Das Deutsche Kolonial-Lexikon über die Missionen in der Kolonie:
Missionen. Im Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea sind 5 protestantische und 4 katholische Missionsgesellschaf-ten tätig. Das Arbeitsgebiet dieser Missionen erstreckt sich auf den Bismarckarchipel, Kaiser-Wilhelmsland, die Karolinen, Marianen, Palau- und Marshallinseln. — Von den protestantischen Missionsgesellschaften hat die australische Methodisten-Mission ihren Sitz auf der Gazellehalbinsel (Neupommern); vor einigen Jahren hat sie ihr Arbeitsgebiet auch auf Neumecklenburg aus-gedehnt. An Personal waren 1913 tätig 4 ordinierte Missionare, 4 Laienmissionare, 5 Lehrerinnen, 4 Predi-ger und 8 Lehrer aus Fiji und Samoa und 185 einge-borene Hilfslehrer. Die Zahl der Anhänger wird auf 4195 Mitglieder, 1749 Probemitglieder und 2125 Katechume-nen angegeben. An Gottesdienstbesuchern wurden in den 119 Kirchen der Mission (1913) 25.422 gezählt. An freiwilligen Beitragen sind der Missionsgesellschaft im letzten Jahre (1913) über 45.000 Mark zugeflossen. Die Neuendettelsauer Mission, die ihren Sitz in der Heimat in Neuendettelsau (Bayern) hat, war im letzten Berichts-jahre (1913) auf 16 Missionsstationen mit 24 Missiona-ren, 9 Laiengehilfen und 21 Frauen tätig. Daneben waren noch 35 eingeborene Gehilfen beschäftigt. Die Zahl der Christen belief sich (1913) auf 3637. Die Missionsgesell-schaft ist auch landwirtschaftlich tätig, sie hat an ver-schiedenen Stellen Pflanzungen angelegt und betreibt auch mit Erfolg Viehzucht. Auch eine Druckerei und Buchbinderei wird von der Mission auf einer ihrer Stationen unterhalten. — Die Rheinische Missions-Gesellschaft in Barmen hat ihr Arbeitsgebiet in der Umgebung der Astrolabebucht in Kaiser-Wilhelmsland. An Personal verfügte diese Missionsgesellschaft 1913 über 9 Missionare, 1 Missionshandwerker und 8 Frauen. Die Zahl der Christen wurde 1913 auf 103 angegeben. — Die Bostoner Mission auf Nauru ist besetzt mit 1 Missio-nar, 1 Missionsfrau und 1 Hilfslehrerin. Die Zahl der Anhänger wird (1913) auf etwas über 900 angegeben und die Gesamtzahl der getauften Christen einschließlich Kinder auf rund 800. Außer in Nauru ist die Mission auch noch auf den Marshallinseln tätig, und zwar wirken daselbst 10 eingeborene Prediger. Die Zahl der Anhänger der Mission auf den Marshallinseln betrug (1913) 5203 Personen. — Die Liebenzeller Mission hat ihr Arbeitsfeld in dem Gebiet der Ost- und Zentralkaro-linen. Ihr Personal belief sich auf 3 Missionare, 2 Missio-narinnen, 2 Missionsfrauen, 12 eingeborene Prediger und 15 eingeborene Lehrer. Die Zahl der Gemeindeglie-der wurde 1913 auf 1282 angegeben. — Von den katholi-schen Missionen hat die größte Anhängerzahl die Mis-sion vom Heiligsten Herzen Jesu in Vunapope aufzu-weisen. Die Mission hat auch Pflanzungsunternehmun-gen und ist daneben gewerblich tätig. Sie besitzt eine mechanische Werkstatt in Vunapope und ein größeres Sägewerk am Toriu (im Süden der Gazellehalbinsel). — Die katholische Gesellschaft des Göttlichen Wortes hat ihren Hauptsitz am Alexishafen in Kaiser-Wilhelms-land. Sie unterhält 7 Niederlassungen, die mit 13 Pries-tern, 15 Brüdern und 24 Schwestern besetzt sind. Ihr Arbeitefeld ist der Nordwesten von Kaiser-Wilhelms-land. Die Zahl der getauften Anhänger wird auf 3300 angegeben. Die wirtschaftliche Tätigkeit der Mission ist eine recht bedeutende. Sie hat an verschiedenen Stellen größere Kokosnußplantagen angelegt, daneben baut sie neuerdings auch Reis, Kaffee und verfügt über eine Reihe maschineller Anlagen, wie Reis-Dresch- und -Schälmaschinen, ein Sägewerk, verbunden mit Tischle-rei und Schlosserei, eine Ziegelei und eine Seilerei zur Aufbereitung von Sisalhanf und Kokosfasem. Für den Besuch der einzelnen Küstenstationen hat die Mission, wie auch die vom Heiligsten Herzen Jesu, einen beson-deren Dampfer eingestellt. — Die Kapuziner-Mission bearbeitet ausschließlich das Inselgebiet und zwar ist sie tätig auf den Karolinen, Marianen und Palauinseln. Das Personal belief sich 1913 auf 14 Patres, 13 Brüder und 10 Schwestern. Sie hat auf 5 Inselgruppen 14 Hauptstatio-nen beständig mit einem oder mehreren Patres besetzt, von denen noch 10 Nebenstationen mit besorgt werden. — Auf den Marshallinseln liegt die Missionierung der Katholiken in den Händen der bereits erwähnten Mis-sion vom Heiligsten Herzen Jesu. Diese Abteilung der Mission bildet aber eine besondere Präfektur, die mit 8 Priestern, 5 Laienbrüdern und 18 Schwestern besetzt ist. Die Zahl der katholischen Eingeborenen betrug 1913 700. — Auf den Salomoninseln wirkt die in der Hauptsache in Samoa tätige Maristen-Mission. Sie beschäftigt 11 Väter, 4 Laienbrüder und 9 Schwestern, und die Missionierung erfolgt von 5 Hauptstationen von der Insel Bougainville aus. Die Mission hat auf einzelnen Stationen Land unter Kultur genommen, um, soweit möglich, den Unterhalt der Schulen zu bestreiten und die Kinder zur Arbeit anzulernen.