Finschhafen ist ein Hafenplatz an der Ostküste des Kaiser-Wilhelmslandes, nordöstlich vom Huongolf. Die 1885 gegründete Siedlung war damals Sitz der zu der Zeit ganz Deutsch Neuguinea verwaltenden Neuguinea Kom-panie und wurde 1891 wegen einer Malariaepidemie, der auch der Generaldirektor der Kompanie zum Opfer fiel, aufgegeben. 1901 wird die Siedlung dann wieder neu eröffnet.
ln Finschhafen befindet sich eine Niederlassung der evangelischen Neuendettelsauer Missionsgesellschaft, der auch die einzige europäische Palmenpflanzung dort gehört. Finschhafen ist Postagentur und Standesamt. Es wird zehnwöchentlich vom Reichspostdampfer Manila angelaufen.
Bei Finschhafen auf dem Sattelberg auf 900 m Höhe befindet sich eine Missionsstation der Neuendettels-auer Mission, die dort auch ein Erholungsheim für Weiße auf der Kühle des Berges zur Erholung von der Tropenhitze des Flachlandes und seinen Krankheiten betreibt.
Im Mai 1900 stattet Ernst von Hesse-Wartegg Finsch-hafen einen Besuch ab. Er schreibt:
»Bald nachdem wir [mit dem Dampfer Stettin] die Dam-pierstraße passiert hatten, sahen wir den etwa tausend Meter hohen Sattelberg mit den weißen Häusern der Neuendettelsauer Mission auf dem Gipfel. Nahe seinem Fuße liegt an der Küste die schöne Bucht, wo vor fünf-zehn Jahren die erste deutsche Ansiedlung in Neu-guinea gegründet wurde: Finschhafen, traurigen Ange-denkens! Nachdem der Tod während sechs Jahren unter den zahlreichen Weißen, darunter viele Frauen und Kinder, gewütet hatte, mußte die Station aufgegeben werden; denn es war niemand mehr am Leben, um sie weiterzuführen.
Heute, neun Jahre nachher, ist nicht einmal eine Haus-ruine mehr von Finschhafen übrig. Der Tropendschun-gel hat von der traurigen Stätte wieder Besitz ergriffen; der Friedhof ist damit so überwuchert, daß er kaum zu erkennen ist, und nur der zementierte Fußboden eines längst verschwundenen Hauses ist davon noch freige-blieben, weil er den Wurzeln keine Nahrung bot.«