Dikoa ist die Hauptstadt von Deutsch Bornu, einem Sultanat innerhalb der Residentur Deutsche Tschadsee-länder entlang der Nordostgrenze des britischen Protek-torates Nordnigeria. Dikoa liegt am linken Ufer des Jadseram in der fruchtbaren Ebene, die sich vom Mandara-Gebirge bis zum Tschadsee erstreckt. Sie ist mit einer Mauer aus Luftziegeln umgeben. Die Hütten der Kanuri, Haussa und Araber liegen aber außerhalb der Stadtmauer, ebenso der große Markt. Nur der Sultan und seine Großen bewohnen die innere Stadt. Dikoa verdankt seine Größe Rabeh, der von 1893 bis zur Einnahme der Stadt durch die Franzosen im Jahr 1900 dort residierte. Die bunte Mischung der Bevölkerung, eingeborene Kanuri, herrschende Fulbe, handeltrei-bende Haussa und Araber und Schwarze aus weit entlegenen Ländern des Sudan, erklärt sich durch die Raub- und Beutezüge und die Anziehungskraft der prächtigen Hofhaltung Rabehs. Seit der Einnahme Dikoas durch die Franzosen ist die Einwohnerzahl von 100.000 auf die Hälfte gesunken. Trotzdem, und trotz der rivalisierenden Neugründung der Stadt Maiduguri durch die Engländer in deren benachbartem Protektorat Nordnigeria, bleibt Dikoa von hoher Bedeutung als Markt zwischen Tschadsee und Mandara-Gebirge und als Knotenpunkt der Karawanen aus Tripolis und dem Nigergebiet zum ägyptischen Sudan.
Die Stadt und der Markt von Dikoa zeigen ein buntes Bild. Araber in Burnussen und Gesichtsschleier neben nackten Bassama-Negern vom Tschadsee, gelbe schlan-ke Fulbe in Indigotobe und Turban, Haussas in wal-lender Kleidung, Kanuri in blauen Gewändern; Männer und Frauen in viel größerer Freiheit als es der Islam sonst gestattet wandeln umher. Die Moslems natürlich sorgsam bedacht nicht in Berührung mit einem Heiden zu kommen.
Der große Markt liegt vor der Stadtmauer. Eine hohe Steinpyramide steht in der Mitte des Marktes, die die Franzosen ihrem Landsmann Ferdinand de Béhagle zu Ehren errichtet haben, der auf der Suche nach einem Verkehrsweg zwischen dem Mittelmeer und Äquatorial-afrika 1899 von Rabeh gefangengenommen und gehängt wurde. Jeden Tag ist von Sonnenaufgang bis Sonnen-untergang Markt und auch von weither kommen die Besucher, ebenso sind Mekkapilger zu sehen. Zahl-reiche Bettler und Krüppel haben sich aufgestellt und erbitten eine Gabe. Der Markt ist in Abschnitte un-terteilt: Viehmarkt, Lebensmittelmarkt, Handwerker-stände, Kleinkramhändler, Rasierstuben und die Stände der Briefschreiber. Dazu die Garküchen und Getränke-verkäufer. Auch Bier für die Heiden ist erhältlich. Wasser wird von kleinen Jungen in zusammengenähten Häuten auf dem Rücken herangeschafft und angeboten. Alles was ein orientalischer Markt nur bieten kann und europäische Waren sind im Angebot, alle Arten Lebens-mittel und Zuckerhüte, Teepakete, Kaffeebohnen, Gewürznelken, Kunstgewerbe, Korallen, Glasperlen, Silberringe, Räucherwaren, Seide, Stickereien, Decken, Schrotkugeln, Bleistangen, Zinnkugeln, Schreibpapier. Auf dem Viehmarkt Ochsen, Kamele, Pferde, Esel und Kleinvieh. Doch eine Ware ist vom Markt verschwun-den. Der deutsche Kommandeur Hans Dominik verlangt dies vom Sultan Omar Sanda. Dominik: »Am 7. Mai 1902 gehörte auch der Sklavenmarkt in Dikoa, der einzige und letzte, den es noch in Kamerun gegeben hatte, der Vergangenheit an.«
Wenn die Marktbesucher gegangen sind und die Händler wieder in die Stadt zurückgekehrt suchen verwilderte Hunde, Hyänen und die Ärmsten der Armen nach eßbaren Abfällen und die Armen ver-bringen die Nacht in den nun verlassenen Hallen.