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Samoa I

Mitte 1914 profitiert Samoa von Verbesserungen im Verkehrsbereich. Die Deutsche Handels- und Planta-gen-Gesellschaft der Südsee-Inseln zu Hamburg, wie ihr vollständiger Name lautet, aber normalerweise als Deutsche Handels- und Plantagengesellschaft oder DHPG bezeichnet wird, hat seit Jahrzehnten eine große Zahl kleiner und kleinster Segelschiffe im Dienst in der Südsee. 1913 bestellt die DHPG nun bei der Werft Stocks & Kolbe in Kiel ein Dampfschiff für den Passagier- und Frachtverkehr zwischen ihren Besitzungen auf den Süd-seeinseln. Das Schiff bekommt den Namen Staats-sekretär Solf, nach dem ehemaligen Gouverneur von Deutsch Samoa‚ Wilhelm Solf. Solf wechselte Ende 1911 vom Posten des Gouverneurs zum Amt des Staatsse-kretärs des Reichskolonialamtes, also in die Eigenschaft des Reichskolonialministers. Die Solf ist ein Holzbau, da der die Geschwindigkeit eines Schiffes erheblich beein-trächtigende Muschelbewuchs bei eisernen Schiffen in der Südsee besonders stark ist. Unter der Wasserlinie ist der Schiffsrumpf gegen den Muschelbewuchs mit Kup-fer beplattet. Das Schiff hat weiterhin einen sogenann-ten Loskiel unter dem Rumpf, der bei einem Auflaufen auf ein Korallenriff abbrechen kann, ehe der Schiffs-rumpf selbst leck geschlagen wird. Schließlich ist es auch wichtig, daß das Innere eines Holzschiffs sich in tropischem Klima weniger aufheizt als bei einem eiser-nen Schiff. Die Solf hat 304 Bruttoregistertonnen und ist 43,5 m lang. Am 15. Dezember 1913 läuft der Dampfer von Stapel und kann Anfang März 1914 von Kiel auslaufen mit Ziel Apia, ihrem Stationsort auf Samoa. Sie bewältigt die 16.000 Seemeilen lange Reise ohne Zwischenfälle und erweist sich auch bei schlechtem Wetter als be-sonders seetüchtig. Am 6. Juni 1914 trifft das Schiff in seinem neuen Heimathafen Apia ein. Die Staatssekre-tär Solf übernimmt nun auch den Postverkehr zwischen Apia und dem amerikanischen Pago Pago, welches von amerikanischen Schiffen angelaufen wird. Zuvor hatten englische und amerikanische Schiffe den Postverkehr zwischen Apia und Amerikanisch Samoa bedient.


Mitte 1914 gibt es in Apia fast 150 Telefonanschlüsse und der Bau der ersten Überlandleitung auf Upolu ist geneh-migt. Diese Fernsprechverbindungsleitung soll von Apia über Malua nach Mulifanua an der Westküste der Insel gelegt werden, wo sich eine große Plantage der Deut-schen Handels- und Plantagengesellschaft mit einem Hafen befindet.

Am 30. Juni 1914 trifft aus Apia bei der Firma Telefunken in Berlin ein Telegramm ein, daß der neugebaute große Funksender bei Apia mit voller Leistung in Betrieb gegangen ist, und die Abnahmeversuche in der ersten Hälfte des Juli beginnen werden. Mitte Juli beginnen drei je achttägige Versuchsperioden, die ersten beiden mit der deutschen Funkstation auf der Pazifikinsel Nau-ru und die dritte mit der deutschen Funkstation auf Jap in den Karolinen. Noch vor Abschluß der Versuchs-periode kann am 1. August 1914 die Funkstation in Betrieb genommen werden.


Die Vorarbeiten für den Bau eines Elektrizitätswerkes auf Upolu sind geleistet, sodaß in Apia in absehbarer Zeit die Elektrifizierung beginnen wird.

Auch der Tourismus ist auf Samoa längst angekommen. Als im Sommer 1914 ein Doktor der Philosophie aus Graz auf der Hochzeitsreise mit seiner Frau in Apia eintrifft ist er nur noch einer unter vielen. Schon 1907 schreibt die auf Samoa lebende Frieda Zieschank: »In der güns-tigen Jahreszeit [Trockenzeit Mai-September] ergießen sich große Scharen Vergnügungsreisender von Austra-lien und Neuseeland, die den „Trip“ über die Inselgrup-pen Fidji, Samoa, Tonga machen, in die Stadt [Apia] und Umgebung.« Für die aus Europa kommenden Reisenden vermerkt sie gleichzeitig, daß sie »ungemein wohltätig berührt« sind, da die Samoaner, im Gegensatz zu Be-wohnern anderer Touristenziele, nicht betteln. »Sie bie-ten ihre Ware an und quittieren auch auf Absage mit einem freundlichen Lächeln.«