Es wütete ein ewiger Krieg um die Vorherrschaft auf den Inseln zwischen den Herrscherfamilien. Die Kriege der Samoaner sind allerdings nicht im westlichen Sinne zu verstehen. Otto Ehlers, ein Reiseschriftsteller, der 1895 Samoa besucht, schreibt:
»Das Benehmen der kämpfenden Parteien in Samoa ist in jeder Beziehung ritterlich. Man schlägt sich nur nach voraufgegangener Anfrage und kämpft weder nächtli-cherweise noch an Sonntagen. Die Frauen verkehren zwischen den Parteien ungehindert und bringen aus dem Lager, in dem sich ein Überfluß an Patronen be-findet, Munition in das, wo Mangel daran herrscht.«
Unter der deutschen Kolonialherrschaft werden dann die Kriege der Samoaner beendet.
Ernst von Hesse-Wartegg schreibt über seinen Besuch von Samoa im Jahre 1900:
»So merkwürdig es klingen mag, die Samoaner haben trotz ihres viele Jahrzehnte langen Beisammenlebens mit Europäern und trotz der fortgesetzten Versuche der letzteren, ihre Waren zur Einführung zu bringen, doch zäh an ihren althergebrachten Gewerben und Gerät-schaften festgehalten. Ich habe in den vielen Dörfern, die ich besuchte, nicht ein einziges Haus, nicht ein einziges Boot, selbst bis zu den gewaltigen, bis dreißig Meter langen Kriegskanoes, getroffen, bei dessen Her-stellung auch nur ein Eisennagel verwendet worden wäre. Die Hausgerippe, die Schiffsplanken, Dachkon-struktionen und dergleichen werden durchwegs nur mit geflochtenen Kokosfasern gebunden, und diese Befesti-gungsart bewährt sich ausgezeichnet.«
Das Deutsche Kolonial-Lexikon vermerkt: Unterneh-mungen europäischen Stils werden von den Samoanern nicht betrieben, doch befinden sich unter ihnen gute Bootbauer und Zimmermeister.
Nach der Volkszählung von 1902 leben 32.612 Samoaner in Deutsch Samoa. Die Volkszählung von 1912 ergibt 34.432 Eingeborene.
Auch in die samoanische Bevölkerung dringt europäi-sches Leben ein. Das leuchtende Herdfeuer wird mehr und mehr durch die Petroleumlampe ersetzt. Ver-schließbare Truhen weisen auf ein Abbröckeln der traditionellen Ehrlichkeit hin. Nähmaschinen sind sehr geschätzt, denn die alte Mattenkleidung wird durch europäische Stoffe verdrängt.
Für die Deutschen mutet es sehr eigenartig an, wenn neben dem Hause eines samoanischen Großen ein ele-ganter Einspänner hält. Fast jeder Europäer besitzt Pferd und Wagen, ein Luxus, der bei den Samoanern, die sich das leisten können, Nachahmung gefunden hat. So sind auch die alljährlich stattfindenden Pferderennen vom größten Interesse der Samoaner begleitet.