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Das Land

Der Norden von Kamerun, das Gebiet der Residenturen, bildet landschaftlich eine Einheit. Vom Mandaragebirge senkt sich das Land bis zum Tschadsee über 300 Kilo-meter nur um 85 Meter. Einzelne niedrige Granitberge ragen hier und da aus der Fläche hervor. Innerhalb dieser Ebene treten für das Auge kaum wahrnehmbare flache Einsenkungen und Erhöhungen auf. Auf den Er-höhungen liegen die Siedlungen, während die flachen Senken zur Regen- und Hochwasserzeit unter Wasser stehen und beim Austrocknen als sumpf- und schlamm-durchsetzte Niederungen dem Verkehr große Hinder-nisse bereiten. In der Trockenzeit zerspringt der Boden und bildet einen feinen Staub, der ebenso wie der Sand des Mandaragebirges vom Wind in die Höhe gehoben wird und als lästiger Sandsturm dem Reisenden arge Pein verursacht.

Während im Norden des Gebietes fast überhaupt kein Regen fällt hat Adamaua eine Regen- und eine Trocken- zeit.

Wie im Norden Togos weht auch in den Residenturen Kameruns in den Monaten Februar und März aus der Sahara der Harmattan. Ein knochentrockener Wind, der jede Feuchtigkeit aufsaugt. Die Haut trocknet aus, die Lippen und oft sogar die Hände springen schmerz-haft auf. Die Hitze ist heftig und die Luft ist voll von einem dicken Nebel, der in Wirklichkeit Saharastaub ist. Der Staub setzt sich überall fest. Der feine Sandnebel weht bis an die Meeresküste.

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Ereignisse

Der langjährige Schutztruppenoffizier Ludwig Freiherr von Stein zu Lausnitz wird nach seiner Verabschiedung aus dem Truppendienst in Kamerun im Jahre 1910 als Leiter einer geographisch-wirtschaftlichen Expedition am unteren Sanga in Neukamerun 1913 noch einmal für amtliche Aufgaben herangezogen. Auf der Expedition zeigen ihm die einheimischen Pygmäen einen Pfad, den Mokele-Mbembe durch den Dschungel gezogen habe. Die Spuren überzeugen den Freiherrn von Stein davon, daß eine Saurierart im Innersten Afrikas bis in unsere Zeit überlebt hat und so sammelt der Freiherr gezielt Berichte über den elefantengroßen Saurier. Der Pflan-zenfresser – Stein wird von den Eingeborenen auch dessen Lieblingspflanze gezeigt – mit langem Hals und langem Schwanz lebt laut Aussage der Pygmäen in und an Gewässern und greift Menschen, die ihm versehent-lich zu nahe kommen, an und es sei auch zu Todesfällen gekommen. Für die Pygmäen im Südosten der deut-schen Kolonie ist Mokele-Mbembe (Der, der den Lauf des Flusses stoppt.) Teil ihres Lebens in den Urwäldern.

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Wirtschaft

Im März 1913 hält Hauptmann Hirtler, ehemals Offizier der Schutztruppe in Kamerun, einen Vortrag in Straß-burg über die Kolonie. Über Neu-Kamerun sagt er, daß es zur französischen Zeit von 1400-1500 farbigen Sol-daten und Polizisten besetzt gewesen sei, in der Haupt-sache Senegalesen. Land und Wirtschaft war vollkom-men in der Hand von französischen Konzessionsgesell-schaften, die ausschließlich auf ihren Gewinn gearbeitet haben. Die einheimische Bevölkerung war nur zur Ge-stellung von Arbeitskräften für die Konzessionsgesell-schaften da. Unsere Aufgabe wird es sein, in zielbewuß-ter, ruhiger, ebenso bestimmter wie humaner Weise die Eingeborenen uns dienstbar zu machen für die Kultur-arbeiten, an denen mitzuarbeiten sie berufen sind.

Nachteilig sind die französischen Konzessionsgesell-schaften in Neukamerun, deren Rechte 1912 vom Reich bestätigt wurden, weil sie die Handelsfreiheit stark ein-schränken. Die baldmöglichste Schaffung großer Reser-vate, die Hervorhebung des Überwachungsrechtes des Staates gegenüber den Konzessionsgesellschaften und geeignete Vereinbarungen mit ihnen hält Hirtler für die Mittel, dem Handel vorläufig den Zugang zu öffnen und die Eingeborenen vor der Ausbeutung durch die Gesell-schaften zu schützen, bis genauere Erkenntnisse weitere Maßnahmen an die Hand geben.

Die Neuerwerbung bezeichnet Hirtler als eine günstige, trotz der Konzessionen, wegen der neugewonnenen Wasserwege und den daraus sich ergebenden Anschluß an den Weltverkehr. Mit den 3000 km Schiffahrtswegen in der Neuerwerbung wird Deutschland kräftig in den Handel des zentralen Afrika eingreifen können.

Hirtler schließt damit, daß er ausführt, die Aufgabe, Neukamerun ebenso zu fördern, wie dies in Altkamerun geschehen sei, sei eine angesichts der natürlichen Wer-te, welche in der Neuerwerbung steckten, dankbare wie schwierige Aufgabe, weil ihre Lösung beweisen würde, daß deutsche Kolonisation auch dort noch leistungsfä-hig ist, wo die eines anderen Kulturvolkes versagt hat.

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Die Übernahme

In den Mitteilungen der Gesellschaft für Erdkunde und Kolonialwesen zu Straßburg im Elsaß für das Jahr 1913 wird berichtet: »In Ausführung des vorjährigen deutsch-französischen Kamerun-, bzw. Kongo-Abkommens, ist am 1. Oktober 1912 das von Frankreich durch den Vertrag vom 4. November vorigen Jahres abgetretene Gebiet seiner Kolonie Aequatorial-Afrika in deutsche Verwaltung übergegangen.

Der Vorgang der Übergabe vollzog sich ohne irgend-welche besondere Veranstaltungen und in allergrößter Einfachheit. So weht denn zurzeit am Sanga, am Ubangi, an der Mondabai die schwarzweißrote Flagge an Stelle der blauweißroten und das Land ist deutsch geworden, um es hoffentlich für alle Zeiten zu bleiben, wie wir auch keinen Zweifel hegen, daß seine Entwicklung nicht min-der günstig verlaufen werde, als bisher unter französi-scher Herrschaft. Inzwischen sind die Abteilungen der Grenzberichtigung schon an Ort und Stelle angelangt. Der französische Leiter dieser Expedition, Hauptmann Periquet, hat in Paris einem Berichterstatter mitgeteilt, die Abteilungen Deutschlands und Frankreichs  hätten volle Freiheit, zur Erzielung einer genauen vereinfach-ten Abgrenzung an jedem beliebigen Punkte der unge-heuren Grenzlinie erforderlichenfalls gegenseitige Zu-geständnisse zu machen. Man werde die in Französisch-Aequatorial-Afrika, Kamerun und Belgisch-Kongo be-stehenden Stationen benutzen und auch mittels Flug-drachens funkentelegraphische Verbindungen herzu-stellen trachten.«


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Politik

Zum Tausch deutscher Rechte in Marokko gegen Neu-kamerun schreibt 1912 der erfahrene Afrikareisende Joachim Graf von Pfeil:

»Ein Gebietszuwachs von rund 270.000 Quadratkilome-tern darf unter keinen Umständen als ganz bedeutungs-los hingestellt werden; ebensowenig unterliegt es irgendwelchem Zweifel, daß in einer, allerdings wohl späten Zukunft dieser Besitz einen erheblichen Wert repräsentieren wird. Auf der anderen Seite dürfen wir nicht verkennen, daß diesem Gebiet gewisse Nachteile anhaften, die augenblicklich schwer ins Gewicht fallen. Erstens ist das Gebiet mit der Schlafkrankheit infiziert, der wir gegenwärtig noch kein erprobtes Abwehrmittel entgegenzusetzen haben. Der Mitteilung von der Ent-deckung eines solchen stehen wir bis jetzt skeptisch gegenüber. Ferner bestehen große Konzessionsgesell-schaften, deren Betriebsrecht wir zu respektieren ha-ben. Die Rechte dieser Gesellschaften sind aber viel-leicht schwere Hindernisse für die Ausbeutung der natürlichen Werte des Landes durch unsere eigenen Geschäftsfirmen, so daß die dem Lande zu entnehmen-den Werte noch auf längere Zweit hinaus in franzö-sische Hände gelangen, statt in die der nunmehrigen Besitzer. – Weiter ist zu betonen, daß man uns je eine Zugangsstelle zum Kongo und zu dessen größten Neben-flusse, dem Ubanghi, gewährt hat. Der Zutritt zu der größten Wasserstraße Afrikas ist nicht ohne wirtschaft-liche Bedeutung. Vorenthalten ist uns aber das verhält-nismäßig kleine Stück Land zwischen diesen beiden Zugangspunkten, das den Ubanghi in seinem ganzen Verlauf zu unserer neuen östlichen Kamerungrenze gemacht hätte. Man hat uns also französischerseits nur gewährt, was sich entbehren ließ. Die Einigung auf diesen Grenzverlauf bekundet nicht viel Scharfblick auf unserer Seite. Statt der naturgegebenen Grenze des Ubanghi haben wir nun eine Grenze, deren Verlauf und endgültige Festlegung erst eine Summe von Arbeit und Kosten fordert.

Unser Gebietszuwachs legt uns mithin sofortige nicht unerhebliche Ausgaben auf, denen keine Einnahmen oder irgendwelche politischen oder kommerziellen Vor-teile gegenüber gestellt werden können, wie diejenigen, die Frankreich aus den Zöllen Marokkos usw. usw. von den Kosten seines marokkanischen Feldzuges in Abzug bringen kann.

Auf das geographisch aufmerksame Auge, auf den wirt-schaftsgeographisch geschulten Sinn wollen die beiden Anlegestellen am Ubanghi und Kongo durchaus keinen wohltuenden Eindruck machen. Auch wird kein gefälli-geres Moment in die Betrachtung der Neuerwerbung eingeführt durch die Belastung mit einer Etappenstraße für französische Truppen.«

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Kriegsschiffe

Am 10. August 1913 läuft der Kleine Kreuzer Bremen zu einem offiziellen Besuch in Duala ein. Dieser seltene Besuch eines modernen Kriegsschiffes kommt der Kolonialverwaltung von Kamerun sehr gelegen. Für Bahnbauten, Industrieansiedlung, die Erweiterung des Hafens und städtebauliche Maßnahmen waren Land-enteignungen in der Stadt angekündigt worden, die eine starke Beunruhigung der Duala-Bevölkerung und Auf-rufe zum passiven Widerstand von Häuptlingen der Duala zur Folge hatten. Nun wird eine Matrosenabtei-lung der Bremen mit der Bahn im Hinterland herumge-karrt, um die Duala und deren Nachbarstämme durch diese militärische Demonstration einzuschüchtern.

Deutsche Kriegsschiffe auf Auslandsfahrt haben über die besuchten Länder auch politische und wirtschaft-liche Berichte zu erstellen. In diesem Falle aber wird ein solcher Bericht über eine deutsche Kolonie verfaßt. Der Kommandant des Kreuzers Bremen, Fregattenkapitän Hans Seebohm, schreibt einen als »Geheim« eingestuf-ten »Militärpolitischen Bericht« über den Besuch der Bremen in Kamerun, der unmittelbar »An seine Majes-tät den Deutschen Kaiser in Berlin« gerichtet ist. Der Kaiser ist laut Verfassung der Oberkommandierende der Kriegsmarine. Der Bericht trägt das Datum »Las Palmas, den 29. August 1913«. Die Bremen war zum spanischen Las Palmas in den Kanarischen Inseln, die vor der nordwestafrikanischen Küste liegen, gefahren, um dort eine Hälfte der Besatzung anzulanden für ihre Rückfahrt in die Heimat und die aus Deutschland neu eingetroffene Besatzungshälfte zu übernehmen. Es fol-gen Auszüge aus Seebohms geheimen Bericht an den Kaiser:

»Empfang in der Kolonie

Der Empfang Euerer Majestät Schiff Bremen seitens der Kolonie muß ein glänzender genannt werden. … Die Offiziersmessen der Schutztruppe in Duala sowohl wie in Buea luden zu Festessen, Reit- und Wagenpartien ein. Der Kolonialverein und der Sportverein in Duala ver-anstalteten gemeinsam einen Bierabend für Offiziere und Mannschaften.  … Sowohl seitens Seiner Exzellenz des Gouverneurs als auch des Bezirksamtmanns von Duala wurde mir versichert, daß man gerade jetzt für den Besuch eines größeren Schiffes dankbar sei, weil die Eingeborenenbevölkerung von Duala infolge der soge-nannten Enteignungsfrage in letzter Zeit eine gewisse Unruhe zeige. Die Enteignung der von den Eingebore-nen inmitten der Hauptstadt noch bewohnten Grund-stücke und die Schaffung einer besonderen Eingebo-renenstadt hat die Sanierung Dualas zum Zweck. Im November oder Dezember soll die endgültige Abschie-bung der Eingeborenen aus der Europäer-Stadt erfolgen; es wird sich vielleicht empfehlen, dann die Kanonen-boote der Westafrikanischen Station nach Duala zu le-gen.

Der Transport von 150 weißen Mannschaften auf der Nord- und Bueabahn hat ganz offensichtlich großen Eindruck auf die Eingeborenen des Innern gemacht.

Seine Exzellenz der Gouverneur, der gerade von einer längeren Reise in das Hinterland und von dem Besuch der dort wohnenden kultivierten muhammedanischen Reitervölker zurückgekommen war, und seine Beamten gaben in liebenswürdigster Weise Auskunft über alle wirtschaftlichen Verhältnisse der Kolonie. Danach möchte ich mein Gesamturteil über die Kolonie dahin abgeben, daß sie die Phase der Küstenkolonie über- wunden hat und daß durch die Nord- und Mittelland-bahn die ersten erfolgreichen Schritte zur Erschließung des Inneren getan sind. Die Fahrt mit der Nordbahn durch die drei charakteristischen Zonen:

Ölpalmengebiet, Urwald, Grasland, gab einen ausge-zeichneten Überblick über den natürlichen Reichtum der Kolonie, vor allem auch darüber, wie notwendig weitere Bahnen für ihre Erschließung sind. Strecken, für die Trägerkarawanen früher 8 Tage brauchten, werden jetzt in 6 Stunden von der Bahn überwunden. Dabei rentiert sich die vor zwei Jahren erst in Betrieb ge-nommene Bahn bereits, selbst der Personenverkehr auf ihr ist ein sehr reger. Die Eingeborenen fahren mit Begeisterung auf der Bahn. Von großer Wichtigkeit ist ferner, daß die längs der Bahn wohnenden Neger-stämme nunmehr von dem Trägerdienst befreit und für fruchtbringendere Arbeit gewonnen sind. … Leider ist augenblicklich der Ausbau des Bahnnetzes zu einem Stillstand gekommen. Die Fortsetzung der Nordbahn stößt insofern auf Schwierigkeiten, als sie im Gebirge teilweise als Zahnradbahn gebaut werden muß. Erwä-gungen, ob sie im Bogen unter Vermeidung der steilen Strecken fortgeführt werden oder ob gar die Erschlie-ßung des Hinterlandes von der Mittellandbahn über Edea aus vorgenommen werden soll, sind im Gange. Ein rascher Entschluß wäre sehr am Platze, da die bereits kultivierten Gebiete des Hinterlandes bis jetzt über-haupt noch keine Handelsbeziehungen mit unserer Küste haben (Fußnote des Berichterstatters: Nachträg-lich erfahre ich, daß die Woermannlinie noch in diesem Jahre einen Vertreter auf dem Benue nach dem Tschad-gebiet senden wird, um festzustellen, ob sich die Ein-richtung einer Flußschiffahrt seitens der Kompagnie auf dem Benue lohnen wird.) und der Ausbau des Bahn-netzes dorthin, wie mir der Betriebsleiter der Nordbahn sagte, wenigstens 5-6 Jahre erfordert. Der Nutzen einer Bahn liegt aber zu sehr auf der Hand, wenn man ge-sehen hat, welchen Aufschwung die Nordbahn der Kolo-nie bereits gebracht hat.

An der Küste gedeihen im Norden die Cacao-Pflan-zungen gut, während der gummiproduzierende Süden durch das Fallen der Gummipreise zur Zeit einen Rück-schlag zu verzeichnen hat.

Allerdings ist bei der Gummigewinnung bisher nur Raubwirtschaft getrieben und minderwertige Ware auf den Markt gebracht worden. Einschreiten des Gouver-neurs zur Besserung der Verhältnisse ist im Gange.

Die neu zu der Kolonie hinzugetretenen früher franzö-sischen Gebiete sollen gut aber sehr von der Schlaf-krankheit verseucht sein. 

Auf den großen Tabaksplantagen, durch welche der Sumatra-Deckblatt-Tabak in Deutschland wirksame Konkurrenz geboten werden soll, leistet der Neger man-gels Erfahrung allerdings noch nicht so viel, wie in älteren Kolonien von den Arbeitern verlangt wird. … Die schon erwähnten im Tschadgebiet wohnenden kulti-vierten Herrenvölker der Fulbe sollen durch Mischung mit der Urbevölkerung stark vernegern. Schwierigkei-ten ihrerseits unserer Regierung gegenüber werden vorläufig noch nicht befürchtet, da ihre Sultane unter-einander uneinig und eifersüchtig sind.

Während früher unter den Eingeborenenstämmen der Kampf aller gegen alle bestanden hat, soll jetzt der Land-friede in der ganzen Kolonie hergestellt sein. Es wird infolgedessen aber in Zukunft bei Aufständen nicht mehr so gut wie früher möglich sein, die einzelnen Stämme gegeneinander auszuspielen, und das Gouver-nement hat es für geboten erachtet, die Schutztruppe schlagbereiter zu machen. Sie besteht aus 12 Kompag-nien, von denen jedoch nur die bei Buea garnisonie-rende schlagbereit ist. Die Stammkompanie in Duala ist in erster Linie Rekrutendepot. Alle übrigen Kompag-nien werden im Verwaltungsdienst im Inneren ver-wandt, so daß sie für Expeditionen zunächst nicht frei sind. Das Gouvernement beabsichtigt allmählich den gesamten Verwaltungsdienst durch Polizeisoldaten aus-üben zu lassen, so daß die Schutztruppe mit ihren Offi-zieren, die jetzt ebenfalls meist im Verwaltungsdienst tätig sind, verfügbar wird.

Der Hafen von Duala ist bei weitem der beste in unseren Schutzgebieten der westafrikanischen Küste und daher prädestiniert als militärischer Stützpunkt. Leider ist bis jetzt sehr wenig für ihn geschehen. Der Vertreter der Woermann-Linie in Duala informierte mich, daß er bei den mangelhaften Einrichtungen des Hafens kaum den laufenden Verkehr bewältigen könne. Die soge-nannte innere Barre soll jetzt ausgebaggert werden, so daß große Dampfer bis Duala hinauf können. Späterhin soll auch die äußere Barre vertieft werden. … Ca. 13 sm von der Stadt Duala liegt eine geschützte sehr geräu-mige Außenreede, die Schiffen von 8 m Tiefgang zu-gänglich ist. … Die Beschleunigung der Hafenarbeiten würde bei der guten natürlichen Beschaffenheit des Hafens in Verbindung mit dem jetzt durch die Bahnen mehr und mehr an Bedeutung gewinnenden Handel der Kolonie sicherlich zu ihrem Aufschwunge beitragen und gleichzeitig die Vorbedingungen für den ersten Stützpunkt Euerer Majestät Marine in dem Atlantik schaffen.«    


Am 9. Dezember 1913 verläßt die Detachierte Division der Hochseeflotte Wilhelmshaven. Sie besteht aus den offiziell Linienschiffe genannten Schlachtschiffen König Albert und Kaiser und dem Kleinen Kreuzer Straßburg. Die Detachierte Division ist mit diesen hochmodernen Schiffen im Atlantik unterwegs, um den neuartigen Turbinenantrieb der nagelneuen Schlachtschiffe zu tes-ten und gleichzeitig damit politische und repräsentative Aufgaben bei der halbjährigen Erprobungsfahrt vom Dezember 1913 bis zum Juni 1914 auszuführen. Die ersten Fahrziele betreffen die drei westafrikanischen Kolo-nien des Reiches, Togo, Kamerun und Südwest.

Am 2. Januar 1914 ankert das Schlachtschiff Kaiser mit dem Kleinen Kreuzer Straßburg vor Viktoria am Kame-runberg und am 5. Januar gesellt sich das Schlachtschiff König Albert dazu. Der Kommandant der Kaiser, Kapi-tän zu See Adolf von Trotha, schreibt: »Während der Hafentage vor Lome [Togo] und Victoria waren die Schif-fe reich besucht außer von den Weißen jedes Standes auch von Schulen, Missionsanstalten, von schwarzen Polizeisoldaten und Postbeamten, Dorfältesten und Häuptlingen.«

Vom 5. bis zum 15. Januar 1914 sind die Schiffe vor Duala. Der große Tiefgang der Schlachtschiffe läßt sie weit vor Duala an der Küste ankern. Der Besuch des starken Kriegsschiffverbandes dient auch der Machtdemonstra-tion des Reiches vor den Duala. So stürmt in einer Manöverübung ein 550 Mann starkes Landungskorps der Kriegsschiffe mit Einheiten der Schutz- und Polizei-truppe von Kamerun die Stadt Duala. Mit dieser Macht-demonstration soll die immer noch wegen der inzwi-schen erfolgten Landenteignungen in Duala empörte Duala-Bevölkerung der Stadt zur Ruhe gebracht werden. Anschließend an das Manöver gibt es einen Parade-marsch des Landungskorps mit umgehängten Gewehr, mitgeführten Maschinengewehren und mit klingendem Spiel durch die Straßen der Stadt zum Exzerzierfeld oberhalb Dualas, wo sich die weißen Herren mit ihren Damen eingefunden haben. Der Kommandant der Kai-ser, Kapitän zu See Adolf von Trotha: »Es war doch eine Vorführung, wie die Kolonie, besonders die schwarze Bevölkerung, sie noch nie gesehen hatte; der Eindruck von Deutschlands Macht war sichtlich gehoben.«

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Siedlungen und Städte

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Expeditionen

Aus den Mitteilungen der Gesellschaft für Erdkunde und Kolonialwesen zu Straßburg im Elsaß für das Jahr 1914 ist der folgende Expeditionsbericht zusammen-gestellt: Im Auftrag der Deutschen Kolonialgesellschaft unternimmt Professor Franz Thorbecke mit seiner Frau in den Jahren 1911 bis 1913 eine Forschungsreise in das innere Hochland von Kamerun. Die wenig bekannte Landschaft Tikar östlich des Flusses Mbam wird er-forscht. Am 20. Dezember 1911 wird vom Endpunkt der Nordbahn in Nkongsumba mit 150 Trägern ins Innere aufgebrochen. Über Dschong, Bana und Bamum erreicht die Expedition nach einem dreimonatigen Anmarsch das eigentliche Arbeitsgebiet, das Land der Tikar. Vor Ort wird die Expedition von der Regierungsstation in Yoko unterstützt. Kreuz und quer zieht die Expedition – zum Teil getrennt – ein Jahr lang durch das Land. Das Tikarland ist größtenteils ein Hochplateau von 800 bis 900 m Höhe, das von vielen Flüssen durchzogen ist. Hie und da ragen hohe Gebirge unvermittelt wie Inseln aus dem Meer empor. Ein Karte des ganzen Gebietes wird durch magnetische Triangulation und Routenaufnah- men hergestellt. Die Formen der Erdoberfläche werden untersucht, Pflanzen und Tiere gesammelt und reiches ethnographisches Material mit nach Deutschland gebracht. Krankheit und Unglücksfälle bleiben nicht aus. So erhält Frau Thorbecke in der Nähe von Tibati mitten in der Nacht eine Speerwunde am Kopf, die glücklicherweise rasch heilt.

Im Grasland von Tikar weiden Büffel und Antilopen. In den Flußwäldern, den Galeriewäldern, die sich zu bei-den Seiten von Flüssen entlangziehen, kommen häufig Affen vor. Die Tikar, die Bewohner dieses Savannen-landes, sind Ackerbauern. Alle Feldarbeit wird von den Frauen verrichtet. Die Männer bauen die Häuser, gehen auf die Jagd, und im übrigen Faulenzen sie. Sie sind, wie alle Sudanneger, ein großer, schön gebauter Menschen-schlag. Ihre Haltung ist frei, ihr Gang elastisch. Besonders unter den Frauen trifft man oft wahre Schönheiten. Vom Charakter her sind sie heiter und den Weißen freundlich gesinnt. Haben sie es doch den Weißen zu verdanken, daß die mohammedanischen Sklavenjäger aus ihrem Land vertrieben sind.

Dr. Leo Waibel, Teilnehmer der Expedition, schreibt über die Möglichkeiten des Kameruner Innenlandes: Wenn wir Bahnen bauen, dann wird sich auch das Grasland entsprechend seinen Naturverhältnissen ent-wickeln. Der Anbau von Baumwolle, Sisalagaven, viel-leicht auch Weizen und Bergreis, wird sich zweifellos lohnen. Vor allem aber wird die Viehzucht gut gedeihen. Eine weiße Bevölkerung wird sich in dem gesunden Hochlande dauernd niederlassen können. Man darf hierbei natürlich nicht an europäische Kleinsiedler denken; aber kapitalkräftige Leute, die mit Hülfe der Schwarzen ihr Land bestellen, werden in Zukunft in recht großer Zahl im Grasland leben können, etwa wie dies heute in ähnlichen Gebieten Indiens und Brasiliens der Fall ist.

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Bahn

Die erste Eisenbahn in Kamerun ist die Kleinbahn der Westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Victoria am Kamerunberg. Sie hat eine Spurweite von 60 cm und dient der Beförderung von pflanzlichen Erzeugnissen der Plantagen der Gesellschaft zur Verschiffung von der Hafenstadt Viktoria. Ihr Betrieb beginnt 1902 mit einer Länge von 7 Kilometern. Die Planzungsbahn wird aber auch für den Personenverkehr genutzt. Ihr Betrieb beginnt 1902 mit einer Länge von 7 Kilometern. 1906 erreicht die Viktoria-Pflanzungsbahn mit Nebenstecken eine Gleislänge von 52 km, wovon die Hauptstrecke mit 23 km nach Soppo führt und verbindet Viktoria mit dem Zwingenberger Hof, einer Niederlassung der West-afrikanischen Planzungsgesellschaft bei Soppo, dem Sitz des Kommandos der Schutztruppe von Kamerun. Soppo liegt am Kamerunberg in gemäßigtem Klima in der Höhenlage des Berges vier Kilometer unterhalb von Buea, der Hauptstadt von Kamerun.

Die Bahn erreicht schließlich mit den Nebenstrecken eine Länge von 66 Kilometern und die Gleisanlage wird ausgebaut auf den Betrieb mit schwereren Lokomotiven für die Gebirgsbahn mit der Steigerung des möglichen Raddrucks auf die Gleise von 0,75 t auf 1,375 t.


Obwohl Kamerun die besten natürlichen Bedingungen für eine günstige Entwicklung besitzt, war es doch lange nicht so entwickelt, wie die Guineakolonien der anderen Kolonialmächte. Erst durch den Eisenbahnbau wird eine wirtschaftliche Entwicklung eingeleitet. Anfangs stand nur der Wasserweg als Transportmittel zur Verfügung. Die Durchdringung der Kolonie wurde außerordentlich gehemmt durch den Urwald, durch Stromschnellen und Wasserfälle und durch schroffe Gebirge.

Um 1900 ist Kamerun auch aufgrund seiner Unweg-samkeit noch nicht völlig der deutschen Herrschaft unterworfen und so ist der Bahnbau nicht nur nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten gedacht, sondern na- türlich auch Teil der deutschen Kolonialpolitik. Die Gründe für den späten Bahnbau sind eben die Gelän-deverhältnisse mit einem Urwaldgürtel von 200 bis 300 km Breite mit zahlreichen großen Wasserläufen und vielen Sümpfen, die dem Bahnbau die denkbar größten Schwierigkeiten bereiten. Dazu kommen die klimati-schen Verhältnisse, die Hitze und Feuchtigkeit, die lange Regenzeit mit heftigen Niederschlägen, die die Arbeit schwer beeinträchtigen und daß die Anwerbung und Verpflegung der eingeborenen Arbeiter auf große Schwierigkeiten stößt. Auch die den Eingeborenen gänzlich fremde Arbeit und die dafür beim Bahnbau notwendige Lebensweise entfernt von ihren Familien muß sich erst einspielen.

Die erste Bahn, die denn gebaut wird, ist die Manen-guba- oder Kameruner Nordeisenbahn. Im Jahre 1900 hat sich auf Anregung des Gouverneurs von Kamerun, Jesko von Puttkamer, ein Syndikat zur Gründung einer Gesellschaft für den Bau und den Betrieb für eine Eisenbahn ins Hinterland des Kamerungebirges ge-bildet. Die etwa 100 km lange Bahn soll von Viktoria an der Küste ausgehen und entlang den Ostabhängen des Kamerunberges bis Mundame am Mungo führen. Da 1901 die Victoria-Pflanzungsgesellschaft eine 60 km lange Kleinbahn mit 60 cm-Spurweite auf eigenem Gelände über den östlichen Abhang des Kamerun-berges plant würden zwei Bahnen ungefähr auf der gleiche Strecke laufen, mit entsprechend verminderter Ertragsfähigkeit für beide Bahnen, sodaß das Syndikat nun Duala als Ausgangspunkt seiner Bahn nimmt und entsprechende technische und wirtschaftliche Erkun-dungen für den Streckenverlauf vornimmt, der die Bahn ins Grasland von Kamerun führt, wo man hervor-ragende Bedingungen für den Anbau von Baumwolle erwartet. Am 8. September 1902 wird dem Syndikat die Vorkonzession für die Bahn erteilt und sie beginnt mit den Vorarbeiten, aber sie hat Schwierigkeiten in Deutschland genug Kapital für den Bahnbau zu finden. Das große Kapital ist noch nicht an Kolonialgeschäften interessiert.

Nach Abschluß der Vorarbeiten wird das Syndikat 1905 umgewandelt in die Kamerun-Eisenbahngesellschaft mit Sitz in Berlin, aber die bereits für Mai 1905 geplante Vorlage der Regierung für ein Gesetz wegen Übernahme einer Zinsbürgschaft für die Bahn findet ein vorzeitiges Ende wegen der Vertagung des Reichstages und so kann die Vorlage erst im Folgejahr erneut vorgelegt und verabschiedet werden. Durch Reichsgesetz vom 4. Mai 1906 erhält die Kamerun-Eisenbahngesellschaft die Konzession für Bau und Betrieb der Bahn für 90 Jahre und das Reich übernimmt eine Zinsbürgschaft für die Kapitalanleger der Bahngesellschaft. Auch eine Gewinn-beteiligung und ein Erwerbsrecht des Reiches auf die Bahn sind in der Konzession festgelegt.

In der Konzession steht unter anderem: »Der Gesell-schaft ist gestattet, in den Wäldern … ohne Entgeld Holz für den Bau, die Unterhaltung und Erneuerung des Unter- und Oberbaues der Bahn während der Konzes-sionsdauer zu entnehmen … . Ebenso darf die Gesell-schaft aus den Grundstücken, die dem Verfügungsrecht des Schutzgebiets unterliegen, Erde, Kies, Sand und Steine für den Bau, die Unterhaltung und die Er- neuerung der Bahn unentgeltlich entnehmen … . Die Gebäude und Anlagen der Bahn sind für die Dauer der Konzession von allen Grund- und Gebäudesteuern befreit. … Ferner ist der Gesellschaft Zollfreiheit gewährt für die zum Bau, zur Ausrüstung, Unterhaltung und zum Betriebe der Bahn und ihrer Anlagen erfor-derlichen Baustoffe, Maschinen, Werkzeuge, Geräte und sonstigen Gegenstände.«

Die Bauausführung wird der Deutschen Kolonial-Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Gesellschaft in Berlin in Gesamtunternehmung übertragen und im September 1906 beginnen die Bauarbeiten mit den bereits ge-nannten Schwierigkeiten für einen Bahnbau in Kame-run. Die Meterspurbahn beginnt auf der Halbinsel Bonaberi, welche gegenüber von Duala auf der anderen Seite des Flusses Wuri liegt, und nähert sich bis auf sieben Kilometer dem Haupthandelsplatz Mundame am Mungo, um dann weiter bis zum Manenguba-Gebirge, wo die Endhaltestelle auf 880 m Höhe liegt, zu führen. Viele Brücken müssen für die Bahn gebaut werden und beim Durchqueren eines Hochwaldes mit Bäumen von 60 m und höher auf den Streckenkilometern 35 bis 60 müssen Bäume gesprengt werden, da die nötige Technik zum Fällen solcher Baumriesen fehlt.

Die erste Teilstrecke der Bahn in einer Länge von 89 km kann am 1. August 1909 eröffnet werden. Ausgangs-punkt ist die wachsende Hafenstadt Bonaberi – ursprünglich ein ausgedehntes Negerdorf – die zum Stadtbezirk Duala gehört. Bonaberi hat nun Hafen- und Bahnanlagen, eine Postagentur, eine Eisfabrik und ein Sägewerk. Die evangelische Baseler Mission unterhält eine Schule in Bonaberi. Mit der Bahneröffnung am 1. August 1909 ist die erste Kolonialbahn in Kamerun in Betrieb.

Seit dem 10. Dezember 1909 wird die Strecke von Bonaberi bis Lum für den öffentlichen Personenverkehr regelmäßig von einem durchgehenden Zug befahren der Montags, Mittwochs, Freitags landeinwärts und Dienstags, Donnerstags und Sonnabends zur Küste verkehrt.

Die 107 km lange Strecke wird in 6½ Stunden zurück-gelegt, so daß sich eine Reisegeschwindigkeit von 16,5 Stundenkilometern ergibt. Seit dem 1. Januar 1911 wird der Fahrplan etwas beschleunigt: der wie früher 8 Uhr morgens von Bonaberi abfahrende Zug trifft nach-mittags bereits um 16:39 Uhr in der neuen Endstation Ndunge (km 151) ein.

Am 1. April 1911 wird schließlich die ganze Strecke von 160 km Länge bis Nkongsamba am Manenguba-Gebirge eröffnet. Nkong-samba selbst wird als Endhaltestelle der Manengubabahn gebaut und bekommt eine Telegra-phenanstalt.

Landeinwärts verkehrt der Zug von Bonaberi auf der eingleisigen Strecke Montags, Mittwochs und Freitags und zur Küste Dienstags, Donnerstags und Samstags. Abfahrtzeit ist in Bonaberi 8 Uhr morgens. Die Endsta-tion Nkongsamba erreicht der Zug um 17:13 Uhr nach-mittags. Für die komplette, 160 km lange Strecke ergibt sich also eine Fahrtdauer von 9½ Stunden, so daß sich die Reisegeschwindigkeit, einschließlich der auf den 18 Zwischenstationen reichlich bemessenen Aufenthalte, auf 17,3 Stundenkilometern erhöht. Die Talfahrt dauert hingegen nur 8 Stunden 40 Minuten. Abfahrt in Nkong-samba ist morgens um 7 Uhr, Bonaberi wird dann nach-mittags um 15:40 Uhr erreicht.

1911 steht in einer Ausgabe der Verkehrstechnischen Woche zu lesen: »Ferner war die Durchschneidung des breiten Urwaldgürtels durch die Bahn wesentlich für die sichere Beherrschung des Binnenlandes und die rasche Niederwerfung von Aufständen; insofern war der Bahn also auch eine hohe politische und strategische Bedeu-tung zuzuerkennen.«

Seit 1912 fährt die Bahn mit Gewinn. 1913 fahren bereits 159.333 Menschen mit der Bahn. In der Ersten Klasse 2779, in der zweiten Klasse 15.921, davon 8548 Weiße und 7373 Farbige und in der Dritten Klasse werden 149.981 Menschen befördert. Interessant ist die beinahe etwa gleichhohe Zahl von farbigen und weißen Fahr-gästen in der Zweiten Klasse, was für die wirtschaftliche Entwicklung auch der einheimischen Bevölkerung spricht.

Ebenso entwickelt sich der Güterverkehr von und zu den Plantagen mit Ölpalmen, Tabak und Kakao sehr gut und die Fracht von Holz. Beim Holz finden sich 1913 in der Statistik 8107 t Stammholz, 2948 t Brennholz und 905 t Ebenholz. 1913 fährt die Bahn bereits unter Vollast und befördert 14.896 Tonnen Fracht ins Landesinnere und 25.823 Tonnen Fracht zur Küste. Dazu werden 769 Stück Großvieh in beiden Richtungen befördert. Die weiteren Aussichten der Nordbahn sind also blendend.

1914 werden von der Reichspost Fernsprechdoppellei-tungen entlang der Nordbahn bis nach Nkongsamba verlegt.

Eine ursprünglich vorgesehene Verlängerung der Bahn bis zum Tschadsee muß 1914 vorläufig als undurch-führbar gelten wegen der Baukosten durch die hohen Gebirge auf der geplanten Strecke. Die Möglichkeit dieser Bahnverlängerung wird von der wirtschaftlichen Entwicklung von Kamerun abhängen. Die Verlängerung in nordöstlicher Richtung in die Landschaft Bamum bis Fumban wird erwogen und erscheint aussichtsreich.


Die Mittellandbahn Duala–Edea–Njong, deren Forde-rung in der großen Kolonialbahnvorlage im Reichstag von 1908 enthalten ist, bildet die Anfangs- und Stamm-strecke der künftigen, von der Küste ins Inland ge-richteten Erschließungsbahnen für Kamerun. Die Bahn dient zunächst der Öffnung des Südens und Südwestens des Schutzgebietes. Sie ist auch durch politische und militärische Interessen begründet und soll unter an-derem den Verkehr des dortigen Karawanenhandels übernehmen, folglich den Handel verbilligen und die Träger für andere Tätigkeiten freimachen. Die Bauaus-führung ist der Deutschen Kolonial-Eisenbahn-Bau- und Betriebs-Gesellschaft übertragen. Hinsichtlich der tech-nischen Parameter ist die Tanganjikabahn in Deutsch Ostafrika Vorbild.  

Das von der Mittellandbahn durchquerte Bakokoland mit seinen Hauptausfuhrerzeugnissen Palmöl und Palmkernen gehört zu den fruchtbarsten Gebieten von Kamerun, in dem Gebiet zwischen dem Sanaga- und dem Njongfluß erstrecken sich große Waldbestände von Ölpalmen. Als weitere Bahnfrachten kommen Mais, Erdnüsse, Tabak und Kakao sowie zahlreiche Edel- und Bauhölzer in Betracht. Im Jaundebezirk werden der Bahn erhebliche Frachten an Pferden, Rind und Klein-vieh aus den Zuchtgebieten Adamaua und der Tschad-seegegend zufallen. Die dichtbevölkerten Bakoko- und Babimbi-Bezirke werden der Bahn lebhaften Personen-verkehr bringen. Die Bahn beginnt in Duala am Ufer des Wuri, wo ausgedehnte Kaianlagen für den Umschlag zwischen Bahn- und Seeverkehr hergestellt werden. Sie zieht sich dann im Bogen nach Südosten und über-schreitet den Dibambastrom auf einer 322 m langen eisernen Brücke. Weiterhin wird der wasserreiche Sanagastrom in zwei getrennten Armen überschritten: Der Nordarm erfordert eine Brücke mit vier eisernen Überbauten von je 57,6 m Stützweite; der Südarm dagegen hat bei einer Strombreite von 160 bis 170 m eine Wassertiefe bei Hochwasser von nicht weniger als 26 m und bietet daher für die Überbrückung ganz besondere Schwierigkeiten. Bei dieser ungewöhnlichen Wasser-tiefe wäre die Gründung von Strompfeilern mit be-sonders hohen Kosten und Gefahren verbunden. Deshalb entschließt man sich zu einem Überbau von einer einzigen Spannung von 160 m Weite aus einem Gitterbogen. Die eine Bogenhälfte wird vom Land aus vorgebaut, die andre auf schwimmenden Prähmen errichtet und mit Benützung der Strömung des Flusses in die richtige Lage eingeschwommen. Dieser Brücken-bau erfolgt in der zweiten Hälfte des Jahres 1911.

Während bei der Nordbahn die Baukosten je Kilometer noch bei 100.000 Mark lagen liegen sie bei der Mittel-landbahn bei rund 170.000 Mark für den Kilometer. Dies ergibt sich aus den erheblichen Schwierigkeiten der Arbeiterbeschaffung und des stark durchschnittenen, noch wenig erkundeten Geländes, aus den hohen Kos-ten der großen Stromübergänge und des erforderlichen schweren Oberbaues, der einem künftigen starken und schweren Lastenverkehr gewachsen sein muß.

Am unteren Ende der nur zeitweise schiffbaren Strom-strecke des Sanaga erreicht die Bahn nach 84 km Edea, der Sitz eines Bezirksamts. Die Stadt liegt am unteren Sanaga, am Eintritt des Flusses in das Tiefland, wo die 90 m hohen Edeafälle der Schiffahrt ein Ende bereiten. Infolgedessen ist Edea ein wichtiger Handels- und Umladeplatz, wo die Waren der Karawanen auf Schiffen weiterbefördert werden. Von Edea nach Jaunde verläuft eine fahrbare Straße. Die Zahl der Weißen im Bezirk Edea beträgt 1910/11 136. Davon sind die meisten in europäischen Faktoreien beschäftigt. Auch eine Plan-tage existiert in Edea. Außer dem Bezirksamt befinden sich in Edea die Polizei, eine Postagentur, ein Regie-rungsarzt, die Katholische Mission der Pallottiner und die evangelische Basler Missionsgesellschaft.

Die 84 km-Strecke Duala–Edea geht 11. April 1912 in Betrieb und die Strecke bis Bidjoka – Kilometer 153 der Bahnlinie – wird am 1. November 1913 dem Verkehr übergeben. Am 17. Juni 1914 kann die Bahnstrecke bis Eseka (173 km) eröffnet werden und am 1. August 1914 wird die Linie bis zur Bahnstation Njock (181 km) freigeben.

Der Deutsche Kolonial-Atlas mit Illustriertem Jahr-buch von 1914 schreibt im Kapitel »Die Entwicklung Kameruns im Jahre 1913«: 

Der Erwartung entsprechend, hat sich der Verkehr auf der am 1. April 1911 eröffneten Nordbahn günstig ent-wickelt. Die Mittelbahn schreitet nur langsam vorwärts, weil der dichte Urwald die Arbeiten außerordentlich aufhält. Das Ziel am Njong-Fluß soll erst im Jahre 1916 erreicht werden. Zurzeit sind 153 km in Betriebe, eine Strecke bis kurz hinter Edea.

Die Zahl der beim Bahnbau beschäftigten Vertragsarbei-ter und Tagelöhner betrug durchschnittlich 5000. Ver-pflegung und Unterbringung der Vertragsarbeiter wur-den seitens des Gouvernements durch Arbeiterkom-missare überwacht und geregelt.

Durch Anlage einer Feldbahn seitlich der Bahnachse und durch Anwendung von Trockenbaggern für die Erdbewegung in größeren Einschnitten soll ein be-schleunigter Vortrieb der Bahn erzielt werden.

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Im März 1913 hält Hauptmann Hirtler, ehemals Offizier der Schutztruppe in Kamerun, einen Vortrag in Straß-burg über die Kolonie und sagt über ihre Schutztruppe, daß die Truppe Kamerun nicht nur erobert hat, sie hat sie auch erschlossen. Hirtler sagt, daß der Offizier drau-ßen nicht nur Soldat ist, er ist Arzt, Verwaltungsbe-amter, Sammler, Geograph, Astronom, Landwirt, baut Häuser, Wege usw. in kurzem gesagt: Alle Kulturauf-gaben war er zu lösen berufen.

Hirtler spricht auch über die Eisenbahnen in Kamerun und weist ihnen eine hohe Bedeutung zu. In Verbin-dung mit den Bahnen sieht er den Hafen von Duala, den er für vorzüglich hält, sobald die Barre, die flache Sand-bank vorm Hafen, entfernt sein wird. Er glaubt, daß die Verwirklichung der Bahn-Pläne in Verbindung mit dem weiter fortschreitenden Ausbau der Verkehrsstraßen dazu beitragen wird, die Kolonie in absehbarer Zeit ganz unabhängig vom Mutterland bezüglich Geldzuschüs-sen zu machen, wenn durch eine nicht überstürzte Eingeborenen-Politik friedliche Verhältnisse in Kame-run erhalten bleiben.

Er weist in seiner Rede die noch in weitesten Kreisen beliebte Unterschätzung der Farbigen zurück und findet warme Worte für die Eingeborenen. Hauptmann Hirtler hält das alte Wort Hermann Wissmanns, der in den 1880er und 1890er Jahren Afrikaforscher und Kolonial-beamter war: „Behandeln Sie den Eingeborenen als Menschen“, auch heute noch für die beste Mitgabe an den, der ins Innere von Kamerun geschickt wird.