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Karibib

Zur Jahrhundertwende erreicht der Bahnbau von Swa-kopmund aus Karibib. Es handelt sich um eine Schmal-spurbahn gebaut aus Feldbahnmaterial des deutschen Heeres. Karibib hat Anfang 1900 zehn Einwohner plus vier Soldaten, die 1899 nach Karibib verlegt wurden zum Schutz des Bahnbaus. 1900 wird auch der Weg des Ochsenwagenverkehrs zwischen Küste und Landesinne-rem, der über die seit 1849 bestehende deutsche Sied-lung Otjimbingwe lief, nun über Karibib geführt. Am 30. Mai 1900 erreicht die Gleisspitze Karibib – Kilometer 194 von Swakopmund – und nun wird auch der Rat des Distrikts von Otjimbingwe nach Karibib verlegt. In Kari-bib wird ein Bahnhof gebaut, eine Wasserversorgung für die Dampfkessel der Lokomotiven durch einen Wasserturm in dem wasserarmen Land eingerichtet und die Hauptwerkstatt für die Bahnlinie Swakopmund – Windhuk aufgebaut. Am 1. Juli 1900 geht die Strecke Swakopmund – Karibib in Betrieb.

Mit dem Bahnbau beginnt auch der schnelle Aufbau von Karibib. Der erste Arzt zieht 1900 in die entstehende Stadt. Am 1. Juli 1901 wird Karibib Hauptstadt des neu eingerichteten Distrikts Karibib. 1901 – die Einwohner-schaft zählt nun 92 Köpfe – ist auch der Bahnhof fertig-gestellt, ein Gefängnis gebaut und Wohnraum für neue Bewohner wird geschaffen. Für die Wasserversorgung der Einwohner werden die Wohnquartiere an die Wasserversorgung für die Bahn angeschlossen und so kann fließend Wasser in den Gebäuden eingerichtet werden; zuvor war das Wasser aus Wasserlöchern ge-wonnen worden.

Schutztruppenoffizier Major Ludwig von Estorff schreibt 1901 in einem Brief an seine Eltern nach zweijähriger Abwesenheit aus der Kolonie: »Hier habe ich doch vieles verändert gefunden; neue Menschen, viele neue Anla-gen. Swakopmund ist vergrößert, die Mole halb fertig. Karibib nördlich Otjimbingwe eine völlig neue Stadt ge-worden.«

Am 1. Dezember 1901 zieht auch die Distriktverwaltung von Otjimbingwe nach Karibib um.

Mit der Fertigstellung der Eisenbahnbauten in Karibib und dem Weiterwandern der Gleisbaustelle mit all ihren Arbeitern Richtung Windhuk beruhigt sich auch das geschäftliche Leben in Karibib.

Im Juni 1902 beginnt der Bahnverkehr auf der 188 km-Strecke von Karibib nach Windhuk und im gleichen Jahr zählt die wachsende Stadt 274 Einwohner.

Um den Marmor bei Karibib abzubauen wird 1903 die Deutsch Afrikanische Marmorgesellschaft gegründet und im gleichen Jahr beginnt in zwei Steinbrüchen die Gewinnung des wertvollen Gesteins. Die Steinbrüche haben eine Anbindung an die Eisenbahnlinie und so kann der Marmor kostengünstig nach Swakopmund be-fördern werden und von dort mit Schiff nach Deutsch-land.

Da eine Bahnlinie von Swakopmund in den Norden der Kolonie zu den Erzminen in Kapspur (107 cm), der üb-lichen Spurweite in Südafrika, gebaut wurde – eine Bahn auch mit stärkerem Gleisunterbau für die schweren Erztransporte – die bis nahe Karibib beinahe parallel zur Schmalspurbahn verläuft, bis sie nach Norden abbiegt, wird zwischen Karibib und der Kapspurbahn ein 14 km langes Verbindungsgleis gelegt und im Mai 1905 eröff-net.

Im Juni 1907 hat Karibib 316 weiße Einwohner.

Am 15. Mai 1909 wird Karibib durch Verordnung zu einem »Gemeindeverband« erklärt und im Juli des Jah-res findet die erste Gemeinderatswahl statt.

Der Durchgangsverkehr auf der alten Strecke Swakop-mund-Karibib wird am 1. April 1910 geschlossen und dient nur noch dem Ortsverkehr. Der Umbau der Strek-ke Karibib-Windhuk auf Kapspur beginnt 1910 und am 22. August 1911 kann der Kapspurbetrieb eröffnet wer-den.

Am 7. März 1913 wird in Karibib eine Fleischkonser-venfabrik gegründet. Die Fabrik soll nicht nur den Markt von Südwest beliefern, sondern auch nach Deutschland exportieren. Die Fabrik bezieht ihr Fleisch von den Rin-derherden in Deutsch Südwestafrika.

1914 finden sich 339 Einwohner in Karibib und im April des Jahres wird ein Flugplatz bei Karibib eingerichtet.

Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt über die Stadt, die auch von Reisenden zwischen Swakopmund und Windhuk als Übernachtungsmöglichkeit genutzt wird: 

Karibib, wichtiger Ort Deutsch-Südwestafrikas in 1170 m Seehöhe gelegen. Karibib, noch vor zwei Jahrzehnten eine Wasserstelle in völlig menschenleerer Steppe, hat sich nach Fertigstellung der Eisenbahnlinien zu einem bedeutenden Mittelpunkt des Verkehrs entwickelt. Heute ist es der Hauptplatz sowohl zwischen der Küste und Omaruru wie auch an der nach Osten weiter-führenden Strecke der Hauptbahn bis Okahandja. 1901 gab es erst eine einzige Niederlassung einer Handels-firma in dem Ort, ein Jahrzehnt später zählte er deren ein Viertelhundert. Karibib ist Sitz einer Post- und Telegraphenstation, eines Zollamtes, ferner befindet sich daselbst eine Missionsstation der Rheinischen Missionsgesellschaft. Außerdem ist es der Mittelpunkt des gleichnamigen Verwaltungsbezirks.