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Die Menschen XIII

Deutsch Ostafrika ist ethnographisch ein Grenz- und Mischungsgebiet. Es bildet in seinem größeren südli-chen und zentralen Teil die Nordostecke des großen Sprachgebiets der Bantu, während der kleinere Norden westlich wie östlich des Viktoriasees sein ethnisches Gepräge durch hamitische Über- und Zwischenlage-rungen erhält.

Auch in Deutsch Ostafrika gibt es Reste einer ziemlich kleinwüchsigen Bevölkerung, die vermutlich zu selben Schicht wie die Pygmäen in West- und Zentralafrika und die Buschmänner Südafrikas gehört. Vollkommen rein erhaltene Vertreter dieser Urrasse scheinen in Deutsch Ostafrika allerdings verhältnismäßig selten zu sein. Bes-tenfalls findet man sie noch unter den Batua des Kiwu-seengebiets und in Urundi und Ruanda. Überlagert wer-den diese uralten Reste von den Bantuvölkern, die sich lückenlos vom Tanganjikasee und Njassasee bis an den Indischen Ozean ausbreiten.

Neben einem unvermischten Teil der Bantu unterschei-det die Völkerkunde einen anderen Teil von Völkern, die von aus Nordafrika nach Ostafrika vorgedrungen Hami-ten beeinflußt sind. Sowohl die Physis wie auch der Kulturbesitz zeigt bei ihnen allen einen unverkennba-ren hamitischen Einschlag, der unschwer aus der un-mittelbaren Nachbarschaft der Galla, Somal, Massai, Wakuafi und anderer hamitischer Völkerschaften zu erklären ist.

Durch eine geringfügige Vermischung der hellfarbigen Hamiten mit den dunklen Vorbewohnern sind wohl die Massai und ihre Verwandten die Wakuafi, Wandorob-bo, Wataturu und Wambugu, ferner die Galla, die So-mal mit den Wafiome und Wamburru und die Wahu-ma entstanden. Es handelt sich dabei zumeist um Hir-tenstämme.

Die Semiten bilden eine weitere Einwanderungsgruppe aus dem Norden. In Ostafrika hat sie sich auf das Küs-tengebiet beschränkt, wo aus der Vermischung von Ban-tu aller Stämme bis über den zentralafrikanischen Graben hinaus nach Westen, von Arabern und arischen Leuten aus Persien und Nordwest-Indien das Volk der Suaheli entstanden ist.

Als letztes Element sind schließlich die nilotischen oder nilotisch beeinflußten Stämme am nördlichen Ostufer des Viktoriasees zu erwähnen. Für den gesamten Nor-den Deutsch Ostafrikas ist das hamitische Element inso-fern von Belang, als seine Vertreter politisch die erste Rolle spielen. Im gesamten Zwischenseengebiet, beson-ders in Ruanda, Mpororo und Urundi, aber auch in Ka-ragwe und Kissiba, werden die alteingesessenen Bantu, die Wahutu, Wanjambo und Weru, von den numerisch zehnmal schwächeren hamitischen Watussi, Wahinda und Wahuma beherrscht. Im abflußlosen Gebiet zwi-schen dem Viktoriasee und dem Kilimandscharo sind die Massai die vorherrschende Bevölkerung.

Der Süden des Schutzgebiets wird ausschließlich von Bantu bewohnt.

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Die Menschen XIII

Die gesamte farbige Bevölkerung der Kolonie Deutsch Südwestafrika beläuft sich auf etwa 200.000 Köpfe, was bei der riesigen Fläche des Landes von weit über 800.000 Quadratkilometern sehr wenig ist, aber bedingt durch die große regenarmut, welche dem größten Teil des Landes einen steppenartigen Charakter verleiht und den ganzen Küstenbereich zur Wüste macht. Bezeich-nenderweise leben etwa 100.000 Menschen, hauptsäch-lich vom Stamm der Ovambo, aber auch eine bedeu-tende Anzahl Menschen von Kavangostämmen, weit im Norden im tropischfeuchten Bereich der Kolonie. An Völkerschaften in Deutsch Südwestafrika finden sich die Ovambos und Kavangos als volkreichste Gruppen, dann kommen die Herero mit etwa 35.000 Menschen, die Bergdamara, auch Klippkaffern genannt, mit 30.000 und die Hottentotten stellen etwa 20.000 Köpfe. Die pygmäenhaften Buschmänner zählen bis zu zehntau-send Menschen und das Mischlingsvolk der Rehobother Bastards kommt auf 4000.

Die Ovambos, Kavangos und Herero sind Bantuvölker, also Neger, während die Hottentotten und Rehobother Bastards eine holländisch-schwarze Mischbevölkerung darstellen. Die kleinen mongolisch aussehenden Busch-männer scheinen die ursprüngliche Bevölkerung Afri-kas zu sein.

Die Stammesgebiete der Hottentottenstämme finden sich fast überall in Südwest, nur nicht in den Wüsten-gegenden die Küste entlang und im Nordosten und ganz im Norden. Die Herero finden sich hauptsächlich im mittleren Norden. Die Herero und Hottentotten betrei-ben extensive Weidewirtschaft und bedürfen deshalb großer Landflächen. Die Buschmänner und Bergdama-ras leben in den Steppen- und Wüstengebieten und die Ovambo und Kavango ganz im Norden.

Ursprünglich war das Land von Buschmännern und Bergdamaras bewohnt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgte von Nordosten her über den Okawangofluß die Einwanderung der Herero und kurz darauf von Süden her über den Oranje in mehreren Zügen die der Hottentottenstämme. Der Name »Hotten-totten« ist eine Bezeichnung für das Volk der Nama. Holländische Siedler gaben ihnen, ihrer eigentümli-chen Sprache wegen, den Namen »Hottentotten« (Stot-terer). Sie selbst bezeichnen sich als Khoi-Khoi (Die wahren Menschen) oder als Nama, nach ihrem Sied-lungsgebiet Namaqualand, das wiederum nach einem Herrscher aus grauer Vorzeit benannt ist.

Südlich von Windhuk, der Hauptstadt von Deutsch Süd-westafrika, im Bereich von Rehoboth lebt das Volk der Baster, auch »Bastard« genannt, eine aus Bureneinwan-derern und Namafrauen hervorgegangene Mischlings-nation.