Aus dem Deutschen Kolonial-Lexikon erfahren wir über die Schutztruppe von Kamerun:
»Das Personal der Kameruner Schutztruppe bestand im Jahre 1912 aus 175 Weißen (Reichsangehörigen) und 1550 Farbigen, eingeteilt in 12 Kompagnien, davon eine, die 12., nur vorübergehend bewilligt. Der Kommandeur und Stab der Schutztruppe hat seinen Sitz in Soppo. Dem Kommando der Schutztruppe war bis vor kurzem auch die in Duala stehende Polizeistammkompagnie unter-stellt.«
Wie die Schutztruppen in den anderen Kolonien ist auch die Kameruner Schutztruppe, um nicht einfach nur neben dem militärischen Drill und Geländeübun-gen die meiste Zeit sinnlos in der Kaserne zu verbrin-gen, mit vielen nützlichen Arbeiten beschäftigt, haupt-sächlich Bauarbeiten aller Art und Wegebau, die den Soldaten auch handwerkliche Fähigkeiten für die Zeit nach ihrem Soldatendasein mitgeben und so auch die Kasse des Schutzgebietes entlasten und zur wirtschaft-lichen Entwicklung beitragen.
In den Stationen der Truppe wird sorgfältig auf Gesund-heitspflege und Seuchenbekämpfung geachtet. Kranke Soldaten sind weder im Kampf noch für die Arbeits-leistungen der Schutztruppe zu gebrauchen. Die Wohn-stätten, Küchen, Trinkwasser- und Abortanlagen stehen unter ständiger Kontrolle und auch Körper und Klei-dung der Soldaten werden regelmäßig untersucht.
Eine große Veränderung ergibt sich als mit der Über-nahme von Neukamerun 1912/13 Kompanien der Schutz-truppe zur militärischen Sicherung und Verwaltung in das neue Gebiet der Kolonie verlegt werden. Entspre-chend wird die Truppe im alten Kameruner Gebiet ausgedünnt. Der Reichstag beschließt daher mit der Gebietsübernahme auch die Vergrößerung der Schutz-truppe von 10 auf 12 Kompanien.
Ein Bericht vom August 1913 des Kommandanten des Kleinen Kreuzers Bremen stellt unter anderem fest, daß in der ganzen Kolonie der Landfriede hergestellt sei. Kämpfe zwischen den Stämmen oder Aufstandsver-suche werden von der Kolonialregierung auch offen-sichtlich nicht erwartet, denn von den 12 Kompanien der Schutztruppe mit insgesamt etwa 1750 Mann – fast zu 90 % farbige Soldaten – ist überhaupt nur eine einzige militärisch einsatzfähig, die 4. Kompanie in Soppo. Die meisten anderen sind im Verwaltungsdienst im Inneren der Kolonie eingesetzt. Das Gouvernement will aber allmählich den gesamten Verwaltungsdienst, der derzeit von der Schutztruppe ausgeführt wird, durch Polizei-soldaten ausüben lassen, so daß die Schutztruppe wieder zu ihrer eigentlichen Aufgabe, der militärischen Siche-rung im Inneren, fähig ist.
Kamerun ist eine sehr große Kolonie mit geschätzten über vier Millionen Eingeborenen als Einwohnern und hat aber 1913 nur eine Kompanie mit etwa 120 eingebo-renen Soldaten und ein paar deutschen Offizieren als Kampftruppe einsatzfähig. So sieht es das Gouverne-ment als geraten an als Demonstration militärischer Stärke 150 Marinesoldaten der im August 1913 gerade zu Besuch in der Kolonie weilenden SMS Bremen die bei-den Eisenbahnlinien der Kolonie einmal abfahren zu lassen, um die Inlandbewohner mit der Masse an wei-ßen Soldaten zu beeindrucken.