Kategorien
Die Menschen IV

Die eingeborenen Hauptstämme in den Tschadsee-gebieten sind die mohammedanischen Haussah, ein Handelsvolk, und die viehzüchtenden Fullah (Fulbe). Südwärts folgen die unter Fullahherrschaft stehenden Graslandstämme von Adamaua, von denen die Bata, Tikar, Beia und Wute die bekanntesten sind.

Die islamischen Fulbe teilen sich in die Bororo, die auf dem Land leben und Viehzüchter sind, und die Stadt-fulbe, Händler und Handwerker die eben in den Städten leben und gebildet sind durch ihre Schulen. Die Stadt-fulbe benutzen auch eine eigene Schrift mit arabischen Schriftzeichen. Bororo und Stadtfulbe verachten sich gegenseitig, aber sehen sich trotzdem als ein Volk an. Während die Stadtfulbe voll islamisiert sind, sind die Bororo viel lässiger im Umgang mit dem Islam oder häufig noch Heiden.

Kategorien
Leben und Ereignisse in der Residentur

In Bukoba ist der öffentliche Schlachtplatz stets von Aasgeiern belagert. Kaum haben sich die Metzger entfernt, so fällt die ganze Geierschar gierig über das geronnene Blut und den Mageninhalt her. Nach beendeter Mahlzeit starren sie vor Blut und Schmutz, fliegen zum Wasser, säubern sich und sitzen dann verdauend oft stundenlang mit hängenden Flügeln auf ihrem Platz.

Am Viktoriasee gibt es auch viele Enten und Gänse und der Regierungslehrer Rudolf Sendke schießt genug davon, damit sein Koch einen Steintopf immer mit Enten- und Gänsefleisch in Gallert gefüllt hat, auf daß die hungrigen Junggesellen zu Besuch beim Lehrer gut verpflegt sind, die deshalb auch gerne vorbeikommen.

Die Papageien am See sind als Wildbret bei den Schwarzen beliebt. Der Graupapagei mit seinem scharlachroten Schwanz wird aber auch als Käfigvogel gehalten. Insbesondere die Askaris in der Garnison Bukoba halten Graupapageien, weil sie die deutschen Befehle auf dem Exerzierplatz lernen und unbedarften, verschreckten Vorbeigehenden befehlen: „Achtung“, „Präsentiert das Gewehr“ und natürlich eine Palette deutscher Schimpfwörter im Kasernenhofstil wie „Schweinehunde, verdammte“.

Kategorien
Die Deutschen und ihre Verwaltung

Das Gebiet südlich des Tschadsees gehört zwar zur deut-schen Kolonie Kamerun, aber bis 1902 ist noch keine deutsche Regierungsexpedition in das Gebiet vorge-drungen. In dem ganzen Raum weit um den Tschadsee hat sich in Jahrzehnten der Araber Rabeh ein Reich zusammenerobert. Seine Hauptstadt ist Dikoa, welches durch Vertrag zwischen Deutschland und England Deut-schland zugesprochen ist. Es sind aber die Franzosen, die von ihren Kolonien Algerien und Äquatorialafrika aus gegen Rabeh vorgehen. Dabei kämpfen sie auch in englischen und deutschen Gebieten, aber diese beiden Kolonialmächte stehen auf Seiten Frankreichs bei der Niederringung von Rabeh, weil sie so kostenlos ihre Machtbereiche im Gebiet von den Franzosen von der Herrschaft Rabehs befreit bekommen. Die Entschei-dungsschlacht zwischen Rabeh und den Franzosen fin-det am 22. April 1900 bei der Stadt Kusseri auf deut-schem Boden statt. Dabei wird Rabeh getötet und ein senegalesischer Soldat der Franzosen bringt zum Beweis seines Todes seine rechte Hand und seinen abgeschnit-tenen Kopf auf einer Lanze aufgespießt herbei. Auch der französische Oberkommandierende Amédée-François Lamy fällt in der Schlacht und ihm zuehren wird die französische Neugründung gegenüber von Kusseri auf der anderen Flußseite des Logone auf französischem Gebiet Fort Lamy genannt.


Am 21. Oktober 1902 bricht Oberleutnant Hans Dominik zur Erkundung der noch nicht durch ihn und andere deutsche Beamte und Offiziere bereisten und unter deutsche Herrschaft gestellten Gegenden der deut-schen Tschadseeländer auf. Die Expedition hat Geschen-ke und Tauschwaren dabei, um freundschaftliche Bezie-hungen mit den Völkerschaften, die zum Teil noch nie einen Weißen gesehen haben, aufzunehmen. Die Expe-dition besteht außer aus Dominik aus einem weiteren deutschen Offizier, Sergeant Fischer, und an farbigen Kolonialsoldaten sind es acht Reiter, 25 Fußsoldaten und die nötigen Träger. Häufig genug trifft die Expedition auf eine mißtrauische, verängstigte und feindselige Bevöl-kerung, eingeschüchtert durch die Raubzüge und Skla-venjagden der Fulbe und Araber. Oft flüchtet die Bevöl-kerung, so sie kann. Dieser Osten der deutschen Tschad-seeländer ist von unzähligen Wasserläufen, Teichen, Tümpeln und Sümpfen durchzogen, die schließlich in den Tschadsee münden und beherbergt die ganze Fülle der afrikanischen Tierwelt. Antilopen, Gnus, Giraffen, Elefanten, Nashörner und Löwen begegnet Dominik mit seinen Gefährten. Noch vor kurzem sind Sklavenjäger aus dem französischen Gebiet kommend durchgezogen. Man zieht bis zum äußersten Ende des Entenschnabels, einem nach Osten in französisches Kolonialgebiet hi-neinreichendes deutsches Territorium, und dann zu-rück nach Garua. Auf dem Weg nach Garua wird in Kalfu der letzte Widerstand der Fulbe gebrochen. Zu Weihnachten 1902 ist die Expedition zurück. Dominiks Begleiter Fischer ist auf der Expedition am meist tödlich verlaufenden Schwarzwasserfieber erkrankt und stirbt am 13. Januar 1903 in Garua.


Von den Franzosen war im Gebiet von Bornu Chefu Garbai als Sultan eingesetzt worden, der dann in das von den Engländern neugegründete Maiduguri übertritt und von den Deutschen wird für Deutsch Bornu Chefu Omar Sanda als Sultan mit Sitz in Dikoa eingesetzt. Natürlich entfaltet der Sultan seines Standes gemäß alle Pracht des Orients an seinem Hof. Wenn er am Freitag zum Gebet vor die Stadt zieht bietet sich nicht nur dem einfachen Volk, sondern auch den Deutschen vor Ort, ein prachtvolles Bild. Auf einem reich geschmückten Pferd sitzend paradiert seine Repräsentationstruppe am Sultan vorbei. Sein unmittelbares Gefolge waffenstrot-zend, auf prächtigen Pferden, in bunten Gewändern. Dann Musikanten und Kesselpauker zu Pferde, Eunu-chen und ein Zwerg in Soldatentracht. Weiter schreiten riesenhafte Soldaten aus der einstigen Armee Rabehs einher mit Fahnen, auf die Koransprüche genäht sind. Die Reiterei des Sultans ist in prächtige Gewänder gehüllt. Araber zu Fuß und zu Pferd folgen, die Fußleute mit Bogen bewaffnet, die Reiter mit leichten Wurf-speeren und langem Schwert. Auch Kamelreiter sind dabei mit langen Lanzen bewaffnet, am Sattel hängend mächtige viereckige Schilde aus Giraffenleder. Schließ-lich Baghirmi-Leute mit Schwertern in Krokodilhaut-scheiden und mehrzackigen Wurfeisen über der Schul-ter. Die Festtagsrepräsentation demonstriert der stau-nenden Volksmenge aus den verschiedenen Völker-schaften in den Deutschen Tschadseeländern die Macht des Sultans. 

Kategorien
Wirtschaft und Verkehr

1905/06 bereist Hauptmann Carl Zimmermann in seiner Eigenschaft als Resident von Adamaua das Mandara-gebirge. Er beschreibt zunächst in seinem Bericht die Heidenvölker im Gebirge als arbeitssames Bauernvolk. »Ihre Farmen sind Musterleistungen.« Weiter schreibt Zimmermann: »Dieses Volk in die pockenverseuchte und von ihm verabscheute Ebene zu verpflanzen, um es den Fulbe dienstbar zu machen und Ruhe vor seinen bisherigen Räubereien zu haben, wie dies vorgeschlagen worden ist, hieße ihm den Todesstoß versetzen und der wirtschaftlichen Entwicklung des Bezirks einen schwe-ren Schaden zufügen. Heidenorte wie Packa, Kamale, Mogundi, Humumsi usw. schätze ich auf je 3000 bis 4000 Einwohner und die Gesamtzahl der Mandarabe-wohner überschläglich auf ¼ Million niedrig gerechnet. Wie es nun hier gelungen ist, mit einer großen Anzahl von Heidenorten friedlich in Verbindung zu treten und sie davon zu überzeugen, daß der Weiße nicht als ihr Feind ins Land gekommen ist, trafen gleich günstige Berichte vom Posten in Ssagdje über seine friedlichen Erfolge bei den Bewohnern des Ssari-Massivs ein, die er auf etwa 200.000 Köpfe schätzt. Damit werden die bis-herigen Räubereien, die im Grunde genommen nur Wiedervergeltungsakte sind, ganz von selbst aufhören. Notwendig ist die dauernde Verbindung der Regierung mit den Heiden, um sie durch die Ausbeutung durch die Fulbes zu schützen, ihre Klagen anzuhören und ihr Vertrauen zu gewinnen sowie diese große Arbeitskraft schon jetzt auf die wirtschaftlichen Ziele des Bezirks zu richten. So habe ich sofort dem Posten in Ssagdje mehrere Lasten Baumwollsaat zugehen lassen und dort ebenso wie in den von mir bereisten Gegenden eine Belohnung von 2 Mark für je 20 Kilogramm entkernte Baumwolle ausgesetzt. Die schwache Seite des Volkes ist die Selbstherrlichkeit des einzelnen und die Ohnmacht seiner nominellen Oberhäupter, die uns zur Zeit noch nötigen, die einzelnen Heidenorte, unter Kontrolle, den Fulbeherrschaften zu belassen. Die wirtschaftliche Zu-kunft des Bezirks liegt aber zweifelsohne in den Händen dieser kräftigen und aufstrebenden Bergbewohner und ist damit auf eine gesündere und besser gesicherte Grundlage gestellt, als die im Niedergang befindlichen Fulbes bislang boten.«