Im Mai 1900 ist der Gouverneur von Deutsch Neu-guinea, Rudolf von Bennigsen, mit dem Kleinen Kreuzer Seeadler im nordöstlichen Raum der großen Insel Neu-mecklenburg unterwegs. Dabei ist auch der Reisende Ernst von Hesse-Wartegg:
»Begleitet von einer großen Zahl ganz nackter Eingebo-rener marschierten wir von der Station Kabieng aus im Schatten großer Kasuarineen und Pandanusbäume die Küste entlang gegen Nauan, wo der Gouverneur einen Platz für das neue Regierungsgebäude aussuchen wollte. Bald fand er eine geeignete Stelle auf einer Anhöhe, [der Insel] Nusa schräg gegenüber, und hier dürften sich binnen kurzem die ersten Gebäude der neuen Haupt-stadt von Neumecklenburg erheben, zunächst die Wohnung des Stationschefs, dann die Kaserne für die schwarzen Polizisten und das unvermeidliche Gefäng-nis.«
Käwieng, an der Nordspitze von Neu-Mecklenburg ge-legen, ist die Regierungsstation von Nord-Neu-Mecklen-burg. Vor Käwieng liegt der Hafen von Nusa. Der Anker-platz ist benannt nach der Insel Nusa, die den Hafen zur Seeseite hin abschließt. Neben dem Bezirksamtmann wohnen Pflanzer und Firmenvertreter in Käwieng.
Bis zu sechs Meter breite Fahrstraßen gehen von Kä-wieng aus ins Land. Die Straßen sind aus Korallenschot-ter aufgeschüttet, was den Nachteil hat, das der scharf-kantige Korallenschotter die nackten Füße der Einge-borenen aufreißt. Deshalb verläuft neben der Straße ein schmaler Fußweg mit einer Grasnarbe.
Wenn der langjährige Bezirksamtmann Franz Bolumin-ski – seit Anbeginn im Jahre 1900 leitet er die Station – auf seinem Wagen unterwegs ist, ruft er vom Bock seinen schwarzen Untertanen „Mahlzeit“ zu, den Gruß, den er eingeführt hat, und den sie mit „Mahlzeit“ er-widern.