Die Östlichen Inseln liegen im östlichen Bismarckarchi-pel. Die Hauptgruppe der Nuguria-Inseln der deutschen Östlichen Inseln liegt 120 Seemeilen östlich von Neu-mecklenburg, der nächsten Insel der Hauptgruppe des Bismarckarchipels. Die Entfernung zwischen den Insel-gruppen Nuguria und Tauu beträgt etwa 150 Seemeilen, wobei Tauu 120 Seemeilen nördlich der Salomonen liegt, und das Nukumanu-Atoll liegt etwa 135 Seemeilen öst-lich von Tauu. Der deutsche Forscher Richard Parkin-son schreibt über den deutschen Anteil an den Öst-lichen Inseln: »Auf unseren kleinen Inselgruppen wohnt die Bevölkerung auf der Hauptinsel des Atolls; die kleineren Inseln werden nur während des Fischfanges und der Kokosnußernte vorübergehend bewohnt, es sei denn, daß der Häuptling diesen oder jenen, der sich in der Dorfschaft mißliebig gemacht hat, auf irgendeine der Inseln verbannt.«
Parkinson weiter: »Vom Ackerbau kann auf den kleinen Koralleninseln keine Rede sein. Die Kokospalme wächst überall üppig und erfordert keine besondere Pflege; die kleineren Inseln sind fast ausschließlich mit diesem nützlichen Baum bestanden. Die größeren Inseln haben im Innern einen Waldbestand, darunter die großker-nige Brotfruchtart, und auf der Seeseite der Inseln ein Kranz von Pandanusbäumen, deren Früchte von den Insulanern als Nahrung genossen werden. In der Mitte der Inseln, durch einen dichten Baumbestand gegen Seewinde geschützt, treibt man den geringen Ackerbau, der für diese Inseln charakteristisch ist.«
Parkinson über die Ernährungsgewohnheiten der Men-schen: »Im allgemeinen muß man die Insulaner als sehr bedürfnislos bezeichnen. Mit Kokosnüssen und Fischen und den ganz geringen und minderwertigen Arumarten, welche auf den Inseln wachsen, fristen sie jahraus jahrein das Leben. Neuerdings haben die Weißen Reis eingeführt, der sich schnell die allgemeine Beliebtheit der Bevölkerung erworben hat.«
Im Deutschen Kolonial-Lexikon finden wir über die Östlichen Inseln, daß »Tauu oder Mortlock-, Marken-inseln«, ein bewohntes Atoll mit Kokospalmenpflan-zungen ist. Die Inseln machen zwei qkm Landfläche aus. »Nukumanu, Lukumanu oder Tasmaninseln, bewohn-tes gehobenes Atoll des östlichen Bismarckarchipels … mit 2 qkm Landfläche und Kokospalmenpflanzungen.« »Nuguria oder Abgarris, Feadinseln« sind zwei Atolle mit 10 qkm Fläche. »Die Hauptinsel Nuguria liegt am Ostrand des östlichen Atolls und trägt bedeutende Kokospalmenpflanzungen. Die Nuguriainseln wurden 1822 durch das Schiff Abgarris entdeckt, 1826 von Renneck wiedergefunden und Feadinseln genannt. — Verwaltungstechnisch gehört Nuguria zu den Salomon-inseln. Regierungs- oder Missionsstationen befinden sich nicht auf den Inseln, dagegen größere Kokosplan-tagen und Handelsstationen der Hamburger Südsee-Aktien-Gesellschaft (früher Forsayth G.m.b.H.)«
Das Kolonial-Lexikon schreibt über diese »Polynesi-sche Exklaven. Am Ostrand der großen melanesischen Inseln liegt eine Reihe kleiner Atolle. Die keine mela-nesische, sondern eine polynesische Bevölkerung tra-gen. Drei davon gehören zum deutschen Bismarckarchi-pel: Nuguria, Tauu und Nukumanu.«
Die Bevölkerung dieser Atolle gehört zu den Polynesiern wie das Volk auf Samoa. Wie im Samoanischen wird etwa der Name der Insel Tauu mit unverbundenen Selbstlauten gesprochen, also Ta u u. Diese Inseln bilden damit eine Ausnahme unter den australischen Inseln von Deutsch Neuguinea, die sonst von Melanesiern bewohnt werden. Das Kolonial-Lexikon: »Die Leute sind mittelgroß, stämmig, von hellbrauner Farbe und haben schwarzes schlichtes, zuweilen gewelltes Haar. Leibes-fülle gilt als Schönheit; die Vornehmen werden gemäs-tet. So daß ein Körpergewicht von 200 kg nicht selten ist. — Wie in Paramikronesien ist die Bevölkerung auch hier im Aussterben begriffen: Nuguria zählt etwa 50, Tauu 20, Nukumanu 100 Individuen.« Zu Paramikro-nesien findet sich im Kolonial-Lexikon:
»Paramikronesien nennt man in der Völkerkunde die westlichen Inseln des Bismarckarchipels, die sich kultu-rell zum Teil stärker an die mikronesische als an die melanesische Kultur anlehnen: Luf (siehe Hermitin-seln), Kaniet, Ninigo, Manus (siehe Admiralitätsinseln), Aua und Wuwulu.«
Alle vier Atolle der Östlichen Inseln gehörten ur-sprünglich zum deutschen Kolonialreich, wurden aber im deutsch-englischen Samoa-Vertrag von 1899 an Großbritannien abgetreten. Die wirtschaftlich im ganzen unbedeutenden Koralleninseln hat aber der Gouver-neur Rudolf von Bennigsen von Deutsch Neuguinea auf Grund der Bevölkerung, die polynesisch und nicht melanesisch ist, besonders wert geschätzt. Bennigsen läßt anläßlich einer Abschiedsreise durch das abgetre-tene Gebiet, bei der er die von den Termiten übrig-gelassenen Reste der deutschen Hoheitszeichen ein-sammelt, am 28. November 1900 auf Nukumanu ein Schild »Kaiserlich Deutsches Schutzgebiet« an eine Pal-me nageln. Daß unweit davon, auf einer Stange befestigt, auch der britische Union Jack flattert, kümmert ihn nicht weiter. Durch die Intervention von Gouverneur von Bennigsen gibt England schließlich drei der Atolle mit über der Hälfte der Landfläche der Östlichen Inseln, wieder auf. Nur das Atoll Ongtong Java bleibt britisch. Mit der Erklärung der zuständigen Western Pacific High Commission von 8. Januar 1902 wird die Anne-xionsproklamation über die »Tasmangruppe« vom 6. Ok-tober 1900 widerrufen und diese Atolle werden wieder deutsch.
Richard Parkinson widmet dem deutschen Teil der Öst-lichen Inseln in seinem 1907 erschienenen Werk Drei-ßig Jahre in der Südsee mit rund 900 Seiten Umfang über das Bismarckarchipel und die deutschen Salomon-inseln 50 Seiten. Über Nuguria schreibt er, daß es aus zwei Atollen besteht. »Das südliche ist das eigentliche Nuguria, das nördliche wird Malum genannt. Beide Atolle erstrecken sich in der Hauptsache von Nordwes-ten nach Südosten über etwa 25 Seemeilen. Die größte Breite der Atolle beträgt etwa 6 Seemeilen. … Die Inseln sind mit Kokosbäumen bestanden, und die Firma E. E. Forsayth unterhält hier einen regelmäßigen Plantagen-betrieb. Sie hat sämtliche Inseln mit Kokospalmen bepflanzt und wird in wenigen Jahren eine beträchtliche Ernte erwarten können.
Die Bevölkerung ist seit Jahren im Aussterben begriffen. Die augenblickliche Anzahl beträgt etwa 50 Seelen. Im Jahre 1902 starben allein 16 Insulaner, namentlich in-folge der Influenza. Die physische Widerstandfähigkeit der Eingeborenen scheint sehr gering zu sein, und es wird nicht mehr viele Jahre dauern, bis von der heutigen Bevölkerung niemand mehr vorhanden ist. Im Jahre 1885, als ich zuerst diese kleine Gruppe besuchte, schätzte ich die Bevölkerung auf wenigstens 160 See-len.«
Parkinson zum Bevölkerungsrückgang auf Tauu: »In Tauu fand ich vor Jahren bei meinem ersten Besuch große Kanoes in eigenen Hütten am Strande liegen, die zu jener Zeit schon nicht mehr von der schwachen Bevölkerung benutzt wurden, weil sie zu schwer waren, um selbst mit den vereinten Kräften der sämtlichen Männer ins Wasser geschoben zu werden.«
Über die Menschen der Östlichen Inseln schreibt der Südsee-Forscher: »Die Farbe der Haut darf als hellbraun bezeichnet werden. Hellere und dunklere Schattierun-gen kommen hier wie in Samoa vor, zum Teil als Folge der Beschäftigung, welche den einen Eingeborenen den Sonnenstrahlen mehr aussetzt als den anderen. Die Fischer und die im Freien arbeitenden sind daher auch dunkler als z. B. der Häuptling, der sich größtenteils in seiner Hütte aufhält, und als die Weiber, die ebenfalls nicht viel ins Freie kommen.«
Über die Häuptlingsfrauen bemerkt Parkinson: »Ins Freie gehen sie nur selten, um nicht von der Sonne gebräunt zu werden, denn eine helle Hautfarbe, welche das Muster der Tätowierung stark und scharf hervor-treten läßt, wird als eine besondere Schönheit betrach-tet.«
»Im Alter werden namentlich die Weiber ungemein fett und wohlbeleibt, und was ich in dieser Beziehung auf meinem ersten Besuch in Tauu zu Beobachten Gelegen-heit hatte, übersteigt alles, was ich z. B. in Samoa und Tonga gesehen. Einige der damals lebenden alten Tauu-frauen waren so wohlbeleibt, daß sie nicht im Stande waren, sich zu bewegen, und von ihren weniger be-leibten Landsleuten nicht nur sorgfältig von Ort zu Ort befördert, sondern auch gefüttert werden mußten. Nu-guria steht in dieser Beziehung den anderen Inseln nach, wohl wegen der Kränklichkeit der Bevölkerung; wohlgenährte und wohlbeleibte Frauen sind jedoch in den Augen der Insulaner die größten Schönheiten.«