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Schlußbetrachtung

Der französische Historiker Robert Cornevin benannte das 5. Kapitel seines Werkes Geschichte der deutschen Kolonisation »Die Wende um 1907 und das goldene Zeitalter der deutschen Kolonisation«.

Getragen wird »das goldene Zeitalter« des deutschen Kolonialreiches von der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands bei gleichzeitiger Wohlfahrt für das Volk. Tausende von Kilometern Eisenbahnen und Straßen werden in den deutschen Kolonien gebaut, Häfen und Städte angelegt, Schulen und Krankenhäuser hochge-zogen. Eine Infrastruktur, die die Grundlagen bildet für die heutigen Staaten, die ehemals deutsche Kolonien waren.

Es werden gewaltige Fortschritte im Schulwesen und der Gesundheitsvorsorge in den deutschen Kolonien erzielt. So sterben beim Bau der 1252 Kilometer langen Mittellandbahn in Deutsch Ostafrika, die vom Indischen Ozean zum Tanganjikasee führt, von den vielen tausend Arbeitern, die nur noch auf freiwilliger Basis beschäftigt wurden, 1,6 % der schwarzen Arbeiterschaft und 1,7 % der Weißen. Noch nie war eine Eisenbahn in Kolonien europäischer Mächte mit so wenig Menschenverlusten erbaut worden.

Die von Bernhard Dernburg – seit September 1906 in der Reichsregierung verantwortlich für die Kolonien – be-sonders geförderte wirtschaftliche und wissenschaft-liche Herangehensweise an die Entwicklung der Schutz-gebiete, der schnelle Ausbau von Bahnen und Straßen für die wirtschaftliche Erschließung der Kolonien, die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion, insbe-sondere auch für den Bedarf in Deutschland, die syste-matische Bekämpfung von Tropenkrankheiten und die Hebung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der ein-heimischen Bevölkerungen tragen Früchte.

Der US-Amerikaner und Afrikareisende F. A. Forbes schreibt 1911 in der englischen Review of Reviews:

»Von allen Schutzherren in Afrika hat der Deutsche die reinsten Hände und die besten Aussichten.«

Der US-Historiker Herbert Adam Gibsons schreibt 1916, »daß von allen europäischen Kolonialmächten nur Großbritannien so viel Menschlichkeit und Idealismus bewiesen hat wie Deutschland bei der Errichtung und Aufrechterhaltung einer gerechten und aufgeklärten Kolonialherrschaft.«

Der Brite Harry Rudin schreibt nach dem Ersten Weltkrieg über die von den Deutschen durchgeführte »wissenschaftliche Kolonisierung«:

»Das intelligente Verfahren, mit dem Deutschland ver-suchte, das Beste aus seinen Kolonien zu machen, gab Außenstehenden, die sich damit vertraut machten, An-laß zu höchster Anerkennung.«

Auch dem Reichstag kommt ein großes Verdienst für die Verbesserung der sozialen Lage der Bevölkerungen in den deutschen Kolonien zu. Wie in keinem anderen Land mit Kolonien werden von Abgeordneten der deut-schen Volksversammlung immer wieder die sozialen Zu-stände in den Kolonien unter die Lupe genommen und angeprangert und durch die öffentliche Aufmerksam-keit wurden Änderungen in den Verhältnissen in den überseeischen Territorien Deutschlands erreicht.


Man kann den Beginn der Blütezeit des deutschen Kolonialreiches seit der Gründung des Kolonialwirt-schaftlichen Komitees 1896, seit der Jahrhundertwende, als fünfte Phase der Entwicklung der deutschen Schutz-gebiete ansehen, den Beginn der wissenschaftlich-wirtschaftlichen Nutzung der Kolonien, die als Ergebnis der Kolonialkriege in Südwestafrika und Ostafrika 1904/05 in die sechste Phase, die durchdachte politische und wirtschaftliche Entwicklung der Kolonien, mündet. In dieser sechsten Phase beginnt die siebte Phase und die achte Phase, die finanzielle Unabhängigkeit der Kolonien und die Selbstverwaltung der Kolonien be-ginnend mit der 1909 in Südwestafrika eingeführten Kommunalverwaltung und der steigenden Bedeutung des Landesrates des Schutzgebietes Deutsch Südwest-afrika. Erst die finanzielle Unabhängigkeit vom Reich läßt die beginnende Selbstverwaltung der Kolonien zu, welche bei einer weiteren Finanzierung von Berlin nicht möglich gewesen wäre, da Reichstag und Regierung auf einer Verwaltung durch das Reich bestanden hätten, solange sie auch für die Kolonien zahlen.

Und auch die neunte Phase, die Entkolonisierung, hat mit der Ausbildung von Eingeborenen für den Beamten-dienst begonnen. Die Bildung von Eingeborenen ist auch der Beginn ihres Erkenntnisprozesses Untertanen in ei-nem Land zu sein dessen Herrscher kulturell und ras-sisch fremd und verbunden mit der Herrschaft in einem fernen Land sind, von wo aus ihre Geschicke gelenkt werden. Ihre von den Weißen vermittelte Ausbildung gibt ihnen das geistige Mittel der Befreiung aus der Kolonialherrschaft in die Hand. Sehen diese von Wei-ßen gebildeten Einheimischen zunächst ihre Stammes-zugehörigkeit als Nationalität, so ändert sich ihre Sicht-weise durch den Dienst in der Kolonie auch auf diese als ihre neue Nationalität und es geht ihnen um die Befrei-ung der Kolonie, ihrer Heimat, aus der Kolonialherr-schaft der Fremden.

Weder den Weißen noch den Farbigen ist bei dem Pro-zeß der Heranbildung einer farbigen Verwaltungs-schicht, die billiger den Dienst verrichten soll als eben die viel kostspieligeren weißen Verwaltungsbeamten, diese damit stattfindende automatische Nationalisie-rung dieser neugeschaffenen farbigen Führungsschicht bewußt.

Die deutsche wissenschaftlich-wirtschaftliche Entwick-lung von Kolonien ist ein Erfolgsmodell und ohne den von Rothschild und Konsorten gemachten Ersten Welt-krieg und die Nachfolgekriege wäre ohne Zweifel auch die Zukunft der deutsche Kolonien, des deutschen Kolo-nialreiches, gesichert gewesen und das Leben aller sei-ner Bewohner, ob schwarz, farbig oder weiß. Und ich hege keinen Zweifel an einem geordneten, weitgehend gewaltfreien Übergang der deutschen Kolonien in die Selbstverwaltung durch ihre jeweilige einheimische Bevölkerung.

Der vom deutschen Volk gewählte deutsche Reichstag wäre der Garant für diese Lösung der Entkolonisierung gewesen.      

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Ein Vergleich der Kolonialmächte

Interessant ist ein Vergleich der Lektüre der Kolonial-beamten aller Kolonialmächte in den Kolonien. Selbiges läßt den Intelligenzunterschied zwischen den kolonialen Beamten in den Kolonien zwischen den verschiedenen Kolonialnationen erkennen. Soweit feststellbar ist das Niveau der deutschen Kolonialbeamten und Militärs am höchsten. Die von ihnen gelesene Lektüre bewegt sich bis in den obersten Bereich schriftstellerischer Werke. Goethe, Schiller, Geschichte, Philosophen, antike Klassi-ker und ähnliche Schriften gehören zu den gelesenen Büchern der deutschen Kolonialbeamten. In den briti-schen Kolonien läßt die Qualität der gelesenen Werke schon deutlich nach und Kriminalromane und ähnliche Lektüre bilden den Hauptteil des gelesenen Schrift-tums. Bei den Portugiesen sieht es in dieser Hinsicht sehr düster aus. Man kann nur von billiger Schundlite-ratur sprechen, die in den portugiesischen Kolonien von den Regierungsangestellten gelesen wird. Ausnahmen bestätigen da nur die Regel.

Ein Vergleich des Bildungsstandards der Bevölkerungen Deutschlands, Englands, Frankreichs und Portugals um 1900 ist dabei auch nicht zu vergessen. Die Lesekundi-gen in der erwachsenen deutschen Bevölkerung sind gegen 100 %. In England bei 75 %, in Frankreich 90 %, in Portugal bei 20 %. Das Bildungsniveau ist auf Grund der breiten schulischen und universitären Ausbildung der deutschen Bevölkerung in Deutschland eindeutig am höchsten, dann kommen Frankreich und England und Portugal ist weit abgeschlagen in der Ausbildung der eigenen Bevölkerung.

Diese Ausbildungslage der Bevölkerung spiegelt sich in der Verwaltung der Kolonien wieder. Je höher der Bil-dungsgrad und die Intelligenz der in die Kolonien ent-sandten Kräfte desto besser ist auch die Verwaltung und wirtschaftliche Nutzung der Kolonien. Wichtig ist auch die geistige Einstellung der Kolonialbeamten. Ist in England eine Kosten-Nutzen-Kalkulation und das Motto „Right or wrong my country“, welches eben auch ganz einfach offensichtliche Verbrechen deckt, siehe den Burenkrieg 1899-1902, ausschlaggebend, so ist die deut-sche Kolonialverwaltung aus den Fehlern der 1880er und 1890er Jahre zu einer leistungsfähigen, den jewei-ligen Verhältnissen vor Ort angepaßten Organisation geworden, die mit einem humanistischen Hintergrund arbeitet, auf Grund der geistigen Ausbildung der deut-schen Oberschicht.

Das heißt nun nicht, daß in der deutschen Kolonialver-waltung alles zum Besten stände, aber verhältnismäßig reicht nur die britische Verwaltung an die deutsche he-ran. In der französischen Kolonialverwaltung ist der ein-zelne Beamte wesentlich mehr auf persönlichen Ge-winn aus und infolgedessen oft korrupt, während die englische und deutsche Verwaltung von Korruption nicht betroffen sind. Für französische Kolonialbeamte ist es völlig selbstverständlich kleine oder größere Ne-bengeschäfte zu betreiben, legal oder illegal. Die portu-giesische Kolonialverwaltung dagegen fällt vollkommen durch und nur einzelne Beamte fallen positiv auf.

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Der deutsche Kolonialismus

Begonnen hat der deutsche Kolonialismus als Handel von Reedern deutscher Seestädte mit Schwarzafrika in den 1830er Jahren. Schließlich wurden zum Schutz des deutschen Handels seit Ende der 1870er Jahre vom Deutschen Reich Kolonien genommen.

Der französische Historiker Robert Cornevin schrieb in seinem Buch Geschichte der deutschen Kolonisation (Wobei sich Cornevin auf die Zeit der Mitte der 1880er Jahre – der Zeit der großen deutschen Kolonialnahme – als Beginn für »die ersten zwanzig Jahre« bezieht):

»Sicher, die ersten zwanzig Jahre der deutschen Koloni-sation waren durch Fehler gekennzeichnet, aber im gan-zen gesehen erlaubte die lange Regierungszeit der Gou-verneure und Verwalter ihre Länder richtig kennenzu-lernen. Am Vorabend des Ersten Weltkrieges befand sich das deutsche Kolonialreich in vollem Aufschwung.«