Kriegsschiffhafen liegt an der rechteckigen Kriegs-schiffhafenbucht und ist eine mehrere Quadratkilo-meter große 1884 gegründete Plantage. Die Kakaopflan-zungen sind durch eine Feldbahn, die von Ochsen und Schwarzen betrieben wird, mit dem Wirtschaftshof, in dem die angelieferten Kakaobohnen verarbeitet wer-den, verbunden. Von der Siedlung führt ein Weg zu der gut zehn Kilometer weiter nördlich liegenden Hafen-stadt Viktoria.
Der Schutztruppenoffizier Hans Dominik besucht im Juli 1899 Kriegsschiffhafen. Nach Kriegsschiffhafen kommt Dominik vom »Vorwerk Mbamba der Kamerun-Land- und Plantagen-Gesellschaft bei Kap Bimbia. Hier waren neben weiten Kaffee- und Kakaopflanzungen große Weidestrecken angelegt, auf denen Rindvieh gehalten wurde. Ein breiter Fahrweg führte vom Vorwerk am Haubenberg vorbei hinüber nach Kriegsschiffhafen. Hier nahm ich bei meinem Freunde Friederici, dem Leiter des Plantagenunternehmens, Quartier und be-kam unter seiner liebenswürdigen Leitung so recht einen Einblick in die wirklich großartige Bewirtschaf-tung dieser ältesten und größten deutschen Plantage in Kamerun.
Feste, wohlgebaute Häuser für Europäer und Arbeiter, große Stallungen für Pferde und Zugochsen, Küperei und Schmiede, Trockenböden und maschinelle Anlagen für rationelle Kakaobereitung nahmen einen bedeuten-den Raum an dem waldbestandenen Ufer der Kriegs-schiffsbucht ein. Am Wasser war ein geräumiger Boots-hafen angelegt, neben dem eine hübsche Badeanstalt lag. Mit militärischer Pünktlichkeit ging der Wirt-schaftsbetrieb auf der großen Plantage von morgens 5 bis abends 6 vor sich. Stets war Friederici der erste auf dem Platze; wie er seine Leute geschult hatte und wie alles Hand in Hand arbeitete, wurde mir so recht klar, als eines Tages ein Tornado heraufzog. Es lagen Kakao-bohnen zum Trocknen im Freien; um keinen Preis durften sie naß werden, Friederici läutete die Glocke, da ließ jeder, Weißer und Schwarzer, wo er ging und stand, alles liegen und eilte an die Trockenplatten. Ehe der Regen kam waren die Bohnen unter Dach und Fach. Durch alle Stadien seiner Entwicklung konnte man den Kakaobaum in Kriegsschiffhafen beobachten. Da waren ebengeschlagene Kulturen, wo im Schatten einzelner stehengebliebener Urwaldriesen die Löcher für die Kakaoschößlinge, die ausgesetzt wurden, gegraben wa-ren. An anderen Stellen wurde der Kakao gesät. Nach einer bestimmten Zeit werden die Schößlinge umge-pflanzt, und der Baum entwickelt sich nun, wenn die Farm vom Unkraut gehörig freigehalten wird und die Witterung günstig ist, schnell. Schon im vierten Jahre beginnt er zu tragen. Von den breiten Hauptwegen, die durch die ganze Plantage führen, gehen schmalere Nebenwege ab, so daß die Pflanzung in einzelne Schläge geteilt wird. Die Bäume stehen in Reihen und dürfen nicht zu eng gepflanzt sein, damit sie sich nicht im Wachstum gegenseitig behindern. Mit großen Messern zogen die Arbeiter aus, um die reifen Schotten zu schneiden und sie zu Haufen zusammenzutragen. Diese wurden mit Wagen in die Schuppen geholt, wo die Kakaobohnen von der Schote befreit wurden. Sie wer-den dann gewaschen, müssen etwas gären und werden an der Sonne oder auf Rosten getrocknet, um dann, in Säcke verpackt, zur Verschiffung zu gelangen. Auf die Behandlung der Bohne und sorgfältige Sortierung kommt natürlich sehr viel an, und nur eine gleichmäßig gute Ware erzielt auch einen guten Preis. Außer Kakao wird auch Kaffee, Tabak und in jüngster Zeit auch Gummi gebaut. Von Kriegsschiffhafen führt ein großer Weg durch die Farmen der Viktorianer, welche vielfach gleichfalls Kakao bauen, in die Stadt hinein.«
Gouverneur Jesko von Puttkamer weilt am 20. Januar 1903 im nahen Viktoria. Er schreibt, er »übernachtete in Kriegsschiffhafen bei meinem alten Freund Friederici. Auf Anregung des letzteren und unter meinem Vorsitz hatte sich in der Kolonie ein Komitee gebildet zur Beschaffung von Mitteln für die Erbauung eines mas-siven Bismarckturmes auf der felsigen Spitze der dem lieblichen kleinen Hafen vorgelagerten Affenhalbinsel. Wir besichtigten den unter Friedericis Leitung rasch vorschreitenden Bau und beschlossen, den Turm der Regierung zur Anbringung eines Leuchtfeuers für die bei der Zunahme der Schiffahrt dringend notwendig werdende Befeuerung der Kamerunküste zur Verfü-gung zu stellen.«