Ernst von Hesse-Wartegg schreibt in seinem 1902 erschienenen Buch: Samoa, Bismarckarchipel und Neuguinea über das Ergebnis des Samoa-Vertrages zwischen England, Deutschland und den USA von 1899:
»Ungeachtet der großen Menge von Inseln, welche nun-mehr Neuseeland, und damit in zweiter Linie England zugefallen sind, bleibt das Deutsche Reich in Bezug auf seine ausgedehnten Besitzungen in der Südsee doch an erster Stelle, denn sie umfassen 240.000 Quadrat-kilometer mit 423.000 Einwohnern [1913 geht man von 245.000 qkm mit 640.000 Menschen aus]. England kommt erst an zweiter Stelle mit beiläufig demselben Areale, aber nur 350.000 Einwohnern. Es folgt Frank-reich, dessen Inselgruppen, Neukaledonien, Loyalty, Tahiti und dergleichen zusammen 24.163 Quadratkilo-meter mit 95.000 Einwohnern umfassen, und in letzter Linie Nordamerika mit 19.200 Quadratkilometern und 130.000 Einwohnern. Unter diesen vier Großmächten ist der ganze Stille Ozean östlich des hundertundvier-zigsten Längengrades aufgeteilt worden. Melanesien und Mikronesien sind hauptsächlich in Händen der Deutschen, Polynesien in jenen der Engländer. Die wertvollsten Besitzungen in Bezug auf Ertragfähigkeit und Handel haben dort unzweifelhaft die Deutschen, die strategisch wichtigsten Punkte mit den besten Häfen wohl die Amerikaner.«
Der Kolonialbeamte Heinrich Schnee zur Anwerbung von Eingeborenen für die Kolonien Deutsch Neuguinea und Samoa:
»Nach ärztlicher Untersuchung werden die Angewor-benen dem Richter bezw. seinem Vertreter vorgeführt, welcher sich durch eingehendes Befragen, soweit nötig, unter Zuziehung von Dolmetschern, davon überzeugt, dass auch jeder mit seinem freien Willen angeworben und ausreichend über die Verpflichtungszeit und die sonstigen Bedingungen seines Vertrags orientiert ist. Ich vermag mit Befriedigung zu konstatieren, dass wäh-rend meines Aufenthalts in Herbertshöhe [1898-1900] auch nicht ein einziger Fall festgestellt ist, in welchem Leute gegen ihren Willen oder unter Täuschung über die Bedingungen des Arbeitsvertrags weggeführt wären, oder in dem sonst Überschreitungen von seiten der Arbeiterschiffe vorgekommen wären.
Für die Eingeborenen selbst bedeuten die drei Arbeiter-jahre, wenn sie auch später nach Rückkehr in ihre Hei-mat dem dolce far niente und, soweit ihre Stammes-genossen noch dem Menschenfrass huldigen, auch die-sem wieder zufallen, immerhin eine Bereicherung ihrer Kenntnis vom Wesen des Weissen und in jedem Fall die mehr oder minder vollkommene Erlernung des Pidgin-englisch, so dass sie nach ihrer Rückkehr als Dolmet-scher funktionieren können und so den weiteren Ver-kehr zwischen Weissen und Eingeborenen erleichtern.
…
An den drei Plätzen, welche die Arbeiter sowohl unmit-telbar nach Ankunft, wie vor der Rückbeförderung in die Heimat zur Kontrolle passieren müssen — Herberts-höhe für den Bismarck-Archipel, Friedrich-Wilhelms-hafen für Kaiser-Wilhelmsland, Apia für Samoa — findet eine genaue gesundheitliche Kontrolle durch amtlich angestellte deutsche Ärzte statt und kein Eingeborener wird zur Arbeit auf der Plantage oder zur Rückbeförderung in die Heimat zugelassen, bevor das Fehlen von ansteckenden Krankheiten festgestellt, bezw. seine Heilung in einem der dafür bestehenden Eingeborenenhospitäler erfolgt ist. Die in gesundheit-licher Beziehung durch die Arbeiteranwerbung drohen-den Gefahren sind damit auf das geringste Mass herab-gesetzt.
Die gute Behandlung der Arbeiter auf den Pflanzungen ist in erster Linie durch die eigenen Interessen der weissen Inhaber gesichert, welche andernfalls für die Zukunft keine Eingeborenen als Arbeiter bekommen würden. Ausserdem aber übt die deutsche Verwaltung auch hier eine ständige Aufsicht aus.«
Die meisten Deutschen auf den Inseln des Pazifiks leben nicht in den deutschen Kolonien im größten Ozean der Erde, sondern auf Hawaii. Die Hawaii-Inseln sind der Schwerpunkt deutscher Besiedlung im Stillen Ozean. Seit 1823 laufen Schiffe der Seehandlung, dem Staats-handelsbetrieb von Preußen, Hawaii an. Bremen hat seit 1836 ein Konsulat auf Hawaii und Hamburg seit 1844.
Kapitän Hinrich Hackfeld, der Honolulu von seinen Südseefahrten her kennt, eröffnet 1849 ein Geschäft für Schiffsausrüstungen in Honolulu, das hauptsächlich die mehreren hundert Walfangschiffe, die alljährlich die Insel-Hauptstadt anlaufen, mit Proviant und Ausrüstung versorgt. Hackfelds Geschäft boomt im Königreich Hawaii und bald unterhält er eine eigene Flotte von Walfängern und Frachtseglern von fast 20 Schiffen, viele davon läßt er in Deutschland bauen. Seine Schiffe sind im ganzen Pazifikraum unterwegs, selbst Handels-stationen an der Küste von Alaska und Kamtschatka gehören ihm, und die Segler halten auch die Verbin-dung mit Deutschland. Hackfelds einzige Konkurrenz ist die deutsche Firma Eduard Hoffschläger und Stapen-horst, die auch eine Reederei in Honolulu betreibt.
Hinrich Hackfeld verbreitert die Basis seines Unter-nehmens und kauft Zuckerrohrplantagen auf den Inseln von Hawaii. Ein weiterer Geschäftszweig ist die Einwan-derung von Deutschen nach Hawaii. So geht im Juni 1882 der Hackfeld-Segler Jolani von Bremerhaven mit 183 ländlichen Auswanderern aus der Umgebung von Nien-burg an der Weser nach Honolulu, die sich auf den Hawaii-Inseln im Zuckerrohranbau betätigen wollen.
Das Jahr 1883 hat die Höchstziffer an deutschen Aus-wanderern nach Hawaii aufzuweisen. Hackfeld chartert zusätzlich zwei Schiffe für den Auswanderertransport aus Deutschland. Allein auf dem gecharterten Dampfer Ehrenfels kommen Anfang 1883 rund 800 deutsche Auswanderer in Honolulu an.
Nach keiner anderen Südsee-Inselgruppe sind so viele Deutsche übergesiedelt als zu den 137 Inseln des Hawai-ischen Archipels mit seinen 16.638 qkm; meistenteils durch die Firma Hackfeld organisiert und durchgeführt.
In den 1870er Jahren ist auch Claus Spreckels ins Zuckergeschäft im Königreich Hawaii eingestiegen. Auf seinen Besuchen in der Heimat studiert er den Zuckerrübenanbau in Deutschland und stellt seinen Zuckeranbau auf Hawaii von Zuckerrohr auf deutsche Zuckerrüben um. Bald ist er der »Zuckerkönig«, baut sein Zuckerimperium beständig aus und steigt in andere Wirtschaftsbereiche in den USA ein wie Reederei, Eisenbahnbau und Immobilien. Seine Schiffe verbinden die deutsche Kolonie Samoa auch mit den USA, Austra-lien und Neuseeland. Er hat einen Palast in Honolulu, ist aber auch oft in Deutschland.
Immer, wenn Hawaii von einem deutschen Kriegsschiff angelaufen wird, muß auf Bitten des Königs Kalakaual – er ist von 1874 bis zu seinem Tode 1891 König der Hawaii-Inseln – ein Landemanöver mit der Erstürmung des Punschbowle-Hügels bei Honolulu erfolgen, dem er mit seinem Hofstaat vom Strand aus zusieht. Der König hat auch einen preußischen Kapellmeister für seine Hofka-pelle.
1893 stürzen US-Amerikaner die einheimische deutsch-freundliche Monarchie auf Hawaii und 1898 werden die Inseln von den USA annektiert.
Viele deutsche Schiffe laufen die Inseln an, aber die be-sondere Aufmerksamkeit der Deutschen von Hawaii gilt deutschen Kriegsschiffen und den beiden Viermastbar-ken Herzogin Cecilie und Herzogin Sophie-Charlotte, sehr schöne Segelschiffe, die dem Norddeutschen Lloyd als Segelschulschiffe für die Ausbildung ihrer Offiziere dienen und dabei gleichzeitig Fracht befördern. Die bei-den Schulsegler laufen 1904 und 1905 mehrfach Hono-lulu an, was jedesmal zu Festtagen bei der Deutschen Kolonie führt und zu einer festlichen Bewirtung der deutschen Seeleute.
Als der Kleine Kreuzer Nürnberg am 1. September 1914 Honolulu anläuft – das Schiff war erst fünf Wochen zuvor in Honolulu gewesen als der Weltkrieg noch nicht ausgebrochen war – melden sich hunderte Hawaii-Deutsche als Kriegsfreiwillige. Aber nur 38 Freiwillige können zur Verstärkung der Besatzung des Kriegsschif-fes an Bord genommen werden.