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Safaris

Ein deutscher Missionar schreibt über die Hauptschwie-rigkeit jeder Safari, die Lebensmittelversorgung der Reisenden: »Leicht war es gewiß auch nicht immer, denn wenn plötzlich 50, 100 oder gar noch mehr Fremde auftauchten, die versorgt werden mußten, so gab das in bestimmten Jahreszeiten und unter diesen und jenen Verhältnissen oft große Schwierigkeiten. Das waren die allerunangenehmsten Aufgaben einer Safari, wenn etwa die Bevölkerung zum passiven Widerstand griff, sei es aus Scheu vor denen ihnen unbekannten Weißen, die sie für Geister hielten, für wiedererstandene Tote – sie halten auch die Gespenster für weiß wie hier in Europa und neigen deshalb dazu, einen Europäer als Geist-wesen zu betrachten – oder sei es aus dem bewußten Willen heraus, dem landfremden Eindringling Schwie-rigkeiten zu machen. Dann konnte es vorkommen, daß man bis in die Nacht hinein wartete, ob nicht von den Einheimischen Lebensmittel zu erhalten wären. Die Träger murrten ob ihres knurrenden Magens willen, sie neigten schon dazu, sich mit Gewalt von den Feldern oder auch aus den Hütten zu holen, was sie für die Stillung ihres Hungers brauchten. Wenn man für solche Fälle nicht Lebensmittel für die ganze Karawane mit sich führte – und wer konnte das für eine längere Reise? – so mußte man alles aufbieten, um die Speise zu be-schaffen. Das ging leider nicht jedesmal ohne Zwang ab. Viele böse Zwischenfälle im Verkehr der Weißen mit den Einheimischen sind auf solche Gründe zurückzu-führen.«

Im August 1907 ist der Schutztruppenoffizier Heinrich Fonck im mittleren Tansania auf Expedition am Fluß Ruaha. An den Wasserfällen von Gomaïtale, »dessen Brausen und Donnern jeden Laut verschlang, und der im Verein mit den gigantischen, wie von Zyklopen-händen durcheinandergewirbelten Felsblöcken einen unvergeßlichen Eindruck hinterließ«, und den Fonck als erster Weißer zu Gesicht bekommt, wohnen die Wavin-sa. Die Wavinsa berichten Fonck und seinen schwarzen Trägern, daß jeder, der nicht das Wohlwollen der mäch-tigen Geister des Wasserfalls durch ein Opfer erwirbt, des Todes ist »und die sonst immer lachenden Träger lauschten ernst und still geworden mit leisem Schauer ihren Worten. Und nun erlebte ich ein merkwürdiges Vorkommnis, welches in meiner Erinnerung stets auf-taucht, wenn ich an die Gomaïtalefälle zurückdenke. Ich hatte den Fluß schon oberhalb des Hauptfalles über die Felsen kletternd durchwatet und suchte gerade einen Lagerplatz aus, als der Trägerführer zu mir kam und mich bat, den Gebrauch der Eingeborenen zu folgen und dem Geiste zu opfern. Und zwar müßte ich ein Stück Stoff opfern, da ich – wie jeder Europäer – reich sei, für die mittellosen Träger genüge ein geringeres Zeichen ihrer Opferwilligkeit. Da ich die Eingeborenen nun doch nicht in ihrem Gespensterglauben bestärken konnte, wandte ich ein, daß es keine Geister gäbe und ich nichts opfern würde. Der Führer erklärte, daß dann der Geist des Flusses einen Mann der Karawane töten würde. Bald darauf sah ich sämtliche bereits eingetroffenen Träger und Askaris als Opfer Grasbüschel unter einen mächti-gen, geneigten Felsblock, dem Sitze des Geistes, nieder-legen. Ich beteiligte mich natürlich nicht, sah aber noch, wie der ganze Raum unter dem Felsen bereits voller solcher und ähnlicher ›Opfer‹ war. Eine halbe Stunde später trug man die Leiche eines meiner Träger an mein Zelt! Der vorher ganz gesunde Mann war bis an die Fälle gekommen, hatte seine Last zur Erde gleiten lassen, sich daneben gelegt und war wenige Augenblicke später tot.

Gegen das Ansehen des Geistes von Gomaïtale konnte ich nun nichts vorbringen, und man wird mir im Stillen die Schuld gegeben haben. Die Todesursache des Man-nes blieb fraglich, da nichts Auffälliges zu bemerken war. Er war anscheinend einem Herzschlag erlegen, und ein eigenartiger Zufall hatte Zeit und Ort seines Endes in Übereinstimmung mit dem Glauben der Schwarzen und den Worten des Trägerführers gebracht.«

Um die Jahreswende von 1907 auf 1908 ist Heinrich Fonck auf der Jagd nach Flußpferd und Krokodil am Rufiji südlich von Daressalam. »Diesmal wollte ich nur beobachten und überhaupt nicht schießen.« Er fand eine Flußstelle »wo eine Ansammlung von Krokodilen zu erkennen war. Hier lag irgendeine Beute tief am Grunde des Flußarmes ganz unter Wasser. – Alle paar Minuten kam ein Krokodil langsam, den Kopf fast senkrecht aus dem Wasser streckend, hoch. Unter lautem Schmatzen löste es die zwischen den Zähnen eingeklemmten Fleischstücke und Hautfetzen ab, die dann verschluckt wurden. Alles dies vollzog sich, ohne besondere Gefrä-ßigkeit erkennen zu lassen, ganz ruhig und sozusagen gemütlich. Mit welcher Spannung ich, wie selbst die seelenruhigen Neger, diesem nie geschauten Frühstük-ke folgten, kann sich der Leser wohl ausmalen. Ebenso auch, was es zu bedeuten hat, wenn das Unglück einen Menschen in einer solcherweise belebten Gegend ins Wasser fallen läßt.

Die Sonne stand schon hoch, als wir uns ungern von diesem packenden Naturschauspiel trennten.

Aber ich hatte auf einmal ein ›Telegramm‹ in der Hand!

Zwei von Daressalam aus beschleunigt durch den Busch in Marsch gesetzte schwarze Eilboten hatten mich in ihrer staunenswerten Findigkeit beklagenswerterweise grade aufgestöbert, als ich beschlossen hatte, in dieser vergnüglichen Filmgegend zwei weitere, von mir bei mir beantragte und umgehend mir von mir genehmigte Ruhetage im höchster Gemütsruhe auszukosten. Sie waren großartig gelaufen und überreichten mir – in der Annahme, eine seltene Freudenbotschaft gebracht zu haben – strahlend den üblichen gespaltenen Baumast, in dessen Schlitz schön wasserdicht verpackt in schwar-zem Wachstuch ein verdächtiger barua (Brief) für mich enthalten war, den ich, durch Erfahrung gewitzigt, mit Mißtrauen entnahm und unter starkem Mißvergnügen las.

Ein sofortige Rückkehr heischender Drahtspruch war der traurige Inhalt, der mir nicht zusagen wollte. Daß man beim Gouvernement einer eventuellen Ausrede, das Telegramm nicht erhalten zu haben, da ›vermutlich‹ die Boten vom Krokodil gefressen worden seien, Glau-ben schenken würde, darauf konnte ich mich nicht verlassen. Zehn Jahre früher wäre das noch gegangen und ist damals auch einmal behauptet und – geglaubt worden. Damit war es also nichts, und es mußte geschie-den sein vom köstlichen Busen der Natur am Rufiji, wo ich himmlisch allein mit meinen vierzig schwarzen Biederseelen sozusagen ohne Stehkragen so restlos glücklich war, wie man das eben nur in Afrika sein kann.«

Am Ruaha hat der Großwildjäger Hans Schomburgk Mitte 1908 einen jungen Elefanten gefangen. Dafür hat er die Mutter des Kleinen erschossen. Am 16. August 1908 beginnt Schomburgk die Reise vom Ruahu-Fluß im südlichen Teil des mittleren Deutsch Ostafrika nach Daressalam mit dem von ihm gefangenen ganz jungen Elefanten, der Jumbo getauft wird. Um schneller voran-zukommen zieht die Karawane mit dem gefangenen Elefanten auf einer Barabara, eine von der deutschen Kolonialregierung angelegten Landstraße, bis Iringa, der ersten Marschstation. In Iringa muß eine Pause eingelegt werden, weil sich der Elefant auf der harten Straßenoberfläche die Füße wund gelaufen hat. Deshalb werden ihm Schuhe aus mehreren Lagen mit Paraffin getränkter Sackleinwand unter die Fußsohlen gelegt und mit Säcken an den Beinen befestigt.

Größtenteils in Nachtmärschen geht es dann nach Kilossa und weiter zur derzeitigen Endstation der Bahn im Landesinneren in Morogoro. Von Morogoro geht es mit der Bahn nach Daressalam. In Daressalam muß auf das Schiff nach Europa gewartet werden. In der Haupt-stadt von Deutsch Ostafrika ist der kleine Elefant eine Attraktion und bald der Liebling der Bevölkerung bei seinen täglichen Streifzügen durch die Stadt. Wegen einer nebensächlichen Schuldangelegenheit wird Schomburgk aber der Elefant gepfändet. Zur Sicherung des Pfands wird auf ein Pappschild der Kuckuck des Gerichtsvollziehers geklebt und dieses Pappschild dem Elefanten mit einer großen Schleife an den Schwanz gebunden.

Mit seinen beiden schwarzen Wärtern geht das Tier tagtäglich durch die Stadt und bildet für alle Einwohner, namentlich für die Kinder, eine Quelle der Freude und Belustigung und wird auch fotographiert. Er dient auch als Werbeträger etwa mit Papptafeln an seinen Seiten mit der Aufschrift: Heute frische Wurst und Well-fleisch.

Oft bilden sich Menschengruppen um das junge Tier und es werden ihm Leckerbissen zugesteckt. Kommen dem Elefanten bei solchen Gelegenheiten seine Wärter, die manchmal absichtlich weitergehen, aus der Sicht, so läßt er plötzlich ein ängstliches Trompeten hören, trabt ihnen nach und reibt sich dann kameradschaftlich an den glücklichen Eingeborenen.

Schließlich geht Jumbo als erster ostafrikanischer Ele-fant mit einem Tiertransport von Hagenbeck mit vielen anderen Tieren mit dem Schiff nach Europa und kommt in den von Hagenbeck angelegten Zoologischen Garten von Rom, wohin er den Elefanten verkauft hat.

Als in Deutsch Ostafrika Ende August 1908 der Groß-wildjäger Hans Schomburgk von einer monatelangen Safari zurückkommend sich mit seiner Karawane für den Einzug in Morogoro besonders vorbereitet hat, die Schwarzen mit bunten Tüchern geschmückt, einem gefangenen jungen Elefanten und Elfenbeinträgern mit etwa zwanzig Elefantenstoßzähnen voran, die Stadt er-reicht steht am Eingang der Stadt ein Mann mit einem Kasten auf drei Beinen und dreht an einer Kurbel am Kasten. „Gucken sie nicht ins Objektiv, sagen sie ihren Begleitern, sie sollen ruhig weitergehen!“

So bekommt Schomburgk, der ein begeisterter Fotograf ist, zum erstenmal eine Filmkamera zu Gesicht. Der Kameramann ist der deutsche Filmpionier Schumann.

Schumann hatte sich für das Entwickeln seiner Filme an der Küste in einem alten Araberkeller mit dicken Mau-ern eine kleine Kopieranstalt eingerichtet. Dort trifft Schomburgk Schumann wieder um sich anzuschauen, wie so ein Kinofilm entwickelt wird. Schomburgk war bis jetzt noch nie in einem Kino gewesen, denn er lebt seit 1898 in Afrika. Der Film wird in dem Kellerraum gewässert und dann auf die Trockentrommel gespannt. Ruhig und sachlich beginnen zwei gut eingearbeitete Neger die Trommel zu drehen und dann geschieht vor Schomburgks Augen das Unglück. Die Schichten des Filmmaterials lösen sich voneinander und fliegen an die Wand. Das gedrehte Filmmaterial ist verloren. Unter einfachsten tropischen Verhältnissen Film zu entwik-keln ist undurchführbar. Schomburgk: »Das, was ich da erlebte, hätte eigentlich genügen müssen, mich für alle Zeiten von dem Ehrgeiz zu befreien, Filmaufnahmen im afrikanischen Busch zu machen.«

Mitte 1909 ist der Großwildjäger Hans Schomburgk wieder auf Elefantenjagd in Deutsch Ostafrika. Von Mahenge aus zieht die Karawane auf einer Barabara, einer von der deutschen Kolonialverwaltung angelegten Straße, zum Ulanga. In Mahenge hat Schomburgk Euro-päer bei der Arbeit beobachtet und gesehen, wie sie durch ihre Arbeit Werte schaffen, und ist zu der nieder-schmetternden Überzeugung gekommen, daß er als Großwildjäger nur Werte zerstört. Am 1. Oktober 1909 schießt Schomburgk am Ulanga nachts um 0 Uhr 40 im hellen Mondlicht auf freiem Feld seinen 63. und letzten Elefanten. Er hat seine neue Bestimmung gefunden und will Filme in Afrika drehen.

Zurück in Europa sieht Schomburgk zum erstenmal Kinofilme und auch in Afrika gedrehte englische und französische Filme, sogar einen handkolorierten franzö-sischen Farbfilm. Filmen in Afrika ist aber in keiner Weise mit dem Filmen in Europa vergleichbar. Die Film-pioniere in Afrika müssen deshalb teures Lehrgeld bezahlen. Die Expedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg hat zwar 1910/11 die besten Aufnahme-geräte dabei, aber keinen ausgebildeten Kameramann, und die oberflächlich im Filmen ausgebildeten Mitglie-der der Expedition scheitern an dieser Aufgabe in der afrikanischen Wildnis. Paul Graetz hat zwar 1911 bei seiner Afrikadurchquerung mit einem Motorboot einen Kameramann dabei, der wird aber von einem Büffel getötet. 

Die Jagd auf den Elefanten braucht Zeit, viel Zeit, wie der Schutztruppenoffizier und Großwildjäger Heinrich Fonck feststellt. Er schreibt: »So viel Zeit fand sogar während des Aufstandes 1905/06 ein am Rufiji tätiger Herr, daß er 17 Elefanten erlegte, die ich später an Ort und Stelle nachweisen konnte. Wieviele er außerdem krank schoß, weiß man nicht. Derselbe begründete diesen Betrieb mit der gemütvollen Erklärung: „Wenn ich sie nicht schieße, dann schießt sie ja ein anderer.“

1907 schoß ebenfalls am Rufiji ein »sogenannter Bur« 30 Elefanten in wenigen Monaten.

Im Bezirk Mahenge wurden von Europäern ebenfalls eine ganze Reihe von Elefanten erbeutet, die dem Hauptjäger, der immer unterwegs war und sich von guten Schützen helfen ließ, viele Goldmark eingebracht haben müssen. – Am Kilimandjaro war einige Jahre lang der Beschuß von Elefanten verboten. Wegen des Scha-dens, den sie dann in den Pflanzungen anrichteten, wurde die Jagd wieder gestattet, bis 1909 das neue Jagd-gesetz erfreulicherweise diese großartigen Geschöpfe Gottes wieder in Schutz nahm; einmal durch die hohe Jagdscheingebühr und dann durch die Beschränkung der Zahl der zum Abschuß freigegebenen Tiere auf zwei pro Jahr und Jagdschein. Aber wenn dieses Gesetz auch noch so gute Wirkungen zeitigt, der Elefant wird in Deutsch-Ostafrika langsam und sicher ausgerottet wer-den, denn die Bestände sind doch nicht groß genug, um auch den eingeschränkten Abschuß zu ergänzen, ge-schweige durch Mehrnachwuchs zu übertreffen.

Das immer im Preise steigende Elfenbein ist ein zu kost-barer Stoff, als daß nicht doch darauf gewildert werden kann und wird, in einem Lande, in welchem die Kontrol-le schwer ist. Als Wechselwild wird der Elefant an den Grenzen der ganz gesperrten Jagdreservate ebenfalls immer leicht abgeschossen werden können.«

Diese düstere Einschätzung Heinrich Foncks über die Zukunft des Elefanten in Deutsch Ostafrika wird zu der Zeit auch von anderen deutschen Fachleuten geteilt.

Über die nun Jahrzehnte zurückliegende Herrschaft der Araber in Ostafrika schreibt Fonck aus den von ihm in seiner Zeit als Schutztruppenoffizier in der Kolonie ge-hörten Geschichten von alten Arabern:

»Wurden, so lange die Welt besteht, um an Gold, Edel-steine oder sonstige Kostbarkeiten reiche Länder blu-tige Kriege geführt, so veranlaßte die Gier nach Elfen-bein in Innerafrika zahllose Kämpfe, Greuel, Mord und Brand. Nicht nur der Elefant wurde vernichtet, wo man ihn mit Pulver und Blei erreichen konnte; nein, um des Besitzes seiner Zähne willen wurden friedliche Dörfer überfallen und ausgeraubt, die sich zur Wehr setzenden Menschen umgebracht, soweit sie nicht gefesselt den Raub selbst erst forttragen mußten und später als Skla-ven verkauft wurden.

Hiervon gibt keine Chronik Kunde. Keine Aufzeich-nung, keine Urkunde wird jemals Zeugnis ablegen kön-nen, in welchem Verhältnis die Zahl der des Elfenbeins wegen geopferten Menschenleben zu der der getöteten Elefanten steht. Wie grausige Märchen hören sich heu-te die Erzählungen alter Araber an, welche jene Zeiten miterlebten.«

Im Januar 1914 landet Paul von Lettow-Vorbeck in Dares-salam, der neue Kommandeur der Schutztruppe von Deutsch Ostafrika. Er hatte als Offizier im Herero- und Hottentottenaufstand von 1904-1906 in Südwestafrika Erfahrung im Buschkrieg gesammelt. Als Militär hat er selbstverständlich die Möglichkeit kriegerischer Ver-wicklungen der Kolonie zu Bedenken und vorsorgliche Maßnahmen zu ergreifen. Die einzige ernsthafte Bedro-hung für das Schutzgebiet wäre ein Krieg gegen England mit seiner Kolonie Britisch Ostafrika, die nördlich an Deutsch Ostafrika anschließt. So geht Lettow-Vorbeck noch im Januar auf Besichtigungsreise in den Nordosten der Kolonie »nach Usambara, in das reiche Gebiet der deutschen Planzungen und weiter in die Gegenden des Kilimandjaro und des Meruberges«. Er findet »in dem Gebiet von Usambara, am Kilimandjaro und am Meru-berge freiwillige Schützenkorps in Bildung«. Alle »be-reit, sich im Kriegsfalle der Schutztruppe zu unterstel-len«.

Weiter beschreibt Lettow-Vorbeck: »Von Neu-Moschi, dem Endpunkt der Usambarabahn, bestieg ich den Kilimandjaro. – An dem oberen Rand des Urwaldes, bei dem 3000 m hochgelegenen Bismarckhaus, trafen wir das Malerehepaar Ruckteschell und ihren Schweizer Freund, die, vor großen Leinwänden mit dem Malen des Kilimandjaro beschäftigt, uns dort einen kleinen Imbiß gaben. Von diesem Bismarckhügel aus hatten wir einen herrlichen Überblick über die Steppe, sahen die Grenze des deutschen Gebietes, sahen weit ins Englische hinein und sahen auch die fernen Berge an der Ugandabahn. – Meine guten Träger, die nicht so schnell unseren Maul-tieren folgen konnten, sondern mit schweren Lasten müh-sam den Berg heraufkeuchten, ließen wir dann zurück und ritten mit dem Schlüssel für die Petershütte durch die kurze, grasbewachsene Steppe hinauf zum Plateau bis über 4000 m. Große Elenherden weideten dort ganz unbefangen und ohne Scheu vor Europäern, die ihnen in dieser Gegend mit der Jagd nichts anhaben durften. Auf dem Plateau herrschte gewaltige Kälte, und in der kleinen unbeheizten Petershütte, in der wir über-nachteten, war am Morgen das Waschwasser gefroren. Wir waren hoch über den Wolken und sahen unter uns das Nebelmeer wie eine leicht gewellte Schneedecke… – Ruckteschells erzählten mir von ihrem interessanten Aufstieg auf den Gipfel des Kilimandjaro, dessen Krater 2 km im Durchmesser hat, voll von Schnee und der merkwürdigsten Eisgebilde ist, und dessen Gipfel, die Kaiser-Wilhelm-Spitze, bisher nur vier Menschen er-stiegen haben. Die Schwierigkeit liegt in der dünnen Luft. Aber die Mühe hatte sich gelohnt, auch wenn sie vierzehn Tage lang hinterher an den Folgen ihrer son-nenverbrannten Gesichter schwer zu leiden hatten, nur Flüssiges, und diese auch nur durch Makaroniröhren zu sich nehmen konnten. Sie meldeten mir voll Stolz, sie hätten auf der Kaiser-Wilhelm-Spitze zum Zeichen ihres Aufstiegs eine Steinpyramide errichtet mit einem Gipfelbuch und auf diesem Steinhaufen die deutsche Flagge befestigt, die dort von nun an ›höchster Stelle‹ auf deutschem Boden wehen soll.«

Bereits bei der Erstbesteigung des Kilimandscharo durch Hans Meyer und Ludwig Purtscheller wurde am 6. Oktober 1889 die deutsche Flagge »auf den höchsten Punkt afrikanischer und deutscher Erde« gesetzt, wie Meyer schrieb, die aber im Laufe der vielen Jahre ver-schwunden ist.

Lettow-Vorbeck: »Nach meinem Abstieg reiste ich nach Aruscha, das am Meruberge liegt, einem Krater von der Höhe des Montblanc. Mehrere deutsche Pflanzer, zum Teil ehemalige Offiziere, die ich während meines Mar-sches auf ihren Besitzungen besuchte, bestätigten mir, daß alle dortigen deutschen Ansiedler im Kriegsfalle wertvolle Mithilfe leisten würden. – Die Gefechtsübun-gen im Eingeborenenkrieg lieferte ein Bild, welches von dem unserer europäischen Besichtigungen stark ab-wich. In Aruscha marschierte bei dieser Gelegenheit die Kompagnie durch dichten Busch, das Pori, und wurde nach Eingeborenenart auf dem Marsch überfallen. Der Feind wurde dargestellt durch Merukrieger, die im vollen Kriegsschmuck mit Lanzen und ihrem Kopfputz aus Straußenfedern sich versteckt hielten und dann auf wenige Schritte mit ihrem Kriegsgeheul die Safari, die Marschkolonne überfielen. – Der Eindruck dieser ersten Besichtigungsfahrt war der, daß militärisch noch vieler-lei vorzubereiten war, wenn wir für den Kriegsfall gegen England gerüstet sein wollten. Aber es herrschte die Mei-nung, daß wir mit England außerordentlich günstig ständen, und daß ein Krieg, wenn er überhaupt käme, in weiter Ferne läge. – In Boma la Ngombe, einem Ort zwi-schen Moschi und Aruscha, war eine Menge alter Askari noch vom verstorbenen Oberstleutnant Johannes ange-siedelt worden. Sie trieben dort meistens Viehhandel und waren zu Wohlstand gekommen. Die Nachricht von meinem Eintreffen war mir vorausgeeilt, und die Leute erschienen vollzählig, um mich bei meiner Ankunft zu begrüßen. – Der große Viehreichtum in der Gegend von Aruscha, in der Massaisteppe und bei Kondoa-Irangi zeigte mir, daß die Tsetsefliege, dieser Hauptfeind des ostafrikanischen Viehbestands, dort verhältnismäßig selten ist. Die Tsetsefliege überträgt durch Stich Para-siten in das Blut der Tiere, die daran eingehen oder siech werden. Der Viehbestand in diesem einen Bezirk Aruscha ist weit größer als derjenige von ganz Südwest-afrika. – Auf dem Zuge durch das ›Pori‹ lernte ich zu meiner Verblüffung die Tatsache kennen, daß ein spur-loses Verschwinden selbst im Inneren Afrikas nicht leicht ist. Ich war losgezogen, ohne zu hinterlassen, welchen Weg ich nehmen würde. Da erschien plötzlich während des Marsches mitten im Pori ein Eingeborener und brachte mir Post aus Europa. Die Eingeborenen geben einander Kunde von allem, was in ihrer Nähe vor sich geht.«

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Ein deutscher Missionar schreibt über die Hauptschwie-rigkeit jeder Safari, die Lebensmittelversorgung der Rei-senden: »Leicht war es gewiß auch nicht immer, denn wenn plötzlich 50, 100 oder gar noch mehr Fremde auftauchten, die versorgt werden mußten, so gab das in bestimmten Jahreszeiten und unter diesen und jenen Verhältnissen oft große Schwierigkeiten. Das waren die allerunangenehmsten Aufgaben einer Safari, wenn etwa die Bevölkerung zum passiven Widerstand griff, sei es aus Scheu vor denen ihnen unbekannten Weißen, die sie für Geister hielten, für wiedererstandene Tote – sie halten auch die Gespenster für weiß wie hier in Europa und neigen deshalb dazu, einen Europäer als Geist-wesen zu betrachten – oder sei es aus dem bewußten Willen heraus, dem landfremden Eindringling Schwie-rigkeiten zu machen. Dann konnte es vorkommen, daß man bis in die Nacht hinein wartete, ob nicht von den Einheimischen Lebensmittel zu erhalten wären. Die Trä-ger murrten ob ihres knurrenden Magens willen, sie neigten schon dazu, sich mit Gewalt von den Feldern oder auch aus den Hütten zu holen, was sie für die Stillung ihres Hungers brauchten. Wenn man für solche Fälle nicht Lebensmittel für die ganze Karawane mit sich führte – und wer konnte das für eine längere Reise? – so mußte man alles aufbieten, um die Speise zu be-schaffen. Das ging leider nicht jedesmal ohne Zwang ab. Viele böse Zwischenfälle im Verkehr der Weißen mit den Einheimischen sind auf solche Gründe zurückzu-führen.«


Im August 1907 ist der Schutztruppenoffizier Heinrich Fonck im mittleren Deutsch Ostafrika auf Expedition am Fluß Ruaha. An den Wasserfällen von Gomaïtale, »des-sen Brausen und Donnern jeden Laut verschlang, und der im Verein mit den gigantischen, wie von Zyklopen-händen durcheinandergewirbelten Felsblöcken einen unvergeßlichen Eindruck hinterließ«, und den Fonck als erster Weißer zu Gesicht bekommt, wohnen die Wavin-sa. Die Wavinsa berichten Fonck und seinen schwarzen Trägern, daß jeder, der nicht das Wohlwollen der mäch-tigen Geister des Wasserfalls durch ein Opfer erwirbt, des Todes ist »und die sonst immer lachenden Träger lauschten ernst und still geworden mit leisem Schauer ihren Worten. Und nun erlebte ich ein merkwürdiges Vorkommnis, welches in meiner Erinnerung stets auf-taucht, wenn ich an die Gomaïtalefälle zurückdenke. Ich hatte den Fluß schon oberhalb des Hauptfalles über die Felsen kletternd durchwatet und suchte gerade einen Lagerplatz aus, als der Trägerführer zu mir kam und mich bat, den Gebrauch der Eingeborenen zu folgen und dem Geiste zu opfern. Und zwar müßte ich ein Stück Stoff opfern, da ich – wie jeder Europäer – reich sei, für die mittellosen Träger genüge ein geringeres Zeichen ihrer Opferwilligkeit. Da ich die Eingeborenen nun doch nicht in ihrem Gespensterglauben bestärken konnte, wandte ich ein, daß es keine Geister gäbe und ich nichts opfern würde. Der Führer erklärte, daß dann der Geist des Flusses einen Mann der Karawane töten würde. Bald darauf sah ich sämtliche bereits eingetroffenen Träger und Askaris als Opfer Grasbüschel unter einen mächti-gen, geneigten Felsblock, dem Sitze des Geistes, nieder-legen. Ich beteiligte mich natürlich nicht, sah aber noch, wie der ganze Raum unter dem Felsen bereits voller solcher und ähnlicher ›Opfer‹ war. Eine halbe Stunde später trug man die Leiche eines meiner Träger an mein Zelt! Der vorher ganz gesunde Mann war bis an die Fälle gekommen, hatte seine Last zur Erde gleiten lassen, sich daneben gelegt und war wenige Augenblicke später tot.

Gegen das Ansehen des Geistes von Gomaïtale konnte ich nun nichts vorbringen, und man wird mir im Stillen die Schuld gegeben haben. Die Todesursache des Man-nes blieb fraglich, da nichts Auffälliges zu bemerken war. Er war anscheinend einem Herzschlag erlegen, und ein eigenartiger Zufall hatte Zeit und Ort seines Endes in Übereinstimmung mit dem Glauben der Schwarzen und den Worten des Trägerführers gebracht.«


Um die Jahreswende von 1907 auf 1908 ist Heinrich Fonck auf der Jagd nach Flußpferd und Krokodil am Rufiji südlich von Daressalam. »Diesmal wollte ich nur beobachten und überhaupt nicht schießen.« Er fand eine Flußstelle »wo eine Ansammlung von Krokodilen zu erkennen war. Hier lag irgendeine Beute tief am Grunde des Flußarmes ganz unter Wasser. – Alle paar Minuten kam ein Krokodil langsam, den Kopf fast senkrecht aus dem Wasser streckend, hoch. Unter lautem Schmatzen löste es die zwischen den Zähnen eingeklemmten Fleischstücke und Hautfetzen ab, die dann verschluckt wurden. Alles dies vollzog sich, ohne besondere Gefrä-ßigkeit erkennen zu lassen, ganz ruhig und sozusagen gemütlich. Mit welcher Spannung ich, wie selbst die see-lenruhigen Neger, diesem nie geschauten Frühstücke folgten, kann sich der Leser wohl ausmalen. Ebenso auch, was es zu bedeuten hat, wenn das Unglück einen Menschen in einer solcherweise belebten Gegend ins Wasser fallen läßt.

Die Sonne stand schon hoch, als wir uns ungern von diesem packenden Naturschauspiel trennten.

Aber ich hatte auf einmal ein ›Telegramm‹ in der Hand!

Zwei von Daressalam aus beschleunigt durch den Busch in Marsch gesetzte schwarze Eilboten hatten mich in ihrer staunenswerten Findigkeit beklagenswerterweise grade aufgestöbert, als ich beschlossen hatte, in dieser vergnüglichen Filmgegend zwei weitere, von mir bei mir beantragte und umgehend mir von mir genehmigte Ruhetage im höchster Gemütsruhe auszukosten. Sie waren großartig gelaufen und überreichten mir – in der Annahme, eine seltene Freudenbotschaft gebracht zu haben – strahlend den üblichen gespaltenen Baumast, in dessen Schlitz schön wasserdicht verpackt in schwar-zem Wachstuch ein verdächtiger barua (Brief) für mich enthalten war, den ich, durch Erfahrung gewitzigt, mit Mißtrauen entnahm und unter starkem Mißvergnügen las.

Ein sofortige Rückkehr heischender Drahtspruch war der traurige Inhalt, der mir nicht zusagen wollte. Daß man beim Gouvernement einer eventuellen Ausrede, das Telegramm nicht erhalten zu haben, da ›vermutlich‹ die Boten vom Krokodil gefressen worden seien, Glau-ben schenken würde, darauf konnte ich mich nicht ver-lassen. Zehn Jahre früher wäre das noch gegangen und ist damals auch einmal behauptet und – geglaubt wor-den. Damit war es also nichts, und es mußte geschieden sein vom köstlichen Busen der Natur am Rufiji, wo ich himmlisch allein mit meinen vierzig schwarzen Bieder-seelen sozusagen ohne Stehkragen so restlos glücklich war, wie man das eben nur in Afrika sein kann.«


Am Ruaha hat der Großwildjäger Hans Schomburgk für den Tierhändler Carl Hagenbeck Mitte 1908 einen jungen Elefanten gefangen. Dafür hat er die Mutter des Kleinen erschossen. Am 16. August 1908 beginnt Schomburgk die Reise vom Ruaha-Fluß im südlichen Teil des mittleren Deutsch Ostafrika nach Daressalam mit dem von ihm gefangenen ganz jungen Elefanten, der Jumbo getauft wird. Um schneller voranzukommen zieht die Karawane mit dem gefangenen Elefanten auf einer Barabara, eine von der deutschen Kolonialregierung angelegten Landstraße, bis Iringa, der ersten Marsch-station. In Iringa muß eine Pause eingelegt werden, weil sich der Elefant auf der harten Straßenoberfläche die Füße wund gelaufen hat. Deshalb werden ihm Schuhe aus mehreren Lagen mit Paraffin getränkter Sacklein-wand unter die Fußsohlen gelegt und mit Säcken an den Beinen befestigt.

Größtenteils in Nachtmärschen geht es dann nach Kilossa und weiter zur derzeitigen Endstation der Bahn im Landesinneren in Morogoro. Von Morogoro geht es mit der Bahn nach Daressalam. In Daressalam muß auf das Schiff nach Europa gewartet werden. In der Haupt-stadt von Deutsch Ostafrika ist der kleine Elefant eine Attraktion und bald der Liebling der Bevölkerung bei seinen täglichen Streifzügen durch die Stadt. Wegen einer nebensächlichen Schuldangelegenheit wird Schomburgk aber der Elefant gepfändet. Zur Sicherung des Pfands wird auf ein Pappschild der Kuckuck des Gerichtsvollziehers geklebt und dieses Pappschild dem Elefanten mit einer großen Schleife an den Schwanz gebunden.

Mit seinen beiden schwarzen Wärtern geht das Tier tagtäglich durch die Stadt und bildet für alle Einwohner, namentlich für die Kinder, eine Quelle der Freude und Belustigung und wird auch fotographiert. Er dient auch als Werbeträger etwa mit Papptafeln an seinen Seiten mit der Aufschrift: Heute frische Wurst und Well-fleisch.

Oft bilden sich Menschengruppen um das junge Tier und es werden ihm Leckerbissen zugesteckt. Kommen dem Elefanten bei solchen Gelegenheiten seine Wärter, die manchmal absichtlich weitergehen, aus der Sicht, so läßt er plötzlich ein ängstliches Trompeten hören, trabt ihnen nach und reibt sich dann kameradschaftlich an den glücklichen Eingeborenen.

Schließlich geht Jumbo als erster ostafrikanischer Ele-fant mit einem Tiertransport von Hagenbeck mit vielen anderen Tieren mit dem Schiff nach Europa und kommt in den von Hagenbeck angelegten Zoologischen Garten von Rom, wohin er den Elefanten verkauft hat.


Als in Deutsch Ostafrika Ende August 1908 der Groß-wildjäger Hans Schomburgk von einer monatelangen Safari zurückkommend sich mit seiner Karawane für den Einzug in Morogoro besonders vorbereitet hat, die Schwarzen mit bunten Tüchern geschmückt, einem gefangenen jungen Elefanten und Elfenbeinträgern mit etwa zwanzig Elefantenstoßzähnen voran, die Stadt er-reicht steht am Eingang der Stadt ein Mann mit einem Kasten auf drei Beinen und dreht an einer Kurbel am Kasten. „Gucken sie nicht ins Objektiv, sagen sie ihren Begleitern, sie sollen ruhig weitergehen!“

So bekommt Schomburgk, der ein begeisterter Fotograf ist, zum erstenmal eine Filmkamera zu Gesicht. Der Kameramann ist der deutsche Filmpionier Schumann.

Schumann hatte sich für das Entwickeln seiner Filme an der Küste in einem alten Araberkeller mit dicken Mau-ern eine kleine Kopieranstalt eingerichtet. Dort trifft Schomburgk Schumann wieder, um sich anzuschauen, wie so ein Kinofilm entwickelt wird. Schomburgk war bis jetzt noch nie in einem Kino gewesen, denn er lebt seit 1898 in Afrika. Der Film wird in dem Kellerraum gewässert und dann auf die Trockentrommel gespannt. Ruhig und sachlich beginnen zwei gut eingearbeitete Neger die Trommel zu drehen und dann geschieht vor Schomburgks Augen das Unglück. Die Schichten des Filmmaterials lösen sich voneinander und fliegen an die Wand. Das gedrehte Filmmaterial ist verloren. Unter einfachsten tropischen Verhältnissen Film zu entwik-keln ist undurchführbar. Schomburgk: »Das, was ich da erlebte, hätte eigentlich genügen müssen, mich für alle Zeiten von dem Ehrgeiz zu befreien, Filmaufnahmen im afrikanischen Busch zu machen.«

Mitte 1909 ist der Großwildjäger Hans Schomburgk wieder auf Elefantenjagd in Deutsch Ostafrika. Von Mahenge aus zieht die Karawane auf einer Barabara, einer von der deutschen Kolonialverwaltung angelegten Straße, zum Ulanga. In Mahenge hat Schomburgk Europäer bei der Arbeit beobachtet und gesehen, wie sie durch ihre Arbeit Werte schaffen, und ist zu der nieder-schmetternden Überzeugung gekommen, daß er als Großwildjäger nur Werte zerstört. Am 1. Oktober 1909 schießt Schomburgk am Ulanga nachts um 0 Uhr 40 im hellen Mondlicht auf freiem Feld seinen 63. und letzten Elefanten. Er hat seine neue Bestimmung gefunden und will Filme in Afrika drehen.

Zurück in Europa sieht Schomburgk zum erstenmal Kinofilme und auch in Afrika gedrehte englische und französische Filme, sogar einen handkolorierten franzö-sischen Farbfilm. Filmen in Afrika ist aber in keiner Weise mit dem Filmen in Europa vergleichbar. Die Film-pioniere in Afrika müssen deshalb teures Lehrgeld be-zahlen. Die Expedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg hat zwar 1910/11 die besten Aufnahme-geräte dabei, aber keinen ausgebildeten Kameramann, und die oberflächlich im Filmen ausgebildeten Mitglie-der der Expedition scheitern an dieser Aufgabe in der afrikanischen Wildnis.

Auch Paul Graetz hat 1911 bei seiner Afrikadurchque-rung mit einem Motorboot einen Kameramann dabei, der wird aber von einem Büffel getötet. 


Die Jagd auf den Elefanten braucht Zeit, viel Zeit, wie der Schutztruppenoffizier und Großwildjäger Heinrich Fonck feststellt. Er schreibt: »So viel Zeit fand sogar während des Aufstandes 1905/06 ein am Rufiji tätiger Herr, daß er 17 Elefanten erlegte, die ich später an Ort und Stelle nachweisen konnte. Wieviele er außerdem krank schoß, weiß man nicht. Derselbe begründete die-sen Betrieb mit der gemütvollen Erklärung: „Wenn ich sie nicht schieße, dann schießt sie ja ein anderer.“

1907 schoß ebenfalls am Rufiji ein »sogenannter Bur« 30 Elefanten in wenigen Monaten.

Im Bezirk Mahenge wurden von Europäern ebenfalls eine ganze Reihe von Elefanten erbeutet, die dem Hauptjäger, der immer unterwegs war und sich von guten Schützen helfen ließ, viele Goldmark eingebracht haben müssen. – Am Kilimandjaro war einige Jahre lang der Beschuß von Elefanten verboten. Wegen des Scha-dens, den sie dann in den Pflanzungen anrichteten, wurde die Jagd wieder gestattet, bis 1909 das neue Jagd-gesetz erfreulicherweise diese großartigen Geschöpfe Gottes wieder in Schutz nahm; einmal durch die hohe Jagdscheingebühr und dann durch die Beschränkung der Zahl der zum Abschuß freigegebenen Tiere auf zwei pro Jahr und Jagdschein. Aber wenn dieses Gesetz auch noch so gute Wirkungen zeitigt, der Elefant wird in Deutsch-Ostafrika langsam und sicher ausgerottet wer-den, denn die Bestände sind doch nicht groß genug, um auch den eingeschränkten Abschuß zu ergänzen, ge-schweige durch Mehrnachwuchs zu übertreffen.

Das immer im Preise steigende Elfenbein ist ein zu kost-barer Stoff, als daß nicht doch darauf gewildert werden kann und wird, in einem Lande, in welchem die Kon-trolle schwer ist. Als Wechselwild wird der Elefant an den Grenzen der ganz gesperrten Jagdreservate eben-falls immer leicht abgeschossen werden können.«

Diese düstere Einschätzung Heinrich Foncks über die Zukunft des Elefanten in Deutsch Ostafrika wird zu der Zeit auch von anderen deutschen Fachleuten geteilt.

Über die nun Jahrzehnte zurückliegende Herrschaft der Araber in Ostafrika schreibt Fonck aus den von ihm in seiner Zeit als Schutztruppenoffizier in der Kolonie ge-hörten Geschichten von alten Arabern:

»Wurden, so lange die Welt besteht, um an Gold, Edel-steine oder sonstige Kostbarkeiten reiche Länder blu-tige Kriege geführt, so veranlaßte die Gier nach Elfen-bein in Innerafrika zahllose Kämpfe, Greuel, Mord und Brand. Nicht nur der Elefant wurde vernichtet, wo man ihn mit Pulver und Blei erreichen konnte; nein, um des Besitzes seiner Zähne willen wurden friedliche Dörfer überfallen und ausgeraubt, die sich zur Wehr setzenden Menschen umgebracht, soweit sie nicht gefesselt den Raub selbst erst forttragen mußten und später als Skla-ven verkauft wurden. Hiervon gibt keine Chronik Kun-de. Keine Aufzeichnung, keine Urkunde wird jemals Zeugnis ablegen können, in welchem Verhältnis die Zahl der des Elfenbeins wegen geopferten Menschen-leben zu der der getöteten Elefanten steht. Wie grausige Märchen hören sich heute die Erzählungen alter Araber an, welche jene Zeiten miterlebten.«


Im Januar 1914 landet Paul von Lettow-Vorbeck in Dares-salam, der neue Kommandeur der Schutztruppe von Deutsch Ostafrika. Er hat als Offizier im Herero- und Hottentottenaufstand von 1904-1906 in Südwestafrika Erfahrung im Buschkrieg gesammelt. Als höchster Militär hat er selbstverständlich kriegerische Verwick-lungen der Kolonie zu Bedenken und vorsorgliche Maßnahmen zu ergreifen. Die einzige ernsthafte Bedro-hung für das Schutzgebiet wäre ein Krieg gegen England mit seiner Kolonie Britisch Ostafrika, die nördlich an Deutsch Ostafrika anschließt. So geht Lettow-Vorbeck noch im Januar auf Besichtigungsreise in den Nordosten der Kolonie »nach Usambara, in das reiche Gebiet der deutschen Planzungen und weiter in die Gegenden des Kilimandjaro und des Meruberges«. Er findet »in dem Gebiet von Usambara, am Kilimandjaro und am Meru-berge freiwillige Schützenkorps in Bildung«. Alle »be-reit, sich im Kriegsfalle der Schutztruppe zu unterstel-len«.

Weiter beschreibt Lettow-Vorbeck: »Von Neu-Moschi, dem Endpunkt der Usambarabahn, bestieg ich den Kilimandjaro. – An dem oberen Rand des Urwaldes, bei dem 3000 m hochgelegenen Bismarckhaus, trafen wir das Malerehepaar Ruckteschell und ihren Schweizer Freund, die, vor großen Leinwänden mit dem Malen des Kilimandjaro beschäftigt, uns dort einen kleinen Imbiß gaben. Von diesem Bismarckhügel aus hatten wir einen herrlichen Überblick über die Steppe, sahen die Grenze des deutschen Gebietes, sahen weit ins Englische hinein und sahen auch die fernen Berge an der Ugandabahn. – Meine guten Träger, die nicht so schnell unseren Maul-tieren folgen konnten, sondern mit schweren Lasten mühsam den Berg heraufkeuchten, ließen wir dann zurück und ritten mit dem Schlüssel für die Petershütte durch die kurze, grasbewachsene Steppe hinauf zum Plateau bis über 4000 m. Große Elenherden weideten dort ganz unbefangen und ohne Scheu vor Europäern, die ihnen in dieser Gegend mit der Jagd nichts anhaben durften. Auf dem Plateau herrschte gewaltige Kälte, und in der kleinen unbeheizten Petershütte, in der wir über-nachteten, war am Morgen das Waschwasser gefroren. Wir waren hoch über den Wolken und sahen unter uns das Nebelmeer wie eine leicht gewellte Schneedecke… – Ruckteschells erzählten mir von ihrem interessanten Aufstieg auf den Gipfel des Kilimandjaro, dessen Krater 2 km im Durchmesser hat, voll von Schnee und der merkwürdigsten Eisgebilde ist, und dessen Gipfel, die Kaiser-Wilhelm-Spitze, bisher nur vier Menschen er-stiegen haben. Die Schwierigkeit liegt in der dünnen Luft. Aber die Mühe hatte sich gelohnt, auch wenn sie vierzehn Tage lang hinterher an den Folgen ihrer son-nenverbrannten Gesichter schwer zu leiden hatten, nur Flüssiges, und dieses auch nur durch Makaroniröhren zu sich nehmen konnten. Sie meldeten mir voll Stolz, sie hätten auf der Kaiser-Wilhelm-Spitze zum Zeichen ihres Aufstiegs eine Steinpyramide errichtet mit einem Gipfelbuch und auf diesem Steinhaufen die deutsche Flagge befestigt, die dort von nun an ›höchster Stelle‹ auf deutschem Boden wehen soll.«

Bereits bei der Erstbesteigung des Kilimandscharo durch Hans Meyer und Ludwig Purtscheller wurde am 6. Oktober 1889 die deutsche Flagge »auf den höchsten Punkt afrikanischer und deutscher Erde« gesetzt, wie Meyer schrieb, die aber im Laufe der vielen Jahre ver-schwunden ist.

Lettow-Vorbeck: »Nach meinem Abstieg reiste ich nach Aruscha, das am Meruberge liegt, einem Krater von der Höhe des Montblanc. Mehrere deutsche Pflanzer, zum Teil ehemalige Offiziere, die ich während meines Mar-sches auf ihren Besitzungen besuchte, bestätigten mir, daß alle dortigen deutschen Ansiedler im Kriegsfalle wertvolle Mithilfe leisten würden. – Die Gefechtsübun-gen im Eingeborenenkrieg lieferte ein Bild, welches von dem unserer europäischen Besichtigungen stark ab-wich. In Aruscha marschierte bei dieser Gelegenheit die Kompagnie durch dichten Busch, das Pori, und wurde nach Eingeborenenart auf dem Marsch überfallen. Der Feind wurde dargestellt durch Merukrieger, die im vollen Kriegsschmuck mit Lanzen und ihrem Kopfputz aus Straußenfedern sich versteckt hielten und dann auf wenige Schritte mit ihrem Kriegsgeheul die Safari, die Marschkolonne überfielen. – Der Eindruck dieser ersten Besichtigungsfahrt war der, daß militärisch noch vieler-lei vorzubereiten war, wenn wir für den Kriegsfall gegen England gerüstet sein wollten. Aber es herrschte die Meinung, daß wir mit England außerordentlich günstig ständen, und daß ein Krieg, wenn er überhaupt käme, in weiter Ferne läge. – In Boma la Ngombe, einem Ort zwi-schen Moschi und Aruscha, war eine Menge alter Askari noch vom verstorbenen Oberstleutnant Johannes ange-siedelt worden. Sie trieben dort meistens Viehhandel und waren zu Wohlstand gekommen. Die Nachricht von meinem Eintreffen war mir vorausgeeilt, und die Leute erschienen vollzählig, um mich bei meiner Ankunft zu begrüßen. – Der große Viehreichtum in der Gegend von Aruscha, in der Massaisteppe und bei Kondoa-Irangi zeigte mir, daß die Tsetsefliege, dieser Hauptfeind des ostafrikanischen Viehbestands, dort verhältnismäßig selten ist. Die Tsetsefliege überträgt durch Stich Para-siten in das Blut der Tiere, die daran eingehen oder siech werden. Der Viehbestand in diesem einen Bezirk Aruscha ist weit größer als derjenige von ganz Südwest-afrika. – Auf dem Zuge durch das ›Pori‹ lernte ich zu meiner Verblüffung die Tatsache kennen, daß ein spur-loses Verschwinden selbst im Inneren Afrikas nicht leicht ist. Ich war losgezogen, ohne zu hinterlassen, welchen Weg ich nehmen würde. Da erschien plötzlich während des Marsches mitten im Pori ein Eingeborener und brachte mir Post aus Europa. Die Eingeborenen geben einander Kunde von allem, was in ihrer Nähe vor sich geht.«