Mit der Entdeckung von Gold am Wariafluß ganz im Osten von Kaiser-Wilhelms-Land, im Grenzgebiet zu Britisch Neuguinea, wird die Gegend, die sonst besten-falls Paradiesvogeljäger aufsuchen, ein Tummelplatz für Abenteurer und um die Verhältnisse vor Ort unter Kontrolle zu bekommen wird dort 1908 an dem an der Herkulesbucht gelegenen Adolfhafen, in den der Mo-robe mündet, eine Station eingerichtet.
Bei seiner Entdeckung 1884 wurde Adolfhafen nach dem Unternehmer und Unterstützer der deutschen Kolonial-bestrebungen Adolf von Hanndemann benannt. Wie üblich heißt auch hier eine Bucht Hafen, weil sie als Hafen nutzbar ist.
Im November 1908 geht der Dampfer Manila auf seine reguläre Fahrt von Rabaul nach Singapur. An Bord hat er auch einen Polizeimeister, 30 eingeborene Polizisten und 50 angeworbene Arbeiter für die neue Station, wo der Stationsleiter bereits seit Monaten mit einer kleinen Truppe Vorarbeiten geleistet hat. Dieses Vorauskom-mando war mit dem notwendigen Material vom Regie-rungsdampfer Seestern angelandet worden. Zum weite-ren Aufbau der Station hat die Manila nun zwei große Boote, Reis in Säcken, Dosenfleisch, Gemüse und Ge-tränke, Baumaterial, allerhand Werkzeug zum Abhol-zen der bewaldeten Höhen und auf dem Vordeck zwölf-hundert Planken für den Bau von Häusern und Schup-pen dabei. Die neue Station wird auch gleich in den regelmäßigen Fahrplan der Manila aufgenommen.
Die Station wird ständig ausgebaut. Ein hölzerner Leuchtturm wird errichtet, Kokospflänzlinge werden gesetzt, ein breiter Reit- und Fahrweg zum Waria in Richtung Britisch Neuguinea wird gebaut, ein Kranken-haus für die Eingeborenen eingerichtet und die ersten Händler siedeln sich am Schiffsanlegeplatz an neben dem Gouvernementsschuppen für Vorräte und Boote. Die Station selbst liegt auf den Hügeln ringsherum.
Die deutschen Schutzgebiete in Afrika und der Südsee 1909/10 [April 1909-April 1910]:
»In Morobe sind an Bauten ausgeführt, sämtlich aus Buschmaterial mit Attapdächern: eine Kaserne, ein Lager, ein Leute-Kochhaus, ein Malayen-Wohnhaus nebst Küche, ein Bootshaus und Nebenbauten, ferner auf dem zweiten Sinoguhügel: ein dreizimmeriges Europäer-Wohnhaus mit einer Küche und Neben-bauten.
Die Station Morobe baute einen Weg nach Jaduna, etwa 30 km lang, einen Weg das Morobe-Tal entlang bis zur Gabelung des Morobe, und einen Reitweg zur Höhe des Grashügels auf der Halbinsel Sinogu mit Anschluß an das Polizeimeisterhaus.«
Die Station am Adolfhafen wird am 1. April 1910 zum dritten Verwaltungsbezirk des Kaiser-Wilhelms-Landes erhoben und bekommt den Namen Morobe. Am Sitz der Regierungsstation wird auch eine Postagentur einge-richtet und die Neuendettelsauer Missionsgesellschaft betreibt eine Missionsstation.
Der Stationsleiter von Morobe arbeitet mit seinem englischen Pendant auf der anderen Seite der Grenze zusammen, das auch deshalb, weil die Goldsucher am Warifluß hauptsächlich Australier sind, eine wilde, ver-wegene Gesellschaft, und vom britischen Teil Neu-guineas herüberkommen.
Vom Schiffsanlegeplatz mit seinem Lagerschuppen des Gouvernements und der Händlersiedlung führt eine Straße zu den Stationsgebäuden auf den Hügeln rings-herum. In Serpentinen geht die mit bunten Kroton- und Zitronellagräsern eingefaßte breite Straße nach oben. Für Bequeme ist ein Rikschafahrdienst eingerichtet. Da-für wurde eine alte chinesische Rikscha importiert und ein paar einheimische Jungens ziehen und schieben das Gefährt in einer Viertelstunde hügelhoch. Bezahlung: Eine Stange Tradetabak und die Jungs antworten: „Dankesöön!“
Paul Ebert, Kommandant der SMS Cormoran, besucht im August 1911, nach nun drei Jahren Aufbauzeit, Moro-be:
»Gelegentlich eines Besuches beim Stationsleiter be-sichtigte ich die vorhandenen Regierungsbauten. Es wa-ren dies das Haus des Stationsleiters auf dem Grasberg, das die Wohnung für den Polizeimeister und den Heil-gehilfen und das Schreibzimmer enthaltende Beamten-haus, ein kleines Wohnhaus für einen verheirateten chinesischen Angestellten der Regierung, das Vorrats-haus, das Gefängnis, die Kaserne, das Eingeborenen-hospital, das Wohnhaus eines malaiischen Angestellten der Regierung und sechs kleine Häuser für verheiratete Polizeisoldaten. Die fünf erstgenannten dieser Gebäude waren Europäerhäuser, die übrigen sogenannte Busch-häuser. An Privatgebäuden befanden sich auf der Sta-tionshalbinsel noch das Wohnhaus der beiden früher erwähnten Paradiesvogeljäger und ein Vorratshaus des auf dem Adolf-Berge wohnenden Missionars.«