Am 17. April 1906 setzt das Gouvernement von Togo Prämien aus für die Anpflanzung von Frucht- und Nutzholzbäumen, die allerdings fast ausschließlich den Missionen für ihre Schulen und Gemeinden zugute kommen.
Im Haushaltsplan der Kolonie für das Jahr 1906 sind auch die Mittel für die Entsendung eines Forstfach-mannes aus Deutschland eingesetzt. Gouverneur Graf Zech begründet diesen Schritt mit der Notwendigkeit, das spärlich bewaldete Schutzgebiet durch Aufforstung von Teilen seiner unbewohnten und unbebauten Steppengebiete wieder zu bewalden.
Der dann nach Togo berufene Forstbeamte Oskar Metzger stellt die Waldbestände des Schutzgebietes fest und kommt zu dem Ergebnis, daß schätzungsweise 60 % des Landes, gleich 52.000 qkm, aus Baumsavannen mit über 100 verschiedenen Baumarten besteht. Im äußer-sten Norden der Kolonie ist eine Baumsavanne aus Akazien zu finden. An Regenwäldern gibt es nur noch 600 qkm und 750 qkm sind mit Galeriewäldern – Uferwäldern an Flüssen – bestanden. Also nur noch 1½ % der Gesamtfläche der Kolonie besteht aus Wäldern. Metzger geht davon aus, daß in Jahrhunderten die einheimische Bevölkerung die Wälder für die Gewin-nung von Ackerflächen mit Feuer und Axt gerodet hat, so wie sie es noch immer tut. 1907 wird die erste große Aufforstung vorbereitet; in der Landschaft Nuatjä im Bezirk Atakpame in Südtogo. In 20 bis 25 Jahren soll dort ein Gebiet von 280 qkm aufgeforstet werden. Außerdem will man mit dem Wald die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse der Gegend verbessern und den Zufluß von Wasser für das hier liegende Quellgebiet des Flusses Haho, der durch Südtogo fließt, erhöhen, zum Nutzen der Wasserverbraucher im Süden Togos. Dem Förster Fritz Gropp gelingt es in wenigen Jahren, fern der Zivilisation in der Wildnis lebend, einen Nutzwald im geplanten Aufforstungsgebiet anzulegen. Es ist ein Wald aus verschiedenen wertvollen heimischen Baumarten. Einzig der Tiekbaum aus Indien wird als landfremdes Gewächs gesetzt, wegen seines wertvollen Holzes für den Schiffbau. Seine Anpflanzung auf den Versuchs- gärten in Togo ist gut gelungen und so kann 1907 für den neuen Wald bereits auf reichlich Saatgut des indischen Baumes aus den Anpflanzungen in den Versuchsgärten zurückgegriffen werden.
Aus der Beobachtung des artenreichen einheimischen Urwaldes verspricht man sich durch die Anpflanzung eines Mischwaldes einen gegen Schädlinge widerstand-sfähigen gesunden Wald. In Deutschland hat man mit den Forsten aus nur einer Baumart schon schlechte Erfahrungen gemacht. So wird aus den modernsten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Waldwirt-schaft in Deutschland und aus dem Urwald in Togo der neue Wald angelegt und bewirtschaftet. Durch die Anlage eines Mischwaldes kann auch ein ständiger Blattfall für die Humusbildung erreicht werden, die durch die schnelle Zersetzung von Pflanzenmaterial im tropischen Klima unterstützt wird.
Bis 1914 hat man unter Einbezug kleiner noch vorhan-dener Waldreste einen 30 Quadratkilometer großen Wald geschaffen und will jährlich zehn Quadratkilo-meter dazu anlegen. Eine gute Bewässerung und die tropischen Wetterverhältnisse lassen den Wald schnell wachsen. Je nach Baumart erwartet man nach 50 bis 80 Jahren die Ernte wertvollsten Holzes. Auch eine 14 Kilometer lange Schmalspurbahn für die Abfuhr des jetzt schon gewinnbaren Holzes zum nächsten Bahnhof in der Stadt Nuatjä ist verlegt.
Waren in den ersten zwei Jahren der Waldaufforstung Steuerarbeiter eingesetzt, so kann man bald freie Arbeitskräfte gewinnen, die sich beim Wald ein Dorf bauen dürfen – nach deutschen Geboten der Reinheit, um der Ausbreitung von Krankheiten vorzubeugen – und ihnen wird Farmland beim Dorf gegeben, für den Anbau von Lebensmittel für sich und ihre Familien, und ihnen wird auch die notwendige Arbeitszeit für die eigene Landwirtschaft frei gegeben. Förster Gropp ach-tet auch darauf den Dorfbewohnern gelegentlich ein von ihm geschossenes Wild als Festbraten zu spendieren. So gewinnt man mitten in der Wildnis einen Stamm von Waldfacharbeitern.
1909 beginnt man auch in der neuen Waldung mit Regenmessungen, um die ebenfalls beabsichtigte Ver-besserung des Klimas des Landes mit wissenschaft-lichen Daten nachweisen zu können. Dafür soll schließ-lich eine ganze meteorologische Station im neuen Wald entstehen und die 1914 in Deutschland bestellten Apparaturen für die ständige Messung der Lufttem-peraturen und der Luftfeuchtigkeit sollen sowohl im Wald als auch einige Kilometer weiter in der Baum-savanne aufgestellt werden, um Vergleichszahlen zu gewinnen.
Schon 1911 schickt die britische Regierung Dr. Unwin, den Chef des Forstwesens des britischen Protektorates Südnigerien, nach Togo zur Besichtigung und Ein-schätzung des deutschen Waldes. In seinem 1912 erschienenen Report on the Afforestation of Togo with teak and African timber trees beziffert Unwin den Wert des 1911 gerade einmal vier Jahre alten Wald auf »mindestens 200.000 Goldmark«. Bis dahin waren vom deutschen Gouvernement 35.000 Goldmark für die Schaffung des Waldes eingesetzt worden.
Die Aufforstungen bedeuten für die Kolonie langfristige Investitionen, die sich erst in vielen Jahrzehnten aus-zahlen können, und beweisen den weit vorausschau-enden Blick des Gouverneurs Zech. Gleichzeitig ist die deutsche Forstverwaltung bestrebt, die gesamte Holz-wirtschaft des Schutzgebietes in ihre Hände zu be-kommen, denn der wilde Holzeinschlag durch die Weißen für ihre Bedürfnisse, den sie bei schwarzen Holzfällertrupps in Auftrag geben, schädigt ebenfalls die Wälder, insbesondere auch durch Zerstörungen am Wald durch unsachgemäßes Fällen und Verarbeiten des geschlagenen Holzes.
Mit der »Schutzwaldverordnung« vom 5. August 1912 kann jede Bewaldung in Togo unter staatlichen Schutz gestellt werden, sofern der Wald der Wasserwirtschaft dient oder sonstige für den Umweltschutz wichtige Gründe vorliegen. Paragraph 3 der Verordnung lautet: »Vor Erlaß der Bekanntmachung [einen Wald zum Schutzwald zu erklären] hat zur Prüfung der Frage, ob die Erhaltung einer Waldung im öffentlichen Interesse liegt, eine amtliche örtliche Besichtigung stattzufinden, zu der der Waldeigentümer und sonstige Nutzungs-berechtigte hinzuzuziehen und mit ihren Anträgen zu hören sind.« Und nach Paragraph 4 der Schutzwald-verordnung müssen enteignete Waldbesitzer oder Nutzungsrechte entschädigt werden. Seit 1913 bereist ein Forstassessor Waldgebiete, die würdig des Schutzes sein könnten, und als erster Wald wird im Juni 1914 eine Waldung südwestlich der Station Misahöhe zum Schutz des Quellgebietes des Flusses Avé zum Schutzwald erklärt.
Im April 1914 kann die Forstverwaltung endlich die Waldnutzung vollständig in ihre Kontrolle nehmen, durch die Verordnung des Gouverneurs: »Die Gewin-nung von Brennholz zur Heizung von Maschinen und maschinellen Anlagen sowie von Schnittholz bedarf der Genehmigung des Gouverneurs.«
Die Kolonie fördert den Export von Kapok durch das Setzen von Seidenbaumwollbäumen. Aus den feinen Fasern in den Kapseln, die die Samen des Seiden-baumwollbaumes umhüllen, wird Kapok – Pflanzen-daunen – gewonnen, für Polsterungen, als Füllmaterial und für Rettungsringe, da er sehr leicht ist und kein Wasser annimmt. 1910 werden als erster Versuch annähernd 100 Ballen Kapok im Gewicht von je 125 Kilo vom Gouvernement nach Deutschland auf den Ham-burger Markt verschifft und kann sich dort gut gegen den Kapok aus dem holländischen Java behaupten. Durch den Erfolg des Togo-Kapok lenkt das Gouver- nement die Aufmerksamkeit der Bevölkerung verstärkt auf die Gewinnung der Kapokfrucht. Die Bezirksleitung von Kete-Kratschi läßt um verschiedene Dörfer von 1911 bis 1914 rund eine viertel Million Kapokbäume an-pflanzen. Durchschnittlich ab dem sechsten Jahr fängt der Kapokbaum an Früchte zu tragen. Die an den Flüssen lebende einheimische Bevölkerung nutzt das weiche und leichte Holz des Seidenbaumwollbaumes gerne zur Herstellung von Kanus.
Die landwirtschaftliche Erzeugung der Kolonie liegt fast ausschließlich in den Händen der Einheimischen. Nur drei deutsche Plantagengesellschaften gibt es im Land, 1904, 1907 und 1911 gegründet. Die Pflanzungsgesell-schaft Kpeme (1904) hat ihre Kokospflanzungen bei Kpeme an der Küste. Die Agu-Pflanzungsgesellschaft (1907) hat ihre Pflanzungen am Agu und betreibt als Hauptkulturen Kakao und Baumwolle. Die Togo-Pflanzungsgesellschaft (1911) hat ihren Betrieb nahe der Küste in Kpeme und kultiviert vorherrschend Kokos-palme, Baumwolle und die Sisalagave. 1343 Hektar Land sind 1913 in Togo unter Plantagenkultur.
Die Ausfuhren Togos betreffen die für ein tropisches Land typischen Produkte wie Ölpalmkerne und Palmöl. Diese über See getätigten Ausfuhren belaufen sich bei den Palmkernen im Jahre 1905 auf 2965 Tonnen, 1908 4963 und 1911 13.247, fallen dann aber wegen der geringen Regenfälle des Jahres 1912 auf 7087 Tonnen 1913 ab. Das gleiche ist beim Palmöl zu sehen: 1905 422 Tonnen, 1908 1331, 1911 3965 und 1913 1135 Tonnen. Von der Dürre des Jahres 1912 sind natürlich auch alle anderen landwirtschaftlichen Güter betroffen. In gerin-gen Mengen werden auch Kautschuk, Rohbaumwolle, Erdnüsse und Kopra gewonnen. An Elfenbein wird 1908 noch 5,3 Tonnen exportiert und 1912 2,4 Tonnen. Der Anbau des begehrten Kakao macht Fortschritte. 1904 10,6 Tonnen, 1910 werden 137 Tonnen Kakao ausgeführt, 1912 sind es schon 283 Tonnen und 335 Tonnen im Jahr 1913. Das »Kakaofieber« ist aus der Nachbarkolonie Goldküste herübergekommen. Der Boom beim Anbau von Kakao durch die einheimische Bevölkerung läßt sich aus dem hohen Wert von Kakao erklären. Zum Beispiel wird je nach Qualität 50 bis 60 Goldmark für 50 Kilo Kakao Anfang 1914 am Hamburger Markt erzielt, während beim Anbau von Ölpalmen je nach Qualität in Hamburg zur gleichen Zeit 20 bis 50 Goldmark für 50 Kilo Palmöl gezahlt werden. Allerdings ist der Anbau von Kakao wesentlich schwieriger und anfälliger gegen Schädlinge als der von Ölpalmen. Die togolesischen Bauern sehen jedenfalls ganz genau auf die Preise für ihre Waren auf dem Weltmarkt und bauen ent-sprechend an.
Der für die Forstwirtschaft im Lande zuständige Refe-rent Oskar Metzger hat aber schon 1911 in seiner Schrift Die Forstwirtschaft im Schutzgebiet Togo darauf hinge-wiesen, daß der Kakaoanbau der fruchtbare Waldböden braucht und die Wasserbedingungen des Waldes, Wald in dem waldarmen Land zerstört. Mit der Schutz-waldverordnung von 1912 ist dann die Handhabe für ein übermäßiges ausgreifen des Kakaoanbaus gegeben.
Bei der Baumwolle werden 1904 108 Tonnen ausgeführt und seit 1909 durchschnittlich 500 Tonnen im Jahr. Für die Gewinnung von Baumwolle aus Rohbaumwolle werden von 1906 bis 1908 acht Entkernereien in den Baumwollanbaugebieten aufgebaut, um dadurch die Transportpreise zu senken, was den Anreiz zum Anbau für Baumwolle erhöht und der erste Schritt der Baum-wollverarbeitung gleich im Land fördert auch Handel und Wandel in der Kolonie. 1912 wird von der land-wirtschaftlichen Abteilung des Gouvernements die systematische Saatzucht für Baumwolle in drei Saat-zuchtstationen eingeführt.
Interessant ist die Entwicklung beim Mais. Wird 1906 7439 Tonnen ausgeführt, so 1908 29.989, 1910 3394, 1912 344 aber 1913 wieder 2492 Tonnen. Der Maisanbau liegt vollständig in den Händen der Einheimischen, die sich unmittelbar auf die Ankaufpreise auf den internatio-nalen Märkten für Mais in ihrem Anbau und Verkauf ausrichten. Das ungünstige Verhältnis vom Gewicht zum Wert beim Mais läßt ihn nur bei guten Transport-wegen noch auf dem Weltmarkt verkaufsfähig machen. So erstreckt sich der Anbau von Exportmais hauptsäch-lich an den Gewässern und den Bahnlinien im Süden Togos. Wie die Kokospalme ist auch der Mais erst durch die Portugiesen im 16. Jahrhundert nach Afrika gekom-men und hat in den südlichen Bezirken die einheimi-sche Hirse verdrängt. Die Kokospalme wurde aus Süd-ostasien nach Afrika und die Karibik gebracht und der Mais kam von den Indianern Mittelamerikas durch die Portugiesen und Spanier in die Welt.
Unter »Europäische Unternehmungen« finden wir diese Daten im Deutschen Kolonial-Lexikon: I. Die Pflanzungsgesellschaft Kpeme DKG [DKG = Rechtsform »Deutsche Kolonialgesellschaft« nach dem Schutzge-bietsgesetz in der Fassung von 1900]. Die Haupt-pflanzung befindet sich bei Kpeme (rund 500 ha), ein Vorwerk bei Bagida (rund 166 ha). Es sind angepflanzt 68.000 Kokospalmen und auf 79 ha 119.000 Sisalagaven. Die Gesellschaft betreibt eine Sisallaufbereitungsanlage und eine Baumwollentkernerei. Zur Verschiffung ge-langten im Jahre 1912/13 122 t Kopra und 22,6 t Sisalhanf. — II. Die Agu-Pflanzungsgesellschaft DKG., gründet 1907. Die Hauptpflanzung befindet sich bei Tafië (Besitz rund 212 ha), ein Vorwerk bei Njangbó (Besitz rund 425 ha). Die Gesellschaft betreibt eine Aufbereitungsanlage für Ölpalmprodukte. — III. Die Togo-Pflanzungs-Aktien-gesellschaft, gründet 1911. Grundbesitz rund 7500 ha. Bisher sind bepflanzt 542,9 ha mit Sisal, 6,3 ha mit Manihot und 5 ha mit Kapok. — Außer den vorge-nannten betreibt Kaufmann 0. Wallbrecht in der Nähe von Lome eine kleine Kokospalmen- und Sisal-Agavenpflanzung und Vermessungstechniker Burbulla je eine Kakaopflanzung bei Kpeme und bei Wurupong, beide im Verwaltungsbezirk Misahöhe.
Die Viehzucht beschränkt sich aufgrund der Verbrei-tung der Tsetsefliege auf die Nordbezirke. Nur Kleinvieh kann sich überall halten und so sind Schafe, Ziegen und Schweine überall in der Kolonie vorhanden. Zur Ver- besserung des heimischen kleinen schwarzen Land-schweins hat 1908 die Landeskulturanstalt in Nuatjä Berkshire-Eber aus Deutschland eingeführt. Durch die Kreuzung mit dem heimischen Landschwein ist eine frühreife und mastfähigere Rasse entstanden, deren Ferkel von den Einheimischen der Umgebung zur Verbesserung ihrer Landschweine gekauft werden.
Die Hühnerzucht ist überall im Land hochentwickelt, denn ein Huhn im Topf ist jedermanns anliegen. Nur die Eierlegequalitäten der heimischen Hühner sind nicht besonders. Die Verwaltung hat zunächst die Europäer an der Küste von Togo auf die Möglichkeiten der Hühner-zucht aufmerksam gemacht. So gründet sich 1908 in Lome ein Hühnerzüchterverein und erzielt mit aus Deutschland importierten hochgezüchteten Rassen gute Erfolge. Die eingeführten Hühner sind gute Legehennen und die schnell mit den heimischen Hühnern ent-standenen Kreuzungen ergeben ein wesentlich verbes-sertes Landhuhn für die schwarze Bevölkerung.
Im ganzen Land gibt es nur die nur wenig ertragreiche Hackkultur. Selbst in den Gegenden mit Viehzucht gibt es keinen Pflug. So wird 1906 von der Ackerbauschule in Nuatjä eine Anzahl der alljährlich eingestellten jungen Eingeborenen aus den viehreichen Bezirken für den dreijährigen Lehrgang auch in der Handhabung des Pflugs ausgebildet. Nach dem Lehrgang werden sie in verschiedenen Bezirken angesiedelt und bekommen Ackerland, Pflug und Zugvieh gestellt, aber sie kehren schnell zum Hackbau zurück. Das Vieh wird von den Einheimischen nicht als Zugtier verwendet und so ist die Abrichtung von Zugtieren unbekannt. So ist der Versuch der Einführung der Pflugkultur vorerst gescheitert.
Die Jagd spielt für die Ernährung der einheimischen Bevölkerung keine große Rolle. Im Süden von Togo ist der Wildbestand aufgrund der hohen Besiedlungsdichte sowieso gering; im dünn besiedelten Norden, wo sich das typische afrikanische Wild wie Affen, Löwen, Leo-parden, Geparden, Hyänen, Büffel, Antilopen, Elefanten, Flußpferde und Krokodile befindet, wird wesentlich mehr gejagt. Einerseits die Pürschjagd auf Antilopen, Büffel und Elefanten, zum anderen die den Wildbestand gefährdende Treibjagd in Verbindung mit Grasbränden. In der Trockenzeit, wenn das Steppengras vollständig vertrocknet ist, meist Mitte Januar, versammeln sich die waffenfähigen Männer und die Jugendlichen einer Ort- schaft oder einer Gegend und ziehen in die unbewohnte Steppe, wo sie eine große Fläche im weiten Kreis herum anzünden und das Feuer Richtung des Inneren der Fläche brennen lassen, wo sich die flüchtenden Tiere versammeln, bis sie aus der Enge ausbrechen und dabei von der Schützenkette beschossen werden. Es wird alles geschossen, einschließlich der trächtigen Tiere und Muttertiere und ihre Jungtiere.
Bei einigen Stämmen werden auch lange Netze bei der Treibjagd verwendet.
Wurde früher nur mit Speer und Pfeil und Bogen gejagt, so wird jetzt mehr und mehr mit der Dänenflinte auf Jagd gegangen. Dieses den Eingeborenen erlaubte primi-tive Gewehr ist immerhin treffsicherer als die ursprüng-lichen Jagdwaffen der Schwarzen. Im Süden beherr-schen oft nur noch alte Leute den Umgang mit den traditionellen Waffen und auch im Norden hält das Gewehr mehr und mehr Einzug. Jährlich werden um die 10.000 Dänenflinten nach Togo eingeführt, aber 1910 sind es schon 17.000. Mit der Steigerung des Verkaufs der Gewehre geht die Verminderung des Wildbestandes Hand in Hand. Die Verwaltung kann sich aber trotzdem nicht zu einer Einschränkung des Verkaufs der Gewehre entschließen, um keinen Unmut in der Bevölkerung zu erzeugen und sie will außerdem nicht dem Waffen-schmuggel über die langen kaum zu kontrollierenden Grenzen des Landes Vorschub leisten. Auch andere Maßnahmen der Jagdeinschränkung werden erwogen, aber für nicht sinnvoll erachtet, bis in zukünftiger Zeit durch eine allgemeine Hebung der Bildung der Bevöl-kerung ein Verständnis für Jagdeinschränkungen zum Schutz der Tierwelt vorhanden ist.
Was aber vom Gouvernement getan wird ist die Ein-richtung von Wildreservaten in unbewohnten Gegen-den mit der »Verordnung über die Anlage von Wildschongebieten« vom 26. Juli 1913. Bereits im Juli werden die ersten beiden Schongebiete erklärt und im Mai 1914 wird auch die große Aufforstung in der Landschaft Nuatjä zum Wildschongebiet.