsbedürftige Ansiedler. Und das ist eine herrliche Gelegenheit für abgearbeitete ruhesu-chende Leute, die damit eine weite Seereise ersparen können. Denn hier oben finden sie wirklich alles, dessen sie bedürfen: frische, kühle Luft, gute Kost, Ruhe und herrliche Natur.
In den Tagesstunden brennt hier oben die Sonne auch, aber nicht stärker als zu Hause an Hochsommertagen. Doch noch vor Sonnenuntergang muß man sich schleu-nigst in wärmere Kleidung hüllen, denn dann fängt es an für den Tropenmenschen empfindlich kühl zu wer-den.
Gestern Abend haben wir sogar das Wohnzimmer ganz dicht machen und mit einem Petroleumofen heizen müssen, so kalt war es geworden. In Mäntel und Decken gewickelt, tranken wir zur Erwärmung noch einen stei-fen Grog!
Morgens früh weckt mich das melodische Läuten der Kuhglocken. Wenn ich dann schlaftrunken durch die Lider blinzele und die Sonne durch die ausgeschnitte-nen Herzen der grünen hölzernen Fensterläden funkeln sehe, bilde ich mir ein, daheim in einem Bauernhause zu ruhen.
Einen herrlichen Badeplatz hat Malolo lelei. Hinter der Weide liegt eine tiefe Schlucht, in die ein schmaler Serpentinenpfad hinab führt.
Hier ist außer dem Pfade alles Wildnis, dichter tropi-scher Busch. Und ganz unten auf dem Grunde der Schlucht plätschert ein lieblicher Fluß über das Lavage-stein. Ein Wasserfall rauscht von der Höhe herab und bietet für den, dem das Schwimmbad nicht genügt, noch eine kräftige Dusche.
In dieser unberührten und unbelauschten Einsamkeit sein Bad zu nehmen, ist immer von neuem ein köst-liches Erlebnis. Was ist dagegen Norderney und Ost-ende?
Die Aussicht von der Veranda aus ist bezaubernd. Zwar übersieht man nicht so frei wie in Tapatapao das ganze Land bis zur Küste hinab, nur ein großer Ausschnitt läßt nach einer nordöstlichen Bucht hinabblicken. Dafür liegt aber der Horizont noch viel weiter über dem Meere, und die östlichen majestätischen Berghänge, die als Kulissen den Blick hemmen, geben dem Land-schaftsbild einen eignen Charakter.
Ein Stück weiter hinauf, 15 Minuten zu gehen, liegt noch eine zweite ähnliche Farm, „Afiamalo“, die ein deut-sches Ehepaar bewirtschaftet und wo auch Sommer-frischler aufgenommen werden.
Tagebuch Frau Zieschank:
Juli 1908.
Abschied vom geliebten Inselparadies ohne Hoffnung auf Wiederkehr!
Es ist mir nicht so ergangen, wie manchen, die immer erst zu spät erkannten, wie glücklich sie hier gewesen und die daheim dann nach dem Verlorenen jammerten.
Bewußt habe ich das Land von Anfang an geliebt, es geliebt mit allen seinen Schönheiten und Unvollkom-menheiten. Wie innig nahe man sich aber auch vielen Menschen angeschlossen, das merke ich jetzt beim Ab-schied! Nicht wie Fremde, die der Zufall zusammen-gewürfelt, erscheinen mir jetzt die nähern Bekannten, sondern wie alte Jugendfreunde, die man schon, so lange man denken kann, gekannt. Gemeinsames Stre-ben und gemeinsames Lieben verbindet hier draußen tausendmal inniger als in menschenüberfüllten Kultur-ländern.
Unfaßlich dünkt es mich, daß diese paar Jahre nur eine Episode in meinem Leben gewesen sein sollen. Dem Schmerze dieses Abschieds kann die Aussicht auf das Wiedersehen der Heimat und der Lieben dort nicht die Wage halten, denn die war uns ja ein sicherer Besitz unserer Zukunft.
Aber unser Sogihäuschen auf immer zu verlassen, die Palmen Samoas nicht mehr rauschen zu hören, welch heißer, heißer Schmerz! Nie, das weiß ich bestimmt, wird die Sehnsucht nach dem teuern Inselland in meinem Herzen erlöschen!
Als ich wiederkam!
Und wir kehrten doch zurück!
Ach die Sehnsucht daheim nach der blauen Südsee, nach verlorenen Paradies! Man mußte sich scharf zu-sammennehmen, um nicht immer zurück, sondern tap-fer vorwärts zu schauen.
Hinaus in die Tropen wollten wir wieder, das stand fest. Mein Mann führte Unterhandlungen mit Ostafrika. Aber ehe eine Entscheidung fiel, erreichte uns mitten im deutschen Winter eine umfangreiche Samoapost. Und alle Briefe enthielten die Bitte an meinen Mann zurückzukehren. Von einigen Leitern junger Plantagen-gesellschaften und von Privatpflanzern waren geschäft-liche Vertragsangebote beigefügt. Nie ist mir Selbstbe-herrschung so schwer geworden als in den nun folgen-den Tagen. Mit keinem Wort versuchte ich, die Ent-schließung meines Mannes zu beeinflussen, denn die Verantwortung dafür hätte ich unmöglich übernehmen können. Seine ruhige Überlegung, nicht meine Empfin-dung mußte entscheidend sein. Aber der Jubel dann, als er mich fragte: „Wollen wir also wirklich wieder zu-rück?“
Nach weiter Fahrt über Australien lag es dann endlich wieder vor uns, das liebliche Bild: Apia mit seinen palmenbeschatteten hellen Häuschen und die hinter ihm aufragenden grünbewaldeten Bergketten. Und glückselig grüßten wir: „Talofa Samoa* !“ (*Samoani-scher Gruß. Wörtlich: „Ich liebe Dich“.)
Herzlich, wie Verwandte, wurden wir von unsern Freun-den empfangen und aufgenommen.
Auswahl an Wohnungen war nicht vorhanden, denn in Apia herrscht immer große Wohnungsnot. So mieteten wir uns einstweilen ein Häuschen in Motootua, dem südöstlichen Teile Apias.
Diesmal hatten wir uns, da wir die Verhältnisse genau kannten, in Deutschland gut und zweckmäßig ausrüsten können und hatten eine vollständige Wohnungseinrich-tung mitgebracht. Bald war das neue Heim gemütlich hergerichtet und bezogen.
Fast ein Jahr war seit unserer Abreise vergangen. Mit freudigem Erstaunen nahmen wir die Veränderungen wahr, die während dieses kurzen Zeitraums im Lande vor sich gegangen waren.
Die wichtigste Errungenschaft war der stärkere Zuwachs an deutschen Frauen. Unser Gouverneur, Exzellenz Solf hatte der Kolonie als schönste Gabe von seiner Urlaubs-reise eine blutjunge, reizende Gouverneuse mitge-bracht. Und auch noch mehr deutsche Beamtenfrauen waren nun eingezogen. Es erfüllte uns mit großer Freude, daß man im Kolonialamt endlich eingesehen zu haben scheint, wie wünschenswert es ist, verheiratete Beamte hinauszusenden. Von Pflanzerfrauen waren ja in der letzten Zeit unseres ersten Aufenthaltes schon mehr hinausgekommen, aber auch hier war frischer Zustrom zu verzeichnen.
Das ganze Leben gestaltete sich jetzt anders, die Geselligkeit wurde anregender und vielseitiger. Immer mehr schwand das englische Element und das deutsche trat stärker und reiner hervor.
Nur im Missionswesen war noch alles unverändert. Die London-Mission blühte und gedieh, wie seit altersher, und die Fremdenkirche bot noch immer den protestan-tischen Deutschen die einzige, seltene Gelegenheit, ei-nen Gottesdienst zu besuchen. Aber auch die ablehnen-de Haltung dagegen war noch die gleiche.
Daß diese nicht etwa durch Gleichgültigkeit den kirch-lichen Dingen im allgemeinen gegenüber bestimmt wurde, konnte man klar ersehen, als 1910 unser Ost-asiatisches Kreuzergeschwader Samoa einen Besuch abstattete.
An Bord des Flaggschiffs Scharnhorst befand sich auch ein Marinegeistlicher. Dieser hatte während der Zeit, die der Besuch der Schiffe dauerte, fast jeden Tag deutsche Kinder zu taufen. In einigen Familien gab es ein halbes Dutzend Täuflinge, die zum Teil schon große Burschen und Mädels waren und auf ihren Ponys sicher in der Welt herumreiten konnten.
…
Unser zweiter Gouverneur Exzellenz Schultz hat im Jahre 1913 wohl einmal die Anregung gegeben, eine deutsche Kirchengemeinde zu gründen. Er trat damit, außer an andere, auch an meinen Mann heran. Dieser erklärte, daß er mit tausend Freuden bereit sei, mit dafür zu wirken, aber nur unter der Voraussetzung, daß die Gemeinde einen eignen Geistlichen erhalte und daß dieser gänzlich unabhängig von der London-Mission sein würde.
Der Gouverneur äußerte bedauernd, daß das zur Zeit unmöglich sei! Die Gründe für diese Unmöglichkeit sind nicht bekannt geworden. Die Kostenfrage kann es nicht sein, denn viel leichter, als die paar alten Ansiedler früher eine deutsche Schule errichten und erhalten konnten, hätten jetzt die zahlreicheren wohlhabenden Familien die Mittel für Kirche und Pfarrer aufbringen können.
So richtig behaglich konnten wir uns in Motootua nicht fühlen, es fehlte uns dort Licht und Luft. Und deshalb bauten wir uns bald ein eignes großes Haus auf halber Höhe des Vaeaberges (Apiaberg genannt), mit schöner Aussicht auf das Meer.
Wohl haben wir uns damals in unserm winzigen Häuschen in Sogi restlos glücklich gefühlt, aber der Luxus unseres Vaeaheims steigerte die Annehmlichkei-ten des tropischen Lebens doch außerordentlich.
Vom 28. Februar bis zum 3. März 1910 finden auf Samoa die Feiern anläßlich der 10. Wiederkehr der Übernahme der Inseln durch das Deutsche Reich statt. Für das Er-eignis ist von der Marine der Kleine Kreuzer Cormoran entsandt, der auch Häuptlinge und ihre Familien von der Insel Sawaii zu den Festlichkeiten nach Apia bringt.
Besucht ein deutsches Kriegsschiff die samoanischen Inseln kann auf Requisition des Kaiserlichen Gouver-neurs aus Gründen der Machtdemonstration bei den schwierigen inneren politischen Verhältnissen der Sa-moaner eine Fahrt zu verschiedenen Küstenorten erfol-gen, für Besuche bei den deutschen Offiziellen und ein-heimischen Größen.
So trifft am 16. Juli 1910 das Flaggschiff des Ostasia-tischen Geschwaders, der Große Kreuzer Scharnhorst, mit dem Kleinen Kreuzer Nürnberg für einen längeren Besuch auf Samoa ein. Am 9. September verläßt die Nürnberg die Inseln wieder und hat dabei das marine-eigene Vermessungsschiff Planet im Schlepp, das einen schweren Maschinenschaden hat. Am 24. September erreicht die Nürnberg mit der havarierten Planet Singapur, für die Reparatur ihrer Kesselanlage.
Die Besatzung eines deutschen Kriegsschiffes kann bei einem Samoa-Aufenthalt Ausflüge auf den Inseln ma-chen, so auch in die Vulkanlandschaften der Inseln. Otto Ohlsen, ein Besatzungsmitglied der SMS Cormoran, beschreibt einen solchen Ausflug:
»Am 19. Oktober 1911 machte die dritte Wache einen Ausflug in die Berge. Es ging bereits um sieben Uhr los. Nach zweistündiger Wanderschaft kehrten wir in die deutsche Waldwirtschaft ‚Kaiserhöh’ ein. Wir trafen da nette Leute an, die uns bestens bewirteten und kein Geld dafür nehmen wollten. Von da ging es in Richtung Kratersee immer durch den Urwald. Der See liegt oben auf einem Berg, der früher ein Vulkan war. Er soll un-endlich tief sein. Da das Wetter schön war, badeten wir in dem doch etwas unheimlichen Gewässer. Nachdem wir oben gegessen hatten, begannen wir mit dem Ab-stieg und erreichten gegen sechs Uhr wieder Apia.«
In der Samoanischen Zeitung findet sich die Anzeige des Erholungsheims Kaiserhöhe:
»Meinen geehrten Landsleuten und dem werten Publi-kum hiermit die Anzeige, daß obiges Heim ein idealer Aufenthaltsort ist für Müde, Abgespannte und Ruhebe-dürftige. Weshalb das Geld dem Lande entziehen, wenn man hier in der herrlichen Aussichtshöhe dieselbe rei-ne, kühle, gesunde Luft hat wie in Neuseeland! Es ist niemals heiß hier oben, und zuzeiten sinkt die Tempe-ratur so weit, daß man Schüttelfrost bekommt. – Stets vorhanden: Frisches Gemüse, Butter, Eier, Milch und Geflügel. Schön möblierte Schlaf-, Speise-, Lesezimmer und Veranda. Das Büfett enthält die feinsten gangbar-sten Getränke und Zigarren zu Apia-Preisen. Vorzüg-liche Küche, Fluß- und Duschebäder. Großer Spielraum für Vereine, Ausflügler und Picknickgesellschaften. Pferde werden auf die Weide genommen.«
Der Betreiber von Kaiserhöhe hat aber nicht nur Neu-seeland als Konkurrenz, sondern auch die ein Stück wei-ter liegende Erholungsstation Afiamalu eines deutschen Mitbewerbers.
Otto Ohlsen über den nächsten Besuchsort der Cormo-ran:
»Auf Saluafata konnten wir morgens an Land. Die Sa-moaner veranstalteten für uns ein „Siva-Siva“; also eines ihrer traditionellen Feste. Zuerst gab es ein großes Fest-essen mit den Offizieren. Es bestand aus im Ganzen gebratenen Schweinen und Hühnern; dazu gab es Taro und Bananen.«
Dann liegt das Schiff vor der Insel Savaii. Der Komman-dant der Cormoran, Paul Ebert, beschreibt den Landaus-flug mit einem großen Teil der Mannschaft zu dem erst wenige Jahre vorher ausgebrochenen und wieder erlo-schenen Vulkan Matavanu unter Führung von Eingebo-renen:
»Fröhlich setzte sich nun die Expedition in Bewegung. Nach etwa zweieinhalb Kilometern Weges gelangten wir auf das breite Lavafeld. Wenn sich der Leser ver-gegenwärtigt, daß hier eine dickflüssige, glühende, sich bergab wälzende Gesteinsmasse zur Erstarrung gekom-men war, so wird er eine Vorstellung gewinnen, welche grotesken Verwerfungen diese versteinerte Strom-schnelle zeigte, gleichzeitig aber wie jämmerlich unser bedauernswertes Schuhwerk von diesem glasharten und messerscharfen Gestein zugerichtet wurde. Etwa 18 Kilometer lang hatte dieser alles vernichtende und un-ter sich begrabende Lavastrom sich bis zu seiner Mün-dung ins Meer erstreckt. Es soll ein überwältigendes Schauspiel gewesen sein, dort am Strande, wo unter gewaltigem Brausen und Zischen ungeheure Dampfwol-ken zum Himmel strebten. An einzelnen Stellen hatte offenbar die erstarrende Masse gewaltige Blasen gebil-det, deren dünne Decke dann später einbrach, so daß nunmehr weite Grotten mit vielgezackten Wänden sich auftaten, auf deren Grunde sich allmählich ein kristall-klares Wasserbecken bildete. Aus diesem Grunde muß-te unser Marsch aber auch mit großer Vorsicht unter kundiger Führung vor sich gehen, da immer noch mit neuen Einbrüchen gerechnet werden mußte. Gegen Mittag waren wir am Krater angelangt, wo eine einfache Holzhütte als Raststätte sich zeigte. Vorsichtig blickten wir am Kraterrande in die jäh abfallende Tiefe. Wenn dort auch der vordem wild kochende Lavasee versiegt war, so machten doch beständig aufsteigende, heiße Schwefeldämpfe eine nähere Untersuchung des Ab-grundes unmöglich. Einen traurigen Anblick gewährte der hinter der Rasthütte beginnende Wald, dessen in-folge der giftigen Dämpfe abgestorbene Baumriesen die blattlosen Äste wie in stummer Klage zum Himmel streckten. Nachdem das mitgebrachte Frühstück ver-zehrt war, wurde der recht beschwerliche Rückweg an-getreten.«
Die Beschreibung Ohlsen von diesem Ausflug:
»Am Sonntagmorgen den 29. Oktober fuhren wir an Land. Der Kommandant sowie Offiziere und die Hälfte der Besatzung waren mit dabei. Zuerst ging es zwei Stun-den durch den Wald. Dann kamen wir an das Lavafeld. Bis zum Krater war es noch eine Stunde zu laufen; im-mer über die schwarze Lava. Der Krater bildete ein brei-tes tiefes Loch, welches noch ziemlich stark rauchte. Der Wald lag viele Kilometer weit unter der Lava begraben, nur hie und da ragte noch ein Baum heraus. Der Vulkan brach zuletzt im Jahre 1903 aus und war bis zum Jahre 1906 aktiv. Jetzt rauchte er nur noch etwas. Nachdem wir gegessen und uns ein paar Stunden ausgeruht hatten, machten wir uns wieder auf den Rückmarsch. Vor Savaii war eine starke Brandung und als wir zurück fuhren, wären wir um ein Haar umgeschlagen. Glücklich erreichten wir das Schiff. Abends gegen 8 Uhr kamen Eingeborene mit Weibern an Bord und machten „Siva-Siva.“«
Dann ist das Schiff wieder in Apia: »Am 4. November fand an Land ein Ball mit Theateraufführung für uns statt. Wir hatten Urlaub bis zum Wecken.«
1910 trifft der junge deutsche Rassenhygieniker Carl Eduard Michaelis auf Samoa ein und prangert in seiner Schrift: »Offener Brief an den Pflanzerverein von Samoa«, der am 1. April 1911 in der Samoanischen Zeitung veröffentlicht wird, die Rassenmischung an. Daraufhin wird Michaelis von wütenden samoanischen Frauen, die um ihre Verbindungen zu deutschen Män-nern fürchten, mit Stöcken und Peitschen die Straße entlang gejagt.
Die deutsche Verwaltung weist Michaelis als Unruhe-stifter aus Samoa aus.
Frau Frieda Zieschank schreibt zum Fall Michaelis:
»Wir deutschen Frauen, die wir damals in so geringer Zahl unter den halbweißen Mitschwestern lebten, sind stets ohne jeden Mißklang mit ihnen ausgekommen. Sie nahmen uns freundlich in ihren Kreis auf, und wenn auch die Berührungspunkte fehlten, die in dem gleich-artigen Bildungs- und Gedankengang der weißen Frau-en ihren Grund haben, so gab es im neuen Leben viel Gemeinsames, das die Brücke zwischen ihnen und uns bildete. Nie trat ein schroffer Gegensatz zwischen Weiß und Mischling hervor.
Da kam 1910 ein edler Ritter ins Land, ein „Mitglied des Vereins für Rassenhygiene“, wie er sich auf seinen Besuchskarten auswies. Dieser Jüngling in Sandalen und einer Art Badehose (so lief der „Rassenmensch“ herum!) guckte sich überall mit großem Eifer um. Besonders schienen ihn die Halbweißen zu interessieren, denn deren Gastfreundschaft nahm er so ausgiebig (monate-lang) in Anspruch, daß man annehmen mußte, seine rassenhygienischen Bestrebungen galten intensivster Mischung!
Aus diesem Traum sollten aber seine Gastfreunde jäh erwachen!
Eines Tages erschien ein Artikel in unserm Wochen-blatt mit der Überschrift: „Gruß ins Land!“
Ein schöner Gruß war das! In den gemeinsten Aus-drücken, wie „gelbe Mischlingsbrut“, wurden da die halbweißen harmlosen Kinder des Landes beschimpft. Unterzeichnet war das Meisterwerk: „Furchtlos und treu“ und der Name des Helden [Carl Eduard Michaelis].
Ein Sturm der Empörung erhob sich unter den Be-schimpften. Die Temperamentvollsten unter ihnen — und sie haben Temperament, die Halbweißen! — zog aus zu einem großen Strafgericht.
Der Rassenmensch führte zur Zeit ein Naturleben auf dem Lanutoo, dorthin also wurde eine Expedition von wildgewordenen Frauen und Jünglingen ausgerüstet, um ihn zu „federn“ (das heißt in eine Tonne Teer zu stecken, mit Federn zu beschmieren und diese anzu-zünden).
Die Regierung bekam aber rechtzeitig Wind von der Geschichte, schickte schleunigst einen Beamten hinauf und ließ den gefährdeten Jüngling in Schutzhaft neh-men. Mit dem nächsten Dampfer wurde er abgeschoben und „furchtlos und treu“ verschwand der edle Streiter!
Die ganze Geschichte ist eigentlich unsäglich albern, aber sie hatte so ungeheuere Folgen, daß ich sie deshalb ausführlich schildern mußte.
Mit der Ruhe im Lande war es vorbei! Von jetzt an klang der Schlachtruf: „Hie Weiß“ und „hie Halbblut“.
Eng schlossen sich die Mischlinge zusammen und nah-men eine feindliche Stellung gegen die weißen Frauen ein. Sogar Vereine wurden gegen uns gebildet. Und diese Kampfhaltung blieb nicht etwa auf die Frauen beschränkt. Die Männer, die mit halbweißen Frauen verheiratet waren, stellten sich, wie sich das natürlich gehört, auf die Seite ihrer Gattinnen und traten für sie ein.
Allerdings zeigten dabei manche eine solch unüberlegte Schroffheit, daß man annehmen mußte, ihre Abkunft von deutschen Müttern und die Existenz von deutschen Schwestern sei bei ihnen in Vergessenheit geraten.
Bei diesen bösen Entgleisungen muß man ihnen aber ihre verständliche Erbitterung zu gute halten, mit der sie der plötzliche Umschwung der Verhältnisse erfüllen mußte. Was vor ein paar Jahren selbstverständlich ge-wesen und sogar gern gesehen war, — die Mischehe — wurde nun als verwerflich hingestellt!
Ein Jammer war diese Zerrissenheit in der kleinen Kolo-nie! Und wenn es auch nicht mehr zu starken Kampf-ausbrüchen kam, so blieb doch die Kluft bestehen, und jede unserer Bemühungen, sie zu überbrücken, schlug fehl. Denn das unüberlegte Verhalten einiger Neuan-kömmlinge warf immer wieder neuen Zündstoff in die Glut.«
Frieda Zieschank über die deutschen Frauen in Samoa:
»Die weiße Frau.
Als ich im Jahre 1906 in der Kolonie ankam, lebte höchs-tens ein Dutzend deutscher Frauen im ganzen Lande. An deutschen Männern gab es aber mehrere Hundert, von denen kaum ein Dutzend mit Frauen ihres Volkes ver-heiratet war! Einige waren mit Engländerinnen, weitaus die meisten mit Voll- oder Halbblutsamoanerinnen ver-heiratet, der Rest lebte mit ganz wenigen Ausnahmen in wilder Ehe mit Eingeborenen.
Wie sollte da deutsche Art erstarken? Sie besteht doch schließlich nicht nur im riesigen Bierverbrauch!
Mit welcher Freude wurde deshalb von uns Frauen jede neu ankommende Landsmännin begrüßt! Wie gern half man ihr mit Rat und Tat über den schweren Anfang fort!«
Frau Zieschank bemerkt, daß seit 1908 die Zahl der deut-schen Frauen schnell zunimmt und 1914 etwa hundert beträgt.
»Und jedes deutsche Heim mehr wurde ein starker Grundpfeiler für den Aufbau unseres Volkstums!
Die Frau, die hinaus in die Kolonien geht, muß sich von vornherein darüber klar sein, daß sie auf alles, was man so gemeinhin unter Vergnügungen versteht, zu verzich-ten hat. Es gibt natürlich keine Theater und Konzerte. In Apia kann man ja zuweilen Bälle und Gesellschaften haben, für die Pflanzerfrauen auf abgelegenen Planta-gen kommen aber auch diese wenig in Betracht.
Von außen wird wenig Anregung in ihr Leben getragen, es ist also nach heimatlichen Begriffen entbehrungs-reich zu nennen. Und doch fühlt sich fast jede dort glücklich!
Wie das kommt? In erster Linie daher, weil eine Frau draußen ihrem Manne unendlich viel mehr ist, als sie ihm in den meisten Fällen in der Heimat wäre; sie ist ihm in viel höherem Maße Gefährtin und Gehilfin.
Um das so recht zu verstehen, muß man versuchen, sich das Leben eines e i n s a m e n Pflanzers vorzustellen. Kommt er müde und erschöpft von der Arbeit, so sitzt er einsam in seinem Hause. Die paar Besuche, die er zuwei-len bei benachbarten Pflanzern macht oder von ihnen empfängt, zählen kaum mit. Sein Hausjunge setzt ihm ein undefinierbares Essen vor, — der Herr konnte ihm nur den allerprimitivsten Unterricht im Kochen ertei-len, denn das Anlernen und Beaufsichtigen hat der Pflanzer auch selbst zu besorgen.
Wenn man sich so sein Leben ausmalt, kann man unge-fähr ermessen, was für einen solchen Mann eine ver-ständnisvolle Hausfrau bedeutet. Ein jeder hat die Sehn-sucht nach einer solchen!
Nur wenige sind in der Lage heimzureisen, um sich eine Frau aus der Heimat holen zu können. Einige besinnen sich wohl auf eine sympathische Bekanntschaft oder Tanzstundenliebe in der Vaterstadt und entschließen sich nach längerem, ängstlichem Zagen, dort anzufra-gen, oder sie schreiben an Eltern, Geschwister, Freunde und bitten um ihre Unterstützung. Andere greifen kurz entschlossen zur berufsmäßigen Heiratsvermittlung.
Und es ist seltsam: fast alle Ehen da draußen werden glücklich, selbst bei flüchtiger oder ganz fehlender vor-heriger Bekanntschaft!
Jedenfalls ist das Zusammenleben viel inniger, als das der Durchschnittsehen zu Haus, eben weil die Gatten so ganz aufeinander angewiesen sind, weil es ihnen un-möglich ist sich langsam auseinanderzuleben, wie in der Heimat, wo nach einer Verstimmung der Mann Trost und Zerstreuung im Klub, am Stammtisch und die Frau im Verwandten- und Freundinnenkreis finden kann.
Und dann auch, weil der Mann genau weiß, welchen Wert die Frau für ihn hat, weil jedem draußen seine Frau das Höchste seiner Güter ist. Und sich so von der Liebe und Achtung seines Mannes getragen zu fühlen, das muß doch jede Frau beglücken, sie über sich selbst hinausheben.
…
Von den alten Ansiedlern, die sich mit Töchtern des Landes verbanden, wurde zur Erklärung stets versi-chert, daß die weißen Frauen das Klima nicht vertragen.
Nun, eine derartige Behauptung wird wohl keiner von ihnen heute mehr wagen!«
Im Januar 1913 wird ein Vermessungsdetachment von zehn Mann der SMS Cormoran ausgeschifft, daß in der etwa sieben Kilometer breiten Apolimastraße zwischen den beiden größten Samoainseln Upolu und Sawaii Vermessungen durchführen soll. Der Trupp bezieht in den sauberen Hütten der Eingeborenen der Insel Ma-nono in der Apolimastraße Quartier. Technisch wäre es für die Vermessungsarbeiten am besten auf der ganz kleinen Insel Apolima, nach der die Meeresstraße be-nannt ist und die genau in der Mitte der Straße liegt, einen trigonometrischen Punkt festzulegen, da sonst die ganze Vermessungsaufgabe nur ungenügend gelöst werden könnte, nur ist das Inselchen, ein längst erlo-schener Krater, für europäische Boote unerreichbar und selbst die Einheimischen mit ihren Kanus haben Mühe auf der Insel zu landen. Bisher hat es auch nur ein Wei-ßer geschafft auf die Insel zu gelangen, der vormalige Gouverneur von Samoa, Wilhelm Solf.
Das Vermessungsdetachment beschließt auf die Insel zu kommen, um dort den notwendigen trigonometrischen Punkt auf der Insel zu setzen und da die Zeit für die Arbeiten drückt sofort hinüberzufahren. Der Häuptling von Manono rät dringend ab, weil bei dem augenblick-lichen Seegang kein Kanu und kein Boot in Apolima anlanden könnte. Das Detachment läßt sein Ruderboot von einem kleinen Motorboot zur Kraterinsel schleppen und mit einer bronzenen Athletengestalt, einem Einhei-mischen von Manono im Bug des Ruderbootes als Lotse stehend, geht es nach Apolima. An der kreisrunden kegelförmigen Kraterinsel von etwa einem Kilometer Durchmesser schlägt von allen Seiten die Brandung ein. Die Gischt fliegt hoch hinauf bis in die üppigen Palmen und Stauden, die den Abhang bewachsen. Der Lotse führt die Boote bis zum Hafen von Apolima, an dem ein Dorf liegt. Die wenige Meter breite Einfahrt ist von stei-len Felsen eingerahmt. Von außen kann man durch die Einfahrt in das Kraterinnere sehen, wo im üppigen Grün die Hütten des Dorfes sichtbar werden. Der Lotse sagt: „It is too rough“, für eine Einfahrt ist die See zu rauh, doch der befehlshabende Offizier befiehlt vom Motor-boot loszumachen und mit den sechs Ruderern im Boot die Einfahrt zu bezwingen. Das Motorboot soll nachmit-tags wieder zur Stelle sein, um das wieder ausgefahrene Ruderboot erneut an den Haken zu nehmen.
Vor der Einfahrt wird ein Wellenberg abgewartet und mit der Kraft von zwölf starken Seemannsarmen wird das Boot zwischen den Felsen durchgebracht und die Welle wirft das Boot auf den Strand des winzigen run-den Hafenbeckens. Die jubelnden Bewohner des Dorfes ergreifen die Jolle und ziehen sie schnell hinauf aufs Trockene und die Welle flutet ohne das Ruderboot zu-rück ins Meer.
Zum Teil auf den Schultern der Männer des Dorfes hält der deutsche Vermessungstrupp Einzug ins Dorf. Einige der wenigen Bewohner von Apolima hatten schon von einem hohen Felsen herab die beiden Boote kommen sehen und alle haben gespannt das Einfahrmanöver beobachtet. Zwar spricht keiner der Deutschen Samo-anisch und die Apolimaner nur Samoanisch, doch die Deutschen verstehen, daß sie von den Dorfbewohnern zu einem Fest als erste größere europäische Besucher-gruppe auf ihrer Insel eingeladen sind und die Deut-schen können begreiflich machen, daß sie auf die höch-ste Spitze der Insel geführt werden wollen.
Der zwar nur etwa einen Kilometer lange Marsch zur Spitze der Insel ist allerdings eine gewaltige Anstren-gung. Durch den dichten Urwald führt ein ganz schma-ler, zum Teil wieder zugewachsener Eingeborenenpfad. In drückender, feuchter Treibhaushitze führt dieser Pfad über schlüpfrige Steine, Dornengebüsch und Wur-zelwerk, durch nasses Gras, Spinnengewebe und Amei-senhaufen immer steil bergauf. Die Papageien flattern und kreischen erschrocken über die Eindringlinge in ihre Welt. Erschöpft und mit zerrissenen Hemden und Hosen erreicht der Trupp den gewünschten Vermes-sungspunkt, von dem sich ein großartiger Blick auf die Apolimastraße und das an die Apolimainsel brandende Meer bietet. Der kühle Wind und von den Samoanern mitgebrachte Kokosnüsse erfrischen die Deutschen und während die einen ihre Instrumente aufbauen und Ver-messungsarbeiten machen, entasten die anderen einen fest verwurzelten starken Baum als weithin sichtbare Bake, als Peilpunkt für Vermessungen. Eine beim Auf-stieg zerrissene khakifarbene Jacke wird als Fahne zur guten Sichtbarkeit der Bake an die Spitze des entasteten Baumes genagelt und dann wird mit Äxten alles rings um den Baum stehende Gestrüpp und Baumwerk um-gelegt, für eine allseits freie Sicht auf die Bake. Dann beginnt der Abstieg ins Dorf, wo das Fest vorbereitet ist. Es ist ein typisch samoanisches Fest.
Die Gäste sitzen vor dem Versammlungshaus des Dor-fes und die königlich verehrte Dorfjungfrau tanzt im Schmuck einer malerischen, hohen, bunten Krone aus Federn und Muscheln. Sie wird umkreist von den be-waffneten Söhnen des Häuptlings. Der Chor der Männer singt, noch verborgen im Wald, feierlich-ernste Melo-dien. Frauen und Kinder umschließen als Rahmen den Schauplatz. Der Chor der Männer kommt näher, die Me-lodien schwellen an, nehmen ab und erinnern mit die-sem monotonen Auf und Ab an die Dünung des Meeres. Die Tänzer treten zurück, die Melodie verstummt, und gleich einer strandenden Welle flutet der Chor der Männer auf die Gäste und legt seine Festgeschenke nieder. Es sind Hühner, Fische, Kokosnüsse, Bananen und Melonen. Nun folgen für die Deutschen unver-ständliche Begrüßungsansprachen und dann bildet die Bereitung der Kawa den Höhepunkt der Willkommens-feier. Man muß die von der Dorfjungfrau zubereitete Kawa trinken – das verlangt des Landes Brauch. Die Kawa schmeckt zwar sehr nach grüner Seife, aber ist doch ein erfrischendes Getränk.
Die Deutschen haben diese Feier schon in anderen Dör-fern erlebt und sind nicht ganz bei der Sache, weil sie immer ein Auge auf die donnernde Brandung in dem kleinen Hafenbecken haben. Ist die Einfahrt von einer hereinkommenden Welle hoch mit Wasser gefüllt, brandet die tosende See im nächsten Augenblick fast bis zu den Hütten und die eben noch von der einlau-fenden Welle überdeckten spitzen Felsen in der Ein-fahrt liegen frei und ragen drohend empor. Dann strömt das Wasser aus dem Hafenbecken, die Felsen verschwinden unter der herausrollenden Wassermasse und das Hafenbek-ken leert sich. Schon braust die nächste Welle ins Becken und schießt den Strand hoch. Wie kommen sie hier wieder raus?, beschäftigt die Gäste mehr als das Fest.
Nach dem Essen befiehlt der befehlshabende Offizier „Jolle klar!“ und das auf Strand liegende Ruderboot der Cormoran wird von seiner Besatzung bestiegen. Der Häuptling von Apolima übernimmt selbst das Ruder der Jolle und seine Männer fassen das Boot und warten bis das Kommando „Hoi!“ ihres Häuptlings kommt und sie das Boot in eine aufgelaufene Welle stoßen. Die zurück-flutende See reißt die Jolle mit und die Matrosen pullen aus Leibeskräften. Pfeilschnell geht es durch das Felsen-tor hinaus. Das Boot ist draußen und die Dünnung des Meeres hebt und senkt das Boot. Da springt der Häupt-ling ins Wasser, ruft der Bootsbesatzung den Gruß sei-ner Heimat zu: „Tosa“, „Ich liebe dich“, und schwimmt lachend mit weit ausholenden Armen auf dem Rücken einer See wieder in sein kleines, romantisches Reich. Die Deutschen winken den Dorfbewohnern durch das Felsentor noch einige Abschiedsgrüße zu und werden dann vom schon wartenden Motorboot nach Manolo geschleppt, wo sich die Männer des Vermessungsde-tachments auf einem Lager aus weichen geflochtenen Matten von den Anstrengungen und Aufregungen des Tages erholen.
Frieda Zieschank über das Leben der Deutschen auf Samoa:
Allerlei Leute und Geselligkeit.
…
Ganz anders kommen sich draußen die Menschen nahe als in den Kulturländern.
Eine so große Auswahl wie daheim in den Städten hat man dort nicht. Deshalb lernt man schnell die Leute nehmen und schätzen, wie sie sind. Und die, an die man sich enger anschließt, stehen einem bald so nahe wie liebe Verwandte.
…
Persönliche Eigenart wächst sich draußen oft mit tro-pischer Üppigkeit aus, so daß man erstaunlich viel „Originale“ findet.
…
Und dann unser alter Freund, der erfolgreichste aller Pflanzer. Ein untadeliger Charakter und hochgebildet, lebte er ein anspruchsloseres Leben als seine Kulis, auch als er längst zum wohlhabenden Manne geworden war. Er hatte neben festgewurzelten Grundsätzen zu-weilen plötzliche, überraschende Einfälle. So bestellte er, der stets denkbar einfach gekleidet ging, sich eines Tages von daheim Lackschuhe. Da zu seinen Grund-sätzen das Dutzendsystem gehörte, war es gleich ein ganzes Dutzend, das zur unendlichen Überraschung der Zollbehörde und in der Folge der ganzen Kolonie für ihn eintraf!
Eine ähnliche Überraschung bot uns ein anderer alter Sonderling. Jedes Kind kannte ihn, wie er im Schlapp-hut, mit mächtigem schwarzen Halstuch, auf dem kläg-lichsten aller Gefährte hockend, das eigentlich nur aus zwei Rädern mit einer Achse bestand, im Lande herum-fuhr. Und als einer der ersten ließ er sich plötzlich einen eleganten Kraftwagen kommen!
Aus der großen Fülle lieber, altvertrauter Gestalten muß ich noch eine erwähnen, den letzten Zeugen aus fast sagenhafter Zeit, den alten Steuermann von „Bully Hay“, dem letzten Seeräuber. Unserer deutschen Jugend ist die Geschichte des berühmten Piraten durch das Buch Die Geißel der Südsee wohlbekannt. Und einer der Genossen dieser wilden abenteuerlichen Fahrten lebt nun schon seit langen Jahren unter uns. Aber nichts an ihm deutet auf Abenteuerlust und Piratentum; brav und fleißig gehört er zu den solidesten Ansiedlern. Das einzige, was ihn vom Durchschnitt unterscheidet, sind seine 23 lebenden Kinder.
…
Der Verkehrsmittelpunkt ist natürlich Apia, die einzige Stadt der Kolonie, und auch die Auswärtswohnenden haben hier stets einen ihnen nahestehenden Verkehrs-kreis. Alle Beamten (mit Ausnahme der zwei Amtmän-ner in Süd-Upolu und Savai), und die meisten Geschäfts-leute wohnen in der Stadt.
Bis auf das feierliche Besuchszeremoniell, das, wenn auch etwas gemildert, erhalten geblieben ist, spielt sich der Verkehr sehr ungezwungen ab. Die unbeschränkte Gastfreundschaft, die noch immer geübt wird, bildet dafür die breite Grundlage.
Der Klatsch gedeiht natürlich üppig, und es wird heftig „übelgenommen“! Wie könnte es auf solch kleinem Platze auch anders sein?! Aber es ist alles harmlos und ohne Schärfe und bald wieder vergessen.
Einen angenehmen Treffpunkt außerhalb der Stadt bietet seit einigen Jahren „Kaffee Papaseea“. Hier sorgt, von der ganzen Kolonie geschätzt und geehrt, „Mutter Kionka“ mit erstklassiger deutscher Küche für die Hun-grigen und Durstigen. Ihren Mutternamen hat diese ausgezeichnete Frau nicht etwa ihrem hohen Alter, sondern ihrem aufopfernden mütterlich sorgenden Wesen zu danken. Kein Rat- und Hilfesuchender pocht bei ihr vergebens an, und neuankommenden Frauen konnte man keinen bessern Rat geben, als sich ihre Hilfe zu sichern.
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Ich hatte noch Gelegenheit, Feste in der frühern Art der alten Südseekolonisten kennen zu lernen, z. B. eine Hochzeitsfeier im Zentralhotel, bei der man von Mittag bis in die Nacht hinein Sekt in unheimlichen Mengen trank und die geleerten Flaschen der Einfachheit halber von der obern Veranda auf die Straße schleuderte.
Von diesen „stimmungsvollen“ Feiern bis zum Stiftungs-feste des „Deutschen Kasinos“ im Mai 1914 ist es ein weiter Weg, den die Entwicklung der Geselligkeit zu-rücklegte.
Früher umfaßte der Verein „Concordia“ so ziemlich al-les Deutsche in der Kolonie; später gesellte sich ihm der „Militärverein“ bei, dem natürlich nur ehemalige deut-sche Soldaten angehörten.
Damals verkehrten alle Ansiedler mehr oder weniger freundschaftlich mit einander, wie das bei ihrer gerin-gen Zahl natürlich war. Auch mit den ansässigen Eng-ländern kam man gesellschaftlich wie geschäftlich zu-sammen, und die Beziehungen waren, wenn sie meist auch locker blieben, angenehme und friedliche.
Bei der starken Zunahme an deutschen Familien war es später selbstverständlich, daß sich der immer größer gewordene Kreis nicht ins Unendliche ausdehnen ließ, sondern daß sich wieder kleinere neu bildeten.
Aus dem immer dringender werdenden Bedürfnis he-raus nach einem gemütlichen Mittelpunkt in der Stadt, an dem sich auch die Familien zwanglos treffen konnten (dafür gab es bisher nur die Bars), wurde im Frühjahr 1913 von Beamten, Pflanzern und Geschäftsleuten das „Deutsche Kasino“ gegründet.
Das Vereinslokal ist ein stattlicher, zweistöckiger Bau, der auch Raum für eine Anzahl Fremdenzimmer ent-hält, damit die auswärtigen Mitglieder nötigenfalls ein Absteigequartier dort finden können. Mit heißem Eifer haben wir an seiner Ausschmückung gearbeitet.
Von einer Besonderheit des Lebens in Samoa weiß Frau Zieschank noch zu berichten: »In Samoa hatte von altersher eine patriarchalische Sitte geherrscht. Wenn einer der alten Ansiedler längere Zeit gar zu sehr seinem mächtigen Tropendurst fröhnte, so schritt das Gouvernement väterlich erziehend ein und setzte sei-nen Namen auf die „Säuferliste“, das heißt es wurde durch Straßenanschlag- und durch die Zeitung bekannt gegeben, daß dem schwarzen Schäflein kein Alkohol verabreicht werden dürfe.
Es waren so ziemlich immer dieselben altvertrauten Na-men, die auf dieser schönen Liste erschienen.«
Der amtliche Jahresbericht Die deutschen Schutzgebiete in Afrika und der Südsee 1912/13 meldet:
»Der Mangel an Wohnungen in Apia, über den schon seit Jahren geklagt wird, ist infolge der Vermehrung der weißen Bevölkerung noch empfindlicher geworden.
Auf Grund eines von der heimischen Verwaltung mit der Gesellschaft für Wasserversorgung und Abwässer-beseitigung zu Berlin geschlossenen Vertrages war ein Ingenieur im Auftrage der letzteren mit der Vorbe-reitung verschiedener größerer wirtschaftlicher Pro-jekte im Schutzgebiet beschäftigt. Von ihm wurden Vorarbeiten zur Anlage einer Wasserleitung und eines Elektrizitätswerkes für die Stadt Apia, zum Ausbau des Hafens und zum Bau einer Eisenbahn entlang der Küste von Apia nach Mulifanna ausgeführt.«