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Wirtschaft

Im März 1913 hält Hauptmann Hirtler, ehemals Offizier der Schutztruppe in Kamerun, einen Vortrag in Straß-burg über die Kolonie. Über Neu-Kamerun sagt er, daß es zur französischen Zeit von 1400-1500 farbigen Sol-daten und Polizisten besetzt gewesen sei, in der Haupt-sache Senegalesen. Land und Wirtschaft war vollkom-men in der Hand von französischen Konzessionsgesell-schaften, die ausschließlich auf ihren Gewinn gearbeitet haben. Die einheimische Bevölkerung war nur zur Ge-stellung von Arbeitskräften für die Konzessionsgesell-schaften da. Unsere Aufgabe wird es sein, in zielbewuß-ter, ruhiger, ebenso bestimmter wie humaner Weise die Eingeborenen uns dienstbar zu machen für die Kultur-arbeiten, an denen mitzuarbeiten sie berufen sind.

Nachteilig sind die französischen Konzessionsgesell-schaften in Neukamerun, deren Rechte 1912 vom Reich bestätigt wurden, weil sie die Handelsfreiheit stark ein-schränken. Die baldmöglichste Schaffung großer Reser-vate, die Hervorhebung des Überwachungsrechtes des Staates gegenüber den Konzessionsgesellschaften und geeignete Vereinbarungen mit ihnen hält Hirtler für die Mittel, dem Handel vorläufig den Zugang zu öffnen und die Eingeborenen vor der Ausbeutung durch die Gesell-schaften zu schützen, bis genauere Erkenntnisse weitere Maßnahmen an die Hand geben.

Die Neuerwerbung bezeichnet Hirtler als eine günstige, trotz der Konzessionen, wegen der neugewonnenen Wasserwege und den daraus sich ergebenden Anschluß an den Weltverkehr. Mit den 3000 km Schiffahrtswegen in der Neuerwerbung wird Deutschland kräftig in den Handel des zentralen Afrika eingreifen können.

Hirtler schließt damit, daß er ausführt, die Aufgabe, Neukamerun ebenso zu fördern, wie dies in Altkamerun geschehen sei, sei eine angesichts der natürlichen Wer-te, welche in der Neuerwerbung steckten, dankbare wie schwierige Aufgabe, weil ihre Lösung beweisen würde, daß deutsche Kolonisation auch dort noch leistungsfä-hig ist, wo die eines anderen Kulturvolkes versagt hat.