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Ein Vergleich der Kolonialmächte

Interessant ist ein Vergleich der Lektüre der Kolonial-beamten aller Kolonialmächte in den Kolonien. Selbiges läßt den Intelligenzunterschied zwischen den kolonialen Beamten in den Kolonien zwischen den verschiedenen Kolonialnationen erkennen. Soweit feststellbar ist das Niveau der deutschen Kolonialbeamten und Militärs am höchsten. Die von ihnen gelesene Lektüre bewegt sich bis in den obersten Bereich schriftstellerischer Werke. Goethe, Schiller, Geschichte, Philosophen, antike Klassi-ker und ähnliche Schriften gehören zu den gelesenen Büchern der deutschen Kolonialbeamten. In den briti-schen Kolonien läßt die Qualität der gelesenen Werke schon deutlich nach und Kriminalromane und ähnliche Lektüre bilden den Hauptteil des gelesenen Schrift-tums. Bei den Portugiesen sieht es in dieser Hinsicht sehr düster aus. Man kann nur von billiger Schundlite-ratur sprechen, die in den portugiesischen Kolonien von den Regierungsangestellten gelesen wird. Ausnahmen bestätigen da nur die Regel.

Ein Vergleich des Bildungsstandards der Bevölkerungen Deutschlands, Englands, Frankreichs und Portugals um 1900 ist dabei auch nicht zu vergessen. Die Lesekundi-gen in der erwachsenen deutschen Bevölkerung sind gegen 100 %. In England bei 75 %, in Frankreich 90 %, in Portugal bei 20 %. Das Bildungsniveau ist auf Grund der breiten schulischen und universitären Ausbildung der deutschen Bevölkerung in Deutschland eindeutig am höchsten, dann kommen Frankreich und England und Portugal ist weit abgeschlagen in der Ausbildung der eigenen Bevölkerung.

Diese Ausbildungslage der Bevölkerung spiegelt sich in der Verwaltung der Kolonien wieder. Je höher der Bil-dungsgrad und die Intelligenz der in die Kolonien ent-sandten Kräfte desto besser ist auch die Verwaltung und wirtschaftliche Nutzung der Kolonien. Wichtig ist auch die geistige Einstellung der Kolonialbeamten. Ist in England eine Kosten-Nutzen-Kalkulation und das Motto „Right or wrong my country“, welches eben auch ganz einfach offensichtliche Verbrechen deckt, siehe den Burenkrieg 1899-1902, ausschlaggebend, so ist die deut-sche Kolonialverwaltung aus den Fehlern der 1880er und 1890er Jahre zu einer leistungsfähigen, den jewei-ligen Verhältnissen vor Ort angepaßten Organisation geworden, die mit einem humanistischen Hintergrund arbeitet, auf Grund der geistigen Ausbildung der deut-schen Oberschicht.

Das heißt nun nicht, daß in der deutschen Kolonialver-waltung alles zum Besten stände, aber verhältnismäßig reicht nur die britische Verwaltung an die deutsche he-ran. In der französischen Kolonialverwaltung ist der ein-zelne Beamte wesentlich mehr auf persönlichen Ge-winn aus und infolgedessen oft korrupt, während die englische und deutsche Verwaltung von Korruption nicht betroffen sind. Für französische Kolonialbeamte ist es völlig selbstverständlich kleine oder größere Ne-bengeschäfte zu betreiben, legal oder illegal. Die portu-giesische Kolonialverwaltung dagegen fällt vollkommen durch und nur einzelne Beamte fallen positiv auf.

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Der deutsche Kolonialismus

Begonnen hat der deutsche Kolonialismus als Handel von Reedern deutscher Seestädte mit Schwarzafrika in den 1830er Jahren. Schließlich wurden zum Schutz des deutschen Handels seit Ende der 1870er Jahre vom Deutschen Reich Kolonien genommen.

Der französische Historiker Robert Cornevin schrieb in seinem Buch Geschichte der deutschen Kolonisation (Wobei sich Cornevin auf die Zeit der Mitte der 1880er Jahre – der Zeit der großen deutschen Kolonialnahme – als Beginn für »die ersten zwanzig Jahre« bezieht):

»Sicher, die ersten zwanzig Jahre der deutschen Koloni-sation waren durch Fehler gekennzeichnet, aber im gan-zen gesehen erlaubte die lange Regierungszeit der Gou-verneure und Verwalter ihre Länder richtig kennenzu-lernen. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges befand sich das deutsche Kolonialreich in vollem Aufschwung.«