Oberleutnant Edmund Troost: »Unsere Insulaner sind eben nunmehr seit geraumer Zeit sämtlich Christen, und zwar habe ich wenigstens den entschiedenen Ein-druck, daß bei ihnen das Christentum weit tieferen Bo-den gefaßt hat, als ich es bei den meisten Eingeborenen in anderen Ländern beobachtet habe. Das hat sie freilich nicht abgehalten, fast unausgesetzt in Krieg und Fehde unter einander zu liegen, ebensowenig vor zwei Jahren den gefallenen Engländern und Amerikanern die Köpfe abzuschlagen. [März-April 1899, militärisches Eingrei-fen englisch-amerikanischer Kräfte in innersamoani-sche Machtkämpfe gegen den von den Deutschen unter-stützten Mataafa.]
Das Christentum ist hauptsächlich von drei Missions-Gesellschaften verbreitet worden, der evangelischen Londoner Gesellschaft, der ¾ der Gläubigen angehören, ferner von den ebenfalls evangelischen Wesleyanern, welche ihre Thätigkeit zum größten Teile auf Savaii entfalten; beide sind schon seit den dreißiger Jahren thätig. Zehn Jahre später kam die römisch-katholische Mission der französischen Maristen.
Alle befolgen in der Praxis dasselbe Prinzip: Eingebore-ne Hilfslehrer und Hilfsprediger werden in großer An-zahl herangebildet, alsdann Kirchen gebaut und Schu-len gegründet, in denen der Religions-Unterricht natür-lich ganz einseitig im Vordergrund steht.
Doch fehlt in Apia auch eine Pflanzstätte weltlichen Wissens nicht, eine von den Missionen unabhängige deutsche Schule für Knaben wie für Mädchen, überwie-gend zwar für Weiße, aber auch für Samoanerkinder, aus welche unsere Landsleute in Apia als eine prakti-sche, wertvolle Betätigung ihres Deutschtums mit Recht stolz sein dürfen.«
Paul Ebert, der Kommandant des Kriegsschiffes Cormo-ran, über den 22. Oktober 1911:
»Am Vormittage von Kaiserin [Auguste Viktoria] Ge-burtstag hatte ich zusammen mit dem Gouverneur, den Offizieren und den evangelischen Mannschaften an einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche der Londoner Mission teilgenommen, während der katho-lische Teil der Besatzung den Festgottesdienst in der Kathedrale besuchte. Sehr bedauerlich war, daß es eine deutsche Kirche in Apia nicht gab, ja daß wir gezwungen waren, die Festpredigt des an der Kirche tätigen eng-lischen Geistlichen anzuhören, von der natürlich der weitaus größere Teil der Cormoran-Besatzung kein Wort verstand. Als Samoa deutsch wurde [1899], trug die Londoner Mission den veränderten Verhältnissen dadurch Rechnung, daß sie einen auf ihre Bitte zur Verfügung gestellten deutschen Geistlichen in ihre Dienste nahm. Dieser hielt aber nur gelegentlich Gottes-dienste in Apia ab, während seine umfangreiche Haupt-tätigkeit am Sitze der Zentralstation der Londoner Mis-sion, dem Seminar zur Ausbildung von eingeborenen Lehrern und Predigern aber in Malua [Ein Dorf auf Upolu] sich abspielte, wo er durch Erteilung von deut-schem Sprach- und Geschichtsunterricht, Beeinflus-sung der Missionsliteratur, Abfassung von Schulbü-chern in deutschnationalem Sinne das dringend erfor-derliche Gegengewicht zu den Einflüssen der engli-schen Mission schaffte.«