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Die Deutschen in der pazifischen Welt


Die meisten Deutschen auf den Inseln des Pazifiks leben nicht in den deutschen Kolonien im größten Ozean der Erde, sondern auf Hawaii. Die Hawaii-Inseln sind der Schwerpunkt deutscher Besiedlung im Stillen Ozean. Seit 1823 laufen Schiffe der Seehandlung, dem Staats-handelsbetrieb von Preußen, Hawaii an. Bremen hat seit 1836 ein Konsulat auf Hawaii und Hamburg seit 1844.

Kapitän Hinrich Hackfeld, der Honolulu von seinen Südseefahrten her kennt, eröffnet 1849 ein Geschäft für Schiffsausrüstungen in Honolulu, das hauptsächlich die mehreren hundert Walfangschiffe, die alljährlich die Insel-Hauptstadt anlaufen, mit Proviant und Ausrüstung versorgt. Hackfelds Geschäft boomt im Königreich Hawaii und bald unterhält er eine eigene Flotte von Walfängern und Frachtseglern von fast 20 Schiffen, viele davon läßt er in Deutschland bauen. Seine Schiffe sind im ganzen Pazifikraum unterwegs, selbst Handels-stationen an der Küste von Alaska und Kamtschatka gehören ihm, und die Segler halten auch die Verbin-dung mit Deutschland. Hackfelds einzige Konkurrenz ist die deutsche Firma Eduard Hoffschläger und Stapen-horst, die auch eine Reederei in Honolulu betreibt.

Hinrich Hackfeld verbreitert die Basis seines Unter-nehmens und kauft Zuckerrohrplantagen auf den Inseln von Hawaii. Ein weiterer Geschäftszweig ist die Einwan-derung von Deutschen nach Hawaii. So geht im Juni 1882 der Hackfeld-Segler Jolani von Bremerhaven mit 183 ländlichen Auswanderern aus der Umgebung von Nien-burg an der Weser nach Honolulu, die sich auf den Hawaii-Inseln im Zuckerrohranbau betätigen wollen.

Das Jahr 1883 hat die Höchstziffer an deutschen Aus-wanderern nach Hawaii aufzuweisen. Hackfeld chartert zusätzlich zwei Schiffe für den Auswanderertransport aus Deutschland. Allein auf dem gecharterten Dampfer Ehrenfels kommen Anfang 1883 rund 800 deutsche Auswanderer in Honolulu an.

Nach keiner anderen Südsee-Inselgruppe sind so viele Deutsche übergesiedelt als zu den 137 Inseln des Hawai-ischen Archipels mit seinen 16.638 qkm; meistenteils durch die Firma Hackfeld organisiert und durchgeführt.

In den 1870er Jahren ist auch Claus Spreckels ins Zuckergeschäft im Königreich Hawaii eingestiegen. Auf seinen Besuchen in der Heimat studiert er den Zuckerrübenanbau in Deutschland und stellt seinen Zuckeranbau auf Hawaii von Zuckerrohr auf deutsche Zuckerrüben um. Bald ist er der »Zuckerkönig«, baut sein Zuckerimperium beständig aus und steigt in andere Wirtschaftsbereiche in den USA ein wie Reederei, Eisenbahnbau und Immobilien. Seine Schiffe verbinden die deutsche Kolonie Samoa auch mit den USA, Austra-lien und Neuseeland. Er hat einen Palast in Honolulu, ist aber auch oft in Deutschland.


Immer, wenn Hawaii von einem deutschen Kriegsschiff angelaufen wird, muß auf Bitten des Königs Kalakaual – er ist von 1874 bis zu seinem Tode 1891 König der Hawaii-Inseln – ein Landemanöver mit der Erstürmung des Punschbowle-Hügels bei Honolulu erfolgen, dem er mit seinem Hofstaat vom Strand aus zusieht. Der König hat auch einen preußischen Kapellmeister für seine Hofka-pelle.

1893 stürzen US-Amerikaner die einheimische deutsch-freundliche Monarchie auf Hawaii und 1898 werden die Inseln von den USA annektiert.

Viele deutsche Schiffe laufen die Inseln an, aber die be-sondere Aufmerksamkeit der Deutschen von Hawaii gilt deutschen Kriegsschiffen und den beiden Viermastbar-ken Herzogin Cecilie und Herzogin Sophie-Charlotte, sehr schöne Segelschiffe, die dem Norddeutschen Lloyd als Segelschulschiffe für die Ausbildung ihrer Offiziere dienen und dabei gleichzeitig Fracht befördern. Die bei-den Schulsegler laufen 1904 und 1905 mehrfach Hono-lulu an, was jedesmal zu Festtagen bei der Deutschen Kolonie führt und zu einer festlichen Bewirtung der deutschen Seeleute.

Als der Kleine Kreuzer Nürnberg am 1. September 1914 Honolulu anläuft – das Schiff war erst fünf Wochen zuvor in Honolulu gewesen als der Weltkrieg noch nicht ausgebrochen war – melden sich hunderte Hawaii-Deutsche als Kriegsfreiwillige. Aber nur 38 Freiwillige können zur Verstärkung der Besatzung des Kriegsschif-fes an Bord genommen werden.