Der Süden Togos und der Norden sind von der Bevöl-kerung her verschieden. Ist der Süden seit Jahrhun-derten den Verkehr mit Weißen gewöhnt und vom einheitlichen Stamm der Ewe bewohnt, so ist der Nor-den mohammedanisch, von verschiedenartigen mehr kriegerischen Stämmen bewohnt und in der allgemei-nen Entwicklung weit zurück. Die deutsche Regierung will dort im Norden ungestört ihr Aufbauwerk in ihrem Sinne durchführen. Neben der Erschließung des Landes durch Straßenbau mit Hilfe der durchzusetzenden Steuerarbeit werden in den Versuchsgärten der Statio-nen die Anbaumöglichkeiten von exportfähigen Tropen-erzeugnissen wie Kaffee, Kakao und Sisal auf groß ange-legten Versuchsfeldern erforscht. Der Anbau von Baum-wolle, die Kultur von Ölpalmen, Erdnuß und die Nut-zung der Früchte des im Hinterland häufig vorkom-menden Schibaums wird untersucht und die Hebung der im Norden verbreitet vorhandenen Viehzucht ins Auge gefaßt. Die Häuptlinge im Sperrgebiet müssen die ihnen gegebenen Belehrungen über die Vermehrung oder Einführung von exportfähigen landwirtschaftli-chen Erzeugnissen an die Bevölkerung weitervermit-teln für die Zeit der Wiedereröffnung und Erschließung des Landes im Sinne der deutschen Herrschaft. Auch 1914 ist das nach den Maßgaben der deutschen Verwal-tung zu entwickelnde Sperrgebiet im Norden noch für den über den erlaubten Verkehr hinausgehenden ein-heimischen südtogolesischen wie weißen Einfluß durch Handel und Mission entzogen. Mit dem Verbot der christlichen Missionierung im Norden ist auch ein Zusammenstoß mit dem sich dort ausbreitenden Islam vermieden und entsprechende Unruhe verhindert. 1914 wird aber die Aufhebung des Sperrgebietes erwogen auch mit Hinsicht auf den für 1915 geplanten Beginn der Verlängerung der Hinterlandbahn Lome-Atakpame in die Nordbezirke. So ist das Ende der Sperrung der beiden Nordbezirke abzusehen. Auch geht man davon aus durch die Hinterlandbahn das Eisenerzgebiet bei Bassari für den Abbau erschließen zu können. Zahl-reiche Berichte über die Notwendigkeit der Fortsetzung des Bahnbaus bis Banjeli im Eisenerzgebiet gehen an das Reichskolonialamt ab, aber der Reichstag zögert immer wieder mit der Bewilligung der erforderlichen Mittel. Überall in der Umgebung von Banjeli stehen die aus Lehm gebauten einige Meter hohen runden Hochöfen. Die dort lebenden Bassari verhütten das Eisenerz in den kleinen Hochöfen, die mit Holzkohle befeuert sind, wohl schon seit Jahrhunderten zu Eisen und verkaufen es oder schmieden es selbst weiter zu Waffen, Acker-hacken, Schmuck und anderen eisernen Gegenstän-den. Passend dazu wird im Bassari-Land und im süd-östlich angrenzenden Sokode-Gebiet des Tschaudjo-Reichs hervorragendes Hirsebier gebraut und zur Geschmacksverbesserung mit Honig versetzt. In mäch-tigen Tontöpfen, die den weiten Transport lohnen, wird das von den Frauen ausgeübte Brauwesen auch von Frauen zu den Märkten der Bassari gebracht, wo die Schmiede und Erzgießer zu den Hauptabnehmern des Bieres gehören.
In den von ihnen bewohnten Ebenen des Nordens der Kolonie Togo führen die Kabre und Losso eine jeden Boden ausnutzende intensive Landwirtschaft und wer-den als die tüchtigsten Ackerbauern im tropischen Afrika angesehen. Auf hügeligerem Gelände sind die Abhänge terrassenförmig angelegt. Offensichtlich machte Mangel an fruchtbarem Land sie zu hervor-ragenden Ackerbauern. So ist angedacht die Kabre und Losso auch außerhalb ihres Siedlungsgebietes an der Strecke der noch zu bauenden Hinterlandbahn anzu-siedeln, um mit ihrer intensiven Landwirtschaft auf noch ungenutzten Böden der nördlichen Kolonie ex-portfähige Güter zu erzeugen.
Wird die Erdnuß in ganz Togo in geringen Mengen angebaut, so ist sie in den trockenen Nordbezirken für die Bevölkerung doch wichtiger als im Süden, da sie im Norden, wo keine Ölpalme wächst, auch als Öllieferant dient. Die deutsche Verwaltung der Nordbezirke ver-spricht sich von der geplanten Verlängerung der Bahn in den Norden vom vorgesehenen erweiterten Erdnuß-anbau dann ein gutes Exportprodukt.
Die beiden menschenreichsten Landschaften des Be-zirks Mangu, die Landschaften Moba und Gourma mit zusammen 100.000 Eingeborenen, sind auch die Haupt-anbaugebiete für Erdnuß im Norden. Aus Mangel an anderen exportfähigen Kulturen kann die Erdnuß eine große Zukunft im Gebiet haben. Anfang 1914 wird auf dem Hamburger Markt für 100 Kilo geschälte Erdnuß aus Westafrika 32 Goldmark gezahlt, für 100 Kilo Mais dagegen nur 11,8 Goldmark. Die Hochwertigkeit der Erdnuß läßt also auch die Kosten des langen Bahn-transports aus Nordtogo zur Verschiffung nach Lome zu.
Da es in den Nordbezirken der Kolonie keine Tsetse-fliege gibt wird Vieh gehalten. Es handelt sich bei den heimischen Rindern um zwei Rassen von einer Schulter-höhe von je nur 100 cm bis 110 cm. Der größte Vieh-bestand existiert im Bezirk Mangu-Jendi, wo 1908 bei einer Viehzählung ein Bestand von rund 50.000 Stück festgestellt wurde. Bei der gleichen Zählung wurden im Bezirk Mangu-Jendi auch rund 200.000 Schafe gezählt.
In den Bezirken Sokode-Bassari, Mangu-Jendi und Kete-Kratschi ist das Bedürfnis für befahrbare Straßen noch gering. Es wurde daher auch nur im Sokodebezirk die südliche Hauptverbindungsstraße Sokode-Atakpame bis zur Bezirksgrenze und die Straße Aledjo-Bafilo für Wagenverkehr ausgebaut und beschottert. Die Gesamt-länge der fahrbaren Straßen beträgt 120 Kilometer.
Zwei Straßen nehmen von der Bahnstation Palime im Süden Togos ihren Ausgang nach Norden. Die eine führt am Ostrand des Gebirges über Atakpame in das Hinter-land nach Sokode und die zweite gut ausgebaute Straße geht von Palime über die Station Misahöhe nach Kpandu. Von Kpandu führt der Westgrenze der Kolonie entlang eine Straße schwächeren Ausbaues nach Kete-Kratschi, der deutschen Zollstation am Volta, der Grenze zur britischen Goldküste, und von da weiter über Bimbila, Jendi nach der nördlichsten Station Sansane-Mangu.
Wegen des Erfolges des Togo-Kapoks auf dem deut-schen Markt seit 1910 läßt die Station Mangu die Straße Mangu-Jendi alleeartig mit dem schnellwachsen den Seidenbaumwollbaum bepflanzen.
Bereits 1909 kann man auch wegen der guten Erfah-rungen mit dem ersten Forst im Süden Togos zwei weitere Aufforstungen beginnen. Diesmal im hohen Norden des Schutzgebietes in den Bezirken Sokode Bassari und Sansane Mangu. Die Aufforstung in Sokode Bassari wird allerdings 1910 wieder eingestellt, weil die Trasse der Hinterlandbahn durch das Gelände des zu-künftigen Waldes gelegt werden soll und man erst die endgültige Festlegung der Trasse abwarten will, um nicht Wald anzulegen, der dann dem Bahnbau wieder zum Opfer fällt.