Kamerun liefert die typischen tropischen Produkte wie Kautschuk, Ölpalmfrüchte und Kakao. Aus dem Deut-schen Kolonial-Lexikon erfahren wir die folgenden In-formationen über die Wirtschaft Kameruns:
Am Gesamthandel des Jahres 1912 entfielen 47 Milli-onen Mark auf den Handel mit Deutschland, und zwar 27,2 Millionen Mark auf die Einfuhr aus Deutschland und 19,8 Millionen Mark auf die Ausfuhr nach Deutsch-land. An zweiter Stelle stand England mit 5,5 Millionen Mark Einfuhr und 3 Millionen Mark Ausfuhr, also ein Gesamthandel von 8,5 Millionen Mark. Der Handel mit den übrigen Wirtschaftsgebieten ist sehr gering.
Die Entwicklung der Hauptausfuhrartikel zwischen 1907 und 1912 geht aus der nachstehenden Übersicht hervor. Es wurden ausgeführt (in Millionen Mark):
……………………..1907………..1912
Kautschuk ______ 7,6 _______ 11,4
Palmkerne ______ 2,8 ________ 4,4
Kakao __________ 2,7 ________ 4,2
Palmöl _________ 1,3 ________ 1,6
Elfenbein _______ 1,0 ________ 0,5
An erster Stelle steht danach dem Werte nach der Kautschuk. Er ist fast ganz von Eingeborenen produziert worden; die Europäerpflanzungen haben noch nicht 1 % zu der Ausfuhrmenge beigetragen. Durch den Gebiets-zuwachs seit 1912 ist die überragende Bedeutung des Kautschuks für die Ausfuhr noch verstärkt worden, da in Neu-Kamerun die Ausfuhr bisher zu einem noch größeren Prozentsatz aus Kautschuk (80 bis 90 %) bestanden hat als in Alt-Kamerun. und auch in Neu-Kamerun der Kautschuk ganz aus der Eingeborenen-produktion stammt. Wie lange der aus wilden Be-ständen stammende Kautschuk seine führende Stellung als Ausfuhrprodukt, die er seit 1904 inne hat, noch wird behalten können, ist sehr zweifelhaft, da er durch die Eingeborenen großenteils im Wege des Raubbaus ge-wonnen wird und eine wirksame Bekämpfung des Raubbaus sich bisher trotz aller Bemühungen der Regierung als nahezu unmöglich erwiesen hat.
Die starke Steigerung der Ausfuhr an Palmkernen in den letzten Jahren ist hauptsachlich auf das Fortschrei-ten des Eisenbahnbaues, der reiche Ölpalmgebiete er-schloß, zurückzuführen. Von der Palmkernausfuhr des Jahres 1912 gingen für etwa 3,5 Millionen Mark nach Deutschland, für 0,7 Millionen Mark nach England. Auch die Palmkerne stammen zum weitaus größten Teil aus Eingeborenenproduktion.
Die Ölpalmpflanzungen der Eingeborenen sind bisher von geringem Umfang und auf die Umgebung der Stationen beschränkt, wo Saatgut und junge Pflanzen an die Eingeborenen verteilt werden. Die Ausfuhr in Kakao in den letzten Jahren zeigt eine nicht sehr starke, aber stetige Zunahme. Von der Ausfuhr des Jahres 1911 waren für 2,8 Millionen Mark Pflanzungskakao und für 0,5 Millionen Mark sogenannter Handelskakao, das heißt auf Eingeborenenpflanzungen geernteter Kakao. Für 3,9 Millionen Mark gingen nach Deutschland, für 0,2 Millionen Mark nach England.
Die Eingeborenen ziehen den Kakao hauptsächlich in Gartenkultur, so daß der Anbau der einzelnen Besitzer durchschnittlich gering ist. Dadurch hat bisher die Auf-bereitung der Ernten gelitten. Eine planmäßige Organi-sation der Aufbereitung und Ausfuhr des Eingeborenen-kakaos läßt erwarten, daß in Zukunft für ihn eine bessere Marktbeschaffenheit erzielt wird.
Diese langsame Entwicklung der Palmölausfuhr gegen-über der bedeutenden Steigerung der Ausfuhr von Palmkernen wird darauf zurückgeführt, daß die zur Herstellung des Öles notwendige Arbeit von Männern geleistet wird und daß diese in den letzten Jahren in großer Zahl bei den Eisenbahnbauten beschäftigt waren, so daß für die Herstellung des Öles nicht genügend Arbeitskräfte vorhanden waren. Neuerdings wirkt die maschinelle Bearbeitung der Ölpalmfrüchte günstig auf die Ausfuhrzahlen für Palmöl ein. Von der Palmöl-ausfuhr des Jahres 1912 gingen für 0,7 Millionen Mark nach Deutschland und für 0,8 Millionen Mark nach England. Die Elfenbeinausfuhr zeigte wie überall an der westafrikanischen Küste seit Jahren einen Rückgang. Das ist einmal auf die strengeren Maßnahmen zum Schutze der Elefanten und auf das allmähliche Aufhören der Zufuhr sogenannten fossilen Elfenbeins (von längst verstorbenen Elefanten, deren Elfenbein aufgefunden wird) zurückzuführen. Ein großer Teil der Ausfuhr stammt aus Französisch-Äquatorialafrika, von wo das Elfenbein über das Kamerunische Garua ausgeführt wird. Gegen die genannten Ausfuhrartikel bleiben die übrigen wie Ebenholz, Njabinüsse, Kolanüsse, Schi-nüsse, Guttapercha usw. an Bedeutung weit zurück. Auch diese stammen ganz oder zum größten Teil aus der Eingeborenenproduktion.
Im März 1913 hält Hauptmann Hirtler, ehemals Offizier der Schutztruppe in Kamerun, einen Vortrag in Straß-burg über die Kolonie und sagt über ihre Schutztruppe, daß die Truppe Kamerun nicht nur erobert hat, sie hat sie auch erschlossen. Hirtler sagt, daß der Offizier drau-ßen nicht nur Soldat ist, er ist Arzt, Verwaltungsbe-amter, Sammler, Geograph, Astronom, Landwirt, baut Häuser, Wege usw. in kurzem gesagt: Alle Kulturauf-gaben war er zu lösen berufen.
Hirtler spricht auch über die Eisenbahnen in Kamerun und weist ihnen eine hohe Bedeutung zu. In Verbin-dung mit den Bahnen sieht er den Hafen von Duala, den er für vorzüglich hält, sobald die Barre, die flache Sand-bank vorm Hafen, entfernt sein wird. Er glaubt, daß die Verwirklichung der Bahn-Pläne in Verbindung mit dem weiter fortschreitenden Ausbau der Verkehrsstraßen dazu beitragen wird, die Kolonie in absehbarer Zeit ganz unabhängig vom Mutterland bezüglich Geldzuschüs-sen zu machen, wenn durch eine nicht überstürzte Eingeborenen-Politik friedliche Verhältnisse in Kame-run erhalten bleiben.
Er weist in seiner Rede die noch in weitesten Kreisen beliebte Unterschätzung der Farbigen zurück und findet warme Worte für die Eingeborenen. Hauptmann Hirtler hält das alte Wort Hermann Wissmanns, der in den 1880er und 1890er Jahren Afrikaforscher und Kolonial-beamter war: „Behandeln Sie den Eingeborenen als Menschen“, auch heute noch für die beste Mitgabe an den, der ins Innere von Kamerun geschickt wird.
Über die Entwicklung der Wirtschaft im Süden Kame-runs, daß heißt im tropischen Urwald des Landes, erfahren wir einiges von Georg Escherich, der 1913 im dortigen Urwaldgebiet Expeditionen durchführt:
»Von den Wegebauarbeiten, die wir beim Anmarsche von Abong Mbang [auf Dume (beide Orte im Bezirk Dume)] selbst beobachten konnten, habe ich schon gesprochen. Die neue Straße sollte annähernd 60 Kilo-meter lang als Automobilstraße ausgebaut werden, um im Anschluß an Neubauten anderer Bezirke schließlich eine für den Lasttransport brauchbare Autostraße zur Küste herzustellen. Dadurch würde der Transport von Lasten, der bisher 3—4 Wochen in Anspruch nahm und auf großen Strecken durch Träger betätigt werden mußte, künftig in 4 bis 5 Tagen möglich sein. Dies mußte einen vollkommenen Umschwung für die wirtschaft-liche Erschließung des ganzen Hinterlandes bedeuten. Auch sonst war das Bezirksamt [Dume] bestrebt, den Verkehr innerhalb seines Bereiches in jeglicher Hin-sicht zu erleichtern und zu sichern. Die Häuptlinge hatten die zu ihrem Dorfbereich gehörigen Straßen und Brücken in Ordnung zu halten und wurden für jegliche Nachlässigkeit in dieser Beziehung zur Verantwortung gezogen.
Mit den bisherigen Haupthandelsartikeln des Bezirkes [Dume], Elfenbein und Gummi, war auf die Dauer nicht auszukommen. Elfenbein war bei dem steten Rückgange des Elefantenbestandes von Jahr zu Jahr weniger gewor-den. Der Kameruner Gummi aber war infolge erhöhter Erzeugung auf südamerikanischen und indischen Plan-tagen nicht mehr absetzbar, da letztere weit billiger liefern konnten als der afrikanische Urwald. So mußte also die «Wirtschaft des Bezirkes sich gerade in ihrer bisherigen Hauptausfuhr vollkommen umstellen. Sehr richtig hatte Harttmann [Bezirkschef von Dume] er-kannt, daß für Dume, wie auch für ganz Südkamerun in Zukunft neben Holz in der Hauptsache Öl und Fett das aussichtsreichste Erzeugnis war. Öle und Fette konnten jetzt schon ausgeführt werden. Die wertvollen Edelhöl-zer freilich erst, wenn der Bezirk durch einen Schienen-strang aufgeschlossen war. Also wurde zunächst auf Ölbäume besonderer wert gelegt, und allein auf dem engeren Stationsgelände Dume über 5000 Stück ange-pflanzt.
Mit großem Erfolg hatte man auch den Anbau von Tabak und Kaffee begonnen. Von der ersten Tabakernte wur-den Anfang 1914 bereits mehrere Ballen zur Küste ge-sandt… Nach den Erfahrungen, die man in anderen Bezirken Südkameruns mit dem Tabakanbau gemacht hatte, ist anzunehmen, daß auch der Dume-Tabak zum mindesten gute Durchschnittsware abgab. Der erste Kaffee konnte … im Frühjahr 1915 geerntet werden, er hatte in jeder Hinsicht befriedigt. Sehr schön standen die Musterfarmen in Reis, Erdnüssen, Bananen, Kassa-das, Jams, Ananas und Sesam. Sie dienten neben land-wirtschaftlichen Versuchszwecken vor allem zum Un-terricht der Zöglinge der Regierungsschule [in Dume]. Der Erfolg war überall im Bezirk bemerkbar.
Auch der Viehzucht wendete das Bezirksamt [Dume] seine Aufmerksamkeit zu. Schweine, Ziegen und Schafe gediehen in Dume gut, das Großvieh dagegen hielt sich, der Tsetse halber, schlecht. Von Pferden und Rindvieh gingen jährlich bis zu 75 Prozent an der Tsetsekrankheit zugrunde, der Rest, der durchgekommen war, blieb an-scheinend weiterhin immun. Es lag nun nahe, zu versu-chen, durch Fortpflanzung derart immun gewordener Tiere eine gegen die Tsetse widerstandsfähige Rasse zu züchten.«