Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt über das:
Kirchen- und Schulwesen. Im Bismarckarchipel ist am 7. Oktober 1911 eine evangelische Kirchengemeinde mit dem Sitz in Rabaul gegründet worden, der etwa 65 Personen angehören. Das Amt des Seelsorgers für diese Gemeinde besorgt ein Missionar der methodistischen Missionsgesellschaft, und zwar ist damit zurzeit der Pastor H. P. Wenzel betraut. Außer dieser einen Kirchen-gemeinde bestehen bis jetzt im Schutzgebiet keine wei-teren kirchlichen Gemeinschaften. Gottesdienst und Seelsorge werden in den einzelnen Gebietsteilen von den daselbst tätigen Missionsgesellschaften abgehalten. Die Mission vom Heiligsten Herzen Jesu besitzt eine größere Kathedrale in Vunapope bei Herbertshöhe. Im übrigen haben die Missionen überall im Bereich ihrer Tätigkeit mit Hilfe der Eingeborenen Gotteshäuser, teils aus Stein, teils aus Buschmaterial errichtet. — Hinsicht-lich der Schulen muß man unterscheiden zwischen Regierungs- und Missionsschulen. Regierungsschulen bestehen zurzeit im Schutzgebiet Deutsch-Neuguinea an zwei Orten, und zwar in Namanula bei Rabaul (Neu-pommern) und in Saipan auf den Marianen. Die Schule in Namanula gliedert sich auf eine Abteilung für Europäerkinder und in eine solche für die Kinder der Eingeborenen. In beiden sind insgesamt 2 Lehrer und 1 Lehrerin tätig. Um auch den nicht in unmittelbarer Nähe wohnenden Ansiedlern Gelegenheit zu geben, ihre Kinder in die Regierungsschule zu schicken, ist sowohl in der Europäer- wie auch in der Eingebo-renenabteilung ein Internat eingerichtet. Dasjenige der Europäerschule ist im letzten Berichtsjahre (1913) von 7 Schülern besucht worden. Im ganzen befanden sich in der Europäerschule (1913) 15 und in der Eingeboren-enschule 99 Schüler. Der Unterricht an der Regierungs-schule für Europäerkinder umfaßt die auch in den heimatlichen Volksschulen üblichen Fächer. Auch die Lehrgegenstände in der Eingeborenenschule sind im wesentlichen die gleichen wie die in der Europäer-schule. Der Eingeborenenschule ist noch eine techni-sche Abteilung angegliedert, in der die geistig vorge–schritteneren Kinder im Buchbinderei-, Tischlerei- und Schlossereigewerbe sowie zum Teil auch in der Buch-druckerei Unterricht erhalten. — Die Regierungsschule in Saipan wurde im letzten Berichtsjahr (1913) von 385 Schülern, darunter 200 Knaben und 185 Mädchen be-sucht. Die überwiegende Mehrzahl der Schulbesucher, nämlich 260 Kinder, gehören den Chamorros an, 121 Kinder sind Karoliner, 3 sind samoanischer und 1 spa-nischer Abstammung. Der Schule sind eine Fortbil-dungsschule und eine Dolmetscherschule angegliedert. Die erstere soll den entlassenen Schülern Gelegenheit geben, die Übungen im deutschen Unterricht fortzu-setzen. Die Dolmetscherschule ist im wesentlichen mit der Absicht eingerichtet worden, für die Zwecke der Verwaltung sprachkundige und verläßliche Dolmet-scher, die den Verkehr mit den Eingeborenen vermit-teln können, heranzubilden. In der Dolmetscherschule wurden im letzten Berichtsjahre (1913) 30 Schüler aus-gebildet. Die eingeborenen Polizeisoldaten erhalten von den Lehrern der Regierungsschule in einer sogenann-ten Abendschule Unterricht im Deutschen. Eine dritte Regierungsschule soll im Etatsjahr 1915 in der Gruppe der Trukinseln (Karolinen) eingerichtet werden. — Außer den Regierungsschulen bestehen eine große Anzahl Missionsschulen, denn jede der in Neuguinea tätigen Missionsgesellschaften hat, den vorhandenen Bedürfnissen entsprechend, Schulen eingerichtet. So unterhält die Methodistenmission im Bismarckarchipel 3 Kost- und 6 Bezirksschulen, 192 Sonntagsschulen mit 5853 Schülern und 199 Dorfschulen mit 5493 Schülern. Die Neuendettelsauer Missionsgesellschaft, die ihre Tätigkeit im Süden von Kaiser-Wilhelmsland ausübt, unterhält gleichfalls auf den verschiedenen Stationen Schulen und zwar werden diese im ganzen von 1195 Kindern besucht. Die Rheinische Missionsgesellschaft in Barmen, die ebenfalls in Kaiser-Wilhelmsland und zwar hauptsächlich in der Gegend der Astrolabebai tätig ist, hat 11 Schulen mit 468 Kindern. Die Katholische Mission vom Heiligsten Herzen Jesu mit dem Sitz in Vunapope (bei Herbertshöhe, Gazellehalbinsel) unter-hält 98 Schulen, die von 4296 Kindern besucht werden. Die Gesellschaft des göttlichen Wortes, deren Tätig-keitsgebiet im nordwestlichen Kaiser-Wilhelmsland hegt, hat 19 Schulen mit 800 Schülern. Endlich bestehen auch noch einige Missionsschulen in den Salomon-inseln, die von den Maristen daselbst unterhalten wer-den. Diese Schulen wurden 1913 von 460 Knaben und 100 Mädchen besucht. Im Inselgebiet der Karolinen, Marianen und Marshallinseln unterhalten die dort tä-tigen Missionsgesellschaften gleichfalls Schulen, und zwar die Liebenzeller Mission 15 mit 786 Schülern, die amerikanische Mission, American Board of Mission, 3 mit 207 Schülern. Die katholische Mission vom Hei-ligsten Herzen Jesu in den Marshallinseln hat in ihren Schulen eine Besucherzahl von 220 Kindern aufzuwei-sen, von denen 108 in Kostschulen untergebracht sind. Die Kapuziner, die in den Karolinen, Palauinseln und Marianen tätig sind, verfügen über 22 Eingeborenen-schulen und 8 Internate für Eingeborenenkinder. In letzteren sind 53 Knaben und 150 Mädchen unter-gebracht. Die übrigen Schulen der Kapuziner werden (1913) von 676 Knaben und 361 Mädchen besucht.