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Lindi

Lindi ist der Haupthafen der südlichen Landesteile von Deutsch Ostafrika und Hauptstadt des Bezirks Lindi. Das Bezirksamt ist das alte Fort, mit dessen Bau im Mai 1890 begonnen wurde. In der sehr großen, mit Umfassungs-mauern und Bastionen versehenen Anlage gibt es neben dem Hauptgebäude noch ein zweistöckiges Unteroffi-ziershaus, Kasernen und ein Lazarett. Hier liegen die Geschäftszimmer des Bezirksamtmanns, des Sekretärs und des europäischen und farbigen Unterpersonals, ebenso die öffentliche Gerichtshalle, die Post, das Ge-fängnis und die Wohnungen der Polizei-Abteilung. Auf dem Hof befindet sich auch eine mit Wellblech über-dachte Küche.

Die Schiffahrt von Lindi erfährt nach 1900 einen Auf-schwung durch die landwirtschaftliche Entwicklung des Hinterlandes, hauptsächlich durch Sisal und schließlich auch durch den erfolgreichen Baumwollanbau. Durch den Erfolg der Plantagenwirtschaft wird 1913/14 die Lukoledital-Kleinbahn, auch Lindibaumwollbahn ge-nannt, mit 60 cm Spurweite gebaut. Die Bahn ist 18 Kilo-meter lang und führt vom Lindi Creek aus das Luko-ledital aufwärts. Die Bahn verringert für die Baumwoll-plantagen die Transportkosten und auch die Baumwoll-station der Regierung in Malliva ist an die Bahn ange-schlossen.

Aus dem Deutschen Kolonial-Lexikon erfahren wir über Lindi:

Der Ort Lindi liegt an der Nordseite der Mündung des Lukuledi, eines kleinen Flusses, der sich schon 20 km oberhalb zu einem Creek erweitert hat. Dieser Creek wird auch Lindifluß genannt. Er hat bei Lindi fast 1 km Breite; hier birgt er eine 400 m breite Rinne, die nir-gends unter 10 m tief ist. Diese Rinne aber wird durch eine Barre, die bei Niederwasser nur 5 m Tiefe hat, gegen die Lindi-Bucht abgeschlossen, so daß größere Schiffe nur bei Hochwasser einlaufen können. — Lindi ist rings von Kokospalmen umgeben, die mit Kasua-rinen gemischt auch den Strand zieren. 1 km hinter Lindi erhebt sich tertiäres Hügelland schnell zu fast 200 m. Etwas geringere Höhen treten auf dem gegenüber-liegenden östlichen Ufer dicht an Creek und Bucht heran. Der letzte steile Abfall zum Wasser wird an man-chen Stellen durch pleistozäne Riffkalke gebildet. Das Landschaftsbild ist sehr anmutig. Lindi ist Sitz des Bezirksamts, hat ein Hauptzollamt. Die Zahl der Ein-wohner dürfte 4000 betragen. Die 3. Kompagnie der Schutztruppe steht hier. Post und Telegraph. Apotheke.

Der Wert der Einfuhr war 1908 1,147 Millionen Mark, der der Ausfuhr 0,623; die entsprechenden Zahlen für 1912 sind 1,833 und 2,116. Die Steigerung rührt von der Entwicklung der Pflanzungen her. Mehr als die Hälfte der Einfuhr bestand 1912 aus Textilwaren, demnächst waren Nahrungsmittel wichtig, in der Ausfuhr steht Sisal an erster Stelle, demnächst Plantagenkautschuk; auch Sesam und Erdnüsse, Wachs und Elfenbein sind erhebliche Posten, neuerdings kommt Baumwolle hin-zu. Der Hafenverkehr wies 1908 an ankommenden Schiffen 34 Dampfer der Deutsch-Ostafrikalinie und 52 des Gouvernements mit zusammen 104.870 Register-tonnen (seither keine Einzelangaben mehr für Lindi veröffentlicht) auf, ferner 304 Dhaus mit 6073 cbm Rauminhalt. Die Zahlen für den Dhauverkehr waren 1911 nur noch 131 und 3780.