Pomona ist durch die Auffindung von Diamanten im Jahre 1908 in der Namib-Wüste entstanden und liegt im Diamantensperrgebiet, wo nur konzessionierte Firmen schürfen dürfen. Das Deutsche Kolonial-Lexikon über »die am 31. Mai 1912 gegründete Pomona-Diamanten-Gesellschaft«: »Die Pomona-Diamanten-Gesellschaft ist eine Deutsche Kolonialgesellschaft mit dem Sitz in Berlin. Ihr Grundkapital beträgt 3.000.000 M, zerlegt in 30.000 Anteile zu 100 M. Am 30. August 1912 nahm die Gesellschaft die Gewinnung der Diamanten auf«.
Max Ewald Baericke, im Diamantengebiet von Südwest tätig, über Pomona:
»Das gesellschaftliche Leben in Pomona war sehr ein-tönig. Die Gesellschaft hatte für ihre Beamten hübsche Wohnhäuser und ein geräumiges Kasino gebaut, um ihnen das Privatleben so angenehm wie möglich zu machen. Es fehlte aber das zarte Geschlecht, das allein in der Lage ist, die rauhen Manieren der Wüstenbe-wohner in gesittete Bahnen zu lenken. So begann dann allabendlich nach dem Abendessen ein allgemeines Trink- und Spielgelage, das nur selten durch musikali-sche Einlagen von Kollegen, die ihre europäische Kultur noch nicht ganz mit der afrikanischen Untugend ver-tauscht hatten, unterbrochen wurde. Getrunken wurde prinzipiell nur echtes Pilsner Urquell und Whisky-Soda. Dunkle Biere und andere Spirituosen waren verpönt, da sie in größeren Mengen genossen, einen nachhaltigen Haarspitzenkatarrh verursachten. Das gemäßigte Kar-tenspiel war der Fünfpfennigskat. Aber es wurde auch gepokert und gemauschelt. Sonnabends dauerten die Trink- und Spielgelage fast die ganze Nacht über an. Am anderen Morgen glich dann der Speisesaal mehr einer Räuberspelunke als einem Beamtenkasino und die Kasi-noboys hatten alle Mühe, das Lokal bis zum Frühstück wieder in Ordnung zu bringen.
An Sonntagen wurden häufig kleine Jagdausflüge zu Pferde in die Namib unternommen, wo zwischen den Sanddünen hin und wieder Springböcke und andere Gazellenarten standen, oder man fuhr mit einer Trolley mit Maultierbespannung zu den Nachbarbetrieben der Deutschen Diamanten-Gesellschaft nach Granitberg oder Bogenfels.
Auch einen Schützenverein gab es in Pomona, die Schießübungen konnten aber nur sonntags ganz früh abgehalten werden, da nach Einsetzen des starken Sandsturmes die Geschosse durch den Flugsand abge-trieben wurden, wogegen auch kein „Zielwasser“ half, das im Übrigen bei dieser Gelegenheit sehr reichlich konsumiert wurde.«
Über die Wasserversorgung von Pomona schreibt Baericke:
»In der Jammerbucht, die mit Pomonahügel durch eine Schmalspurbahn verbunden war, befand sich ein mo-derner Seewasserkondensator, der den Trinkwasserbe-darf lieferte. Die Leitung unterstand dem ehemaligen Marine-Ingenieur Hansen. Sonntags war die Jamme-rbucht der Ausflugsort der Pomonabeamten, die dort Seebäder nahmen mit anschließendem Süßwasserbad oder Langusten fingen. Der Kondensator wurde mit allerbester, dreimal gesiebter englischer Admiralitäts-kohle geheizt, die sich infolge ihres geringen Grusver-lustes bei den enorm hohen Transportkosten auf der Pomonagrubenbahn als die billigste erwies. Die Herstel-lungskosten für einen Liter Trinkwasser beliefen sich auf etwa 10 Pfennig.«
Über ein Ereignis während der regelmäßigen Diaman-tentransporte von Pomona nach Lüderitzbucht schreibt Bae-ricke:
»Der Diamantentransporter Muhlack, der gleichzeitig Sanitäter der Gesellschaft war, mußte zweimal im Monat die geförderten Diamanten zu Pferde und in Begleitung von zwei Polizeibeamten nach Lüderitzbucht bringen und bei der Deutschen Afrika-Bank abliefern. Es waren jedesmal Diamanten im Werte von rund zwei Millionen Mark, die transportiert wurden. Auf der Polizeistation Elisabethbucht wurde übernachtet, der Sattel mit den Diamanten flog in eine Ecke des Zimmers und dann setzte man sich an einen Tisch und spielte Skat. Muh-lack, ein ehemaliger Schutztruppen-Wachtmeister, be-kam ein neues Reitpferd. Bei einem Diamantentransport flog dem Pferd in der Nähe der Prinzenbucht ein Blatt Zeitungspapier um die Beine, wodurch es scheute, den Reiter abwarf und mit den Diamanten in den Pack-taschen im Werte von zwei Millionen Mark in die Wüste abhaute. Die beiden Polizeisergeanten ritten hinterher, um das Pferd wieder einzufangen, was ihnen aber nicht gelang. Das Pferd mit der kostbaren Ladung war nicht zum Stehen zu bringen. Kurz entschlossen zogen die beiden Polizeisergeanten ihre Karabiner und schossen den Flüchtling ab, der sonst, wer weiß wo, mit den Diamanten hingelaufen wäre.«
Über Herrn von Zülow, den kaufmännischen Direktor der Pomona-Diamanten-Gesellschaft, berichtet Bae-ricke:
»In jungen Jahren war Herr von Zülow Page am deut-schen Kaiserhof und bei Besuchen des Generalfeldmar-schalls Graf Haeseler ihm zugeteilt. Als junger Leutnant kam er nach Südwest und nahm an den Kämpfen gegen Hendrik Witbooi teil. Während des Hereroaufstandes im Jahre 1904 führte er einen gepanzerten Eisenbahn-zug von Swakopmund nach Okahandja. Die Bahnstatio-nen Wilhelmstal und Okasise waren zerstört und alle Weißen von Hereros ermordet. Am 13. Januar erreichte der Panzerzug die Bahnstation Waldau, wo das erste Gefecht gegen die Hereros stattfand. Nach mehreren Entgleisungen und Wiederherstellung der zerstörten Bahnlinie, die unter dem Feuer der Hereros vorgenom-men werden mußte, erreichte er mit seiner tapferen Abteilung Okahandja, das von Hereros belagert war und dringend die von Swakopmund mitgebrachte Munition und Proviantvorräte benötigte. Nun war Okahandja zwar noch nicht befreit, aber durch rund 90 Gewehre ver-stärkt worden.
Hauptmann a.D. von Zülow war ein Edelmann vom Scheitel bis zur Sohle, stets korrekt, höflich unbestech-lich und loyal gegenüber seinen Untergebenen. Als Beamter war er ein Vorbild treuester Pflichterfüllung. Im März 1914 nahm er seinen Abschied von Pomona. Man hatte ihm, dem regierungstreuesten Edelmann zugemutet, die Baukosten der Pomona-Grubenbahn, die von Kolmanskuppe nach Bogenfels gebaut wurde und ein selbständiges Unternehmen war, in die Betriebskos-ten der Pomona-Diamanten-Gesellschaft aufzunehmen. Eine solche Handlungsweise vertrug sich nicht mit sei-ner Ehre und seinem Stolz, und so zog er die Konse-quenzen und ging. Über Deutsch-Ostafrika reiste er nach Abessinien, wo ein Bruder Berater am abessinischen Kaiserhof war.«
Im Juli 1914 trifft von Zülow wieder in Deutschland ein.
Die Pomana-Grubenbahn ist etwa 100 Kilometer lang und hat in Kolmanskuppe Anschluß an die Bahn nach Lüderitzbucht.