Karl Angebauer geht 1904 als Kriegsfreiwilliger zur Be-kämpfung des Hereroaufstandes nach Deutsch Süd-westafrika. Nach dem Krieg bleibt er im Land und arbeitet als Farmer, als Wanderhändler und als Jäger im Norden der Kolonie. Schließlich kauft er Farmland im Ovamboland bei Kuringkuru gegenüber dem portugiesi-schen Grenzfort Kuangar. Angerbauer über eine Reise im Ovamboland:
»Ein sonderbares Sausen und Schwirren, Pochen und Hämmern drang zu mir herüber, als ich mich der ersten Werft von Ukuanjama näherte. … Plötzlich teilte sich der Busch, vor uns lag die Werft, und staunend stand ich vor dem Betrieb, der hier herrschte. Als erster Weißer war ich hier, denn bislang war es durch die Häuptlinge diesen verboten gewesen, die Industriewerft aufzusu-chen. Nur dadurch, daß ich unerwartet von einer Seite kam, von der sonst kein »Otjirumbu« eintraf, hatte ich hier Einblick gewonnen.
Wirklich, ich staunte, ein solch emsiges Leben und Treiben vorzufinden, waren mir bisher doch die Ukuan-jama immer nur als fauler Räuberstamm geschildert worden.
Viele hundert große, sauber gearbeitete Strohschirme waren reihenweise als Sonnenschutz aufgestellt. Hinter ihnen arbeiteten die Ovambos, hatten Haufen des hier vorkommenden kristallinischen Raseneisenerzes auf-geschichtet und waren beschäftigt, dieses vermittels Holzkohle, die sie mit ihren selbstgefertigten primitiven Blasebälgen anfachten, auszuschmelzen. Die vielen klei-nen Püster verursachten das Geräusch, welches mir zuerst aufgefallen und das gleich dem Summen einer großen Fabrik über die ganze Werft hin erklang.
Die Hämmer, ein ohne Stiel geschwungenes Stück Ei-sen, pochten, um das Roheisen von den Schlackenteilen zu befreien. Köhler kamen herangeschleppt mit Körben voll Holzkohle, die sie im Busch gebrannt. Häuer sah man beschäftigt, aus den in der Nähe lagernden, dicht unter dem Boden befindlichen Erzschichten die ge-brauchten Mengen herauszubrechen und zur Verhüt-tung zu bringen.
In der Nähe der Werft befand sich der Markt. Hier wa-ren die Frauen der Schmelzer dabei, das Roheisen an die aus allen Gegenden des Ovambolandes herzugekom-menen Schmiede zu verhandeln, die dann später Hak-ken, Messer, Pfeilspitzen und zum Teil sehr fein und kunstvoll gearbeitete Schmuckgegenstände daraus her-stellen.«