Im Januar 1897 trifft Gouverneur Jesko von Puttkamer auf einer Inspektionsreise in Jaunde ein. Er beschreibt Jaunde:
»Die Station liegt auf einem Hügel an der Grenze vom Urwald und Grasland in jeder Hinsicht günstig und gesund. In der Mitte des engeren Stationshofes befindet sich das massiv aus dort gebrannten Ziegeln erbaute zweistöckige Wohnhaus mit seinem weit überstehen-den, auch die umlaufende Veranda noch überschat-tenden Schilfdach; der untere Stock enthält Vorrats-räume und Gelasse für Dienerschaft, der obere Stock sechs geräumige luftige Wohn- und Schlafräume für Europäer — ein vortrefflicher, ganz mit dortigen Mitteln hergestellter Bau. Aus gleichem Material bestehen die weiterhin im Hofe in regelmässigen Abständen befind-lichen Nebengebäude, das Wachtlokal mit Gefängnis, Schuppen und Scheunen, Kasernen, Arbeiterwohnun-gen.
Der Stationshof ist von einer massiven Lehmmauer mit Schiessscharten und Wallgraben umgeben, eine mit ihren Bastionen für innerafrikanische Verhältnisse ganz brauchbare Befestigung. Auf der erhöhtesten Bastion steht das 3,7 cm Schnelladegeschütz, die Gegend ringsherum beherrschend. Noch etwas höher befindet sich die große Palavertrommel, mittels derer der Stationschef dem Lande seine Wünsche und Befehle kund tut. Jedes durch diese Trommel ausgegebene Wort wird von den nächsten Dörfern sofort aufge-nommen und durch das ganze Land weiter getrommelt. Die Trommelsprache ist hier vollkommen ebenso aus-gebildet, wie im Dualagebiet. Weit um den Stationshof herum ist das nach allen Seiten hin abfallende Gelände vom Waldbestand gereinigt. Nur einzelne grosse Schat–tenbäume sind auf den Höfen und in der Umgebung stehen geblieben, in parkähnlichen Gruppen; es ist überhaupt, wie mir angenehm auffiel, nicht nur auf Nützlichkeit, sondern auch auf Erhaltung der land-schaftlichen Schönheit nach Kräften Rücksicht genom-men. Ausserhalb der Höfe befinden sich üppige Gärten mit Kulturen von Edelbananen, Ananas und Gemüsen, ausgedehnte Felder mit Reis, Planten, Makabo und vor allem mit sehr gut gedeihenden europäischen Kartof-feln bestanden. Arbeitersiedelungen, sowie Vieh- und Pferdeställe liegen in gesonderten Höfen ausserhalb der Umwallung. Der Bestand an lebendem Inventar war zu dieser Zeit ausser vielem Geflügel fünf Pferde und 200 Stück Schafe und Ziegen. Die Pferde wurden ausser zum Reiten auch zum Steinfahren und Pflügen verwendet. Rindvieh fehlte noch, stand aber von Ngutte und Tibati her in Aussicht; mehrere Milchziegen lieferten täglich frische Milch. Bald nach dieser Zeit erhielt die Station eine staatliche Herde von Buckelrindern aus Adamaua, welche nach verschiedenen schwierigen Akklimatisa-tionsversuchen schliesslich trefflich gedieh.
Am Fuss des Stationsberges fliesst ein wasserreicher Wildbach, an dem eine schwunghaft betriebene Feld-ziegelei betrieben ist, welche Steine für die Bauten liefert; es konnten damals 10000 Stück auf einmal gebrannt werden. Der gesamte landwirtschaftliche Be-trieb war so intensiv und praktisch eingerichtet, wie es mir bis dahin auf einer afrikanischen Innenstation noch nicht vorgekommen war.
Die Besatzung bestand, knapp genug, nur aus einem Offizier (Dominik), einem Unteroffizier und einem Stationsassistenten; dazu ein farbiger Feldwebel und 60 Mann der Schutztruppe; verschiedene Handwerker und Aufseher und etwa 40 Arbeiter und Weiber.
…
Die Station liegt 700 m hoch, trotzdem herrscht natürlich am Tage eine sengende Hitze, die aber durch den regelmäßig nachmittags gegen 5 Uhr einsetzenden sehr kühlen Bergwind wesentlich gemildert wird; der regelmäßige Abendspaziergang war daher ein wahrer Genuss und die Nächte so kühl, daß wir doch die Fensterläden schlossen und Kamelhaardecken benutz-ten.«
Im Februar 1897 verläßt die Karawane des Gouverneurs Jaunde, um wieder zur Küste zu marschieren. Putt-kamer: »Auf unserm Weg begegneten wir diesmal zahlreichen Handelskarawanen, unter andern auch ei-nem deutschen Angestellten der Firma Maass in Kribi, namens Wilke, der als erster Europäer unter dem Schutz der Station eine Faktorei in Jaunde einrichten sollte.«
Regierungsarzt Dr. Ludwig Külz schreibt am 31. Oktober 1905 über Jaunde:
»Seit drei Tagen sitze ich glücklich in Jaunde und bin damit beschäftigt, mich wieder einmal von neuem in neue Verhältnisse hineinzudenken und nach Möglich-keit hineinzuleben. Äußerlich angesehen wird sich’s gut hier hausen lassen. Ein buntes und reges Leben be-herrscht die Station, die seit einem Jahre zum Range eines Bezirksamtes erhoben worden ist. Das Treiben auf dem ummauerten großen Stationshofe spiegelt die Vielseitigkeit der Arbeit wider, die hier geleistet wird. Schwarze Arbeiter und Träger kommen und gehen vom Morgen bis zum Abend, Soldaten treten zum Exerzieren an, Scharen prozeßlustiger Schwarzer lagern vor den Stufen des Stationshauptgebäudes, um den Richter-spruch des Bezirksamtes einzuholen. Dazwischen bevöl-kern als Zeugen des landwirtschaftlichen Betriebes Enten, Gänse, Hühner, Perlhühner und Tauben, an deren Futternäpfe sich auch einige graue, rotschwän-zige Papageien drängen, den Hof. Als seltener Gast schleicht ein junger, zahmer Leopard bedächtig umher, der mit kühnem Sprunge durch ein offenes Fenster auch den Zimmern der Europäer bisweilen einen Besuch abstattet. Eine Herde gutgepflegter Rinder und ein halbes Dutzend Pferde gehören ebenfalls zum lebenden Inventar. In der Mitte des Hofes steht das Hauptgebäude der ganzen Anlage, ein massiver, aber luftiger, mit gebrannten Tonziegeln gedeckter Bau. Au-ßer dem vielbeschäftigten Bezirksamtmann v. Krosigk hause ich selbst in ihm. Die übrigen Stationsbeamten: ein Sekretär, eine landwirtschaftliche Hilfskraft und ein Polizeimeister bewohnen ein zweites großes Gebäude. Unterkunftsräume für die schwarzen Soldaten und die sonst im Dienste des Bezirksamtes stehenden Einge-borenen, Vorrats- und Geräteschuppen, die militärische Wache u. a. verteilen sich über die Peripherie des Platzes. Für meinen ärztlichen Betrieb stehen mir vor-läufig zwei Räume eines Seitengebäudes zur Verfügung. In einem von ihnen ist bereits im Laufe der vergan-genen Jahre eine recht stattliche Sammlung fertiger Arzeneien, Tabletten, Lösungen, Pillen, Verbandmittel usw. aufgestapelt worden, die nach und nach von den Europäern teils für eigenen Bedarf, teils zur Abgabe an Schwarze bestellt wurden. Meine erste Aufgabe wird die sein, aus der Menge dieser Vorräte – ich zähle allein über 300 Flaschen und Fläschchen – die verdorbenen herauszusuchen, das Brauchbare übersichtlich zu ord-nen und durch meine von der Küste mitgebrachten Vorräte zu ergänzen. Der zweite Raum soll als provi-sorisches Untersuchungs- und Operationszimmer die-nen, bis die erbetenen und hoffentlich nach nicht allzu langer Zeit bewilligten Mittel uns erlauben, einen ge-regelten ärztlichen Betrieb aufzunehmen. Außer den Regierungsbeamten wohnen in Jaunde ungefähr zehn europäische Kaufleute in den Zweigfaktoreien, die von den an der Küste ansässigen Firmen hierher vorge-schoben worden sind. Auf einer dreiviertel Stunde entfernten Anhöhe liegt die Missionsniederlassung der Pallottiner mit acht Weißen: Priestern, Laienbrüdern und Schwestern. Nicht weit von der Station breitet sich eine große Haussahniederlassung aus, etwas entfernter die Langhütten der eingeborenen Jaunde. Die nächste Umgebung außerhalb der Stationsmauern ist völlig frei-geschlagen und zu einem großen Teile in Ackerland umgewandelt, auf dem Mais, Baumwolle, Planten u. a. angepflanzt sind; aber auch alles europäische Gemüse, selbst Kartoffeln gedeihen sehr gut. Der erste Gesamt-eindruck, den ich gewonnen habe, ist der einer weit-verzweigten, angestrengten, aber wohlgeregelten Ar-beit.«
Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt über Jaunde: Jaunde, Hauptort der Jaunde und Hauptstadt des Be-zirks Jaunde in Südkamerun, eine der ältesten deut-schen Stationen im Hinterland der Kolonie. — Der Ort Jaunde liegt auf dem Ostrand des Südkameruner Rand-gebirges in 730 m Meereshöhe, auf der Grenze zwischen Urwald und Grasland, auf einem fruchtbaren Plateau. Die Bebauung des Landes ist, der starken Bevölkerung entsprechend, schon sehr fortgeschritten. Die Jaunde sind ein Volk von Händlern. Kautschuk und Elfenbein sind die Haupthandelsartikel. In Jaunde kreuzen sich mehrere wichtige Handelsstraßen, die eine führt in öst-licher Richtung nach Akonolinga am Njong und weiter zur Dumestation, eine nördliche aber nach Tibati und eine westliche nach Edea. Südlich geht es nach Widi-menge am Njong, der geplanten Endstation der Mittel-landbahn und nach Olama, Lolodorf, Kribi. Die Straße nach Kribi ist zu einem Fahrweg ausgebaut worden. Seit [Hans] Dominik dann die Leitung der Station übernahm [1896-98 und 1903 bis zu seinem Tod 1910], hat diese einen gewaltigen Aufschwung genommen. Jetzt besitzt Jaunde außer dem Bezirksamt und einer Kompagnie der Schutztruppe ein Polizeiamt, eine Postagentur, ein Le-praheim, eine Viehzuchtstation, eine Regierungsschule und 14 europäische Faktoreien. Die 1911 begründete Viehzuchtstation betreibt die Kreuzung des Adamaua-Buckelrindes mit dem Allgäuer Bullen. Die Katholische Mission der Pallottiner (Genossenschaft der Pallottiner) hat in Jaunde eine Niederlassung. Die Zahl der Weißen des Bezirks beträgt 114 (1913).
Die Krankenschwester Grete Kühnhold:
»Von Akonolinga marschierte ich in fünf Tagen nach Jaunde, das ich an einem Sonntagmorgen, dem 18. Oktober 1914, erreichte.
Welch hübsches Bild bot der Ort, von der Akonolin-gastraße aus gesehen! Auf weiter Fläche verstreut die Häuser der Europäer, im Norden die dunkelblauen Ber-ge, von denen sich das weiße Europäerkrankenhaus sowie die kleineren Gebäude des neuen Eingeborenen-krankenhauses reizvoll abhoben. Die Regierungsschule lag auf der westlichen, langgestreckten Höhe, deren Ab-hänge mit Maisfeldern bedeckt waren. Ihr gegenüber, auf der Ostseite Jaundes, jenseits einer wasserreichen Senkung, das große Haussahdorf mit zahlreichen Ge-höften und Hütten. Und dicht vor mir das Bezirksamt, ein großer Gebäudekomplex innerhalb weißer zinnen-gekrönter Mauern und umgeben von hübschen Anla-gen.
An zahlreichen Faktoreien vorbei führte mein Weg nach dem Hospital…«