Eine Bahnfahrt auf einem offenen Wagen im Februar 1904 auf der Schmalspurbahn von der Hafenstadt Swa-kopmund nach Windhuk tief im Landesinneren be-schrieben von einem gerade aus Deutschland eingetrof-fenen deutschen Soldaten:
»Es ging immer bergan, Stunde auf Stunde. Soweit wir zu beiden Seiten und nach vorne sahen, war nichts als weißgelbe Sanddünen, die zuweilen machtvoll empor-stiegen. Wir standen und hockten und saßen dicht ge-drückt in den kleinen offenen Wagen. Von der drücken-den Hitze immer durstig, waren wir eifrig und sorglos bei unsern Wassersäcken. Wir waren noch so sorglos, daß wir den Kaffee, den wir uns in Swakopmund auf dem Bahnhof gebraut hatten, weggossen, als wir schmeck-ten, daß er sauer wurde. … Am Spätnachmittag wurde an einer Stelle die Neigung so stark, daß der Zug in drei Teile geteilt wurde, damit er so stückweise auf die mäch-tige Höhe käme. Da wir alle Mann nachschoben, kam er glücklich hinauf. Dann ging es wieder etwas rascher wei-ter, immer durch gelbe Sanddünen, immer weiter bergan. Abends erreichten wir die Höhe. Hinter uns lief der abfallende gelbe Sandweg bis zum Meer, das fünfzig Kilometer zurück, unten in der Ferne lag. Dicht vor uns stand ein ungeheueres, schreckliches wildes Gebirge.
Ich hatte niemals ein Gebirge gesehen. Aber nicht allein ich und die anderen Norddeutschen, sondern auch die Bayern staunten. Ganz nah vor uns, und fern und ferner ragten ungeheure nackte Felsen zum blauen Himmel empor. Einige waren von der Abendsonne beschienen und leuchteten hell und hart; andere, der Sonne abge-wandt, drohten finster und fürchterlich, oft dicht über uns. … Wir sahen keinen Strauch, nicht einmal einen Grashalm, und kein Tier. Nur wir Menschen rollten auf unsern knarrenden Wägelein, drollig anzusehen, durch das ungeheure tote Wunderwerk.
Wir hielten an einer kleinen Station, einem kahlen Wellblechhaus, und kochten uns Kaffee und Reis. … Dann ging es mit lautem Getöse, das häßlich und hart widerhallte, in die helle graue Nacht hinein. Es ging im-mer in einem tiefen, schmalen Tal entlang; zu beiden Seiten stiegen hohe Felsen empor. Viele von uns kauer-ten schlaftrunken, andere standen, andere saßen auf dem Wagenrand; jeder hatte seine Wolldecke um sich gelegt. Wir sagten nicht viel. … So brüteten wir müde und hungrig und an den Gliedern zerschlagen. Am wei-ten, klaren Himmel standen auf hellen blauen Grunde unzählige goldblinkende Sterne. Das war wohl ein erha-benes Bild. Doch war es nicht so schön, weder so mäch-tig, noch so ruhevoll, wie in der Heimat. Wir fuhren die ganze Nacht hindurch. Die Nacht war unerfreulich kalt.
Wir fuhren auch noch den größten Teil des andern Ta-ges, der wieder sehr heiß und sonnig war, in den Tälern des schrecklichen, kahlen Gebirges. …
Am Nachmittag kamen wir endlich aus dem Gebirge heraus und kamen auf eine weite Ebene.
Wir machten sehr lange Hälse, als wir herauskamen. Wir meinten, nun endlich, nun wir zuerst die aufstei-genden Dünen, dann das wilde Gebirge hinter uns hat-ten, müßten die wunderschönen Palmenhaine kommen. Aber was wir sahen, war eine weite, weite Hochebene von rötlichgelber Erde, dürftig bestanden mit grobem, gelblichem, trockenem Grase, das Kniehoch wie dünner Roggen wehte. In dem Grase standen verstreut, bald lichter, bald dichter, feste, dornige Büsche, anfangs nur mannshoch, dann drei und vier Meter hoch. Sie standen zuletzt so dicht, daß sie mit den Kronen aneinander stießen. In der Ferne sah man aus dieser weiten, weiten Ebene, ein wenig über der Ebene, hier und da, plötzlich einzelne hohe Bergkegel steil aufsteigen. Einmal, zwei-mal sahen wir vor uns, in weiter, weiter Ferne, ein wenig über der Ebene, in der heißen, zitternden Luft flim-mernd, das, was wir zu sehen begehrten: hohe, frucht-bare Bäume und blaue Flächen wie Wasserteiche. Aber sie verschwanden wieder und waren Nebelbilder.
Obgleich wir mit dem, was wir sahen, lange nicht zufrie-den waren, wurde unsere Stimmung doch etwas besser. Es gab immer etwas zu sehn. Ein fremdes rehartiges Tier jagte in Rudeln durch das lange, wogende, gelbliche Gras; ein unbekannter bunter Vogel, papageienartig, flog auf. Die runden, spitzen Bergkegel standen scharf in der Sonne; genau sah man an ihrem Abhang und zu ihren Füßen klippige Felsenhaufen, welche von ihren Höhen hinabgestürzt waren. Je weiter wir kamen, wurde Gras und Buschwerk ein wenig saftiger, und das Bild ein wenig freundlicher. Alles, was wir sahen, das Nahe und Ferne, stand scharf in der wunderbar klaren Luft.
Die Tagfahrt war wieder lang und durstig; und die Glie-der waren ganz zerschlagen. Gegen Abend kamen wir an einen größeren Bahnhof und schliefen in einer Baracke aus Wellblech an der Erde, in unsere Decken gewickelt, den Tornister unter dem Kopf.
…
Am andern Mittag ging die Fahrt weiter, immer weiter durch das ebene Land, das nun etwas fruchtbarer war und etwas dichter mit dem gelben, langen Gras und den Büschen, und nun auch einzelnen Bäumen, besetzt war; aber es war doch alles graugrün und dürr. …
Am andern, den vierten und letzten Tag der Fahrt, wurde das Land noch fruchtbarer und freundlicher. In der Nä-he und Ferne standen zuweilen, in hohem Gras oder Buschwerk, in Gruppen starke Bäume, die wie Eichen aussahen. Dazwischen lief ein breiter Streifen gelben Sandes, das ausgetrocknete Bett eines Flusses. Da waren im Dezember vorigen Jahres, drei Tage lang, Wellen ent-lang getanzt; man sah noch ihm Sande ihre Sprünge; aber nun war und blieb es auf ein Jahr, vielleicht auf drei, ganz und gar trocken. So waren alle Flüsse im Lande, die wir getroffen haben: Sandstreifen waren sie, einen oder einen halben Meter niedriger als die Ebene.
Mir gefiel diese Landschaft, durch die wir an diesem vierten Tage fuhren, ziemlich gut. Eine kleine und grö-ßere Art von Antilopen, Rehen ähnlich, liefen zuweilen allein oder in Rudeln, behende über die Blößen im Busch. Fremdartige Vögel, etwas größer als Rebhühner, grau und weiß gesprenkelt, flogen über die Büsche hin und ließen sich nieder. Baumgruppen standen stattlich und schön in dem weichen Grün; von fern schauten grüne Bergabhänge nicht unfreundlich herüber.«
Eine Merkwürdigkeit des Lebens in Südwest ist die Lawine von Beleidigungsprozessen der Deutschen ge-geneinander. Als Ursache vermutet man »Nervosität« verursacht durch die afrikanische Sonne, die zu »Jäh-zorn und Querulantenwahnsinn« führe, allgemein als »Tropenkoller« klassifiziert, der auch als Grund für eine Selbstmordepidemie in Windhuk 1912 herangezogen wird. Sicher blühen Klatsch und Tratsch und bei einer so uneinheitlichen Bevölkerung, und auch mit vielen zweifelhaften Charakteren, die regelrecht nach Südwest abgeschoben wurden, sind die Gegensätze in der Ge-sellschaft größer als in Deutschland.
Wie in allen Kolonien gibt es bei privaten Treffen, bei Festen und in den Kneipen und Bars der städtischen Siedlungen in Südwest schwere Besäufnisse. Lydia Still-hammer, die eine Farm führt, beschreibt ein Festessen mit Ball: »Es ging sehr lustig dabei zu; das Bier floß in Strömen und manche Gäste waren schon beim Essen sehr munter. Ein Negerjunge kam herein mit dem Nachtisch, einer schönen Torte mit Schlagsahne. Einer der wilden Farmer stand auf und stülpte ihm diese über den Kopf. Da war der Jubel groß, und auch ich lachte Tränen…«
Auffallend ist der enorm hohe Sektverbrauch in der Kolonie. »Jedes geringfügige Ereignis wird mit Sekt gefeiert«, heißt es, obwohl die Flasche »Schampus« zwanzig Mark kostet. Bald heißt Sekt nur noch »Farmer-Weiße« bei den Weißen in Südwest.
Max Ewald Baericke, der seit 1906 in Deutsch Südwest-afrika ist, schildert den Wüstenmarsch vom verirrten »Brunnenbohrer Thieme, eine hagere, kraftstrotzende und zähe Erscheinung von etwa 35 Jahren. Er hatte bei der Schutztruppe gedient und war nach seiner Ent-lassung als Schlosser zum Bohrtrupp Süd übergetreten. Nach dreijähriger Bewährung als Bohrgehilfe wurde er zum Bohrmeister ernannt und erhielt eine eigene Bohr-kolonne. Sein Bohrtrupp arbeitete in etwa 8 Kilometer Entfernung von der Eisenbahnstation Garub, im heißes-ten Teil der Namibwüste, an der Eisenbahnlinie von Lüderitzbucht nach Aus. Dort hatte der deutsche Geo-loge Dr. Paul Range in einer Bodensenke zwischen dem großen Tigerberg, im Volksmund auch „Der dicke Wil-helm“ genannt, und der Station Garub eine starke unterirdische Wasserader festgestellt. Man vermutete sogar, daß sich hier ein großer unterirdischer See be-fände, mit dessen Wasser man die Stadt Lüderitzbucht versorgen könne.
An dieser Stelle wurde die Bohrmaschine des Brunnen-bohrers Thieme aufgestellt, die mit Bohrkronen von etwa 10 Zentimeter Durchmesser, die mit Diamanten besetzt waren, Löcher in das harte Felsgestein trieb, um Wasser zu erschließen.
Dieser Wüstenstrich unterhalb der Berge von Aus ist wohl der gefürchtetste der ganzen Namib. Wenn man um die Mittagszeit an der Station Garub den Zug verläßt und mit den Händen die glühend heißen Eisenbahn-schienen berührt, hat man sofort Brandblasen an den Fingern. Wie in einem Backofen zittern die Hitzewellen über dem Wüstensand, die Temperatur in der Sonne steigt bis auf 70 Grad Celsius und wo die Sonne auf Eisenteile trifft, oftmals noch höher. Man kann sich kaum vorstellen, daß in dieser Hitze Menschen noch atmen, geschweige denn arbeiten können.
Zweimal in der Woche ritt der Bohrmeister Thieme auf einem Maultier von der Bohrstelle zu der acht Kilome-ter entfernten Station Garub, um Post oder mit dem Zuge eingetroffenen Proviant in Empfang zu nehmen. Oft fuhren auch alte Bekannte von ihm mit im Zuge, die er begrüßte, was eine kleine Abwechslung in sein mono-tones Wüstenleben brachte.
Bei einer solchen Gelegenheit hatte ihm der von Lüde-ritzbucht angekommene Zug Heimatpost mitgebracht. Auf dem Heimweg zur Bohrstelle vertiefte er sich in die Lektüre seiner Briefe und überließ dem Maultier die Zügel. Er hatte nicht bemerkt, wie sich das Maultier von der sandigen Wagenspur entfernte, und erst als es ste-henblieb, um einige Grasbüschel abzunagen, gewahrte er, daß er die Pad verloren hatte. Unwillig riß er das Tier herum und suchte nach der Wagenspur, wobei er sich immer mehr von ihr entfernte. Es wurde dunkel, Thie-me wurde unruhig, schimpfte vor sich hin, ritt bald nach links und bald nach rechts und verlor vollkommen die Orientierung. Als alter Schutztruppler durfte ihm das nicht passieren. Es war Dienstvorschrift bei der Schutz-truppe, daß die Offiziere ihre Untergebenen in Sternen-kunde zu unterrichten hatten. Da stand am immer wolkenlosen Nachthimmel in unverkennbarer Klarheit das Kreuz des Südens. Wenn man seine Querachse dreimal nach rechts verlängerte, hatte man den geo-graphischen Süden und im Rücken den Norden. Im Osten ging der Orion auf, ein ebenfalls markantes helles Sternbild, das in seiner quadratischen Form nach der griechischen Sage einen Krieger mit einem Schwert darstellte, während im Westen die Venus ihren rötlich flimmernden Glanz zur Erde sandte. Wer sich einmal mit diesen Gestirnen vertraut gemacht hat, der sollte sich nicht mehr verirren, weder in der Wüste, noch in der Steppe. Hätte Thieme die gerade Richtung nach Süden eingeschlagen, wäre er wieder an die Eisenbahn-linie gekommen.
Das Lager der Bohrkolonne lag in einer Mulde, und man konnte es erst sehen, wenn man dicht davor stand. Einmal war er in der Nacht bis in die Nähe des Lagers gekommen, war dann aber wieder umgekehrt und in entgegengesetzter Richtung davon geritten. So irrte er die ganze Nacht herum. Als es Tag wurde, erschien ihm der „Dicke Wilhelm“ unendlich weit entfernt. Er ritt ihm entgegen, ohne zu ahnen, daß er nur noch einen Kilometer von der Eisenbahnlinie entfernt gewesen war. Der „Dicke Wilhelm“ ist ein massiger Gebirgsstock, der sich in schroffen Steilabhängen aus der Wüste bis zu 1500 Meter über dem Meeresspiegel erhebt. Seine zak-kigen Konturen und spitzen Nadeln erscheinen von allen Seiten so ähnlich, daß schon ein scharfes Auge und ein guter Orientierungssinn dazu gehören, um Unter-schiede zu machen und Anhaltspunkte zu finden. Wäh-rend im Morgennebel der Berg ziemlich weit entfernt erscheint, liegt er mittags in der dünnen Höhenluft greifbar nahe.
Unschlüssig und nervös ritt Thieme den ganzen Tag über kreuz und quer. Eine Wasserflasche trug er nicht bei sich, denn auf dem kurzen, nur acht Kilometer langen Ritt zur Station war sie überflüssig. Auch hatte er sich im Laufe der Zeit daran gewöhnt, nur im äußersten Notfall zur Feldflasche zu greifen. Die furchtbare Mit-tagshitze hatte ihn durstig gemacht, und da er nicht wußte welche Richtung er einzuschlagen hatte, trat ihm schon die Gefahr des Verdurstens vor Augen und mach-te ihn noch kopfloser. Am dritten Tag war er wieder bis in die Nähe der Eisenbahnlinie gelangt, als sich sein Maultier hinlegte und nicht wieder aufzubringen war. Er ließ es liegen und ging zu Fuß weiter.
Als auch am dritten Tage Thieme noch nicht zu seiner Bohrkolonne zurückgekehrt war, ritt der Bohrgehilfe zur Station Garub, wo er erfuhr, daß Thieme schon vor drei Tagen zum Lager zurückgekehrt war. Der Stationswärter telephonierte nach Aus und alarmierte die Polizei, die am nächsten Morgen mit einem Extrazug der Eisenbahn zwei Polizeisergeanten mit zwei eingeborenen Polizisten als Spurensucher nach Garub entsandte. Sofort nach ihrer Ankunft wurde die Fährte nach dem verschollenen Bohrmeister aufgenommen.
Es war nicht leicht für die Polizisten, in dem Labyrinth von Spuren die richtige herauszufinden. Gegen Abend fanden sie in der Nähe der Bahnlinie den Maultierka-daver und die Fußspur Thiemes, die in der Nacht nicht weiter verfolgt werden konnte. Den ganzen nächsten Tag folgten sie dieser Spur, die bald größere, bald kleiner Kreise zog, bis sie bei Dunkelwerden ganz frische Fuß-spuren und Hemdfetzen fanden, die sich Thieme vom Leibe gerissen hatte. Fünf Tage irrte Thieme schon in der Wüste umher und an den fortgeworfenen Hemd-fetzen war zu erkennen, daß er sich im letzten Stadium des Dursttodes befand. Man hatte wenig Hoffnung, ihn noch lebend anzutreffen. In der Nacht wurde ein Feuer unterhalten und die nähere Umgebung abgesucht, aber ohne Erfolg. Um die Fußspur nicht zu verlieren, be-schloß man an derselben Stelle zu übernachten.
In der Dämmerung des nächsten Morgens, kaum daß die Fußspur zu erkennen war, wurde weitergeritten. Nach halbstündigem Ritt erreichten sie die Stelle, wo Thieme übernachtet und sich wieder Hemdfetzen vom Leibe gerissen hatte. Einige hundert Meter weiter die Spur verfolgend, kamen sie an die Stelle, wo Thieme mit großen, ungeschickten Buchstaben „Thiemes letzte Stunde“ in den Sand geschrieben hatte.
„Auf Leute, Galopp marsch, es soll nicht Thiemes letzte Stunde gewesen sein“ befahl der Polizeisergeant. Sie schwärmten aus und gewahrten bald darauf im Sande einen schwarzen Punkt. Es war Thieme. Als man ihn anrief, winkte er ganz schwach mit der Hand. Sein Oberkörper war über und über mit großen Brandblasen von den heißen Sonnenstrahlen bedeckt. Tropfenweise wurde ihm Wasser eingeflößt, kühle Umschläge auf seine Brandwunden gelegt und zum Schutz gegen die heiße Sonne eine Zeltbahn über den Unglücklichen gespannt. So gelang es, den Halbtoten wieder ins Leben zurückzurufen. Nach einigen Stunden schlug er die Au-gen auf und dankte seinen Rettern. Dank seiner zähen Natur hatte er sich abends bereits soweit erholt, daß er ein Pferd besteigen und zu seinem Lager zurückgeführt werden konnte.
Fünfeinhalb Tage in der glühend heißen Wüste ohne Wasser war eine Rekordleistung, die unerreicht da-stand. Der Polizeipatrouille wurde für ihr hilfsbereites Eingreifen höchstes Lob gezollt.«
Max Ewald Baericke über die Anwerbung von jungen Mädchen durch den Deutsch-Kolonialen Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika:
»Heiratslustige junge deutsche Mädchen wurden aufge-fordert, sich zur Auswanderung nach Südwest zu mel-den. Der Andrang, welcher dem Aufruf in deutschen Zeitungen folgte, war groß, denn in Deutschland gab es mehr heiratsfähige junge Mädchen als Männer. Der Deutsche Frauenverein, der sich eine so ernste Aufgabe gestellt hatte, traf eine sehr sorgfältige Auswahl. Die jungen Mädchen, die sich gemeldet hatten, wurden nicht nur auf Herz und Nieren, also auf einen tropen-fähigen Gesundheitszustand geprüft, sondern sie muß-ten auch die sittlich-moralische Befähigung und einen guten Leumund besitzen. Genaue Erkundigungen über ihre Abstammung, über eine eventuelle erbliche Belas-tung und ihren bisherigen Lebenswandel wurden einge-zogen, und wenn diese nicht den gestellten Anforderun-gen entsprachen, wurden sie abgelehnt. Die Auswahl, die getroffen wurde, war eine Elite kerngesunder junger Mädchen, das Beste, was Deutschland zu bieten hatte. Nicht auf äußere Schönheit legte der Deutsche Frauen-verein besonderen Wert, sondern auf geistige Schön-heit und innere sittliche, moralische und häusliche Tugenden.
Vor ihrer Ausreise nach Südwest wurden die Auserwähl-ten in besonderen Unterrichtskursen auf die hohe Auf-gabe hingewiesen, die sie in Südwest erwartete. Sie soll-ten den deutschen Farmer oder Ansiedler unterstützen, ihn sittlich und moralisch heben, ihm eine treue und liebevolle Lebensgefährtin sein und ihm gesunde Kin-der schenken und aufziehen. Auch in allen häuslichen Arbeiten wie Kochen, Waschen, Nähen, Plätten, Backen usw. wurden sie ausgebildet, und wenn sie alle Prüfun-gen mit dem Prädikat gut bestanden hatten, auf die Aus-reise geschickt.
Unter der Aufsicht einer Rote-Kreuz-Schwester wurden sie in kleinen Trupps von zehn bis zwölf Mädchen an Bord gebracht. In Südwest nannte man diese Transporte scherzweise „Weihnachtspakete“, weil der erste Trans-port dieser Mädchen gerade zur Weihnachtszeit ange-kommen war.
Die Rote-Kreuz-Schwestern hatten keine leichte Aufga-be, ihre Schützlinge an Bord zu bewachen. Oft lagen sie seekrank in ihrer Kabine, und die Schäflein waren sich selbst überlassen. Heiratslustige Männer jeden Alters gab es viele an Bord. Freundschaften wurden geschlos-sen und ab und zu kam es auch zu kleinen Techtel-mechteln, die bei dem engen Zusammenleben an Bord trotz scharfer Aufsicht nicht immer zu verhindern wa-ren. So geschah es oft, daß bei der Ankunft des Dampfers in Swakopmund oder Lüderitzbucht ein junger Mann an die begleitende Schwester herantrat und um die Erlaub-nis bat, Fräulein Soundso heiraten zu dürfen. Doch da war er an die falsche Adresse geraten, die Schwester hatte ihre Schutzbefohlenen vollzählig abzuliefern. Den jungen Männern empfahl sie, ein Heiratsgesuch an den Vorstand des Deutschen Frauenvereins in Windhoek zu richten. Jetzt wurde die Sache kompliziert. Der Heirats-kandidat mußte einen lückenlosen Lebenslauf einrei-chen, einen langen Fragebogen ausfüllen, seine Ver-mögensverhältnisse klarlegen und ein ärztliches Attest über seinen Gesundheitszustand beifügen. Alle Anga-ben wurden mit deutscher Gründlichkeit auf ihre Rich-tigkeit geprüft. Auch über seine sittlich-moralische Be-fähigung wurden Erkundigungen eingezogen. Entspra-chen alle diese Eigenschaften den Anforderungen des Deutschen Frauenvereins, und war der Antragssteller auch pekuniär in der Lage, eine Frau standesgemäß zu ernähren, dann erst bekam er den Heiratskonsens. Überflüssig zu sagen, daß viele Antragssteller disqualifi-ziert wurden. Diamantensucher und andere Abenteurer waren eo ipso ausgeschlossen.
Nach ihrer Ankunft in Südwest wurden die jungen Mädchen in sogenannte Heimathäuser des Deutschen Frauenvereins untergebracht. Im Schutzgebiet gab es zwei davon, das eine war in Windhoek und das andere in Keetmanshoop. Der Volksmund hatte natürlich sofort die richtige Bezeichnung dafür gefunden und nannte sie „Heiratshäuser“, was sie ja in Wirklichkeit auch waren. Dort wurden sie mit Waschen, Nähen, Kochen und anderen Hausarbeiten beschäftigt und warteten, bis ein Freier um ihre Hand anhielt.
Um nun den jungen Mäd-chen Gelegenheit zu geben, Herrenbekanntschaften zu machen, wurden von der Oberin Teeabende veranstaltet. Zu diesen wurden solide junge Männer mit gutem Lebenswandel eingeladen. Auch ich hatte einmal den Vorzug eingeladen zu werden und nahm mit meinem Freund Ulrich, einem Farmer aus der Keetmanshooper Gegend, an einen Teeabend teil. Der Abend verlief recht nett. Zum Tee wurde Gebäck gereicht. Dann wurden deutsche Volkslieder gesungen, musiziert und getanzt. Ungeniert konnte man sich mit den jungen Mädchen unterhalten. Hahn im Korbe wa-ren die Polizeisergeanten, die in ihren schmucken grü-nen Uniformen alle Zivilisten ausstachen. Sie galten hin-ter den selbständigen Farmern als die besten Heiratsob-jekte.
Mein Freund Ulrich war auch Heiratskandidat. Er hatte in der Nähe von Keetmanshoop eine Farm mit schönem Viehbestand. Daß er ein Hottentottenweib im Hause hat-te, war kein Hinderungsgrund, sondern ganz im Gegen-teil ein Ansporn für junge Mädchen, den verlorenen Sohn wieder auf den Pfad der Tugend zurückzuführen. Auf einem Teeabend hatte er eine fröhliche Rheinlän-derin kennen gelernt und Feuer gefangen. Als wir nachts auf seine Farm zurückritten, erzählte er mir, daß er sich mit dem Mädchen bereits einig sei und den Heiratsantrag stellen wolle. Ich sagte zu ihm: „Dann aber schnell raus mit dem Hottentottenweib“, das er auch am anderen Tage fortschickte. Die Aussicht, eine weiße Frau heimzuführen, fing bereits an, veredelnd auf ihn einzu-wirken. Dann wurde eine Generalreinigung des Hauses vorgenommen, die Wände wurden frisch gekalkt, Fens-ter und Türen gestrichen, Möbel repariert und aufge-frischt, ein Badezimmer mit W.C. angebaut, kurzum, wurde das Haus wurde zu einem würdigen Empfang der weißen Frau hergerichtet.
So wurde im Schutzgebiet durch die Hilfe des Deutschen Frauenvereins vom Roten Kreuz manch heiliger Ehe-bund geschlossen, der den weißen Mann vor der Verbu-schung bewahrte. Die Weihnachtspakete hatten ihren Zweck erfüllt.«
Paul Rohrbach, von 1903 bis 1906 als Beamter in Deutsch Südwestafrika tätig:
»Es liegt auf der Hand, daß die große Mehrzahl der-jenigen Mädchen, die eine Stellung in Südwestafrika anzutreten wünschen, der Gedanke, sich dort zu verhei-raten, in mehr oder minder ausgesprochener Weise mit maßgebend sein wird.
Nach dieser Richtung hin sprechen ja die Erfahrungen, die man bisher gemacht hat, unzweideutig genug. Man wird auch mit der weiteren Annahme nicht fehl gehen, daß es den meisten Mädchen lieber sein wird, möglichst bald zur Heirat zu gelangen, als erst noch mehrere Jahre als Dienstboten oder Stützen in abhängiger Stellung zu sein…«
Über seine Erlebnisse mit einem Mitglied des akade-mischen Schürfvereins von Lüderitzbucht, der seinen Namen vom Diamantenschürfen bei Lüderitzbucht ent-lehnt hat, schreibt Max Ewald Baericke:
»Mitglied des akademischen Schürfvereins war der Landesdichter Link, ein gebürtiger Wiesbadener, den seine sehr vermögende Mutter zur Besserung nach Südwest geschickt hatte. Aber Lüderitzbucht war zur Diamantenzeit alles andere als eine Besserungsanstalt. Sie hatte ihm ein monatliches Deputat von fünfhundert Mark bewilligt, doch was waren fünfhundert Mark für einen so verwöhnten jungen Dichterling, der zu keiner körperlichen schweren Arbeit taugte. Bald geriet er in den unsoliden Kreis ehemaliger Kommilitonen, die ein lockeres und fröhliches Leben führten. Die häufigen Trinkgelage waren eine sehr kostspielige Angelegen-heit, nicht nur der alkoholischen Getränke wegen, die nach altem Brauch in großen Mengen konsumiert wurden, als vielmehr durch den Unfug, den sie nachts verursachten. Da wurden in jugendlichem Übermut in den Bars Fenster- und Spiegelscheiben eingeschlagen und mit den Spazierstöcken ganze Reihen von Schnaps- und Likörflaschen von den Regalen gehakt, daß sie zu Boden fielen und zerbrachen. Einmal wurde sogar in einer Bar ein arg verstimmtes Klavier, das den Ärger der Kommilitonen verursacht hatte, mit Pistolenschüssen solange malträtiert, bis es keinen Ton mehr gab. Solche Scherze kosteten viel Geld, denn der Wirt ließ sich den Schaden teuer bezahlen. Dazu reichte das monatliche Deputat der Mutter nicht aus, aber sie blieb hartherzig und wollte den Scheck nicht erhöhen. So blieb unserem Dichter nichts weiter übrig, als seinen Lebenswandel zu ändern. Bald bot sich ihm eine Gelegenheit dazu. In Lüderitzbucht machte er die Bekanntschaft eines Ge-schäftsmannes aus Berseba, der auf eine Deutschland-reise gehen wollte. Dieser vermietete an Link sein Geschäft in Berseba für die Dauer eines Jahres für zweitausend Mark. Dann begab sich Link auf die Reise nach Berseba. In Aus kaufte er sich einen alten Kar-rengaul als Reitpferd, das er auf den stolzen Namen Pegasus taufte.
Auf diesem geflügelten Dichterroß erschien er im Juli 1908 in Bethanien, wo ich ihn im Hotel von Dentlinger kennen lernte. Er war ein hochaufgeschossener junger Mann von 25 Jahren, von sympathischem Äußeren, ein guter Klavierspieler und vollkommener Kulturmensch. Ich bewunderte seinen Mut, daß er so ganz allein, ohne Bambusen [einheimischer Gehilfe] und ohne die ge-ringsten Landeskenntnisse auf eine so gefährliche Pad gehen wollte, die noch vor kurzer Zeit zum Aufstands-gebiet zählte. Bei einigen Flaschen Bier schlossen wir Freundschaft, und ich versprach, ihn nach Berseba zu geleiten. Im Vertrauen sagte er mir, daß er sich sein Hinterteil völlig aufgeritten habe. Ich rieb ihm seine Sitzfläche mit Rizinusöl ein, und nach einigen Tagen war er wieder marschfähig.
An einem hellen und kalten Wintermorgen traten wir unsere Reise an. Die Pad führte uns durch die wildro-mantischen Schluchten am Westabhang der Zwiebel-hochebene. Als wir die Wasserstelle Geidams erreich-ten, entzückte sich sein Dichterherz an der überwäl-tigenden schönen Aussicht, die sich unserem Auge dar-bot. Tief unter uns lag in einer Schlucht die Wasser-stelle und darüber hinweg schweifte der Blick nach Westen, wo in etwa 10 Kilometer Entfernung inmitten grüner Bäume die weißgetünchten Häuser von Betha-nien lagen. Als wir dann unsere Pferde durch das trok-kene Geidamsrivier geführt hatten, hielten wir entblöß-ten Hauptes an dem Grabe des Leutnants Bandermann und seiner fünf deutschen Reiter, die hier am 7. April des Jahres 1905 in einen Hinterhalt geraten und von Hottentotten abgeschossen worden waren. Eine Ge-denktafel schmückt das Grab.
Der Pad wurde jetzt steinig, führte bald durch tiefe Löcher und bald über steile Klippen. Zu beiden Seiten der Straße lagen zerbrochene Ochsenwagen und Maul-tierkarren aus der Aufstandszeit, die an harte Kämpfe erinnerten. Dieser Teil der Zwiebelhochebene war in den Aufstandsjahren 1905/06 der beliebteste Schlupf-winkel des Hottentottenführers Cornelius. In ihm hat der Generalstabshauptmann von Lettow-Vorbeck sei-nen Lehrmeister im afrikanischen Kleinkrieg gefunden. Immer wenn er Cornelius gestellt und eingeschlossen hatte, war er am anderen Morgen wieder verschwun-den. …
Nach einer kurzen Pause im Kunabrivier ritten wir wei-ter. Der Pegasus fing an zu stolpern und ließ den Kopf hängen. Er war die ordinärste Schindmähre, die ich je in Südwest gesehen habe. Und darauf saß mit schmerzver-zerrtem Gesicht der Musensohn. Wenn die alten Grie-chen ihren Pegasus in dieser Aufmachung hätten sehen können, würden sie sich noch nach zweitausend Jahren in ihren Gräbern herumgedreht haben. Link hatte sich schon wieder durchgeritten. Wir tauschten die Pferde. Ich gab ihm meinen kleinen Basutohengst, der ge-mächlichen Burentrab ging, mit den Vorderbeinen Galopp und den Hinterbeinen Trab. Da saß er nun in meinem Sattel wie in einem Schaukelstuhl und seine langen Beine hingen beinahe bis auf die Erde. Ich aber fluchte über den Pegasus, der beim Traben so stark mit der Hinterhand wackelte, daß ich bei jedem Trab von der linken auf die rechte und wieder zurückgeworfen wurde. Einen so elenden Klepper konnte man auch nur einem so weltfremden Dichterling als Reitpferd andre-hen.
Abends erreichten wir die Wasserstelle Besondermaid, die rings von hohen Bergen umgeben ist. Eine starke Quelle kommt unterirdisch aus den Bergen und ergießt sich in zwei große, natürliche Becken. Rings auf den Bergeshöhen stehen noch die alten steinernen Wacht-häuser der Truppe aus der Aufstandszeit. Im Tal, dicht an der Wasserstelle, sah man viele verlassene Stein-häuser ohne Dach, inmitten riesiger Weißdornbäume. In einem dieser Häuser richteten wir unser Nachtlager her, schleppten Feuerholz herbei und kochten Kaffee. Nachdem sich unser Musensohn etwas von den Stra-pazen der Reise erholt hatte, zog er einen Schreibblock hervor und begann, unseren Ritt zu besingen. Aus seinen Versen ist mir noch eine Stelle erinnerlich, die ich reichlich komisch fand. Sie lautete:
„Und knallt von Ferne auch ein Schuß,
so träume süß ich von dem Kuß,
von holder Frauen Lippen.“
„Total meschugge“, war meine Antwort auf diesen Reim, der Poet ließ sich aber nicht beirren und schrieb fleißig weiter. Für die letzten dreißig Kilometer von Besonder-maid bis Berseba, brauchten wir fast einen ganzen Tag. Der Pegasus lahmte stark, und ich mußte ihn am Zügel führen. Fast wurde mir die Reise leid, aber ich sagte mir, daß dieser hochgezüchtete Kulturmensch niemals Ber-seba erreichen würde, wenn ich ihn im Stiche ließe.
Endlich gegen Abend, als die Viehherden von der Weide kamen und Kälber und Lämmer blökend und meckernd den Muttertieren entgegenliefen, erreichten wir Berse-ba, dessen weitverstreute und weißgetünchte Gehöfte sich scharf gegen das Dunkel des dahinterliegenden Kratermassivs des großen Brukkaros abhoben. Der Wächter brachte die Schlüssel und wir betraten das Haus. Es war ein massives Steinhaus mit Store, Wohn- und Schlafzimmer. Das Wohnzimmer hatte einen Ka-min und war behaglich mit Korbmöbeln ausgestattet. Die herbeieilende Dienerschaft mußte Feuer im Kamin anzünden. Dann ließen wir einen Hammel schlachten und vom Geschäftsmann Kriess eine Kiste Bier holen und vergaßen bei Speis und Trank die hinter uns lie-genden Strapazen.
Am andern Morgen schickte ich einen Boten zum Kapitän Johannes Christian Goliath und lud ihn zu einem Besuch ein. Bald darauf erschien er in Begleitung einiger Großleute und freute sich, mich wiederzusehen. Wir waren alte Bekannte und kannten uns von meinem früheren Handelszug her. Ich stellte ihm den neuen Geschäftsmann vor und empfahl ihm bei diesem zu kaufen. Der Kapitän setzte sich zu uns in einen Stuhl, während sich die Großleute auf die Erde hockten. Der Händler spendierte eine Flasche Genever und einige Platten Tabak, gewissermaßen als Einstand zur Belebung der künftigen Handelsgeschäfte.
Der Kapitän war ein kleiner schmächtiger Mann von gelber Hautfarbe mit einem großen Pickel auf der Nase. Er war ein schlauer Fuchs, sprach fließend deutsch und hatte eine kalligraphisch schöne Handschrift. Bald wa-ren wir in ein eifriges Gespräch geraten und tauschten Erinnerungen aus. Als ihn einer seiner Großleute etwas in der Namasprache fragte, bat er um einen Augenblick Entschuldigung und wandte sich dann uns wieder zu indem er sagte: „Ach, jetzt habe ich den Faden verloren, wo waren wir doch stehen geblieben?“ Man hatte durch-aus nicht das Gefühl mit einem Hottentotten zu spre-chen, so perfekt war sein Deutsch. Durch den Missionar Eisenberg von der Rheinischen Mission in Bethanien hatte er eine gute Erziehung genossen, war von klein an in der Mission aufgewachsen und spielte Harmonium, Geige und Trompete. Es war mir einfach unmöglich, einen so gebildeten Mann wie jeden anderen Hotten-totten mit „Du“ anzureden und ganz gefühlsmäßig sagte ich „Sie“ zu ihm. Es ist nicht die Hautfarbe, sondern der Bildungsgrad eines Menschen, der den Rassenunter-schied überwinden hilft.
Johannes Christian Goliath war eine historische Per-sönlichkeit des deutschen Schutzgebietes. Im Jahre 1883 war er Schulmeister in Bethanien und hatte die Ver-handlungen zwischen Vogelsang und dem Kapitän Joseph Fredericks über den Verkauf von Angra Pequeña miterlebt. In den Aufstandjahren 1905/06 hat er durch seine Klugheit und Besonnenheit den Bersebaer Stamm vom Kriege gegen uns ferngehalten, obwohl die altein-gesessene Dynastie der Isaaks zur Teilnahme am Auf-stand drängte. In Anerkennung seiner Verdienste er-nannte ihn die deutsche Regierung zum Kapitän der Bersebarer Hottentotten und schuf so einen Ausgleich gegen die Isaaks, der beide Parteien in Schach hielt.
Als am dritten Tag die Kiste Bier zur Neige ging, sattelte ich mein Pferd und ritt nach Bethanien zurück. Link gab mir noch zur Komplettierung seines Warenlagers eine Bestellung mit nach Lüderitzbucht. Was aus ihm ge-worden ist, habe ich leider nicht erfahren. Sicher ist er nach Beendigung seines Mietvertrages wieder nach Deutschland zurückgekehrt, denn Südwest war kein Land für zartbesaitete Dichter.«