Das Deutsche Kolonial-Lexikon über die Bahnen in Deutsch Ostafrika Mitte 1914 allgemein:
Es bestehen im Schutzgebiet folgende Eisenbahnen: 1. Die Usambara(Nord)bahn von Tanga bis Neu-Moschi am Kilimandscharo, 362 km lang; 2. die von Daressalam aus-gehende Mittelland(Zentral)bahn, 1912 bis Tabora (847 km) eröffnet, 1914 vollendet bis Kigoma (Tanganjikasee [1252 km]). Im Bau begriffen sind die Eisenbahnen von Tabora zum Kageraknie (Ruandabahn) 481 km lang, sowie von Neu-Moschi nach Aruscha am Meru 86 km lang.
Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt über die Ver-längerung der Usambarabahn von Neu Moschi nach Aruscha, deren Bau begonnen hat:
Weiterbau nach Aruscha. Die Fortführung der Usam-barabahn von Neu-Moschi nach Aruscha ist durch den Außerordentlichen Etat für das Jahr 1914 bewilligt worden. Während des Bahnbaus Buiko-Moschi sollten die wirtschaftlichen und technischen Grundlagen für die Erschließung des Merugebiets geprüft werden. Es ergab sich, daß der Bau einer Automobilstraße 25000—30000 Mark für den Kilometer kosten und der Auto-betrieb erhebliche dauernde Betriebsausgaben und Kosten für Wegeunterhaltung erfordern würde; in der Regenzeit würde die Straße gleichwohl monatelang unbenutzbar sein. Ein Verkehr mit Ochsenwagen ist nicht durchführbar, weil der Weg nicht durchweg tsetsefrei zu halten ist. Die jetzigen Frachtführer (Buren) verlangen hohe Gebühren, weil sie das Risiko laufen müssen, daß ihre Zugtiere ein gehen. Zur Erschließung des Aruschabezirks, dessen hochgelegene Steppenge-biete eine dauernde Besiedlung durch Weiße ermög-lichen, kann daher nur die Eisenbahn in Frage kommen. Die Gegend von Aruscha ist von Weißen schon jetzt gut besiedelt, in letzter Zeit wurden aussichtsvolle Kaffee-pflanzungen angelegt; nördlich der Ansiedlung der Palästina-Deutschen liegt ein stark bestockter Groß-farmbetrieb. Das Weidegebiet im Westen und Norden des Meruberges ist vorzüglich. Die eingeleiteten Wassererschließungsarbeiten werden voraussichtlich noch einen weiteren Zuwachs an nutzbarem Land ergeben. — Die Bahn wird von Moschi aus an den südlichen Ausläufern des Kilimandscharo und Meru entlang führen, insbesondere zwischen Neu-Moschi und dem Sanja mehrere Gletscherflüsse an günstiger Stelle überschreiten. Vom Sanja aus wird sie in ziemlich grader Linie nahe bei den an den Abhängen des Meru befindlichen Pflanzungs- und Ansiedlungsgebieten vor-bei nach Aruscha gehen. Von Leganga aus wird sie möglichst im Zuge des Karawanenweges verlaufen. Größere bauliche Schwierigkeiten wird nur die Über-schreitung der tief eingeschnittenen, vom Kiliman-dscharo und Meru abfließenden Wasserläufe verur-sachen. — Außer der Endstation sind zwei Stationen und zwei Haltestellen vorgesehen. Die Strecke wird 86 km lang werden … als Bauzeit sind 2—2½ Jahre vorgesehen.
Das Deutsche Kolonial-Lexikon schreibt über die im Bau befindliche Ruandabahn:
Die Ruandabahn. Mit Vollendung der Tanganjikabahn [am 1. Februar erreichte die Gleisspitze Kigoma am Tanganjikasee] ist auch ein Bahnbau nach den im Nordwesten unseres Schutzgebiets Deutsch-Ostafrika gelegenen Landschaften Ruanda und Urundi in den Bereich der Ausführbarkeit gerückt beide Landschaf-ten, jene mit über 2 Millionen, diese mit 1½ Millionen Einwohnern, haben die bemerkenswert hohen Bevölke-rungsziffern von 72 und 62 Köpfen auf den Quadrat-kilometer, und sind infolge ihres Menschen- und Vieh-reichtums und wegen ihrer günstigen Boden- und Klimaverhältnisse, durch die der Ackerbau überall gut gefördert ist, zu einer bedeutenden wirtschaftlichen Entwicklung berufen; erhalten sie guten Anschluß an den Weltverkehr, so werden diese Länder imstande sein, ihm große wirtschaftliche Werte zu liefern. Die im Jahre 1913 begonnenen Vorarbeiten für eine Eisenbahn ergaben günstige Linienverhältnisse und eine befrie-digende Rentabilität der zu erbauenden Strecken; die Finanzierung der Bahn erscheint sichergestellt durch die mit Schaffung des neuen Verkehrswegs einzufüh-renden Steuerleistungen; die zu erschließenden Gebiete bringen also selbst die Mittel für die Verzinsung und Tilgung der Bahnanleihe auf. Hauptausfuhrgegenstände sind jetzt Häute und Felle; die Zollstatistik z. B. von Bukoba zeigt die starke Steigerung des Handels in den letzten Jahren: 1906: 229.000 kg im Werte von 202.000 Mark, 1912: 1.119.616 kg im Werte von 1.756.033 Mark. Die Wahutu, die Bewohner von Ruanda, sind gute Acker-bauer; die Zwischenseengebiete sind für Reis- und Tabakbau, das Kageragebiet für Baumwollbau, der Bukoba- und Usambarabezirk für Kaffeebau geeignet. Auch sind die Arbeiterverhältnisse durchweg günstig. Für die Erschließung ist der Kagerastrom mit seinen Nebenflüssen wertvoll, insofern er auf weite Strecken eine Flußschiffahrt im Anschluß an die Bahn ermög-licht. Ausgangspunkt dieses Wasserverkehrs würde das sogenannte Kageraknie sein, wo am Zusammenfluß des Ruwuwu und Njawarongo die Bahn nicht einen End-punkt, sondern in verkehrstechnischem Sinne eine Endfläche erreicht. Die geplante und im Jahr 1914 bewilligte Bahn geht von Tabora in nördlicher, dann in nordwestlicher Richtung, läßt die Missionsstation Mariahilf südlich liegen, verläßt bei km 300 den Bezirk Tabora, überschreitet den Muhamafluß in der Land-schaft Usarabiro, dann den Mutundu im Sultanat Ussuwi. Im weiteren Verlauf erreicht sie Meereshöhen von 1420 und 1550 m, letztere bei Überschreitung der Wasserscheide zwischen dem Tanganjika- und dem Victoriasee. Die Bahn endigt am Kageraknie bei 481 km Gesamtlänge auf etwa 1380 m Höhe. … Die Gesamt-kosten der Bahn, einschließlich der Anlagen für den Umschlagverkehr am Kageraknie und für die Beschaf-fung von Fahrzeugen zur Errichtung der Flußschiffahrt, sind auf 50 Millionen Mark veranschlagt; die Bauzeit soll 3—4 Jahr betragen. Die Bauherrin ist die Ostafrikanische Eisenbahn-Gesellschaft, die auch die Tanganjikabahn ausgeführt hat und betreibt. Die Spurweite ist 1 m und der Oberbau der Bahn derselbe wie der der Tangan-jikabahn.