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Die Menschen XXXV

Das Deutsche Kolonial-Lexikon berichtet über das Volk der Ovambo: Ovambo, Hereroname für die Bewohner des Ambolandes im Norden von Deutsch-Südwestafrika. Sie selbst nennen sich Aajamba = „die Reichen“, im Gegensatz zu den armen Herero. Sie bewohnen indes-sen nicht nur das unter deutscher Oberhoheit stehende Gebiet zwischen dem 19° südlicher Breite und dem 14. und 18° östlicher Länge, sondern ihr Gebiet reicht noch weit in die portugiesische Kolonie Angola hinein. Das Volk zerfällt in eine ganze Anzahl von Stämmen, deren für unsere Kolonie wichtigster, die Ondonga oder Aan-donga, als Hauptvertreter desselben gelten kann. Auch ist dieser Stamm ethnologisch am besten bekannt. Die Ovambo gehören, wie die Herero, der Bantufamilie an, sind aber kleiner als jene. In Lebensweise und Charakter standen sie indessen von jeher in scharfem Gegensatz zu ihnen. Der Natur ihres Landes entsprechend widmen sie sich vorwiegend dem Ackerbau, so daß die Hacke ähnlich wie im tropischen Afrika als das Hauptwerkzeug dieses Volkes gelten kann. Auch die wichtigsten Acker-gewächse, das Sorghum, ferner Hirse (Pennisetum) und die Bohnen erinnern an die in Zentralafrika verbreiteten Kulturen. Mais wird dagegen wenig gebaut. Gegen die Ackerkulturen tritt die Viehzucht stark zurück, auch ist die heimische Rinderrasse kleiner und bei weitem we-niger ausdauernd als das Hererorind. Die an persönliche Zuneigung grenzende Wertschätzung des Hornviehs, die den Herero auszeichnete, kennt der Ovambomann nicht. Dagegen zeichnen sie sich vor den übrigen Einge-borenen des Schutzgebiets durch den Betrieb von Ge-werben aus, von denen namentlich das Schmiedehand-werk erwähnt werden muß. Der Stamm der Ovakuan-jama widmet sich ganz besonders dieser Beschäftigung, während die Ondonga in der Kupferbearbeitung Hervor-ragendes leisten. Auch die Töpferei wird von einigen Stämmen betrieben. Die zierlichen Messer mit den selt-sam geformten, breit geflügelten Scheiden sind ein Er-zeugnis dieser Industrie. Erzeugnisse des Handwerks, besonders eiserne Perlen, Messer usw. sind Gegenstän-de eines ehemals bis weit in das Hereroland betriebenen Handels. Ein Gemeingut sehr vieler Bantustämme ist die Klimper, die Sansa der Westafrikaner, die Ulimba mancher Ostafrikaner. Der bei den Ovambo übliche Typ gleicht den übrigen Vorkommnissen vollkommen; nur insofern hat er etwas Besonderes, als unter jeder Metall-zunge, dem freien Ende nah, je ein Harzklümpchen be-festigt ist, das allem Anschein nach die Tonhöhe beein-flussen soll. — Die Werften, in denen bei den südlichen Stämmen die Hütten kreisförmig um den in der Mitte liegenden Kraal angeordnet sind, sind wie eine Festung von Palisadenzäunen umgeben und nur durch enge Gänge zugänglich. Sie werden alle paar Jahre verlegt, und damit wird eine zu starke Inanspruchnahme des Ackerbodens vermieden. — Der Charakter des Volkes ist in einer nicht unwichtigen Beziehung besser geartet als derjenige der Herero. In sittlicher Beziehung stehen sie nach Aussage ihres besten Kenners, des Missionars Rautanen [ein Finne], weit über jenen. Dagegen sind auch sie diebisch und unterscheiden sich von dem stol-zen und selbstbewußten Herero früherer Zeiten wieder zu ihrem Nachteil durch eine ins Kriecherische aus-artende Unterwürfigkeit gegenüber dem Mächtigen. Auch ihr Verhältnis zum Häuptling ist ein ganz anderes, denn die Ovambo sind das einzige völlig despotisch regierte Volk innerhalb unseres Schutzgebietes. Aus der Klasse der vor der Masse bevorzugten Adligen gehen die Häuptlinge hervor, während neben dem Adel auch eine Art von Priesterkaste vorhanden ist. Der Häuptling ist Herr über Leben und Tod, er ist zugleich der alleinige Besitzer allen Gutes im Lande. Mit der Gewöhnung an einen alles beherrschenden Willen steht die Arbeits-willigkeit der Ovambo entschieden in Zusammenhang. Diese und die verhältnismäßig große Volksdichte des Ambolandes sind andererseits wieder die Ursache dafür, daß sich in neuerer Zeit eine Art von Sachsengängerei unter den Ovambo ausgebildet hat. So suchen sie selbst entfernte Teile des Schutzgebietes auf, um sich als Ar-beiter zu verdingen. In den nördlichen Verwaltungs-bezirken, vor allem aber in dem Diamantengebiet an der Südküste, werden Ovamboarbeiter in steigender Zahl verwendet; während aber im Norden die Leute vielfach mit Weib und Kind zusammenleben, sind in den Küs-tengegenden fast nur männliche Arbeiter anzutreffen.